Cassios Oneshots [HP]

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Cassiopeia
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Cassios Oneshots [HP]

Beitrag von Cassiopeia »

Hallo^^
Hier werde ich nun meine angesammelten Oneshots (und vielleicht auch Songfics) zu dem Bereich Harry Potter hoch laden. Ein jeder ist in sich abgeschlossen und behandelt eigene Charaktere und Geschehnisse. Ich hoffe, der ein oder andere gefällt euch *g*.

Den Anfang macht Roter Löwe, mein Weihnachtswichtelgeschenk aus dem letzten Jahr. Gewünscht waren etwas zu Remus und einem Oc, gepaart mit etwas Romantik. Ob es mir gelungen ist? Lest selbst^^

Inhalt: Weihnachtsabend in Muggellondon: im Jahre 1981 streift ein einsamer Remus durch die Straßen und versucht, die Erinnerungen fern zu halten... aber vielleicht ist er doch nicht so einsam, wie er dachte?



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~

Roter Löwe


Einsam und ziellos streifte Remus durch die Straßen. Er kannte sich in Muggellondon nicht wirklich aus, aber um ziellos umherzustreifen brauchte er das ja auch nicht. Er wollte nur nicht still stehen. Nicht zur Ruhe kommen um bloß nicht an das zu denken, was nun bereits beinahe zwei Monate zurück lag.

Ihm wurde schlecht. Seit Stunden ging er im Zeitlupentempo durch die Stadt, die niemals schlief und versuchte, sich von der Weihnachtlichen Stimmung der Muggel tragen zu lassen, mitzuziehen und all seinen Schmerz zu vergessen, wenigstens für ein paar Minuten.
Doch es half nur bedingt, eigentlich so gut wie gar nicht. Ständig zuckte er zusammen, wenn jemand „Fröhliche Weihnachten“ schrie und ihm dabei freundlich zuwinkte. Abgesehen von den Mützen mit dem Geweih, die die Kinder so gern trugen um ihren Held Rudolf, the Red nosed Reindeer zu feiern oder ein entferntes Bellen eines Hundes. Plötzlich fiel ihm beim Überqueren eines Gullideckels ein, dass es in der Kanalisation Londons von Ratten nur so wimmelte.

Wieder zog ein schmerzhafter Stich durch sein Herz. Er beschleunigte seine Schritte, atmete hart ein und aus, bis er das Gefühl hatte, seine Lungen müssten vor Kälte erstarrt sein. Es war ein kalter Schmerz, welcher im krassen Gegensatz stand zu dem dumpfen, dröhnenden Schmerz, der von seiner Seele Besitz ergriffen hatte.

Letztes Jahr, ja, da waren sie alle gemeinsam durch Muggellondon gestreift. Hatten sich über die Verkleidungen und Dekorationen der Muggel lustig gemacht. Dann war jemand auf die Idee gekommen, in das Nobelkaufhaus Harrods zu gehen und kurz darauf hatten die vier Rumtreiber vor dem weihnachtlich beleuchteten Gebäude gestanden und waren begeistert hinein gestürmt.
Nachdem ein Aufseher sie allerdings missbilligend darauf hingewiesen hatte, sie mögen sich bitte „etwas gezügelter“ verhalten, hatten sie zwar genickt, waren dann aber lachend weiter gezogen.

Plötzlich hatte Sirius aufgekreischt und war in Richtung der Kuscheltiere verschwunden um wenige Sekunden später durch die halbe Etage „KRONE! DAS IST ES!“ zu brüllen und begeistert vor einem beinahe lebensgroßen Stofftier stand, welches sich als schwarzer Neufundländer entpuppt hatte.
Als James jedoch auf den Preis geblickt hatte, hatte er die Augen aufgerissen. „Tatze, das ist viel zu teuer! Dreihundert Pfund für einen Stoffhund?! Das ist doch Wahnsinn und dann bewegt sich das Ding noch nicht einmal! Außerdem - “, nun hatte er seine Stimme etwas gesenkt, „hat Harry doch den besten Hund, den er sich wünschen kann - dich.“ Dabei grinste er und hoffte, dass Sirius das genau so sehen würde.

Doch dieser hatte sich nicht von seiner Meinung abbringen lassen. „Erstens, mein lieber Krone, sind es nur zweihundertfünfundneunzig Pfund, was gerade Mal sechsundvierzig Galleonen, elf Sickel und elf Knut macht und zweitens bewegt er sich noch nicht, aber wozu bin ich ein Zauberer? Und drittens hat Harry so einen fast-tatzemäßigen Ersatz, wenn ich mal nicht für ihn da sein kann. Und das Beste - dieser Hund hier wird nicht müde oder ungeduldig, er braucht nichts zu Fressen und macht auch keinen Dreck. Und wenn ich dich daran erinnern darf, dass das Blackvermögen nicht gerade klein ist und mir am Tag meiner Volljährigkeit immerhin mein Pflichtteil ausgezahlt wurde, was allein schon mehr Geld ist als ich je auszugeben gedenke? Bitte, lass mir doch den Spaß und meinem Lieblingspatenkind diesen großen, flauschigen Stoffhund kaufen.“
Nach diesem Vortrag hatte James die Schultern hängen lassen und war ergeben hinter Sirius zur Kasse getrottet.

Remus bekam einen Kloß im Hals, als er an diese Szene zurück dachte. Ja, letztes Weihnachten hatte noch niemand den Schatten geahnt, der sich jedoch schon damals über sie und ihre Freundschaft ausgebreitet hatte. Was die Geburt eines unschuldigen Kindes doch alles verändern konnte.

Nun war es zu spät. Nie wieder würde Harry auf dem riesigen Stoffhund reiten können oder sich, wenn er müde wurde, in sein Fell kuscheln. Remus wusste nicht, wo das Tier nun war, aber er wusste, dass Hagrid Harry aus dem Haus gerettet hatte, ehe das Ministerium ihn finden konnte. Das Haus war komplett zerstört, hatte dieser erzählt und dabei ziemlich erschüttert ausgesehen.

Aber es war nicht nur das zerstörte Haus in Godrics Hollow, in welchem bis vor zwei Monaten noch eine glückliche Familie Potter gelebt hatte. Nein, Remus selbst kam sich vor wie eine verbrannte Ruine. Nur noch ein Schatten seiner selbst, verloren in dem Versuch mit der unerwarteten Freiheit zurecht zu kommen. Über Nacht war der Kampf gegen Voldemort sinnlos geworden, denn ebendiesen gab es nicht mehr. Aber während dieser Umstand die ganze Zaubererwelt in Erzücken und Begeisterungsjubel versetzte und viele Familien dazu brachte, endlich wieder ein friedliches Weihnachtsfest zu feiern, wollte Remus nichts weiter als sich irgendwo vergraben. Weit weg von den Menschen, dem Lärm, dem unverhofften Glück, dass ihm überall entgegen zu springen drohte, wenn er nicht aufpasste.

Wie konnten die Menschen nur glücklich sein, wenn in ihm alles schrie? Wenn er innerlich, seelisch, verblutete, sahen sie es denn nicht?

Nein. Sie gingen lachend und schwatzend an ihm vorbei und wünschten ihm „Frohe Weihnachten!“. Remus schnaubte, wie blind die Welt doch war.

Er kam an einem Pub vorbei, aus welchem ausnahmsweise keine Weihnachtsmusik dudelte und beschloss, dem flauen Gefühl in seinem Magen ein Ende zu setzen. Er zählte sein Geld ab und entschied, dass er sich ein Bier und eine Kleinigkeit zu Essen durchaus leisten konnte. Etwas nervös betrat er den kleinen Laden, die hölzerne Tür fiel mit einem leisen Klingen hinter ihm ins Schloss. Er sah sich um, es war recht dunkel und dass das Mobiliar in einem dunklen Kirschholz gehalten war, half auch nicht gerade. Aber es sah gemütlich aus, musste Remus zugeben. Einladend, irgendwie. Auf jedem Tisch stand eine kleine Kerze, an den Wänden hingen Plakate, die Remus gar nichts sagten und auf einer Bühne spielte eine Band leise begleitende Hintergrundmusik, offensichtlich machten sie gerade eine Zwischenpause bei ihren eigentlichen Auftritten.

In einer etwas abgelegenen Ecke stand ein kleiner Tisch, an welchen er sich setzte. Ein Glück saß er nicht direkt am Fenster und war so versucht, die ganze Zeit hinaus zu starren und von den vorbeigehen Leuten angestarrt zu werden, sondern an einer Seitenwand, von wo er die Bar und die Tür relativ gut sehen konnte. Auch, wenn der Krieg vorbei war, war es immer gut, die Leute, die einen umgaben, im Auge zu behalten und ihnen vorsichtshalber nicht den Rücken zuzukehren.

Er bestellte ein Brown Ale und dazu ein Schinkentoast und eine Kartoffelsuppe vorweg, um sich aufzuwärmen. Kritisch betrachtete er die Bieruntersetzer, die auf dem Tisch verstreut lagen. Auf ihnen war ein roter Löwe abgebildet, welcher das Maul weit aufgerissen hatte. Ein Stich durchfuhr ihn, als er an den Gryffindorlöwen dachte, an ihren rot-goldenen Gemeinschaftsraum, der sie all die Schuljahre über begleitet hatte.
Waren sie nicht selbst einst Löwen gewesen?
Hatten sie nicht der Welt ins Gesicht brüllen wollen, ihr kampfbereit gegenüber treten und es allen zeigen, die sich ihnen in den Weg stellten?
Ganz konkret waren damit Voldemort und seine Todesser gemeint und manchmal hatte Remus sich im Orden wirklich wie in einer Löwenherde gefühlt. Es war eine Art Zusammenhalt, die etwas Besonderes an sich hatte.
Und nun?
Nun war ihr Brüllen klanglos verhallt. Nicht sie hatten Voldemort zum Verstummen gebracht, ihr Brüllen war zum Schluss nur noch ein Flüstern gewesen.

Remus schluckte, doch seine düsteren Gedanken wurden durch einen Kellner unterbrochen, welcher ihm eine dampfende Schale vor die Nase setzte.
„Guten Appetit“, sagte er freundlich und ließ Remus wieder allein.
Dankbar sah dieser ihm hinterher, ehe er seine Aufmerksamkeit ganz der Suppe vor ihm widmete. Ein paar Minuten wärmte er seine durchgefrorenen Hände an dem warmen Porzellan, ehe er den Löffel aus der Serviette wickelte und vorsichtig in die heiße Flüssigkeit tauchte. Obwohl er noch immer keinen sonderlich großen Appetit hatte, meldete sich sein Magen bei den geschmackvollen Gerüchen um so nachdrücklicher. Vorsichtig schmeckte er mit den Lippen, ob die Kartoffelsuppe bereits Esstemperatur hatte, pustete noch ein paar Mal und probierte schließlich den ersten Löffel.

Gut, es war nicht die Küche von Hogwarts, aber es schmeckte und es regte seine Geschmacksnerven an. Langsam, wie in Zeitlupe, führte er den nächsten Löffel zum Mund. Mit jedem Schluck breitete sich ein angenehmes Gefühl der Wärme in ihm aus, die zwar die seelische Kälte nicht ganz vertreiben konnte, aber immerhin. Er fror nun nicht mehr so erbärmlich und eine schwere Ruhe breitete sich in ihm aus, die ihn zugleich ungewohnt müde machte.

Verwundert fragte er sich, wann er das letzte Mal eine Nacht durch geschlafen hatte. Es musste Monate her sein, zwei, um genau zu sein.
Nein, schalt er sich und versuchte, seine Gedanken zu bremsen, stopp. Nicht weiter Denken.
Schnell aß er noch einen Löffel und verbrannte sich beinahe die Zunge. Er löschte das Brennen mit einem Schluck Bier und hob dabei zum ersten Mal, seit er über seinem Essen saß, den Kopf.

Der Pub war beinahe leer, wie er fest stellte. Ein Blick auf die Uhr, die über der Theke hing, verriet ihm, dass es kurz vor acht war. In zehn Minuten würde die Küche schließen und die meisten Menschen saßen jetzt wohl Zuhause und genossen gefüllten Truthahn mit teurem Rotwein und Plum pudding.

Remus jedoch war mit seiner Menüwahl ganz zufrieden. Sein Blick schweifte zu einem Tisch ganz in der Nähe, an welchem eine junge Frau saß. War sie nicht bei seiner Ankunft noch in Begleitung gewesen?
Plötzlich stand sie auf und trat an ihm vorbei, als sie sich wohl auf den Weg zu den Toiletten machte und da erkannte Remus sie. Beinahe hätte er seinen Löffel fallen gelassen, als er das lange, braune Haar sah, die dunkle Brille, hinter welcher sich ebenso dunkle, aber geheimnisvolle, Augen versteckten.

Sie hat es also geschafft, dachte er erleichtert und mit einem Mal fiel ihm das Essen gar nicht mehr so schwer. Wenige Minuten später kam sie erneut an seinem Tisch vorbei und als sie mit einem flüchtigen Blick zu ihm sah, glaubte er, Erkennen in ihren Augen gelesen zu haben.
Wie war das möglich, wenn doch eigentlich bei allen Muggeln die Gedächtnisse an ein Geschehen in der Zaubererwelt gelöscht oder modifiziert wurden?

Aber sie ging weiter und setzte sich wieder an ihren Platz. Bestellte sich noch einen Wein und blieb dort sitzen. Remus fragte sich, ob sie wohl auf jemanden wartete? Vielleicht auf ihren Begleiter, der vor wenigen Minuten den Pub verlassen hatte?
Die Suppe und das Bier schmeckten mit jedem Schluck besser, wie er überrascht fest stellte. Wie lange war es her gewesen, dass ihm überhaupt etwas wieder geschmeckt hatte? Zu lange.
Er kratzte die Reste aus der kleinen Schüssel und tauschte diese gegen den Teller mit den Schinkentoasts aus. Woher er auf einmal diesen Appetit nahm, wusste er selbst nicht, aber er würde den Teufel tun, sich darüber zu beschweren.

Vielleicht lag es daran, dass sein Magen seit langem keine warme Mahlzeit bekommen hatte, die auch noch geschmeckt hatte. Vielleicht, weil dieser Ort so ganz anders war, mitten in Muggellondon und weit weg von der Zaubererwelt. Dieser Pub hatte seine eigene Magie, die Remus buchstäblich in seinen Bann gezogen hatte. Kein Schmerz, keine Trauer, keine Schuld. Hier fühlte er sich seltsam leicht, ließ alles, was mit der magischen Welt in Verbindung stand, einfach hinter sich fallen, inklusive jener Nacht des 31. Oktobers.

Nein, auch daran wollte er nun nicht denken, aber es war zu spät. Sie waren einfach immer da, zu jeder Sekunde, bei jedem Atemzug. Der Morgen des ersten November erschien wieder lebhaft vor seinem inneren Auge, er schluckte hart. Nein, er wollte das alles nicht sehen, wollte den Schmerz und den Schock, den Unglauben und den plötzlichen Hass, das Wissen, betrogen und belogen worden zu sein, nicht spüren. Nicht hier, nicht jetzt.

Schwer atmend stützte er den Kopf in seine Hände. Innerhalb einer Nacht hatte alles, was seinem bisherigen Leben einen Sinn gegeben hatte, aufgehört zu existieren.
Am nächsten Morgen hatte es keinen Voldemort mehr gegeben, gegen den man kämpfte - und auch keine Freunde, die einem zur Seite standen.

Alles, was von jener Nacht übrig geblieben war, waren dunkle Schatten unter den Augen des Werwolfes, einsame Vollmondnächte und das unausweichliche Wissen, dass es am Ende doch Voldemort und seine Anhänger gewesen waren, die schließlich das „Missetat begangen“ für sich verbuchen konnten.

Ehe das altbekannte Zittern wieder einsetzen konnte, wenn er an seine Freunde dachte, nahm er sein Bierglas und leerte es einem Zug. Langsam wurde es stickig in diesem Raum, auch hier holten ihn die Erinnerungen ein wie ein Schwarm Heuschrecken, die auf ihrem Wege alles kahl fraßen und auch vor seiner Seele nicht halt machten.
Er zog seinen Mantel über und wollte gerade an die Theke treten, um dort zu bezahlen, als ein „Entschuldigung?“ ihn zurück hielt.

Verwundert drehte er sich um und erkannte die junge, braunhaarige Frau, die noch immer allein an ihrem Tisch saß und an einem Glas Rotwein nippte.
„Ja?“ Es war nicht wirklich eine geistreiche Erwiderung, aber Remus fiel auf die Schnelle nichts ein, was er hätte anderes sagen können.

„Sind Sie… Remus Lupin?“

Er nickte. „Ja, der bin ich. Und Sie sind… Haley Young, richtig?“ Immer noch verwirrt sah er sie an und als sie nickte, wurden seine Augen groß.
„Aber wie… woher wissen Sie, wer ich bin?“, fragte er sicherheitshalber nach und trat unbewusst einen Schritt auf sie zu.

„Ich habe Sie wieder erkannt“, erklärte sie und lächelte, ehe ihr Blick ernst wurde. „Sie haben mich damals mit einem Ihrer Freunde gerettet aus dem brennenden Haus meiner Eltern, wissen Sie noch?“, fügte sie gedämpft hinzu und nun gab es für Remus keinen Zweifel mehr: es war wirklich die Person, an die er sich bei ihren Anblick erinnert hatte - aber wieso erinnerte sie sich? Hatte man sie „vergessen“?

„Ja, ich… erinnere mich“, antwortete er mit plötzlich belegter Stimme, es war, als schwebten die Geschehnisse des Vorfalls wie eine dunkle Wolke zwischen ihnen.

„Hätten Sie vielleicht Lust, sich zu setzen?“, fragte Haley freundlich. „Sie sehen aus, als könnten Sie an diesem Abend etwas Gesellschaft gebrauchen.“

Remus zögerte. Wenn er blieb, bedeutete das, er musste den Abend nicht allein verbringen, da hatte sie Recht. Aber womöglich stellte sie Fragen, auf die er keine Antworten wusste und er wusste nicht, ob er dazu heute Nacht in der Lage war.
Warum eigentlich nicht, dachte er, was kann ich schon verlieren? Zur Not weiß ich, wo die Tür ist.

So folgte er der einladenden Handbewegung Haleys und setzte sich ihr gegenüber. Kurz darauf stand auch vor ihm ein Glas Rotwein, dass er sich eigentlich nicht leisten konnte und er überlegte, was er nun sagen könnte. Sicherlich interessierte es sie, was in der Zwischenzeit geschehen war? Ihre Eltern waren vor einem halben Jahr bei einem Brand ums Leben gekommen, aber sie hatte man retten können. Er und James waren damals mitten in das magische Feuer, welches sich die Wände empor fraß, hinein appariert und hatten die beinahe ohnmächtige Haley Young aus dem Haus geholt, ehe dies gänzlich eingestürzt war. Doch nach einer Woche hatte sie niemand mehr gesehen und dieses unerwartete Zusammentreffen in einem Muggelpub überforderte ihn etwas.

„Die Nachrichten brachten etwas über eine gebannte Gefahr und dass nun endlich alle wieder sicher wären und die Behörden endlich aufatmen können. Ich nehme an, dass bezog sich auf den Krieg in Ihrer Welt, oder?“

Remus blinzelte, es war ungewohnt, wie sie von seiner Welt sprach, es verdeutlichte auf unangenehme Weise, dass sie wirklich aus zwei verschiedenen Welten stammten und sich in der Mitte getroffen hatten.

„Ja“, sagte er mit kratziger Stimme und fixierte das Weinglas in seinen Händen, an welches er sich beinahe klammerte. Er wollte nicht über das Thema reden und hoffte, sie würde nicht weiter fragen. Es tat jetzt schon zu weh auch nur daran zu denken.

„Das freut mich. Keine Angst, ich werde nicht weiter Fragen“, sagte sie, als habe sie seine Gedanken erraten, dankbar sah er auf. „Es geht mich ja auch im Grunde gar nichts an, aber ich bin froh, dass Sie den Krieg überlebt und am Ende, wie es aussieht, auch gewonnen haben.“

Remus konnte nur abwesend nicken, erlaubte es sich jedoch nicht, wieder in Erinnerungen an damals zu versinken.

Unbedacht drehte er einen der Untersetzter mit dem roten Löwen in seinen Händen. Dann stoppte er, betrachtete ihn eine Weile und steckte ihn schließlich in die Manteltasche.

„Sammeln Sie Bierdeckel oder warum haben Sie den eben eingesteckt?“, fragte Haley verwundert und lachte, ertappt wurde Remus rot.

„Nein, eigentlich nicht“, sagte er ausweichend. „Es ist nur…“ Er unterbrach sich, er wollte, konnte nicht erklären, warum er das eben getan hatte. Natürlich wusste er es, doch er war weit entfernt davon, es auch tatsächlich auszusprechen.

„Oder haben Sie vor, das Glas auch gleich mitgehen zu lassen?“

Remus musste unwillkürlich lachen, sie hatte Humor und Lachen war etwas, dass er so lange nicht mehr getan hatte, dass er beinahe vergessen hatte, dass er zu diesem Laut fähig war.
Er lauschte in sich hinein - nichts. Kein Gefühl der Reue, keine nagende Schuld, weil er augenblicklich einfach nur froh war, Begleitung zu haben anstatt um seine Freunde zu trauern. Er würde zumindest versuchen es zu genießen, wie auch immer es ausgehen mochte.

„Sind Sie oft in… naja.. diesem Teil der Stadt?“, fragte sie ihn und ihre Augen sahen ihn neugierig an. Sie schien nicht weiter auf den Krieg eingehen zu wollen oder den Grund, warum er einen Bierdeckel mit einem roten Löwen in seiner Manteltasche versteckt hatte.

„Selten“, antwortete er und schob die Gedanken an das letzte Weihnachtsfest zur Seite, zu seiner Überraschung blieb auch dieses Mal der Schmerz aus.

„Darf ich fragen, was Sie ausgerechnet heute auf unsere Seite verschlagen hat? Ich dachte, Zauberer bleiben gerne unter sich?“

Sie lächelte und etwas in Remus begann zu flattern. Es war ein warmes, schönes Gefühl, dass ihn daran erinnerte, dass er durchaus noch lebte und in diesem Leben ebenso in der Lage war, positive Gefühle zu empfinden und nicht zerfressen war von Trauer, Wut und Schmerz.
„Allein Weihnachten feiern ist nicht gerade sehr angenehm“, erklärte er ihr und hoffte, sie würde sich mit der Ausrede zufrieden geben.

Tatsächlich fragte sie nicht weiter nach. „Das kann ich verstehen. Ich hatte eigentlich geplant, das Fest mit meinem Cousin und dessen Frau zu verbringen, aber sie haben mich versetzt und nun stehe ich ohne Plan dar, wie ich die nächste Tage über die Runden bringe ohne vor Langeweile zu sterben.“

Remus musste grinsen. Ein Gedanke kam ihm, den er jedoch sogleich wieder verwarf, nein, das konnte er nicht verlangen!

Als sie jedoch erneut sprach, sah er sie hoffnungsvoll und überrascht an.

„Ich… ich meine, wenn Sie nichts dagegen haben… würden Sie die Weihnachtstage mit mir verbringen wollen? Nicht viel, und wenn es nur auf einen Kaffee ist, aber ich würde mich wirklich freuen, Sie wieder zu treffen.“

Remus wurde zu seinem eigenen Entsetzen wirklich rot und musste einige Male schlucken, ehe er über eine Antwort nachdenken konnte.

Wenn die Alternative heißt, allein in der Wohnung zu hocken und depressiv zu werden, was hast du dann zu verlieren?, fragte er sich und nickte.

„Gerne.“ Er sah ihr nun das erste Mal direkt in die Augen und entdeckte etwas in ihnen, das ihm irgendwie vertraut vorkam. Erstaunt fiel ihm auf, dass auch Moony überraschend ruhig war, wo der Werwolf in ihm sonst sofort gegen jegliche Begegnung mit Fremden aufbegehrte.
„Vielleicht hätten Sie Lust, mir Ihre Seite der Stadt zu zeigen?“, fragte er und sah sie interessiert an.

Haley grinste. „Die habe ich, wann hat man schon einmal die Gelegenheit, einem Zauberer die seine Welt zu erklären? Ich würde mich sehr freuen, Remus.“

„Ich mich auch. Haley.“

Die Art, wie sie seinen Namen ausgesprochen hatte, ließ seinen Magen nur noch heftiger flattern, er lächelte. War sein Weihnachtsfest etwa doch noch gerettet?

Eine Weile sagte niemand von ihnen ein Wort, sie schwiegen einfach, ohne, dass es unangenehm wurde.

„Darf ich dich etwas fragen?“, wollte er wissen und sah sie etwas unsicher an.

„Sicher“, entgegnete sie und blickte ihn nun seinerseits offen an.

„Was hast du damals gemacht, nachdem wir dich gerettet hatten? Weil, dass du dich an mich und das Geschehen von damals erinnern kannst, ist ungewöhnlich. Normalerweise werden die Gedächtnisse der Mug - also, der Leute verändert oder gänzlich gelöscht, sodass sie sich nicht an die Zaubererwelt erinnern können.“

Haley überlegte und trank schließlich noch einen Schluck Wein, ehe sie antwortete. „Ich bin zu meiner Großmutter geflogen, sie wohnt in Neuseeland. Ich hoffte, dort dieser verwirrenden Welt, in welche ich unerwartet gestolpert war, entkommen zu können. Es gelang mir auch, aber drei Monate nach meiner Ankunft starb Grandma und ich musste zurück. Und nun, da ich einmal von eurer Welt wusste, war es unmöglich, sie zu ignorieren.“

„Das mit deiner Großmutter tut mir leid“, entgegnete Remus entschuldigend, doch sie schüttelte nur den Kopf.

„Ist schon in Ordnung. Sie war eine alte Frau und wir verstanden uns nicht sonderlich. Aber man soll nicht schlecht über Tote reden, daher kann ich nur sagen, dass ich in gewisser Weise froh war, wieder hier zu sein. Auch, wenn das bedeutete, erneut mit alledem konfrontiert zu werden.“

Remus wusste nicht wirklich, was er daraufhin antworten sollte. Wie viel hatte sie mit bekommen, was wusste sie über den Krieg, die Toten, das Ende?
Doch er wagte es nicht, zu fragen. Zu groß war die Angst vor seiner eigenen Reaktion.

„Ich muss gestehen“, sagte sie und versuchte, einen Blick auf seine Jacke zu erhaschen, die hinter ihm über der Stuhllehne lag, „ich bin neugierig. Warum hast du den Bierdeckel eingesteckt, wenn du sie eigentlich gar nicht sammelst? Aber… ich will dir nicht zu nahe treten, falls es dir zu persönlich ist.“

Remus' Herz wurde schwer, er hätte wissen müssen, dass diese Frage kam. Und nun? Was würde er darauf antworten? Konnte er darauf eingehen, ohne die Fassung zu verlieren und ohne innerlich noch ein Stückchen mehr zu zerbrechen?

Aber als er ihr wieder in die Augen sah, wusste er es. Er konnte es. Ohne zu überlegen, wusste er, dass er ihr vertrauen konnte und dass sie ihm zuhören würde.

„Der Pub hier heißt Red Lion und hat folglich einen roten Löwen als Symbol“, begann er und sie nickte. „Meine Freunde und ich, wir waren in der Schule in ein Haus eingeteilt, wo der Löwe unser Wappentier war. Und nachdem wir unseren Abschluss gemacht hatten, hatten wir uns alle gemeinsam geschworen, wie Löwen zu kämpfen, damit die dunkle Seite die Helle nicht gänzlich verschlucken würde. Das Ende kam zwar etwas anders als geplant, aber jetzt sitze ich hier. Und als ich den Löwen auf dem Pappding sah, musste ich ihn einfach mitnehmen.“

Der rote Löwe stand in seinen Augen für alle, die im Krieg gefallen waren und dabei gekämpft hatten wie Löwen. Und er würde sie in Erinnerung behalten, solange sein eigenes Herz schlug.

„Gut, dann weiß ich, wo wir morgen hingehen“, grinste sie und als er erstaunt nach fragte, erklärte sie schmunzelnd, ihn in den Londoner Zoo zu entführen.

Schlagartig wurde seine Miene ernst. „Nein, tu das bitte nicht“, flüsterte er, erschreckt sah sie ihn an.

„Warum nicht?“, fragte sie leise und in ihrer Stimme klang Betroffenheit mit, das Wissen, etwas Falsches gesagt zu haben, obwohl sie den Grund nicht kannte.

Remus seufzte. „Es ist… eine schwierige Geschichte. Reicht es dir, wenn ich sage, dass ich mich unter Tieren nicht sonderlich wohl fühle?“

Entschuldigend nickte sie. „Natürlich. Tut mir leid.“

Er hob den Kopf und schaffte ein müdes Lächeln. „Das muss es nicht. Du konntest es ja nicht wissen.“

Es war halb elf, als ein Kellner sie höflich bat, den Pub zu verlassen, sie wollten gern schließen. Schnell bezahlten Remus und Haley ihre Rechnungen und fanden sich wenige Minuten später in der kalten Nacht wieder.
Es hatte begonnen zu schneien und als Remus die junge Frau vor sich nun ansah, fand er die Kälte plötzlich erträglich. Nein, es war nicht die Winterkälte, welche die Pfützen zu Eis gefrieren ließ. Es war die Kälte in ihm drin, die mit einem Mal weniger beklemmend und erstarrend wirkte. Er fühlte sich ein kleines Stückchen lebendiger.

„Also dann, bis morgen, Remus“, sagte sie und zog ihren Schal fester. Ihre Augen schienen freudig zu funkeln und Remus konnte nicht anders, er musste ihre Lächeln einfach erwidern.

„Bis morgen, Haley“, antwortete er und sah ihr nach, während sie im Schneewirbel zwischen den Häusern verschwand.

Noch einmal holte er den runden Bierdeckel mit dem roten Löwen darauf hervor und betrachtete ihn. Strich mit dem Zeigefinger die Konturen nach und lächelte das erste Mal, als er an seine Freunde dachte.
„Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut“, flüsterte er und disapparierte.
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Re: Cassios Oneshots [HP]

Beitrag von Tjeika »

Huhu Cas,

wow, das war mal eine wirklich sehr sehr geniale Geschichte. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen und eben gerade habe ich festgestellt, dass die Zigarette sich von alleine geraucht hat. Sogar das hab ich vergessen.
Eine wirklich wundervolle Idee. Jedoch, auch mich würde interessieren, warum sie sich noch erinnern kann. Das ist aber das Einzige, was ich hier zu "bemängeln" habe, und nicht sonderlich schlimm.
Sehr gefühlvoll geschrieben, es war interessant mal so detailliert in Remus Kopf schauen zu können! Wirklich eine sehr detailreiche Geschichte, vor allem das Suppeessen muss da erwähnt werden. Ganz wunderbar!
Ich bedanke mich vielmals, dass ich diesen schönen Oneshot habe lesen dürfen!
Großes Lob!

:knuff:
Lg Ria
"Hören Sie, Sir, folgendes... Es geht um meinen Teppich, der das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht hat..."

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Re: Cassios Oneshots [HP]

Beitrag von Cassiopeia »

Huhu :knuddel:
Wow, vielen lieben Dank :red: Mir war gar nicht bewusst, dass er derart... fesselnd ist, dass du sogar das Rauchen dabei vergisst^^.
Warum Haley sich erinnert, hat keinen sehr besonderen Grund. Vielleicht wurde sie in den Wirren wirklich einfach vergessen und man hat ihr Gedächtnis nicht verändert? Die Antwort kennt wohl nur sie..
Es freut mich total, dass er dir so gut gefallen hat :knuff:
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Einst kannte ich mich

Beitrag von Cassiopeia »

Hier mein nächster OS, dieses Mal zu meinen heimlichen Helden des ersten Krieges: Frank und Alice Longbottom.
Inhalt: Es sind nur wenige Minuten, die Alice Longbottom es schafft, dem Wahnsinn zu entkommen... Minuten, in denen sie sich erinnert an damals, als sie sich selbst noch kannte...
Eure Cas :knuff:
Einst kannte ich mich


Stille.
Ich höre nichts.
Fühle mich wie gelähmt.
Stimmen schreien
In meinem Kopf
Doch ich kann sie nicht hören.
Ketten
Schnüren sich um mein Herz.
Ich vermag sie nicht zu sprengen.
Und doch werde ich versuchen
Die Wörter zu verstehen,
All meine Kraft
Werde ich benötigen bei dem Versuch,
mein Herz zu befreien.
Und wieder atmen zu können.
Wird es mir gelingen?


Ich schlage die Augen auf, ein kränklich wirkendes Gelb schlägt mir entgegen, dass es weh tut, schnell schließe ich sie wieder. Drehe mich auf die Seite und wage einen neuen Versuch.

Grauer Fußboden, eindeutig erträglicher. Ich versuche anhand der Helligkeit in dem Raum auszumachen, wie spät es sein mag, entscheide mich schließlich für frühen Nachmittag.
Ich schlafe viel, auch am Tage, denn es gibt nichts, was ich sonst tun könnte.
Manchmal ist es wie in einem Gefängnis mit Luxus-Ausstattung, doch dann begreife ich wieder, dass dieses Gefängnis nicht dieser Raum ist, sondern in mir drin.

Manchmal kann ich denken, so wie jetzt, mich an all die letzten Jahre erinnern, an das, was war, bevor es dunkel wurde.
An Hogwarts, die Große Halle.
An eine von Slughorns Partys, wo ich Frank kennen lernte. Und mich sofort in ihn verliebte, ich muss schmunzeln, als ich daran zurück denke, doch gleichzeitig klingt etwas Wehmut mit, es dauerte ganze sechs Monate, bis ich mich traute, ihm gegenüber offen zu sein mit dem, was ich fühlte.

Zwei weitere Wochen und wir waren zusammen, ich hätte platzen können vor Glück.

Mein Blick fällt auf eine Gestalt in einem der Stühle gegenüber des Bettes, die aufgeregt in einem Buch blättert, ich muss leise seufzen. Es ist selten, dass wir unsere guten Tage so koordinieren, dass wir beide etwas davon haben.
Ich weiß nicht, wie oft der Wahnsinn ihn aus seinen Fängen entlässt, doch da ich ihm selten genug entkommen kann, nehme ich nicht an, dass es ihm öfter gelingt.

Frank.
Dann ist er wieder der Mann, den ich damals geheiratet habe, der blonde, schlaksige junge Mann, der mich einfach nur anstrahlt und in dessen Augen sich all die Liebe wieder spiegelt, die ich für ihm empfinde und die niemals in Worte zu fassen ist.

Er lacht, streicht durch seine Haare und sieht mich an wie ein Kind, dass einen Regenwurm vor dem Ertrinken gerettet hat, um sich dann wieder mit voller Hingabe seinem Buch zu widmen.
Er liebt dieses Buch, solange ich ihn kenne, liest er darin, schon zu Zeiten auf Hogwarts.
Und noch immer, nach so vielen Jahren und sicher hunderten Malen des Lesens hat er jedes Mal wieder dieses Leuchten in den Augen, als wäre es das erste Mal.

Dann lächele ich ihn an und erinnere mich an seine Witze, die er früher immer gern erzählt hat, an sein Lachen, welches mich so in den Bann zog und noch immer zieht, seine fröhliche, ungezwungene Art.

Ich weiß nicht, wie lange wir schon hier sind, man verliert jegliches Zeitgefühl in diesen Mauern, diesen weißen Betten und diesen schrecklich gelben Wänden.

Meine Gedanken wandern wieder zurück in eine Zeit, als wir noch frei waren, nicht gefangen in uns selbst.
Und unwillkürlich tauchen Bilder in mir auf, Bilder, die nie verblassen werden.

Bellatrix und Rodolphus Lestrange, mit erhobenen Zauberstäben und wirrem Gesichtsausdruck.
Flüche, die hin und her geschleudert werden.
Das zerstörte Haus von Lily und James, das Bild Sirius’ im Tagespropheten, ein Remus, der kurz vor dem Zusammenbruch steht, als er erfährt, dass er über Nacht zum letzten der einst vier Rumtreiber wurde.

Frank im Anzug auf dem Weihnachtsball, der Springbrunnen im Hof, den ich fixiere, während er mich fragt, ob ich ihn heiraten möchte.
Natürlich habe ich ja gesagt, ich würde es jedes Mal wieder tun.

Die tote Marlene McKinnon, sie war eine gute Freundin von mir gewesen, Lilys rote Haare, die in der Sonne glänzen, als wir im See baden, James, der die Augen nicht von ihr nehmen kann und plötzlich untergeht, da er einen Schritt zu weit ins Wasser gegangen ist.
Sirius, der sich halb tot lacht und prustend im Wasser liegt, Remus, dem nur ein verkrampftes Schmunzeln gelingt.

Doch auch sie musste ihrem Schicksal entgegen treten, einen Kampf, den die meisten verlieren, so auch wir.
Harry… wieder sehe ich ihn vor mir, klein und winzig, neben Neville, der gegen Harry eher plump wirkte, schon als Baby.

Angestrengt versuche ich mich zu erinnern, welches Jahr wir wohl haben.
Was ist in der Zwischenzeit alles passiert?
Leben die beiden überhaupt noch?

Panik ergreift mich, wie sie nur eine Mutter fühlen kann, die Angst hat, ihr Kind verloren zu haben, vielleicht für immer.

Frank sieht auf und kommt auf mich zu, nimmt mich in den Arm, doch ich kann nur apathisch da sitzen und meinen Oberkörper vor und zurück wippen lassen.

„Neville… sie haben ihn geholt…“, flüstere ich immer wieder wie ein Mantra, merke, wie der Wahnsinn seine eiskalten Hände wieder nach mir ausstreckt, nein, ich will mich ihm nicht ergeben, noch nicht!
Ich weiß, ich kann ihm nicht entkommen, doch ich kämpfe gegen ihn an, so lange ich noch kann.
Bis er mich ganz verschlucken wird.

„Alice Schatz, alles wird gut“, murmelt Frank an meine Halsbeuge und streichelt mir beruhigend über den Rücken, wider erwartend entspanne ich mich. Mein Atem wird ruhiger, meine Gedanken klarer, das klamme Gefühl in meiner Brust schwächer.
Ich lehne mich an ihn und bin für einen Moment wieder um Jahre zurück versetzt auf unserem grünen Sofa, wie oft haben wir so da gesessen, er hielt mich Arm und wir haben zusammen in die Flammen des Kamins geschaut und über Gott und die Welt geredet, oder einfach miteinander geschwiegen.

Wir brauchten keine Worte, um uns dem anderen mit zu teilen, ein Blick in seine Augen sagte mir alles und anders herum, eine Fähigkeit, die viele um uns herum immer wieder in Erstaunen versetzte.

Damals, als ich noch wusste, wer ich war.
Ich war nicht einfach nur Alice, ich war so viel mehr, so viel, was heute nur noch ein Schatten meiner Erinnerung zu sein scheint.
Neville.

Ich weiß, er kommt oft und auch wenn er denkt, dass ich ihn nicht erkenne, meinen Sohn würde ich selbst auf dem Sterbebett wieder erkennen, wenn der Wahnsinn mich voll und ganz in seiner Gewalt hat und mich hinüber in seine Welt zieht, für immer.

Ich überlege, wann er das letzte Mal hier war, es ist schwer, sich so etwas zu merken, Zeit spielt in diesen Räumen keine Rolle.

Wieder steigen Tränen in mir auf, ich möchte doch so gern für ihn da sein, der Gedanke, dass er praktisch ohne Eltern aufwächst, bricht mir das Herz.
So vieles, was ich ihm sagen möchte, so viele Fragen, die ich ihm beantworten möchte, so viele Ängste, die ich ihm nehmen möchte.

Doch es ist schwer, die Gedanken zu ordnen, wenn man selbst keine Kontrolle über seinen Verstand hat, ich weiß, es ist alles da, jedes einzelne Wort, doch es ist, als habe ich vergessen, wie man spricht, wie man liebt.

Erschrocken zieht Frank mich fester in eine Umarmung und ich lasse mich fallen, weiß, dass er mich auffangen wird, auch heute noch.
Er nimmt meine Hand, spielt mit meinen Fingern, die sich immer wieder ineinander verschlingen, streicht über den Ring, den er mir zur Hochzeit geschenkt hat.
Ein roter Rubin, ich hätte ihn beinahe in den Staub fallen lassen, so überrascht war ich, niemals hätte ich so etwas erwartet.

„Etwas ganz besonders für eine ganz besondere Frau“, höre ich ihn sagen, drehe mich verwundert um.

Genau das waren die Worte, die er mir damals sagte, als er mir den Ring überreichte, hoffnungsvoll sehe ich in seine blauen Augen, die mich sanft ansehen.
Was ich darin lese, lässt mich beinahe vor Glück aufschluchzen, sehsuchtsvoll küsse ich ihn, um ihm danach wieder in die Augen zu sehen.

Sie sind klar, alles, was darin zu sehen ist, ist Liebe, Liebe zu mir.

Es scheint, als habe auch er für kurze Zeit einen Weg gefunden, dem Wahnsinn den Rücken zu kehren, aus warmen, blauen Augen sieht er mich an.

„Ich liebe dich“, sage ich frei heraus, lache und weine gleichzeitig, ich bin unsagbar glücklich, doch weiß ich, dass dieses Glück nicht lange anhalten wird. Vielleicht ein paar Minuten, Stunden, wer weiß das schon.

Als Antwort küsst er mich, sanfter dieses Mal und ich schmelze in seinen Armen dahin, lasse mich zurück auf das Bett fallen.

„Auf immer und ewig“, flüstert er, als er mit dem Mund an mein Ohr kommt, dass mir ganz anders wird.

„Auf immer und ewig“, wiederhole ich unser Eheversprechen und meine es auch so.
Ich werde ihn immer lieben, egal, wie fest die kalte Faust mich in ihrem Griff hat, egal, wie viele Jahre wir noch in diesen trostlosen Mauern verbringen, bis sie uns eines Tages verschlucken.

In diesem Moment bin ich frei und genieße seine Nähe, gebe mich ihm voll und ganz hin.
Vielleicht das letzte Mal.
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Re: Cassios Oneshots [HP]

Beitrag von Tjeika »

Huhu liebe Cas,

ich muss sagen, dass es wenige schaffen, so ein trauriges Theme so hoffnungsschwer zu verarbeiten. Ich mag den Stil in diesem Oneshot besonders, weil er kurze Sätze, eher schon Stichworte zu einem ganzen, runden Moment im Leben von Alice verwebt.
Interessant finde ich den Ansatzpunkt, dass die beiden auch ihre klaren Momente haben. Und ich muss sagen, dass ich diesen Ansatzpunkt sehr schön finde, hoffte ich doch die ganzen sieben Bände durch, dass vielleicht doch irgendjemand ein Mittel findet, den beiden wieder ihr Leben zu schenken. Und dieser Oneshot zeigt, dass es zumindest eine Chance darauf gibt... irgendwie...
Ja, sehr traurig, sehr schön gefühlsbetont. Einfach nur toll!

:knuff: Ria
"Hören Sie, Sir, folgendes... Es geht um meinen Teppich, der das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht hat..."

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Re: Cassios Oneshots [HP]

Beitrag von Cassiopeia »

Huhu lieb Ria :knuddel:

Lieben, lieben Dank für dein Review! Es freut mich total, dass du den OS magst, denn er liegt mir sehr am Herzen. Die beiden sind zu Randfiguren degradiert und haben so ein hartes Los... von Neville ganz abgesehen... *schnief* :cry:
Aber ich mag die Idee auch sehr, dass sie immer mal wieder "aufwachen" und sich in solchen Momenten an alles erinnern, was war... auch, wenn es grausam sein muss.. *seufz*

Danke dir :knuff:
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A Careless Whisper

Beitrag von Cassiopeia »

Da ich gerade irgendwie in Remus-Stimmung bin und ich diesen OS zugegeben sehr mag, poste ich ihn einfach *g*.
Achtung: es sind 18 Wordseiten... trotzdem viel Spaß beim Lesen *g*
Inhalt: Es geht um Remus und Tonks und eine Beziehung, die vor allem der junge Werwolf lange Zeit nicht zulassen kann. Bis die Ereignisse sich überschlagen und er erkennen muss, dass Liebe nicht immer Schmerz bedeuten muss...

A Careless Whisper

~~~~~
Time can never mend,
The careless whispers of a good friend.
To the heart and mind,
Ignorance is kind...
There's no comfort in the truth,
Pain is all you'll find.


~~~~~
(Careless Whisper, George Michael - Wham)


Ich beobachte dich.
Du sitzt am anderen Ende des Tisches und diskutierst aufgeregt mit Alastor, worüber, kann ich nicht sagen. Ich höre euch nicht wirklich zu, ich sehe euch zu, besonders dir. Deine Gesten, die ausladend sind in dem Versuch, ihn von deiner Meinung zu überzeugen, als wolltest du sie ihm mit allen Mitteln begreiflich machen, selbst mit deinen Händen. Dein Gesicht, welches konzentriert und aufgebracht zugleich wirkt. Deine Augen, die immer wieder irritiert zu Mad-Eyes rotierendem Auge wandern und sich dann schnell einen anderen Punkt suchen. Du scheinst rastlos über sein Gesicht zu wandern, jede Mimik in dir aufzusaugen um entsprechend reagieren zu können. Deine Haare, die an ihrem Ansatz dunkellila, an den Spitzen jedoch flammend rot sind. Du bist aufgebracht, erregt, vielleicht auch zornig, ich muss beinahe lächeln.

Dann siehst du kurz an ihm vorbei und unsere Blicke treffen sich. Ich merke, wie etwas in mir beginnt zu flattern, was nicht flattern sollte und sehe schnell auf die Tischkante vor mir, als gäbe es dort ganz plötzlich etwas besonders Interessantes zu entdecken.

Etwas weiter liegt der Tagesprophet, dessen Titelbild die entkommenen Todesser aus Askaban zeigt. Der Ausbruch, welcher nun Sirius in die Schuhe geschoben wurde, löste bei diesem einen derartigen Wutanfall aus, dass ich Angst hatte, er würde das gesamte Haus aus einander nehmen. Schließlich zog er sich in das Zimmer unter dem Dach zurück, in welchem der Hippogreif „wohnt“. Es war nun schon das zweite Mal diese Woche, dass er diesen Ort wählt und ich weiß, dass eine Flasche billiger Feuerwhiskey dort auf ihn wartet, die Sturgis Podmore ihm immer mitbringt und in einem scheinbar unbeobachteten Moment übergibt. Doch ich lasse meinen Freund nicht aus den Augen.

Zu groß ist meine Angst, dass er eines Tages wirklich etwas Dummes tut. Das Leben wird zunehmend eine Qual für ihn. Er entkam aus Askaban und erhoffte sich Freiheit - und jetzt flüchtet er sich zu Seidenschnabel, der sich vermutlich genau so fühlt. Eingesperrt, die Flügel nutzlos herabhängend, die ihn so gern in die Freiheit dort draußen außerhalb dieser Mauern tragen würden.
Doch auch Sirius' Flügel sind gebrochen und hilflos muss ich ihm bei seinem stetigen Fall zusehen.
Schnell schiebe ich die Gedanken beiseite, an Sirius zu denken tut meinen Eingeweiden nicht gerade gut. Die Schuld wächst und breitet sich aus und ich kann nichts dagegen tun.

Irgendwann schließlich ist diese scheinbar endlose Sitzung doch noch zu Ende, schwerfällig erhebe ich mich. Wieder ertappe ich mich dabei, wie mein Blick den deinen sucht und auch findet, du lächelst und aus deinen vorher wütenden knallroten Haaren wird ein sanfteres rosa, was auch mich lächeln lässt.
Zumindest innerlich, auch wenn ich nicht weiß, wie viel davon nach außen hin sichtbar ist.
Mein Lachen ist vor 15 Jahren gestorben, doch du bringst mir ganz langsam das Lächeln wieder bei. Auch, wenn du es nicht weißt und wohl auch niemals wissen wirst.

Allerdings verschwindet dieses wenige Minuten später und an seine Stelle tritt etwas Kaltes, Ausdrucksloses. Auf Dumbledores Anweisung hin soll ich mich zu einer Werwolfsiedlung begeben und mich als Spion einschleusen. Es gibt Hinweise, dass eben diese ebenfalls im Namen des Dunklen Mals agieren und da ich ebenfalls ein Lykanthrop bin, sei ich folglich der einzige, der in Frage käme.
Schweren Herzens beuge ich mich dem Beschluss und ohne irgendjemandem noch in die Augen sehen zu können, verlasse ich das Zimmer um meine Sachen zusammen zu suchen. Je eher ich aufbreche, je schneller bin ich wieder da.

Als ich die Küche erneut betrete und abreisefertig gepackt habe, siehst du mich erstaunt an. Mit nüchterner Stimme erkläre ich dir, wohin ich gehe und schaffe es dabei nicht einmal, dich anzusehen.
Ich fühle mich grausam. Und zum ersten Mal merke ich, dass es nicht nur Sirius ist, um den ich mir Sorgen mache und den ich nicht allein zurück lassen möchte, doch noch ehe sich meine Gedanken zu einem Namen durchgerungen haben, bin ich schon aus der Tür und disappariert.

Die folgenden acht Wochen, drei Tage und sieben Stunden und vierzig Minuten sind der Horror. Zwanghaft versuche ich, das Leben zu leben, welches ich niemals führen wollte. Ein Ausgestoßener, irgendwo im Niemandsland. Das allein ist schon schlimm genug, doch das, was mir wirklich das Blut in den Adern gefrieren lässt, sind die Aufträge, die „von ganz oben“ kommen. Zwei Tage nach Vollmond ist das kleine Dorf in der Nähe unseres Lagers nahezu ausgelöscht. Dreißig Werwölfe hatten in jener Schicksalshaften Nacht nur die am Leben gelassen, die nun meinen Fluch teilen mussten.
Ich habe niemanden gebissen.
Konnte nur mit schreckensweiten Augen zusehen, wie die anderen ein Blutbad anrichteten und musste tatenlos dabei stehen.
Drei Wochen später verlasse ich das Rudel wieder, um nicht noch mehr Misstrauen auf mich zu ziehen. Doch ich habe Informationen, die Albus anscheinend sehr erfreuen.

Es dauert Tage, ehe ich mich wieder nach unten traue. Manchmal glaube ich, deinen besorgten Blick zu spüren, doch ich wage es nicht, mich der Illusion hinzugeben, du könntest dir Sorgen um mich machen.
Gewiss, wir verstehen uns gut, ich, der gerade die Mitte der dreißig überschritten hat und du, zwölf Jahre jünger und dabei noch so wunderbar unbeschwert und lebenslustig, dass ich mich krampfhaft daran zu erinnern versuche, wann ich mich das letzte Mal so gefühlt habe.
Beim Abendessen sitzt du unverhofft neben mir und unerklärlicher Weise führen wir ein Gespräch, welches man als anregend bezeichnen könnte. Ich ertappe mich dabei, wie ich tatsächlich etwas von dem lang vermissten, warmen Gefühl tief in mir spüre. Ein Gefühl, dass, wie mir jetzt erst klar wird, mich die Wochen bei dem Rudel hat durchhalten lassen bis zum letzten Tag.

Später treffe ich Sirius in der Küche, welcher schnell seinen Whiskey in einem Seitenfach verschwinden lässt und erschreckt bemerke ich, wie schlecht mein Freund aussieht.

„Na los, hol die Flasche wieder raus und gib mir auch etwas ab“, sage ich und versuche zu grinsen. Erstaunt sieht Sirius mich an, sagt aber nichts weiter und kurze Zeit später sitzen wir mit zwei halbgefüllten Gläsern auf der harten Küchenbank und schweigen vor uns hin.
Niemand findet wirklich die Worte, die ihm ganz offensichtlich auf der Zunge brennen.

Plötzlich sieht er auf und blickt mich beinahe belustigt, aber auch etwas neckend, an. „Ihr seid zwar wie Tag und Nacht, aber sie tut dir gut, Moony.“

Verwirrt sehe ich ihn an und werde peinlicherweise auch noch rot, als mir klar wird, dass er von dir redet. Hat er etwa meine Gedanken erraten?

„Tut mir gut?“, frage ich so unbeteiligt wie möglich und erhalte ein vielsagendes Nicken als Antwort.

„Du hast beim Essen gelacht. Das hast du nicht mehr gemacht, seit ich wieder da bin“, sagt Sirius schlicht und nimmt einen weiteren Schluck aus seinem Glas.

Schon wieder schleicht sich dieses verräterische Lächeln auf mein Gesicht, vorsichtshalber setze auch ich mein Glas wieder an die Lippen, trinke jedoch vorerst nicht. Versuche, das Flattern in mir zu ergründen, es ist ein ungewohntes Gefühl. Doch nicht unbedingt unangenehm, wie ich fest stellen muss und solange es sich durchaus angenehm anfühlt, sehe ich keine Veranlassung, mich dagegen zu wehren.

Ich sitze noch bis nach drei mit Sirius zusammen in der Küche und rede wie in alten Zeiten, doch meine Gedanken wandern immer wieder zu dir. Noch ist nicht ganz klar, wann wir uns das nächste Mal sehen, aber etwas in mir kann es kaum erwarten, dir wieder gegenüber zu stehen.

Drei Wochen später schließlich ist es soweit. Wir werden zusammen zur Beschattung eines verdächtigen Ministeriumsbeamten eingesetzt. Doch wir gehen leer aus, der Mann entpuppt sich wirklich nur als einfacher Beamter, nichts, was man als potentielle Gefahr einschätzen würde.

Es ist eine wunderbare Frühlingsnacht, als wir schließlich unter sternenklarem Himmel den Heimweg antreten. Ohne uns wirklich abgesprochen zu haben, disapparieren wir nicht, sondern genießen noch ein wenig die frische Nachtluft, vielleicht um nicht so schnell wieder seine eigenen Wege gehen zu müssen und noch zumindest für eine Weile die Nähe des anderen zu genießen.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich weiß, ich werde diese Nacht niemals vergessen.
Wir reden eine Menge, aber ich kann nicht einmal sagen, worüber. Alles, was ich weiß ist, dass wir nach zwei Stunden noch immer durch die endlose Nacht wandern und für den Moment gibt es nur uns beide und die zahllosen Sterne über uns, sonst nichts.

„Remus?“, fragst du mich schließlich und ich sehe dich an, es klingt schön, wie du meinen Namen sagst, er klingt dann so lebendig.
„Hattest du… wie war es bei den Werwölfen? Hattest du Angst?“

Überrascht sehe ich dich an, mit der Frage hatte ich, ehrlich gesagt, nicht gerechnet. Ich merke, wie das Kribbeln in meinem Bauch zu einem unangenehmen, kalten Klumpen zusammen schrumpft.

Die Frage tut dir sofort wieder leid, als du meine Reaktion bemerkst, doch ich muss nur einmal kurz schlucken, dann geht es wieder, bestimmt.

„Ich - “, setze ich an und merke, wie meine Stimme sich auf einmal kratzig anhört. „Ich würde es nicht als Angst bezeichnen. Es ist eher das Wissen, weder dort, noch hier wirklich zu Hause zu sein. Ich bin kein richtiger Mensch, aber ich verhalte mich wie einer um nicht zu dem zu werden, wie… nun ja, wie sie es sind.“

Du scheinst zu überlegen, wie und ob du weiter fragen sollst. „Wie hast du es dort ausgehalten?“

Ich hoffe, dass die Nacht meine Röte verschluckt, die sich plötzlich in meinem Gesicht ausbreitet. Ohne etwas dagegen tun zu können, muss ich grinsen, kann dich jedoch nicht dabei ansehen.

Zu meinem Entsetzen hast du mein Grinsen allerdings sehr wohl bemerkt.
„Aha! Sag bloß, du hast an jemanden gedacht?“, fragst du unschuldig und wirkst auf einmal aufgeregt und angespannt zugleich.
„An wen?“

Ungläubig höre ich mich ganz leise „An dich“ flüstern und halte erschrocken inne. Du siehst mich aus großen Augen an, dein Lächeln ist verschwunden. Ebenso wie meins.

Zwei geflüsterte Worte, die alles beinhalten, was ich fühle und die ich niemals verraten wollte, zumindest nicht so direkt.
Doch nun weißt du es und das vorherige noch so angenehme Kribbeln verwandelt sich in ein schmerzhaftes Ziehen und Pochen.

Ohne groß zu überlegen, was ich tue, disappariere ich um in der mir bekannten Hütte nahe Hogsmeade wieder aufzutauchen.

Rastlos laufe ich auf und ab. Nur, weil heute Neumond ist, heißt es nicht, dass ich weniger empfindsam für die Gefühle anderer bin. Was ich jedoch eben bei dir spürte, lässt mein Herz rasen und meinen Kopf sich drehen.
Nein, es kann nicht sein, es DARF nicht sein!
Es wäre für keinen von uns gut, wenn wir dem wirklich nachgäben. Ich habe mich noch nie als sonderlich sozial gefühlt, auch, wenn ich mir allergrößte Mühe gebe. Aber ich konnte niemals einen Menschen so nah an mich heran lassen, dass er mit einem bloßen Augenaufschlag in mein Innerstes blicken kann.
Nein, ich bin und bleibe gefährlich und dazu nicht gerade das, was man als „wohlhabend“ bezeichnen würde. So jemanden hast du nicht verdient. Nicht jemanden wie mich, der immer zerrissen ist zwischen dem Menschen Remus John Lupin und dem Monster in mir.

Irgendwann sinke ich auf dem dreckigen Fußboden und lehne mich an die harte Bretterwand. Mit einem letzten Gedanken an dich nicke ich ein.

Ich schaffe es tatsächlich bis in den Mai hinein, dir aus dem Weg zu gehen. Doch ich merke, wie du mich immer wieder ansiehst. Traurig, irgendwie.

Aber der Krieg geht weiter und somit auch die Arbeit für den Orden. Es kommt, wie es kommen muss, wir werden für einen nicht unriskanten Einsatz in ein Team eingeteilt, zusammen mit Kingsley. Diesmal steht weitaus mehr auf dem Spiel als nur Auskundschaften - dieses Mal sollen Taten folgen.
Beinahe trotzig folge ich Kingsley und werfe einen Blick auf den aufgehenden Mond, noch zwei Tage Schonfrist. So habe ich jedoch nicht mitbekommen, wie du plötzlich neben mir gehst.

„Soll das jetzt ewig so weiter gehen oder wirst du dich irgendwann dazu durch ringen können, mich wieder anzusehen?“, fragst du mich und ich stelle beinahe erschreckt fest, wie viele unterschiedliche Gefühle in deinem Satz mitklingen.
Doch mehr als mir die Worte im Kopf zurecht legen kann ich nicht, denn plötzlich werden wir angegriffen, von allen Seiten.
Hektisch versuchen wir zu dritt unsere Verteidigung soweit zu ordnen, bis es einem gelingt, seinen Patronus zum Orden zu schicken und Verstärkung anzufordern.
Etwas Schmerzhaftes trifft mich an der Schulter, doch ich schleudere weiterhin Fluch um Fluch auf die Todesser, ohne wirklich zu wissen, wie viele es sind.
Mit einem Mal geht alles sehr schnell und als ich wieder klar denken kann, befinde ich mich an einem großen, weißen Bett im St. Mungo's Hospital.

Auf einem Stuhl neben meinem Bett sitzt du und hältst meine Hand.

„Hi“, krächze ich, da ich zum einen nicht wirklich wach bin und zum anderen nicht weiß, was ich sonst sagen soll.

„Hi“, erwiderst du, beinahe schüchtern. Doch deine Augen strahlen und das ist es, was mich schließlich doch lächeln lässt.

Vorsichtig ziehst du deine Hand zurück, die meine bleibt leer auf dem Laken liegen, ein kurzer Stich durchfährt meine Brust. Ich schaffe es kaum, dich anzusehen und bringe kein weiteres Wort heraus, obwohl mir so viele auf der Zunge liegen, so vieles, was ich dir sagen möchte, doch nicht weiß, wie.

Die Tür öffnet sich und ein Heiler tritt ein mit einem schrecklich aufgesetzten Lächeln, das irgendwie nicht so recht in sein müdes und ausgelaugtes Gesicht passen will.
Drei Stunden später sitze ich wieder in der alten Küche im Grimmauldplatz, ich bin allein im Haus. Zumindest ist keiner der Ordensmitglieder da, du bist mit Kingsley ins Ministerium um alles zu Protokoll zu geben und der einzige, der mir Gesellschaft leisten könnte, wäre Sirius - doch der ist nicht wirklich ansprechbar. Ein Brief Harrys hat ihn daran erinnert, dass auch er einmal jung war und mir scheint, ihm ist nicht wirklich klar, dass dieser zweite Kampf gegen Voldemort mit unserem ersten Widerstand von vor 15 Jahren nicht zu vergleichen ist. Zur Zeit hockt er im Wohnzimmer, den Kopf im Kamin und bespricht mit Harry, wie er mit der DA, seiner ganz eigenen Kampftruppe, fertig wird. Es ist, als sei Sirius selbst wieder 21 und keine 36, bis mir schlagartig bewusst wird, dass genau hier das Problem liegt: Sirius ist noch immer 21, für ihn blieb die Zeit stehen, während sie für den Rest von uns weiter lief. Zwölf Jahre Askaban, totaler Blackout.

Eben jener Black-Out steht wenige Sekunden später direkt vor mir und verkündet mit strahlender Miene, dass sein Patensohn eben doch „genau wie James“ ist und verschwindet wieder, wohin, weiß ich nicht, es ist mir auch egal.
Schließlich stehe ich auf und mache mich ebenfalls auf den Weg ins Ministerium in der Hoffnung, Kingsley und dir vielleicht Unterstützung bieten zu können. Doch gerade, als ich die Haustür öffnen will, steht ihr beide mir gegenüber und es kommt, wie es kommen muss, irgendwie schaffen wir es, genau in einander zu laufen.
Etwas unglücklich stehen wir schließlich an die Wand gedrückt dar, mein Versuch, dich aufzufangen resultierte darin, dass sich meine Hand wie von selbst auf deine Hüfte gelegt hat. Ich weiß nicht, warum, aber keiner von uns beiden kann sich von der Stelle rühren, ich will es auch gar nicht. Das verwirrende Farbenspiel deiner Haarspitzen, die deine Aufregung verraten, beachte ich nicht weiter. Mein Blick ist einzig und allein auf deine Augen gerichtet. Selbst ihre Farbe ist undefinierbar, doch in ihnen lese ich etwas, das mich beruhigt und gleichzeitig völlig aus der Bahn wirft.
Ich weiß, ich werde dem niemals nachgeben dürfen.

Doch einen Moment später, nur ein Blinzeln, ist davon kaum noch etwas zu sehen, verlegen lösen wir uns von einander und betreten nach einander und genauestens darauf bedacht, den anderen nicht zu berühren, die Küche, wo Kingsley und Sirius bereits warten.

Doch du verabschiedest dich nur kurz und nur einen Augenblick später verlässt auch der dunkelhäutige Ministeriumsbeamte das Haus und ich bin mit meinem besten Freund allein.
Dieser sieht mich mit einem Ausdruck an, dass ich bereits danach suche, was ich falsch gemacht habe, als er aufsteht und sich etwas zu Essen holt. Mir den Rücken zu drehend, sagt er: „Tu ihr nicht weh, Moony“ und kramt weiter in einem der Schänke, verblüfft sehe ich ihn an.

Noch immer kann er mir anscheinend nicht ins Gesicht sehen, doch an seiner Stimme höre ich seine Sorge und auch Angespanntheit.

„Wie?“, bringe ich nur heraus, mein Herz beginnt wie verrückt zu klopfen und ich merke zu meiner Schande, dass ich rot werde. Alles in mir möchte am liebsten deinen Namen laut heraus schreien, doch ich halte mich zurück und warte ab, was der Herr des Hauses mir zu sagen hat.

Schließlich dreht er sich doch um, seine Augen sind seltsam dunkel und er wirkt das erste Mal seit langer Zeit wieder vollkommen klar in dem, was er sagt.

„Tonks. Wenn du es ernst meinst, dann zeige ihr das auch, wenn nicht, dann beende es, ehe es zu spät ist. Aber tue ihr nicht weh, bitte.“

Erstaunt suche ich nach Worten, während Sirius sich wieder zu mir an den Tisch setzt und sich beinahe gleichgültig über sein Essen her macht, als sei damit alles gesagt.

In mir jedoch brodelt es, mein Herz rast, mein Blut rauscht. Verdammt, er hat es also gesehen.
Ich senke ergeben den Kopf und stütze die Stirn in die Hände, ich bin noch nicht so weit! Obwohl deine Augen, deine Stimme, dein ganzes Wesen, mich scheinbar überall hin verfolgen, habe ich nicht vor, darauf einzugehen. Es würde mich, und vor allem dich, kaputt machen.

Aber als ich am nächsten Tag das Strahlen in deinen Augen sehe und erschreckt erkennen muss, dass ich dafür verantwortlich bin, kann ich nicht anders, ich muss zurück lächeln, die Schmetterlinge in meinem Bauch lassen mich ein paar Zentimeter über dem Boden schweben.

Uns verbindet nichts intimes, sexuelles. Nächtelang sitzen wir einfach nur da und reden oder schweigen mit einander. Du bringst mich dazu, über Dinge zu sprechen, die ich selbst Sirius gegenüber nicht auszusprechen wage. Doch du, du sitzt einfach da und siehst mich auf diese Art und Weise an, dass ich weiß, es ist in Ordnung. Du siehst mich nicht schief an oder belächelst mich nicht. Ziehst mich nicht auf und heuchelst kein Mitleid, du bist einfach echt und das ist es, was ich so an dir mag.
Auch du erzählst viel, es kommt mir vor als wären wir zwei Teile eines alten Buches, welches nun zusammen gesetzt wurde und endlich vollkommen, ganz ist. Und endlich all seine Geheimnisse preis geben kann, ohne, dass es zerrissen und falsch klingt.

Drei Wochen später ist alles vorbei. Zerplatzt, zertrümmert, begraben.
Sirius' Tod nimmt mir die Luft zum Atmen, die Kraft zu Sprechen und meine Schuld wächst ins Unermessliche.

Zwei Wochen lang bin ich hin und her gerissen zwischen meiner eigenen Schuld, die mich zerfrisst und dem ergebnislosen Versuch, dir zu helfen und dir eben diese Schuld auszureden. Dein Anblick zerreißt mich innerlich, wo ist die lustige, lebensfrohe Nymphadora Tonks, die ich kenne und in deren Gesellschaft ich mich so wohl fühlte?
Doch wenn ich dich nun ansehe, sehe ich einen Schatten deiner Selbst, jemand, der vor mir und sich selbst flüchtet so weit es nur geht. Was ich auch tue, ich erreiche dich nicht, dabei brauche ich dich, gerade jetzt, so verdammt sehr, dass ich schreien möchte.

Doch meine Stimme schwindet zu einem Krächzen, als ich dir gegenüber stehe. Deine Augen sind traurig, haben jeglichen Glanz verloren. Deine Haare sind stumpf, farblos geworden, dein Blick hektisch. Ich versuche immer wieder in dein Gesicht zu sehen, aber du weichst mir aus. Es ist, als würde ich dich Stückchen für Stückchen mehr verlieren.

Die Kinder steigen am Morgen des ersten September wie gewohnt in den Hogwartsexpress und dennoch ist nichts, wie es einst war. Ich bewundere Harry für seinen Kampfgeist und bin froh, dass er Hermine und Ron hat, welche ihm beistehen. Es erinnert mich an meine eigene Freundschaft mit den Jungs, doch sobald ich soweit in meinen Gedanken bin, schiebe ich sie mit aller Macht zur Seite.

Mein Herz schreit vor Schmerz, Sirius' Tod reißt eine gewaltige Leere in meine Seele, die niemand zu füllen vermag. Doch ich weiß, ich bin nicht der einzige, der leidet, ich darf jetzt nicht schwach sein. Voldemort könnte jeden Moment vor der Tür stehen, zumindest, wenn man Mad-Eye glaubt.
Aber auch ohne seinen Hang zur Paranoia bin ich mir sehr wohl bewusst, dass das Letzte, was wir jetzt tun dürfen, klein beigeben ist. Aufgeben, uns dem Schmerz hingeben. Dann hat er schon gewonnen.

Anfang Oktober halte ich es schließlich nicht mehr aus. Ich muss mit dir reden! Etwas in mir vermisst dich beinahe so schmerzhaft, wie es Sirius vermisst und das ist ein Schmerz, den ich im Moment nicht bereit bin zu tragen.
So tauche ich unverhofft im Fuchsbau auf, ich weiß, dass du oft mit Molly über deine Gedanken sprichst. Nicht selten wünschte ich, an ihrer Stelle zu sein.

Als ich dich allerdings durch das Fenster am Küchentisch sitzen sehe, zusammen gesunken und beinahe in einer apathischen Haltung, verlässt mich der Mut.
War ich es nicht, der nach meinem geflüsterten Geständnis die Flucht in der Heulenden Hütte suchte?

Was habe ich dann für eine Berechtigung, hier aufzukreuzen und dich dazu zu bringen, mit mir zu reden?
Ehe ich es mir anders überlegen kann, hat Molly mich bereits entdeckt und bittet mich herein. Besorgt sieht sie zu dir und flüstert mir etwas zu, das ich nicht verstehe, ehe sie mich allein lässt und kurz darauf aus meinem Bewusstsein verschwunden ist.

Vorsichtig wage ich einen Blick an den Küchentisch, an welchem du noch immer sitzt und dich an deine Teetasse klammerst, als sei sie der letzte Strohhalm, der dich vor dem Untergang bewahrt.

Langsam trete ich näher, möchte dich aber nicht erschrecken.
„Tonks?“, frage ich leise, du zuckst so heftig zusammen, dass du etwas Tee über deine Hand schüttest, leise fluchend stellst du mit einem Knall die Tasse hin, die durch den Schwung jedoch gänzlich umkippt und ihren Inhalt über das Tischtuch ergießt.

„Oh Gott, ich… nein…“, stammelst du und suchst hektisch, beinahe panisch, nach deinem Zauberstab.

Schnell bin ich neben dir und mit einem Schlenker meines Stabes ist das Malheur beseitigt. Ungefragt schenke ich dir neuen Tee ein und nehme mir selbst ebenfalls eine Tasse vom Abwaschbrett, keine Minute später sitze ich dir mit einem dampfenden Becher in den Händen gegenüber und sehe ich an.

Niemand von uns sagt ein Wort, mein Blick ruht einfach nur auf dir und nachdem du dich anfangs noch gewunden hast wie ein Wurm, wirst du nun von Minute zu Minute ruhiger. Erfreut stelle ich fest, dass schließlich auch deine Finger, die noch immer die Tasse umklammert halten, sich ein wenig lockern.

Ich trinke bedächtig einen Schluck, ehe ich mir die richtigen Worte zurecht gelegt habe, obwohl ich eigentlich immer noch keine Ahnung habe, was ich sagen soll.

„Es ist nicht deine Schuld“, bringe ich schließlich irgendwie hervor, die Worte haben meine Lippen verlassen ehe ich darüber nachdenken kann.

Du siehst mich nicht an, sondern vergräbst ein Gesicht in den Händen, ein leises Schluchzen deinerseits durchfährt mich wie ein Messerstich.

„Sieh mich an, Tonks“, sage ich sanft und lege meine Hand auf deine. Zitternd legst du sie auf den Tisch, dein Blick ist dermaßen verzweifelt und hoffnungslos und so verdammt Schuldgeladen, dass ich erst hart schlucken muss, ehe ich weiter sprechen kann.

„Du bist nicht Schuld an seinem Tod, okay? Wenn es einen Schuldigen gibt, dann ist es Lestrange, aber weder du, noch Harry, noch ich, noch sonst jemand hier ist daran Schuld, was passiert ist.“

Ich komme mir vor wie ein Verräter, als ich diese Worte an dich gerichtet sage und wiederhole sie in Gedanken noch mindestens zehn Mal, als muss ich mich selbst davon überzeugen, dass sie wahr sind.
Doch ich weiß, ich gebe mir selbst nicht minder die Schuld an Sirius' Tod als du. Nicht nur dich frisst es innerlich auf, nicht nur du wünschst dir, die Zeit zurück zu drehen und irgendetwas anders gemacht zu haben, um dich jetzt nicht so zerrissen fühlen zu müssen.

Doch ich weiß ebenso, würde ich mich den Gefühlen hingeben, wäre ich verloren. Es wäre zu viel. So sehr es jetzt auch an mir zehrt und nagt, es würde mich verschlingen, gäbe ich der Schuld des Überlebens Nahrung. Nein, das kann ich nicht zulassen.

Du bringst nur ein Schnaufen zustande, versuchst mit den Schultern zu zucken, die jedoch im selben Augenblick wieder anfangen zu zittern, weitere Tränen laufen deine Wangen hinab.

Ziemlich hilflos sitze ich wie angewurzelt auf meinem Platz und traue mich nicht, noch etwas zu sagen, geschweige denn, dich zu trösten.

„Ich hätte sie besiegen müssen“, flüsterst du tonlos und mein Magen krampft sich zusammen, als mir bewusst wird, dass du nicht nur den Kampf in der Mysteriumsabteilung meinst, sondern euren ganz eigenen Familienkampf innerhalb der Familie Black.
Du wolltest es deiner Tante zeigen, doch anstatt ihr zu beweisen, dass auch „muggelliebende Hufflepuffs“, wie sie dich einst nannte, kämpfen können, musstest du zusehen, wie sie deinen Cousin mit einem einzigen Spruch hinter den Schleier der Ewigkeit schickte.

„Du bist nicht Schuld“, ist alles, was ich im Moment sagen kann, vorsichtig lege ich meine Hand wieder auf die deine und du wirst wirklich etwas ruhiger, versuchst sogar ein Lächeln, was mein Herz schneller schlagen lässt.
Wie habe ich dein Lächeln vermisst!

„Lass sie nicht gewinnen, Tonks. Lass sie dir nicht auch noch das Letzte im Leben - das Leben selbst - nehmen. Du kannst sie besiegen, das weiß ich.“ Im selben Moment frage ich mich, woher all diese Worte aus mir kommen, doch ich denke gar nicht über sie nach, sie verlassen meinen Mund ohne mein Zutun und beinahe erschreckt merke ich, dass sie dich tatsächlich etwas zu trösten scheinen.

Zu meiner Verwunderung werde auch ich bei meinen eigenen Worten innerlich ruhiger, als sei das die Antwort auf eine lang vor mir her geschobene Frage.

„Oh Gott“, sagst du plötzlich und fängst wieder an zu weinen, hastig lässt du meine Hand los.

„Was hast du?“, frage ich alarmiert, habe ich etwas Falsches gesagt?

„Wie konnte ich nur“, wimmerst du und wendest dich von mir ab, siehst bestürzt auf die Tischplatte vor dir.

„Wie konntest du was?“

„Ich… ich… aber du… Freunde…“, bringst du hervor und ich erstarre, als ich begreife, was du mir sagen willst.

Meine Kehle ist wie zugeschnürt, das ist es, was ich all die Zeit vor mir her schiebe. Ich habe Sirius ein zweites Mal verloren und wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, wie lange ich mit dem Gedanken leben kann, ohne zusammen zu brechen.

Doch ich tue es nicht, erlaube es mir nicht, eben so wenig, wie ich es mir erlaube, näher über Sirius' Tod nachzudenken.

Nach endlosen Minuten siehst du mich an. „Oh Gott, es tut mir Leid, Remus. Wie konnte ich nur -“

Behutsam schüttele ich den Kopf. „Hey, ist doch gut. Ich muss mich schließlich irgendwann an den Gedanken gewöhnen“, sage ich und versuche ein Lächeln. Es war das erste Mal, dass du mich direkt angesprochen hast, wieder flattert etwas in mir, dass mich irritiert.

Als unsere Blicke sich treffen, durchfährt es mich wie ein Blitz, dass ich wohl dabei bin, mich ernsthaft in dich zu verlieben.

„Remus?“, fragst du und siehst mich verlegen, beinahe schüchtern an.

„Ja?“

„Kannst du mich in den Arm nehmen?“, bittest du leise und knetest nervös deine Hände, ich muss beinahe Lächeln über deine Worte, die doch so voller Vertrauen und langsam wieder gewonnener Zuversicht sind, dass mir ganz Warm ums Herz wird.

„Aber natürlich“, sage sich sanft, stehe auf und gehe auf dich zu. Du erhebst dich ebenfalls und zwei Sekunden später liegst du in meinen Armen, dein Kopf an meine Brust gebettet, deine Arme um meine Hüfte geschlungen. Meine Hände liegen an deinen Seiten, ich fühle mich seltsam ruhig und merke, wie auch du mit jedem Atemzug ruhiger wirst.

Schließlich lösen wir uns von einander, ist das ein Strahlen, dass ich in deinen Augen sehe?

„Sehen wir uns Mittwoch?“, fragst du hoffnungsvoll, lächelnd nicke ich.

„Ich freu mich. Und… danke“, sagte du leise und ehe ich begreife, was hier eben überhaupt geschehen ist, bist du schon aus der Tür und ich frage mich, wieso ich auf einmal nicht mehr aufhören kann zu grinsen.

Der Mittwoch kommt schnell, fast zu schnell und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich mich darauf freuen soll oder nervös werden. Schlussendlich stehe ich dir schließlich mit gemischten Gefühlen wieder gegenüber. Doch der Abend wird anstrengender als geplant, der Orden muss seine Aufgaben neu regeln und ich habe kaum eine Möglichkeit, mich mit meinen ungeklärten Gefühlen aus einander zu setzen.

In den nächsten Wochen wird es nicht besser, immer ambivalenter werden meine Gefühle, nicht mehr einzuordnen, Chaos. Ich möchte dich bei mir haben, dich trösten, brauche dich auf eine Art und Weise, die mir bisher unbekannt war - und doch ist da etwas in mir, dass mich zur Vorsicht warnt. Dass dich von mir fern hält, wieder ist es der Wolf, dem diese Stimme gehört und wieder habe ich nicht die Kraft, mich dagegen zu wehren.

Der November neigt sich bereits seinem Ende zu und ich ziehe mich immer mehr zurück. Aus meinem anfänglichen Versuch, die einst so zart aufkeimende Freundschaft wieder zu beleben, wird nun meinerseits eine Flucht vor dir und mir selbst, panisch wimmele ich dich ab, wenn du vorsichtig fragst, was denn los sei.

Manchmal frage ich mich, ob du es weißt. Du musst es wissen, doch was ist, wenn du es weißt? Ich weiß es nicht.

Ich suche deine Nähe und meide sie zugleich. Es ist schmerzhaft und beruhigend, schön und beängstigend. Ich kann nicht in deiner Nähe sein, doch wenn ich allein bin, fehlst du mir unbeschreiblich. Ich fühle mich einsamer als je zuvor.

Jetzt bin ich wirklich der Letzte der Rumtreiber. Ich kann Peter noch nicht einmal hassen für das, was er getan hat. Er versuchte, den Weg des kleinsten Widerstandes zu gehen und hat es tatsächlich immer wieder geschafft, seine Kopf aus der Schlinge zu ziehen. James und Sirius hingegen sind ihren Weg gegangen, bis zum Schluss.
Und auch ich werde diesen Weg, den wir einst als vier Freunde gemeinsam beschritten, weiter gehen als Letzter, der noch da ist. Ich gehe unseren Weg und ich weiß, dass Sirius und James an meiner Seite sind.

Weihnachten holt mich ein wie die Kälte des Schnees, den du mir zwei Tage zuvor plötzlich ins Gesicht wirfst. Es tut so verdammt gut, dich dort zu sehen, lachend, dass ich mit lachen muss und erstaunt bin, wie befreiend es sich anfühlt.

Kurze Zeit später schießen wir mit unseren Zauberstäben Schneebälle durch die Luft und ducken uns vor denen des anderen. Dabei kommen wir uns immer näher, bis ich meinen Stab runter nehme, ich will dir nicht weh tun.
Du tust dasselbe und mit einem Mal stehst du direkt vor mir und siehst mich einfach nur an. Du lächelst, mein Herz schlägt schneller, als ich dich ansehe und in deinen Augen zu versinken drohe. Am Rande nehme ich wahr, dass deine Haare sich leicht verfärben, seit wann kannst du das wieder?

Automatisch trete ich noch einen Schritt an dich heran und ohne wirklich darüber nach zu denken, was ich eigentlich im Begriff bin zu tun, beuge ich mich zu dir hinab und küsse dich.

Überraschend weich sind deine Lippen, du kommst mir entgegen und erwiderst den Kuss zaghaft, schüchtern, beinahe fragend. Ich fühle in mir nur eine unendliche Ruhe. Kein Nervenflattern, keine Schmetterlinge, die einen bis in den Himmel tragen, sondern nur das Gefühl, das Richtige getan zu haben, weil es sich so verdammt gut anfühlt, hier im Schnee zu stehen und dich zu küssen.

Doch als wir uns lösen, erkenne ich in deinen Augen eine unendliche Traurigkeit, die sich nun auch meiner bemächtigt.
Merlin, was habe ich getan?
Wir sind immer noch im Krieg, ich bin ein Werwolf. Ein Geschöpf, welches vom Ministerium als „potentiell gefährlich“ eingeordnet wurde, „außerhalb der gesellschaftlichen Normen“ lebend.
Hat so jemand das Recht, zu lieben?

Erschreckt trete ich einen Schritt zurück und bete, dass ich mir den Kuss eben nur eingebildet habe. Doch sind deine Lippen nicht leicht gerötet und geschwollen, ebenso wie meine? Woher kommt dieses Kribbeln auf ihnen, diese Wärme, die in mir aufsteigt, wenn ich dich ansehe?

Sag etwas, schreit es in mir und ich weiß nicht einmal, ob ich damit dich oder mich selbst meine.

Sag mir, dass ich mich täusche. Sag mir, dass ich dir nichts bedeute. Wir sind nur Freunde, Bekannte, nicht mehr -

„Ich liebe dich.“

Ergeben schließe ich die Augen, die Worte schießen wie Pfeile auf mich ein und bleiben schmerzhaft in meinem Herz hängen. Alte Wunden reißen wieder auf, das Blut strömt heraus und ich fühle mich so schwach wie noch nie.

Langsam schüttele ich den Kopf. „Bitte nicht“, bringe ich krampfhaft hervor und versuche, die Fassung zu bewahren.

„Bitte was nicht?“, fragst du verwirrt und siehst mich verzweifelt an.

„Liebe mich nicht, Tonks. Es ist… nicht gut für dich.“

Deine Miene ändert sich von verzweifelt zu wütend. „Nicht gut für mich? Remus, wenn jemand gut für mich die letzten Wochen war, dann warst du das! Oder war alles nur ein verdammter Witz, den ich nicht verstehe? Was ist los mit dir?“

Ich kann dir nicht in die Augen sehen, so viel Verletztheit spricht aus deiner Stimme, deiner ganzen Körperhaltung, dass ich mich vor Scham und Schmerz am liebsten irgendwo vergraben würde.

Bitte, versteh doch.

„Nein, ich… ich möchte dir nicht weh tun.“ Ich weiß, wie lächerlich diese Worte angesichts der Situation klingen, doch ich meine sie genau so! Mit mir zusammen zu sein würde bedeuten, in ständiger Gefahr zu leben, ich bin kein einfacher Umgang und damit meine ich nicht nur den Wolf. Von dem ganzen Ministeriumsregeln ganz zu schweigen… .

Nicht weh tun?!“, kreischt du beinahe, deine Haare haben ein intensives Rot angenommen, welches den Anschein erweckt, sie würden jeden Augenblick Feuer fangen.

„Es tut mir leid, es geht nicht“, krächze ich unbeholfen, wie konnte ich es nur soweit kommen lassen? Ich weiß mir keinen anderen Ausweg als zu flüchten, wieder ist die Heulende Hütte mein Ziel. Kalt und unfreundlich empfängt sie mich, leer. Sirius' Abwesenheit ist selbst hier so deutlich wie die Kälte, die durch die Ritzen zieht. Es ist grausam, ich fühle mich wie ein Fremder.

Und doch bleibe ich, rede mir ein, hier meinen verlorenen Freunden näher zu sein als sonst wo. Ich spreche einen Wärmezauber und räume das nötigste auf, halte mich irgendwie beschäftigt, bloß nicht nachdenken.
Doch ich kann es nicht vermeiden, meine Gedanken kreisen um nichts anderes als um den Kuss, um dich und um meine unvereinbaren Gefühle zu dir.

Zwei Tage bleibe ich in meiner selbst gewählten Einsamkeit, doch als ich schließlich vor dem Fuchsbau stehe, bin ich keinen Schritt weiter. Nur eines weiß ich sicher: ich werde meinen Gefühlen nicht noch einmal nach geben. Es ist zu gefährlich, ich bin zu gefährlich, zu arm zu…

Ehe ich den Gedanken zu Ende denken kann, reißt eine strahlende Molly Weasley die Tür auf und bittet mich herein, die Kinder wären auch bald am Tisch und ob ich Fleur nicht helfen könne, den Tisch zu Ende zu decken, Harry müsste sicherlich auch bald kommen.

Ja, Harry ist der einzige Grund, warum ich heute hier bin und mich der Tortur hingebe, Weihnachten mit der Familie Weasley zu feiern. Nicht, dass ich sie nicht gern mag, Molly ist eine herzensgute Frau und auch der Rest der Familie ist mir durchaus sympathisch. Doch im Moment würde ich nichts lieber tun als mich verkriechen und die nächsten Wochen niemandem unter die Augen treten.

Aber ein Versprechen bricht man nicht, auch nicht, oder erst Recht nicht, gegenüber einem Toten.
Ich hatte Sirius versprochen, für Harry da zu sein und auch, wenn ich meine Rolle als Ersatz-Pate mehr als schlecht ausgefüllt habe, sowohl jetzt als auch zu der Zeit, als er in Askaban saß, fühle ich mich zumindest verpflichtet, an einem Fest wie Weihnachten hier zu sein. Doch ich gebe zu, dass seine Anwesenheit es mir nicht gerade einfacher macht. Diese grünen Augen und die schwarzen Haare, James und Lily verfolgen mich durch jeden Raum, mit jedem Blick, den er mir schenkt.

„Remus, bist du… okay?“, fragt er mich schließlich, als ich kurz davor bin zu gehen. Er sieht mich an aus Lilys Augen und mit James' Gesicht und mein Herz schreit so laut, dass ich mich wundere, dass er es nicht zu hören scheint.

„Sicher“, presse ich heraus und weiß im selben Moment, dass er mir nicht glaubt. Doch ich zwinge mich zu einem misslungenen Lächeln und wünsche ihm viel Glück für die nächsten Schulmonate, besonders mit Snape, welcher ihn nun in Verteidigung unterrichtet.

Genau drei Stunden und siebenundzwanzig Minuten später, nachdem Molly mich herein bat, hat die kalte Nachtluft mich wieder.
Eine ganze Weile stehe ich einfach nur na, den Kopf in den Nacken gelegt und sehe hinauf zu den Sternen. Es ist bitterkalt, mühelos mache ich Sirius' Stern aus, der heute besonders hell zu leuchten scheint.

„Frohe Weihnachten, Tatze“, murmele ich und merke kaum, wie mir die ersten Tränen die Wangen hinunter laufen. Einige tropfen in meinen Schal, andere gefrieren bereits auf meiner Haut, was unangenehm ziept, doch mein Blick ist fest auf den Himmel gerichtet. Ich weiß, irgendwo dort oben warten sie auf mich. James, Lily und Sirius, die einzigen Menschen, die es außer dir und meinen Eltern bisher je geschafft haben, mir das Gefühl zu geben, jemand zu sein und nicht einfach nur irgendjemand. Jemand Besonderes.

Ich erinnere mich an die letzte Szene mit Harry wenige Minuten zuvor zurück und plötzlich begreife ich: sie verfolgen mich nicht, sie sind immer bei mir. Sie begleiten mich. Wo immer ich auch bin, sie sind bei mir, ich bin niemals allein.

Ein glückliches Lächeln legt sich auf meine Lippen, ich forme ein wortloses „Danke“ und sende es an die Sterne, ehe ich meinen Heimweg antrete. Doch ich fühle mich nun ruhig und ich weiß, am Ende wird alles gut werden. Sie haben mich nicht verlassen, sie warten nur auf mich an einem Ort, den ich von hier aus nicht erreichen kann.
Doch irgendwann werde ich zu ihnen stoßen und bis dahin werde ich mein Bestes tun, ihr Fehlen hier auf Erden zu ersetzen.

Den Rest des Dezembers und den ganzen Januar über schaffe ich es, dir aus dem Weg zu gehen. Mitte Februar schließlich wird mir bewusst, dass mein Geburtstag nicht mehr so weit entfernt ist wie gehofft und ein Gefühl der erneuten Hoffnungslosigkeit macht sich in mir breit. Ich vermisse dich schmerzhaft, doch ich weiß, ich kann nicht mit dir zusammen sein. Aber jedes Mal, wenn ich dich sehe, verkrampft sich alles in mir, wenn du mich ansiehst, bittend, flehend, verzweifelt.

Nein, so sehr es auch weh tut, ich kann nicht und ich hoffe, du wirst mich eines Tages verstehen.

Schließlich ist der zehnte März da und ich fühle mich elender als je zuvor. Zwölf verdammte Jahre war ich an diesem Tag allein und nun bin ich es wieder - allein. Ich bin fast soweit, zu dir zu apparieren, einfach nur um der Einsamkeit zu entkommen, entscheide mich dann jedoch um und bleibe im Bett liegen. Krampfhaft versuche ich wieder einzuschlafen, als es an meiner Tür klopft.

Ich ignoriere den störenden Besucher, doch als ich plötzlich deine Stimme höre, springe ich förmlich aus dem Bett. Dass ich nur Unterwäsche trage, ist mir ziemlich egal, als ich dir die Tür öffne.

Verwirrt sehe ich dich an, weiß nicht, wie ich deinen Blick deuten soll. Wut? Ärger? Freude?

„Ich kann das nicht länger, Remus“, sagst du und in mir sackt etwas ein paar Zentimeter ab. „Sieh mir ins Gesicht und sage mir, dass du mich nicht liebst.“

Ich weiche deinem Blick aus, der sich in meine Seele zu bohren scheint, sie regelrecht verbrennt.

„Ich - “

„Merlin Remus, warum tust du das? Ich sehe doch, wie es dich quält! Warum kannst du es nicht einfach zulassen?“

„Ich kann es nicht, bitte. Ich… ich würde dir weh tun, ich bin gefährlich… ich bin viel zu arm… du hast jemand besseren verdient.“

„Ich will dich Remus und niemand Besseren!“, sagst du vorwurfsvoll und wirfst die Hände in die Luft.

Ich kann aber nicht, verdammt!“

Du klappst den Mund auf und wieder zu, bringst jedoch keinen Ton hervor.

„Bitte, du solltest besser gehen - “

„Liebst du mich, Remus?“

Jetzt bin ich es, der dich aus geweiteten Augen ansieht, deine Worte hallen in mir wieder wie ein endloses Echo, sich immer lauter verstärkend, bis ich glaube, alles in mir müsste platzen.
Natürlich liebe ich dich!

Ich sehe zur Seite und schlucke, betrachte eine kleine Spinne, die sich in eine Ecke verkrümelt und schließlich in einer Fußbodenritze verschwindet.

„Remus, liebst du mich, verdammt?“, wiederholst du deine Worte, schärfer dieses Mal und als ich aufsehe und deinem Blick begegne, zucke ich beinahe zusammen. Pure Verzweiflung steht in ihnen geschrieben, du willst das hier zu Ende bringen und wirst nicht eher gehen, ehe du eine Antwort bekommen hast.

„Ich liebe dich“, bringe ich halb erstickt hervor, die Worte hören sich so falsch und doch so richtig zugleich an. Ich hole tief Luft, ehe ich weiter spreche. „Es gibt Momente in denen ich mir nichts sehnlicher wünsche, als dich in den Arm nehmen zu können, dich zu küssen, zu lieben - . Aber dann denke ich wieder daran, wer, besser gesagt was ich bin und wie mein bisheriges Leben aussah. Die Jungs, sie wurden wegen mir zu Animagi, ich habe sie dazu gebracht, das Gesetz zu brechen. Nur dadurch konnte Peter entkommen und wurde Sirius fälschlicherweise als Mörder verurteilt. Ich… ich fühle mich so verflucht schuldig. Habe ich ihnen den Tod gebracht?“

„Remus - “

„Ich weiß, diese Frage sollte ich mir nicht stellen, doch ich tue es, jeden Tag in jeder verdammten Stunde. Jedes Mal, wenn ich Harry in die Augen sehe… . Ich würde es nicht ertragen, noch jemanden so sehr in Schwierigkeiten zu bringen. Noch jemanden, den ich liebe, in den Tod zu schicken - “

„Merlin Remus, du hast sie doch nicht getötet!“

„Es fühlt sich aber so an“, wispere ich leise und schäme mich nicht meiner Tränen, die auf meine nackten Füße tropfen.

„Lass mich dir helfen, Remus“, sagst du eindringlich, doch ich schüttele nur abwehrend den Kopf.

„Bitte nicht. Es würde dich nur mit zerreißen.“

„Würde es nicht! Ich liebe - “

„Nein bitte, sprich es nicht aus. Es hat keinen Sinn. Ich bin zwölf Jahre älter als du und ich bin ein Werwolf. Mehr Gründe braucht es wohl kaum, oder? Bitte geh jetzt. Versuch mich zu vergessen.“ Mir bricht das Herz, ich kann mich nur mit letzter Kraft auf den Beinen halten. Alles in mir schreit danach, dich zurück zu halten, fest zu halten, doch du gehst. Ohne ein weiteres Wort gehst du und bist kurz nach der Türschwelle disappariert, der leise Knall hallt unangenehm laut in meinen Ohren nach.

Eine Ewigkeit, so kommt es mir vor, starre ich gedankenverloren auf den Punkt, an welchem du verschwunden bist. Schlussendlich besinne ich mich darauf, die Tür zu schließen und mich wieder ins Bett zu verkriechen. Am liebste würde ich mich in Luft auflösen, stattdessen wühle ich mich in meine Decke, umklammere mein Kissen und warte darauf, dass der Schmerz vergeht, der sich immer tiefer frisst und unendlich laut deinen Namen schreit.

Mitte April bin ich endlich soweit, mich einem weiteren Ordenstreffen zu stellen. Immer wieder wandert mein Blick zu dir, doch als du mich später am Treppenaufgang abfängst, weise ich dich ab. Obwohl mein Herz blutet, muss ich es tun, rede mir ein, es sei besser für mich, für uns.

Selbst Molly versucht mir ins Gewissen zu reden, doch ich bleibe stur, zu groß ist meine Angst, erneut verletzt zu werden. Wieder jemanden zu verlieren, der einem mehr als das Leben bedeutet und genau das empfinde ich für dich. Ich liebe dich, doch ebendiese Liebe würde uns zerstören und ich möchte dir nicht weh tun.

„Aber du tust mir weh, verdammt!“, versuchst du es ein weiteres Mal, auch dieses Mal wehre ich ab. Ich bin einfach nicht bereit dazu, habe Angst vor der Nähe, wirst du mich immer noch lieben, wenn du hinter meine Maske geblickt hast? Wenn du den wahren Remus John Lupin kennen lernst? Nicht nur den Menschen, der ich nach außen hin so gut wie möglich vorgebe zu sein, sondern auch das Tier in mir, das Monster, die Bestie?
Was wirst du dann sagen?

Ich möchte es nicht wissen. Die Angst vor der Zurückweisung ist zu groß, zu schmerzvoll, als dass ich das Risiko eingehen kann, es von jener Person zu erfahren, der mein Herz gehört.

„Ich verstehe dich nicht“, sagt Molly Anfang Mai zu mir, genervt rolle ich mit den Augen. „Das Mädchen liebt dich und du liebst sie, warum macht ihr es euch so schwer? Glaubst du wirklich, es stört sie, dass du ein Werwolf bist? Dann hätte sie inzwischen genug Gelegenheit gehabt, dir das zu beweisen, glaube mir.“

Ich zucke nur mit den Schultern und beeile mich aus dem Raum zu kommen. Ich weiß nicht warum, aber jegliche Diskussion über dich macht mich in letzter Zeit einfach nur unglaublich wütend und frustriert. Jeder scheint es besser zu wissen, sie alle wollen mir sagen, ich solle dem nachgeben, sagt Dumbledore nicht auch immer, die Liebe sei die stärkste Kraft, die es gibt?

Die Wochen rauschen an mir vorbei wie ein einziger Flügelschlag. Er nimmt mich mit in seinem Sog und ich kann mich dem nicht entziehen, schleudert mich hinein in einen Sumpf aus Chaos, Krieg und Angst, dass mir ganz schwindelig wird. Ehe ich mich versehe ist Juni und ich finde mich an Bills Krankenbett wieder.

Selbst hier geben sie nicht auf. Als Fleur ihren Verlobten küsst und ihm stürmisch ihre Liebe bekundet, obwohl er von Greyback gebissen wurde, wendet sich Molly wieder entrüstet an mich.
Ich kann dich dabei nicht einmal ansehen, obwohl du die ganze Zeit versuchst, mir klar zu machen, dass du ebenso denkst wie Fleur, dass der Wolf in mir dir nichts ausmacht. Doch ich höre dich nicht, will dich nicht hören, will es nicht verstehen aus Angst, mich am Ende doch geirrt zu haben.

Aber in wem wir uns alle geirrt haben, war Snape. Er ist auf der Flucht, der Orden zerrüttet und Dumbledore ist tot.
Entsetzt und gelähmt beschreibt das Gefühl in meinem Inneren wohl am besten.
Eine grausame Leere macht sich in mir breit, mir scheint alles aus den Händen zu gleiten und ich habe das dringende Bedürfnis, mich irgendwo fest zu halten.
An dir?

Ich sehe dich an und des erste Mal seit langem halte ich deinem Blick stand. Irgendwie schaffst du es zu lächeln und ich kann nicht anders, ich muss es einfach erwidern. Deine Augen strahlen, nicht nur vor Liebe, sondern auch vor Unsicherheit.

Doch ich habe in diesem Moment etwas begriffen.
Ich muss nicht allein stark sein. Ich kann dich nicht beschützen, wenn ich dich von mir abweise und damit sowohl dir als auch mir selbst nur weh tue. Aber ich kann dich halten, kann zulassen, dass du mich hältst und kann zumindest versuchen, es anzunehmen. Ich weiß, ich brauche dich und ich weiß, ich kann das nicht allein. Doch ich hoffe aus ganzem Herzen, dass du mir helfen wirst.

Ein paar Tage später stehen wir uns erneut gegenüber. Dieses Mal weise ich dich nicht ab und wehre mich nicht gegen die Gefühle, die in meinem Inneren aufbranden.

„Es tut mir leid“, gestehe ich zerknirscht und blicke verlegen auf meine Schuhe. „Ich habe mich im letzten Jahr wie ein blinder Idiot verhalten.“

„Hast du vor, dieses Verhalten zu ändern?“, fragst du mich in einer Tonlage, die ich nicht wirklich deuten kann.
Ich merke, wie mein Herz beginnt schneller zu klopfen, meine Hände fangen an zu schwitzen.

„Ja“, krächze ich und sehe bei den folgenden Worten plötzlich direkt in deine Augen. „Und ich hoffe, dass die Person, der ich mit diesem idiotischen Verhalten so oft unnötig weh getan habe, mir verzeihen kann und… mir vielleicht noch eine Chance gibt?“

Mit einem Mal ist da wieder dieses Strahlen und dein Lachen, dass ich so vermisst habe. Ehe ich weiß, wie mir geschieht, finde ich mich in einem warmen, zärtlichen Kuss wieder, aus dem du dich jedoch sanft wieder löst und mich ansiehst.

„Das würde ich… sehr gern sogar.“ Du lächelst und ich fühle, wie endlich diese lang vermisste Wärme in mir aufsteigt und weiß, jetzt wird wirklich alles gut.

„Halt mich fest“, murmele ich leise und du nimmst mich in den Arm, fängst mich auf. Endlich kann ich mich fallen lassen und es einfach zulassen.
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Re: Cassios Oneshots [HP]

Beitrag von Tjeika »

Hej Große :knuff:

Zunächst ist zu diesem Oneshot zu sagen, dass er... lang ist. Sehr lang ;)
Aber er ist wirklich wunderschön. Ich weiß nicht, wie du das geschafft hast, aber irgendwie ist es so, dass man sehr wohl mitbekommt, was da im Hintergrund (die Geschichte, die die Bücher beschreiben) geschieht. Man merkt, was da geschieht, und dennoch bleibt die Geschichte zwischen Tonks und Remus im Vordergrund. Es ist wirklich schön geschrieben. Diese Sichtweise gefällt mir sehr. Auch das "du", also das direkte ansprechen von Tonks aus der Perspektive von Remus ist wirklich gut gelungen. Und ich könnte mir vorstellen, dass es genau das war, was Rowling beabsichtigt hat, also was Remus fühlt und denkt.
Ich bin wahrlich begeistert! Ehrlich!
Da kann ich auch über die ein oder andere merkwürdige, irritierende Satzkonstruktion hinwegsehen ;)

:knuddel: Toll gemacht!
"Hören Sie, Sir, folgendes... Es geht um meinen Teppich, der das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht hat..."

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Re: Cassios Oneshots [HP]

Beitrag von Cassiopeia »

Ohh, Ria! *hüpf*
Ich danke dir! Dieser OS ist einer meiner Herzstücke und es freut mich wirklich total, dass er dir so gefallen hat. Wenn ich in der Ich-Perspektive schreibe, kommt oft das "du" dazu und hier passte es, irgendwie. Ich habe geschrieben und geschrieben und dachte am Ende: Was hast du da eigentlich gerade verfasst? :kugel:
Aber es ist der Remus, wie ich ihn mir in der Zeit vorstelle und ich danke dir für das Lob dafür :knuff:

*strahl* :D
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Re: Cassios Oneshots [HP]

Beitrag von Cassiopeia »

Ja, es geht weiter. Dieses Mal mit einer Songfic, die verhältnismäßig alt ist und sich um meine zwei heimlichen Helden der Elterngeneration dreht: Frank und Alice Longbottom. Ich hoffe, es gefällt!

Disclaimer: Die Charaktere gehören J.K Rowling, das Lied Smooth Criminal gehört Michael Jackson.

Inhalt: Frank und Alice Longbottom und die Nacht im Herbst 1981, als sie unerwartet Besuch bekamen…

Rating: Vorsichtshalber ab 16 wegen Gewaltanwendung...

Song: Michael Jackson, Smooth Criminal; ich habe mir erlaubt, das immer wieder kehrende Annie durch Alice zu ersetzen...

SOUND OF A CRESCENDO

„Neville Schatz, nicht doch.”
Mit roten Augen setzte Alice sich auf um ihren Sohn zu beruhigen, wenn er doch endlich schlafen würde. Doch es schien heute Nacht wie verhext, er war einfach nicht ruhig zu kriegen. Ihr ganzer Körper tat ihr weh, ihre Augen brannten, sie war ratlos, wusste einfach nicht mehr weiter. Am liebsten hätte sie ihren Sohn einfach angeschrieen, doch selbst dazu reichte ihre Stimme nicht mehr, zwanghaft hielt sie die Augen offen, um nicht in einen Sekundenschlaf zu fallen.
Sie nahm Neville zum x-ten Mal aus dem Gitterbett, in welches sie ihn vor einer viertel Stunde gelegt hatte, kleine Hände klammerten sich in ihr Nachthemd.
„Merlin Neville, was hast du nur?“, murmelte sie leise. Hatte er Zahnschmerzen, Blähungen, oder Ohrenschmerzen? Sie wusste es nicht, nichts half. Auch auf ihrem Arm wurde er nur bedingt ruhig, jedes Mal, wenn sie in Richtung Fenster ging, schrie er beinahe laut auf, versuchte, sie in eine andere Richtung zu drängen.

Wo blieb Frank nur? Ihre Augen streiften immer wieder die Uhr, halb vier morgens… die Unruhe wuchs in ihr, er hatte gesagt, spätestens Mitternacht war er zurück… in der Sekunde hörte sie, wie eine Scheibe im Wohnzimmer zu Bruch ging.
As He Came Into The Window
It Was The Sound Of

A Crescendo
Sie erstarrte mitten in der Bewegung, nein, bitte nicht! Kommandos wurden gegeben, Panik überkam sie.
Sie waren da, hatten sie tatsächlich gefunden.
Es war zu spät, zu spät für alles.
Schnell nahm sie eine Hand Flohpulver und schmiss es in den Kamin, schrie förmlich den Bestimmungsort, das Haus ihrer Mutter, hinein und legte ihren Sohn in die grünen Flammen, ihr Herz brach bei dem Gedanken, dass sie ihn nie wieder sehen würde.
He Came Into Her Apartment
He Left The Bloodstains

On The Carpet

Zwei dunkle Gestalten kamen auf sie zu. Einer hatte sich offenbar an dem gebrochenen Glas verletzt, eine Blutspur sickerte unter seiner Robe seitlich hervor, tropfte auf den weißen Teppich. Sie wich zurück, klammerte sich an ihren Zauberstab.
Eine Frau mit einer schrecklich hohen Stimme sprach zu ihr, doch sie konnte die Wörter nicht verstehen. Zu laut rauschte das Blut in ihren Adern, die Angst erdrückte sie. Frank, wo war Frank?
Neville. Sie hatte ihn aufgegeben, Tränen schossen ihr in die Augen, als ihr bewusst wurde, dass ihr Sohn ohne seine Eltern aufwachsen würde. So, wie der Sohn von James und Lily.

„Leb wohl mein Schatz“, flüsterte sie, als der erste Fluch auf sie zugeschossen kam, sie war nicht fähig sich zu wehren, duckte sich nur, viel zu langsam.
She Ran Underneath The Table
He Could See She

Was Unable

Das Badezimmer, schnell schloss sie die Tür hinter sich, verriegelte sie mit allen Sprüchen, die sie kannte.
„Verdammt Alice, reiß dich zusammen”, zischte sie ihrem Spiegelbild zu. Jetzt war keine Zeit für schwere Gedanken, hier ging es, verdammt noch Mal, um ihr Leben!
In der Sekunde splitterte die Tür.
So She Ran Into The Bedroom
She Was Struck Down

It Was Her Doom

Todesser feuerten Flüche auf sie ab, sie parierte sie, so gut sie konnte. Und mit jedem Fluch verblasste der Gedanke an Neville, an Frank. Hier zählte nur sie, sie ganz allein.
Zu ihrer Überraschung schaffte sie es, sich aus dem Bad zu kämpfen, stand nun im Flur. Sie hörte Stimmen aus dem Schlafzimmer, erkannte die Stimmen von Bellatrix und Rodolphus Lestrange und eine dritte Stimme - Frank!

Es war dieser unbedachte Moment, in dem sie sich umdrehte, den herannahenden Kerzenständer nicht sah, der ihr Schicksal besiegeln sollte.
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok, Alice

"Frank!”, stöhnte sie, doch er konnte sie nicht hören, rief weiterhin nach ihr, schleuderte Flüche auf seine Gegner ab, während er selbst immer mehr in die Knie gezwungen wurde.
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok, Alice
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok, Alice
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok, Are You Ok, Alice

(Alice Are You Ok)
(Will You Tell Us That You're Ok)

"Alice, bitte! Sag was!”, verzweifelt mühte er sich, einen Blick auf seine Frau zu erhaschen. Da, er sah ihr blondes Haar auf dem Boden liegen, verdammt, war das etwa Blut an ihrer Schläfe?
(There's A Sign In The Window)
(That He Struck You )
(A Crescendo, Alice)

"ALICE!” Doch es war zu spät, starr blickten ihre Augen ihn an, gebrochen, trüb.
Ein letztes Mal bäumte er sich auf, nahm all seine Kraft zusammen, schaffte es, seinen Gegner zurück zu drängen. Als er an seiner Frau vorbei trat, sah er, dass sie die Hand nach ihm ausstreckte, ließ ihn erstarren.
(He Came Into Your Apartment)
(He Left The Bloodstains On The Carpet)
(Then You Ran Into The Bedroom)
(You Were Struck Down)
(It Was Your Doom)

Er sah den Fluch zu spät, als das er ihn hätte abwehren können, stürzte.
Neville, wo war Neville? Sie musste ihn in Sicherheit gebracht haben, hoffentlich! Sein Zauberstab war ihm aus der Hand geschlagen, er schmeckte Blut.

Stöhnend drehte er den Kopf, suchte verzweifelt die blauen Augen, die ihm Halt gaben.

Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok Alice
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok Alice
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok Alice
You've Been Hit By
You've Been Hit By -


A Smooth Criminal

Er stand noch immer mit dem Kerzenhalter in der Hand, sah hämisch auf sie herab. Rudolphus.
Eine Welle von Hass durchflutete Frank, als er Rudolphus Lestrange vor sich sah. Er dachte an Hogwarts zurück, damals hatte er sie nach Hogsmeade eingeladen… doch gegangen war sie mit ihm, mit Frank.
Die Rache des Lestrange war furchtbar gewesen, noch heute war die Narbe am Rücken deutlich sichtbar.
Ein Schauer erfasste ihn, als ihm klar wurde, was Lestrange in dieser Position alles mit ihnen anstellen würde.

Ein paar Sekunden später war er der Antwort ein ganzes Stück näher gerückt, als er sich schreiend unter einem Crucio wand.
Ein flehender Blick zu Alice und er wusste, dass es ihr genau so ging.

Die Flüche wurden aufgehoben, keuchend kam er zu Atem, sein Körper taub vor Schmerzen. Ihm war schwindelig und übel, als er sich erneut zusammen krampfte.
Sein Körper zerriss innerlich, als ihn drei Crucio auf einmal trafen, seine eigenen Schreie erreichten seine Ohren nicht mehr.
Alles, was er sah war Alice mit weit geöffnetem Mund, entsetzten Augen, die sich verzweifelt in die seinen zu klammern schienen.

Erneut unterbrachen sie ihre Folterprozedur, schrieen etwas unverständliches, was keiner der beiden noch verstand.
Ein letztes Mal wurden die Zauberstäbe gegen sie gerichtet, Körper bäumten sich auf vor Schmerzen, der verzweifelte Blickkontakt - brach.
So They Came Into The Outway
It Was Sunday-What A Black Day
Mouth To Mouth Resus- Citation
Sounding Heartbeats-
Intimidations

“Schnell, wir brauchen zwei Tragen!”

„Merlin, hast du das mitbekommen?“

„Ihr Sohn, Neville…“

Stumm lagen sie nebeneinander, die Hände in einander verschlungen, die Blicke ineinander verhakt, als wollten sie für immer in dieser Position verharren.
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok Alice
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok Alice
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok Alice
Alice Are You Ok
So, Alice Are You Ok
Are You Ok Alice
(Alice Are You Ok)
(Will You Tell Us That You're Ok)
(There's A Sign In The Window)
(That He Struck You)

(A Crescendo Alice)
(He Came Into Your Apartment)
(He Left The Bloodstains On The Carpet)
(Then You Ran Into The Bedroom)
(You Were Struck Down)
(It Was Your Doom)

(Alice Are You Ok)
(So, Alice Are You Ok)
(Are You Ok Alice)
(You've Been Hit By)
(You've Been Struck By -
A Smooth Criminal)
Hastig kamen die Heiler näher, das Haus wurde abgesperrt, vor Blicken der Schaulustigen, die die Straße säumten, gesichert. Doch es gab kaum ein Durchkommen für die Rettungskräfte, erst ein mürrisch aussehender Mann, dem ein Stück Nase fehlte und dessen eines Auge sich in geradezu ungeheuerlichen Geschwindigkeit um sich selbst drehte, konnte für Ordnung sorgen.
Okay, I Want Everybody To
Clear The Area Right Now!

Bitter war sein Blick, als er den Tragen folgte.
(Alice Are You Ok)
I Don't Know!
(Will You Tell Us, That You're Ok)
I Don't Know!
(There's A Sign In The Window)
I Don't Know!
(That He Struck You)

(A Crescendo Alice)
I Don't Know!
(He Came Into Your Apartment)
I Don't Know!
(Left Bloodstains On The Carpet)
I Don't Know Why Baby!
(Then You Ran Into The Bedroom)
I Don't Know!
(You Were Struck Down)
(It Was Your Doom - Alice!)

Sie sah in sein Gesicht, irgendetwas verriet ihr, dass sie diesen Jungen kennen musste… ebenso die Frau, die an ihrem Bett saß. Sie waren beide sehr oft hier und sie sah, wie der Junge größer wurde und sie an jemanden erinnerte, den sie einmal gekannt hatte.

Sie sagte etwas, doch sie konnte die Worte nicht kontrollieren, wusste nicht, was ihre Zunge tat.
Sah, dass Tränen in die Augen des Jungen stiegen, wie alt mochte er wohl sein?

Vom Boden hob sie ein glitzerndes Papier auf, es sah schön aus, sie wollte ihm eine Freude machen, wollte nicht, dass er länger weinte.

Dann sah sie wieder auf die Gestalt neben sich, liebevoll strich sie ihrem Mann eine Strähne aus der Stirn. Sah in seine Augen und wusste, sie war zu Hause.

„Frank“, flüsterte sie, ehe sie sich nieder legte und ihre Augen schloss, ruhig einschlief.
Die Wirklichkeit ist nur etwas für Menschen, die mit Büchern nichts anfangen können.
Antworten

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