Ich traue mich dann auch endlich einmal, hier etwas von mir zu posten. Ist ein kleiner OneShot geworden, hab eine Weile daran geschrieben, um es genauer zu sagen, im Juli habe ich angefangen, heute ist er nun auch endlich fertig geworden.^^ Dementsprechend passt er nicht mehr 100%ig in das Geschehen des Rollenspiels, auf welches er aufbaut, doch es hätte durchaus so sein können - oder kann so sein, wie man es eben sieht.
Am Tag seines Schulabschlusses kehrt Brendan an einen besonderen Ort zurück, um Abschied zu nehmen.
Orte, die aus den HP-Büchern bekannt sind, gehören J.K.Rowling, Figuren aus dem RS ihren Schreiberlingen, nur die Story ist meine.
So und nun genug der Vorworte, viel Spaß beim Lesen.
Oh und beinahe vergessen: *Taschentücher bereit leg*
Looking back – Going forward
Zwei Jahre.
Zwei Jahre ist es nun her, seit du gegangen bist. Zwei Jahre, in denen ich dich nicht gesehen habe, nichts von dir gehört habe, kein einziger Brief oder auch nur ein Zeichen von dir und sei es noch so klein gewesen.
Zwei Jahre, die mir wie die Unendlichkeit vorgekommen sind. Allerdings nicht die Ewigkeit, wie ich sie mit dir erlebt habe. Nein, was ich meine, kommt der Hölle viel näher als allem anderen.
Nun stehe ich hier an dem Ort, der einmal uns gehört hat. Dein Lieblingsplatz unter dem Baum, dort, wo wir so viel Zeit verbracht haben, nur wir beide, niemand, der uns störte, es gab nur uns und diesen besonderen, diesen unseren Ort.
Ich habe es vermieden, hierher zu kommen – wenn ich ehrlich bin, war ich seit dem Tag nicht mehr hier, als wir uns 'Lebe wohl' gesagt haben. Vielleicht dachte ich, dann tue es nicht so weh, dass es mir leichter fiele, zu vergessen, was war. Ziemlich dumm, ich weiß, wie könnte ich dich jemals vergessen?! Ein Ding der Unmöglichkeit, das war mir von Anfang an klar. Ich möchte dich auch gar nicht vergessen. Niemand vergisst den Menschen, den er am meisten liebt, die große Liebe, sein Schicksal... ja, so haben wir es genannt, erinnerst du dich? Schon am Tag, an dem wir uns kennen gelernt haben, da war da die Frage, wieso wir uns kennen gelernt haben, warum da diese Verbindung war, die uns miteinander verband, vom ersten Augenblick an.
Manchmal frage ich mich, ob das Schicksal da mit uns gespielt hat. Nicht einmal drei Monate hat es uns gegeben. Zugegeben, die drei schönsten Monate meines Lebens und dennoch...
Es ist nicht fair von mir, so zu denken, doch es gibt Momente, in denen ich mir wünsche, diese Zeit hätte es niemals gegeben. Nicht, weil sie nicht wundervoll war, im Gegenteil, eben weil es so unglaublich war. Jede Erinnerung daran tut weh, weil ich weiß, dass es nie wieder so sein wird. Dass ich dich in dem Moment bereits verloren habe, in dem wir zusammen gefunden haben. Ich wusste darum und habe trotzdem erlaubt, dass du mein Herz in Besitz nimmst. Und du hast es immer noch, selbst jetzt gehört es noch dir und wird es auf ewig tun.
Langsam lasse ich mich im feuchten Gras nieder, lehne mit dem Rücken an deinem Baum und stelle mir vor, du säßest neben mir, dein Kopf an meiner Schulter, unsere Hände miteinander verschlungen, wie sie es so oft waren, als du noch hier warst. Wenn ich die Augen schließe, kann ich dich vor mir sehen, meine sogar, deine Stimme zu hören, auch wenn ich weiß, dass es nur der Wind ist, der durch die Blätter über mir weht.
Hier bist du mir so nah, wie an keinem anderen Ort in Hogwarts, ich spüre deine Gegenwart und auch, wenn sie so weh tut wie tausend Nadelstiche und noch hundert Mal schlimmer, so bleibe ich doch und lasse mich gefangen nehmen von den Erinnerungen, die ich bisher immer gemieden habe.
Der Tag, an dem wir uns kennen gelernt haben, ist mir so klar vor Augen, als wäre es gestern gewesen. Wie du auf den Korridoren in mich hinein gelaufen bist. Das war das erste Mal, dass ich dich überhaupt bewusst wahrgenommen habe. Ein seltsamer Augenblick war das, als hätte jemand mit den Fäden des Schicksals gespielt und unsere plötzlich miteinander verknotet. Da war sofort etwas, auch wenn ich dieses Etwas vielleicht erst später erkannt habe.
Vermutlich erst, als ich dich in den Krankenflügel gebracht habe.
Mich schaudert bei der Erinnerung. Ich hatte wirklich Angst um dich, das Portal hatte dir übel mitgespielt. Wenn ich zu dem Zeitpunkt nicht so besorgt gewesen wäre, hätte ich sicher gelacht. Aber ich glaube, selbst heute würde ich nicht darüber lachen. Vielleicht lächeln, weil ich weiß, was darauf folgte.
In dem Moment war ich auf jeden Fall sehr erschrocken. Und ich war froh, als Madame Brimstone sagte, es sei nur eine Gehirnerschütterung. Das bedeutete aber dennoch, dass du eine Weile dort bleiben musstest, wenn auch nur ein paar Stunden.
Ich habe mich noch nie so unwohl und wohl zugleich gefühlt, glaube ich. Einerseits wollte ich dich nicht alleine lassen, weil ich das Gefühl hatte, es wäre meine Schuld – immerhin hattest du mich angesehen und deshalb nicht darauf geachtet, wohin du gingst – andererseits wollte ich diesem unangenehmen Schweigen, das sich immer wieder zwischen uns ausbreitete, entfliehen. Als ich dann doch gehen wollte, wollte ich doch nicht mehr. Schon komisch, wie zwiegespalten man sich fühlen kann.
Hattest du dieses Gefühl damals auch? Dass du mich nicht gehen lassen wolltest und mich dennoch am liebsten hinaus geworfen hättest? Ich habe dich niemals gefragt und nun habe ich dafür keine Möglichkeit mehr.
Doch andererseits – so genau will ich es gar nicht wissen, denn es würde sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite nur weh tun und alte Wunden wieder aufreißen, Wunden, die noch nicht einmal gänzlich geheilt sind und immer wieder drohen, schmerzhaft aufzubrechen, wenn ich nicht aufpasse.
Heute ist es anders, heute habe ich es darauf angelegt. Und nun sitze ich hier, wo die Erinnerungen so stark sind und mich langsam nieder reißen, in einen Abgrund, der so tief ist, dass nichts mich mehr erreicht – abgesehen von dir.
Wärst du nur hier, ich wüsste, was ich täte, dich halten, einfach in den Arm nehmen, niemals wieder los lassen.
Noch immer habe ich meine Augen geschlossen, atme tief und ruhig ein und wieder aus, nehme die Geräusche des Waldes wahr, dessen Wipfel hinter mir im Wind hin und her wehen. Höre ein leises Plätschern vom See her, offenbar genießt der Riesenkraken gerade die abendliche Sonne. Fühle das weiche Gras unter mir, die harte Rinde des Baumes an meinem Rücken.
Und ich merke etwas anderes, etwas, das für die anderen unsichtbar ist, was sie nicht spüren können, weil es nicht echt ist, nur ein Hirngespinst meinerseits. Aber ein wunderbares Hirngespinst.
Seltsam, wie real sich so etwas anfühlen kann, wenn man nur die Augen schließt und sich dem hingibt.
Ich höre deine Stimme, wie du mir leise ins Ohr flüsterst, dass du mich liebst, immer und immer wieder. Diese drei Worte, die wir uns das erste Mal in den Drei Besen in Hogsmeade gesagt hatten. Sie waren mir so leicht von den Lippen gekommen, dass ich mich tatsächlich gefragt hatte, wieso ich sie nicht schon viel eher gesagt hatte. Es waren wahre Worte und sie sind es immer noch.
Ich spüre deine Hände an meinen Wangen, wie sie sachte darüber streicheln, deine Finger, wie sie sich in meinem Haar vergraben. Es ist, als seist du wirklich hier und für einen Augenblick gebe ich mich dem Gedanken hin, halte die Augen geschlossen, fühle einen leichten Hauch, der über meine Haut weht, hauchzart wie deine Hände.
Und ich kann deine Lippen auf meinen schmecken. So wunderbar weich, zärtlich, wie sie einander umschmeicheln. Es war so schön, dich zu küssen. Eine regelrechte Sucht war es, wäre es wohl immer noch, wenn ich die Möglichkeit hätte.
Doch die habe ich nicht.
Seufzend öffne ich die Augen wieder, der Klang deiner Stimme erlischt, das Gefühl deiner Haut an meiner verschwindet, ebenso die Wärme deiner Lippen.
Ich weiß, es bringt nichts, in Traumwelten zu verweilen, denn im Grunde bleiben sie dies, unerfüllbare Träume, so auch dieser eine von dir, den ich Nacht für Nacht träume. Dass du zurück kommst...
"Brendan, kommst du? Sonst kommen wir zu spät", ruft eine Stimme vom Schlossportal herunter. Ich blicke die Ländereien hinauf und erkenne Vivi auf der obersten Stufe, die mir lächelnd zuwinkt.
"Ich bin gleich da", antworte ich und stehe langsam auf, klopfe mir den Staub vom Umhang, es wäre irgendwie unpassend, total verdreckt bei meiner Abschlussfeier aufzutauchen – auch wenn es mir persönlich vollkommen egal ist, aber bestimmte Leute wären sicher nicht sehr begeistert.
Ich drehe mich zum Baum um. Es ist fast, als müsste ich dich ein weiteres Mal gehen lassen. Diesen Baum zurück lassen als Symbol dessen, was einst zwischen uns war, welche kostbaren Augenblicke wir hier miteinander hatten.
Seltsam, wie wenig dieser Gedanke mittlerweile weh tut. Doch vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich kein zweites Mal zerbrechen kann.
Wie von selbst wandert mein Zauberstab in meine Hand, seine Spitze richtet sich auf die Rinde des Baumes, zittert leicht, bis ich den Arm wieder senke. Nein, ein Abschiedsgruß ist nicht nötig, ich habe ohnehin keine Kraft für einen weiteren, die ist schon seit Jahren verbraucht.
So stecke ich meinen Zauberstab wieder in meinen Umhang und wende mich um, entferne mich Schritt für Schritt von unserem Baum. Jeder einzelne Schritt eine Qual, doch ich gehe einfach weiter, denn wenn ich mich umdrehe, weiß ich, dass ich nicht weiter gehen kann.
Es ist ein Abschied. Mein schwerster. Von dir. Und es tut weh, wie mir die einsame Träne in meinem Augenwinkel beweist, doch ich wische sie energisch fort, ich habe bereits genug geweint.
Als ich bei Vivi ankomme, ist nichts mehr übrig von dem, der ich einmal war. Eine Maske kalter Mienen, welche ein Lächeln schon lange nicht mehr gesehen hat.
"Bist du soweit?", fragt sie und lächelt aufmunternd. Weiß sie wohl, dass ich gerade an dich gedacht habe? Womöglich, immerhin war sie eine der wenigen, die noch in irgendeiner Weise an mich heran gekommen ist. Damals zumindest noch, denn auch das hat sich geändert.
Ich nicke nur, nehme die Stufen hinauf und halte ihr die Tür auf. Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen, kann nicht widerstehen und drehe mich um.
Dort steht er noch immer. Unser Baum. Dein Baum. Wind weht durch seine Äste, macht mich glauben, die Zweige winkten mir zu. Also doch Abschied.
Mit einem lautlosen Seufzen schüttele ich den Kopf, wende mich um und gehe ins Schloss hinein. Kehre diesem Ort den Rücken zu, dir auch auf diese Weise. Unseren Ort gibt es nicht mehr, nun ist es nur noch ein Ort wie jeder andere, genauso wie es kein Wir mehr gibt, nur noch ein Du und Ich.