(es ist lustig, ich habe gerade ein Draco/Ginny Chap geschrieben, aber so ganz anders als hier *lach*... bedenke immer, diese Story war die zweite, die ich je geschrieben habe
8. Das Treffen
Flashback
Mit zitternder Hand hielt er seinen Zauberstab, der noch immer auf sein Gegenüber gerichtet war. Tränen rannen ihm über die Wangen, er merkte es kaum. In ihm war alles plötzlich zu Eis erstarrt und gleichzeitig fühlte er sich, als würde er verbrennen.
Nie wieder. Nie wieder würde er in die Augen seines Geliebten sehen und die Liebe, die Geborgenheit darin erkennen. Nie wieder würde er seine liebevolle Stimme hören, diese drei Wörter aus seinem Mund, die für ihn alles bedeuteten. Nie wieder seine Hände spüren, seine Lippen... . Draco schluchzte auf. Sein Inneres hatte sich brutal zusammen geknotet, sein ganzer Körper schien zu schreien.
Bitte, verzeih mir, mein Held...
Ein letztes Mal strich er liebevoll über das Gesicht des noch leblosen Körpers vor ihm, schmeckte ein letztes Mal Harrys Lippen, bevor er sich endgültig abwandte.
Ich habe das Richtige getan, versuchte er sich zu überzeugen, doch sein Herz sprach eine andere Sprache.
Wie lange er hier schon saß, wusste er nicht. Langsam wurde es hell. Ob Harry schon wieder wach war?
Ein Blitz durchfuhr seinen Körper, der noch immer zitternd am See lag, zusammengekauert unter dem dünnen Umhang. Es tat so weh. Er hatte den einzigen Menschen verloren, der ihm je etwas bedeutet hatte, der ihm gezeigt hatte, dass es etwas gab, das sich Liebe nannte. Der ihn liebte und ihn dazu gebracht hatte, Gefühle für eine Person zu entwickeln, von denen er niemals auch nur zu träumen gewagt hatte.
Doch jetzt stand er mit seinen Gefühlen alleine da. Allein und verzweifelt. Wie sollte es jetzt weiter gehen? Er konnte es nicht, konnte nicht ohne Harry. Doch mit ihm ging es auch nicht.
Eben in diesem Moment beschloss er, das, was Harry ihm gegeben hatte, seine Liebe, sein Vertrauen, so lange er lebte zu verwahren und in sich zu tragen. Vielleicht... eines Tages.... . Doch er wagte es nicht, davon zu träumen. Ein Traum war es gewesen, aus welchem er nun aufgewacht war. Ihre Bindung war gefährlich, für beide Seiten. Das wollte er Harry nicht antun, er wollte ihn nicht zwischen die Fronten treiben. Draco musste seinem Vater folgen, alles andere war ausgeschlossen. Wenn Harry bei ihm blieb... nein, das ging nicht.
Flashback Ende
Draco wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er gegen etwas Hartes rannte. Doch er konnte nichts entdecken. Es war, als sei er gegen eine unsichtbare Mauer gelaufen. Das Haus musste sehr gut geschützt sein, wenn es eine solche Abwehrmauer um sich herum hatte.
So komm ich nie zu Ginny.
Sie würde ihn bestimmt nicht hereinlassen, ihn, Draco Malfoy, Sohn eines Todessers. Er überlegte. Was konnte er tun? Einfach hier herumstehen würde nichts bringen, dazu war es außerdem viel zu kalt.
Patronus!, kam es ihm in den Sinn. Er würde ihr einfach einen Patronus schicken, dass er da war. Er sah zu, wie die das Einhorn, welches aus seinem Zauberstab hervorkam, die unsichtbare Wand mühelos durchschritt und durch die geschlossene Tür das Haus betrat.
* * *
„Hast du das gehört?“, fragte George. Er saß mit Ginny am Essen, als es plötzlich einen Warnton gab. Jemand musste vor ihrem Haus sein. Und es war kein Freund.
„Lassen wir ihn warten, wer immer es ist. Würden wir ihn kennen, wäre der Ton anders“, sagte Ginny, schmatzend.
„Aber -"
„Lass mich erst noch aufessen, ja?“
„Gut“, gab George schulterzuckend zurück und aß weiter. Er hatte sich noch nicht getraut, Ginny auf das Tagebuch anzusprechen, aber er hatte ihre Traurigkeit gesehen, als sie herunter gekommen war. Doch sie brauchte noch ein wenig Zeit. Wenn sie ihn brauchte, würde er für seine Schwester da sein.
Plötzlich sah er etwas Leuchtendes auf dem Flur. Es war ein Einhorn, bestehend aus reiner Magie. Er hatte noch nie gehört, dass jemand ein Einhorn als Patronus hatte. Sie waren die reinsten Wesen, die es gab.....
Da hatte auch Ginny sich umgedreht und das Einhorn erblickt. Vor Schreck fiel ihr die Gabel aus der Hand.
„Ginny? Was ist los?“ George sah sie besorgt an, doch Ginny starrte nur immer wieder auf die Patronusgestalt.
„Malfoy“, flüsterte sie kaum hörbar.
„Was, Malfoy?“
„Er ist hier.“ Mit einem Ruck stand sie auf schaute aus dem Fenster. Draußen stand ein durchgefrorener Draco Malfoy.
„Was macht der hier?“, knurrte George. „Lass ihn nicht rein!“
„Er wird schon einen Grund haben.“ Ginny ging aus der Küche und nahm die Zauber von dem Haus. Sie trat aus der Tür. Es war empfindlich kalt draußen.
„Draco?“
„Ginny... könnte… könnte ich vielleicht reinkommen? Ist ziemlich kalt hier...“ Er sah sie unbeholfen an.
„Warum?“
„Es.. geht um Harrys Nachlass. Bitte, ich muss mit dir reden, eher dich warnen.“ Er sah, dass Ginnys Gesicht bei dem Namen 'Harry' schmerzlich zuckte. Doch sie hatte sich sofort wieder gefasst
„Du willst mich warnen?“, fragte sie.
„Ja, das will ich, aber wenn es geht, würde ich das gern drinnen tun, sonst erfrieren wir hier draußen noch.“ Auch Ginny zitterte mittlerweile ziemlich.
„Äh… ja... komm herein“, sagte sie und machte eine einladende Handbewegung. Schnell folgte sie ihm und schloss die Tür.
„Danke“, murmelte er.
George kam ihnen aus der Küche entgegen.
„Draco Malfoy. Was willst du hier, Frettchen?“, sagte er kühl.
Ginny sah ihn ein wenig grimmig an und führte Draco ohne ein Wort an Fred ins Wohnzimmer, wo ein Kamin Wärme verbreitete.
„Möchtest du was trinken?“, fragte sie an Draco gewandt.
„Du bietest ihm auch noch was an?“, fragte George geschockt. „Weiß du denn nicht, wen du hier vor dir hast? Das ist Draco Malfoy, verdammt!“ George funkelte Draco böse an, welcher bisher kein weiteres Wort gesagt hatte. Er war überhaupt ungewöhnlich still, fand er. Früher hätte er sich solche Provokationen niemals gefallen lassen. Aber nun? Irgendetwas stimmte hier nicht… er beschloss, abzuwarten.
Ginny brachte einen heißen Kakao für Draco und setze sich ihm gegenüber auf das Sofa. Er sah blass aus, blässer als sonst. Aber sie hatte ihn seit Ewigkeiten nicht gesehen.
Sie sah zu ihrem Bruder und wusste, dass jetzt kein persönliches Gespräch mit Draco anzufangen war, auch wenn sie gerne mehr von ihm erfahren würde. Wie es ihm wohl ging?
Doch langsam wurde das Schweigen unangenehm.
„Also, Draco, was können wir für dich tun?“
George schaute Ginny überrascht an. Hatte sie ihn eben Draco genannt? Wie kam sie dazu? Anscheinend hatte er einiges verpasst..
„Ähm..“ Draco räusperte sich. „Wie gesagt, es geht um Harrys Hinterlassenschaften. Keine Angst, ich erhebe keinerlei Anspruch darauf.. “
„Warum solltest auch ausgerechnet DU darauf Anspruch haben?“, fauchte George ihn an.
Doch Draco fuhr ungehindert fort. „Aber meine Tante Bellatrix.“
George sprang wütend aus dem Sessel. „Wie kann diese.. diese Person es wagen, Harrys Erbe anzurühren?! Wie kommt sie überhaupt auf diese Idee?“
„Über Black. Er war sein Pate und der Cousin meiner Tante. Und da ihr beide nicht verheiratet ward…“
„Nein… wir wollten warten… bis… bis dieser schreckliche Krieg vorbei ist…“ Ginny hatte plötzlich Tränen in den Augen. Unsicher schniefte sie sie weg.
„Bellatrix“, wiederholte sie nur. Unüberhörbare Verachtung lag in ihrer Stimme. „Wie sehr ich diese Person hasse!“
„Ich auch, glaub mir, deswegen werde ich auf jeden Fall verhindern dass sie euch etwas antut.“
In dem Moment war ein leiser Wimmern zu hören.
„Ich geh schon“, sagte George.
„Ich danke dir“, gab Ginny leise zurück.
Malfoy starrte sie an. „Du.. du hast ein Kind? Von Harry?“
„Ja… von Harry.“ Schon wieder füllten sich ihre Augen mit Tränen, sie konnte nichts dagegen tun.
„Das tut mir leid, es ist nur… ich wusste ja nichts davon…“ Beschämt brach er ab. Harry Potter hatte ein Kind?
Unvermittelt zog sich etwas in ihm zusammen.
Ginny hatte ein Kind von Harry.
Der Gedanke verschlug ihm fast die Sprache.
Vielleicht hätten wir auch so glücklich werden können?, fragte er sich.
Doch nein, er wollte nicht wieder an Harry denken, nicht jetzt.
Dabei tue ich doch nichts anderes. Er seufzte innerlich auf. Ein wenig verwirrt wandte er sich wieder Ginny zu. George war immer noch nicht wieder gekommen. Besser so.
„Hat Harry so etwas wie ein Testament hinterlassen?“
„Nein. Nur sein… sein Tagebuch.“
„Sein Tagebuch?“ Draco schaute sie verblüfft an. Da war er wieder, dieser Schmerz. Er hatte nicht gewusst, dass Harry Tagbuch geschrieben hatte. Aber er wollte Ginny zuliebe nicht weiter auf das Thema eingehen.
„Oh… aber kein Testament, das ist schlecht… und da ihr nicht verheiratet ward…“
„Aber… Cathy…“ Draco wusste augenblicklich, dass Ginny von ihrer Tochter sprach, als sie in ihre Augen blickte.
„Keine Angst, Ginny, euch wird nichts passieren, versprochen. Es ist nur… gibt es irgendeine Weise, Harrys Vaterschaft nachzuweisen?“
Ginny erbleichte. Sie wusste, in der Muggelwelt gab es so etwas wie Mutterpässe und Geburtsurkunden. So etwas ähnliches gab es auch in ihrer Welt, aber in den Wirren des Krieges hatte sich keiner mehr darum gekümmert und so gab es seit einigen Jahren keinerlei Methode mehr, die Vaterschaft nachzuweisen, wenn von dem Verstorbenen kein Blut oder sonstiges Erbanalysenamterial zur Verfügung stand. Normalerweise kümmerte das keinen groß, da viele Kinder froh waren, wenn sich überhaupt noch jemand um sie kümmern konnte. Doch bei einer Erbgeschichte wie dieser war es für Ginny praktisch lebensnotwendig.
„Nein“, krächzte sie nur.
„Keine Angst“, sagte Draco und nahm sein den Arm. Wie lange war das her, dass sie zuletzt so gesessen hatten… damals am See…
Nein Draco, nicht nachdenken!, ermahnte er sich.
„Sag mal, Ginny… weißt du, ob an Harrys Erbe etwas Besonderes ist? Ich meine, Bellatrix will es sicherlich nicht wegen des Geldes, davon hat sie genug. Ich glaube, es muss etwas dabei sein, was ihr sehr wichtig ist.. etwas von Black vielleicht oder etwas in die Richtung?“, fragte er vorsichtig nach einer Weile.
„Ich… ich weiß es nicht, Draco. Die Sachen wurden alle konfisziert… auch ein Großteil des Geldes… keine Chance, da heran zu kommen…“
„Sie haben es beschlagnahmt?“, rief Draco entsetzt. „Wie können die so etwas machen? Das ist doch… verdammt!“
„Was soll ich denn machen? Ich bin langsam müde Draco, ich kann nicht mehr kämpfen.“
Draco merkte, wie ernste diese Worte gemeint waren. Es musste unheimlich schwer für Ginny sein, immer an der Seite von Harry Potter gestanden zu haben. Seine Bewunderung für diese Frau wuchs beträchtlich. Wie konnte sie nur so stark sein?
Zeit ihres Lebens hatte sie um, für und mit Harry gekämpft. Selbst nach seinem Tod fand sie keine Ruhe.
Entschlossen stand er auf. So eben hatte er einen Beschluss gefasst.
Ich werde kämpfen. Für dich, Harry.