Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

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Siria
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Beitrag von Siria »

Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend

Lýsir war verwirrt. Er blickte die Hand von Inga an und dann Ingas Gesicht. Er wußte nicht, was er tun sollte. Das auf und ab, machte ihn unsicher. Er ließ den Türknauf los und stand einfach vor ihr. Er sollte irgendetwas tun oder sagen und nicht einfach nur dort stehen.
Warum er tat, was er tat, er wußte es nicht. Vorsichtig nahm er Ingas Handgelenk, welches er vorhin so schroff ergriffen hatte. Seine Finger waren dort deutlich zu sehen. Er spürte einen Schmerz in der Brust vor Kummer darüber, dass er ihr Schmerzen zugefügt hatte.
"Wir sollten das Handgelenk kühlen." sprach er besorgt, den Blick auf dem Handgelenk ruhend.
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Beitrag von Tjeika »

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Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
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"Ja, wäre vielleicht ganz gut", murmelte Inga, den Blick nun ebenfalls auf ihr Handgelenk gerichtet.
Doch es war weniger die kleine Wunde, wenn man das überhaupt so nennen konnte, was Lýsir verursacht hatte, die ihr Interesse erweckte. Es war mehr seine Hand, die auf ihrer Haut ruhte. Ein merkwürdiges Gefühl durchströmte Inga, doch schnell schüttelte sie den Kopf. Was auch immer das jetzt nun wieder war, es spielte keine Rolle. Sie war hier nach vorne zur Tür gestürmt, weil sie sich bei Lýsir hatte entschuldigen wollen und nichts anderes.
"Mir tut es leid", flüsterte sie, als sie ihren Blick wieder hob, um den von Lýsir zu suchen.
"Ich bin zu weit gegangen", fügte sie leise hinzu.
"Hören Sie, Sir, folgendes... Es geht um meinen Teppich, der das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht hat..."

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Siria
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Beitrag von Siria »

Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend

"Nein. Nein." sprach Lýsir ruhig und blickte sie sanft an, wenn auch nicht in ihre Augen.
"Ich habe euch zu hart angepackt, das ist unverzeichlich." Er spürte ein Verlangen, Ingas nassen Wangen trocken zu wischen, doch diesem Verlangen ging er nicht nach. Es gehörte sich nicht.
Er hatte noch immer ihre Hand in seiner und als er dies bemerkte, ließ es sie vorsichtig los.
"Gehen wir an Deck, ich müßte sowieso dort oben Wache halten und möchte nicht noch mehr Ärger versursachen, als ich heute schon getan habe." er jetzt blickte er Inga direkt in die Augen. "Es tut mir wirklich leid. Niemals sollte ein Mann seine Hand gegen eine Frau richten oder sie auf irgendeine Weise verletzten. Was ich getan habe, ist unverzeilich."
Wie gerne hätte er die Situation an Deck rückgängig gemacht, der Schmerz war unermesslich, den er sich dadurch selber zugefügt hatte, nicht zu schweigen, den er Inga angetan hatte.
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Beitrag von Tjeika »

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Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
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Inga war sich wirklich nicht sicher, ob es wahrlich eine gute Idee war, jetzt mit Lýsir an Deck zu gehen. Eigentlich wollte sie nun viel lieber alleine sein. Doch andererseits hatte sie ein bisher ungekanntes Verlangen danach, Zeit mit Lýsir zu verbringen, ihn näher kennen zu lernen, zu erfahren, woher seine Wunden stammten. Und besonders diese Angelegenheit, die nun zwischen ihnen zu stehen schien, aus der Welt zu schaffen. Sie würde später immer noch genug Zeit haben, sich mit ihrer Sorge um Thyra auseinander zu setzen. Heute Abend konnte sie eh nicht mehr wirklich etwas für ihre Freundin tun. So nickte sie schließlich, wenn auch eher zögerlich und gemeinsam gingen sie an Deck des Schiffes.
Es gab einiges zu klären. Zum einen, dass er wieder angefangen hatte, zwischen Mann und Frau zu unterscheiden, was ihr so ganz und gar nicht in den Kram passte und zum anderen, dass sie beide auf ihre jeweils eigene Art und Weise zu weit gegangen waren. Letzteres wog in Ingas Augen besonders schwer.
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Beitrag von Siria »

Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend

Lýsir hatte sich den Eimer geschnappt und frisches Wasser geholt, auch einen sauberen Lappen hatte er gefunden. Er sprach kein Wort, da er nicht wußte, wie er anfangen sollte.
Als er wieder bei Inga stand, tauchte er den Lappen in das kühle Wasser. Er zögerte, er sollte nicht einfach ihr Handgelenk nehmen, auf welchem noch immer seine Fingerabdrücke zu sehen waren.
"Darf ich den Lappen um dein Handgelenk wickeln?" fragte er zaghaft, ohne sie anzublicken.
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Beitrag von Tjeika »

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Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
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Inga wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte. Zum einen war da seine Entschuldigung, von der Inga glaubte, dass Lýsir sie durchaus ernst gemeint hatte und zum anderen war da immer noch die viel zu präsente Erinnerung an seinen harten Griff um ihr Handgelenk. Zögerlich nur hob sie ihre Hand, hielt ihm wortlos ihr Handgelenk hin und ließ Lýsir nicht für eine einzige Sekunde aus den Augen. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte und so beschloss sie, dass sie ihm den Anfang überlassen würde.
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Beitrag von Siria »

Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend

Behutsam, als könnte sie jeden Augenblick zerbrechen, nahm er ihr Handgelenk und wickelte vorsichtig den Lappen drumherum.
Als er fertig war, ließ er ihr Handgelenk nicht los, sonder blickte stumm auf dieses. In seinen Gedanken war er ganz wo anders.
Er fing an zu sprechen, leise, als könnten die Worte das Geschehene wieder erwecken, was er schon so lange versuchte zu verdrängen.
"Die Narben erzählen die Geschichte der letzten 4 Jahre meines Lebens." noch immer ließ er Ingas Handgelenk nicht los, als wäre sie ein Rettungsanker.
"Jede einzelne, erzählt ein eigenes Kapitel." Nur wenigen Menschen hatte er bis her erzählt, was passiert war, die Erinnerungen schmerzten zu sehr.
"Kurz vor dem schwarzen Meer, hatten sie meine Verlobte entführt. Drei lange Jahre habe ich sie gesucht. Wurde selber gefangen genommen, habe gekämpft..." die Erinnerungen kamen wieder, das Geschrei, die Dunkelheit, das Ungewisse, die Angst. Ungewollt hielt er Ingas Handgelenk fester fest. Er schüttelte mit seinem Kopf, als könnte er seine Gedanken damit vertreiben.
"Auf dem Lande und zur See habe ich sie gesucht und dann habe ich sie gefunden." Lýsir traten Tränen in die Augen. "Angst stand in ihrem Gesicht und Schmerz. Sie war zu schwach... ich konnte sie nicht..." seine Stimme versagte, er ließ Ingas Handgelenk los und er sank auf die Knie. "Ich konnte sie nicht retten. Ich hatte sie fortgebracht in Sicherheit, aber sie war zu schwach." Er konnte nicht mehr weitersprechen. Das Gesicht seiner Verlobten war vor ihm, er würde es nie vergessen, wie sie ihn mit traurigen Augen anblickte. Sie starb in seinen Armen, mit einem schwachen lächeln auf den Lippen.
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Beitrag von Tjeika »

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07. März 768, Abend
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Etwas ratlos blickte Inga zu Lýsir, der vor ihr auf dem Boden kniete. Es gab keine Worte, die sie ihm hätte sagen können. Das, was er ihr da gerade erzählt hatte, war grausam, furchtbar. Inga wusste nur zu genau, wie es war, einen geliebten Menschen zu verlieren, war doch ihr Vater gerade erst vor wenigen Wochen gestorben. Hier, auf der Holmgard. Beinahe direkt vor ihren Augen. Doch das, was Lýsir erlebt hatte, war ungleich grausamer, furchtbarer. Und nichts, das wusste Inga, konnte jene Wunde wieder kitten. Die Narben waren ein Symbol für ihn. Ein Symbol des Schmerzes und des Verlustes. Und sie hatte es gewagt, auch nur eine davon zu berühren, wo sie so persönlich waren, wo sie von so viel Schmerz und Trauer sprachen. Langsam nur kniete sich Inga zu Lýsir auf den Boden, wusste noch immer keine Worte des Trostes, wusste, dass es jene Worte nicht gab. Für eine Sekunde zögerte sie, ehe sie vorsichtig und sehr locker, so dass Lýsir jederzeit die Möglichkeit blieb, sich zurückzuziehen, wenn es ihm unangenehm war, ihre Hand auf die Seine. Ihr Blick sprach von Mitgefühl, nicht von Mitleid, mit dem sie ihn bedachte.
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

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07. März 768, Abend

Lýsir spürte eine Hand auf seiner, jedoch nur ganz schwach. Er wußte nicht, ob es daran lag, dass diese andere Hand nur vorsichtig auf seine gelegt wurde, oder daran, dass er nicht wirklich in der Gegenwart war. Er blickte auf und nahm nun das Gesicht von Inga wahr.
Er fühlte sich erstaunlicherweise von ihr verstanden.
Lýsir drückte vorsichtig die Hand von Inga. "Ich wollte euch nicht verletzen. Als ihr die Narben berührt hattet, kamen all die Erinnerungen zurück und da wart nicht mehr ihr, da waren nur die schlimmen Erinnerungen. Ich kann nicht sagen, wie leid mir dies tut. Es schmerzt mich, zu sehen, wie ihr Angst vor mir habt." er flüsterte noch immer, ließ Inga jedoch nicht aus den Augen. Er hoffte, nie wieder ein Gesicht sehen zu müssen, welches Angst vor ihm zeigte.
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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

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Inga hatte das Bedürfnis, von hier zu verschwinden und sich in ihrer Unterkunft zu verschanzen. Es war ein recht aufdringliches Bedürfnis. Sicher, Lýsir hatte sehr gut, verdammt gut sogar, begründet, warum er so fürchterlich gehandelt hatte, wie er es nun einmal getan hatte. Doch andererseits, da konnte er noch so gute Gründe haben, wer sagte ihr, dass es nicht wieder geschah? Eher aus einem Impuls heraus zog sie ihre Hand zurück, merkte es kaum.
"Ich wünschte, ich könnte sagen, ich hätte keine Angst vor Euch", sagte sie dann ehrlich, mit zitternder Stimme und versuchte krampfhaft Lýsirs Blick standzuhalten, was sich als schwerer herausstellte, als Inga sich das vorgestellt hatte.
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