Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

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Cassiopeia
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von Cassiopeia »

Danke, liebste Ria! :knuff:
Jup, Lily hat wirklich ziemlich... ähm, überreagiert *seufz*. Aber was wäre eine Zeitreise-Rumtreiber FF, wenn James nicht wieder auf die Beine käme?^^
Hier das letzte Kapitel für diese Nacht, denn ich werd jetzt ins Bett fallen :knuddel:


Kapitel 39

Gespräche


„JAMES!“, schrie Lily und rannte zu ihrem Freund. Das konnte doch gerade nur ein Alptraum sein, aus welchem sie jede Sekunde aufwachte. Es musste einfach so sein.

Sie ging neben ihm auf die Knie, nahm seinen Kopf, der schnief an der Wand lehnte, und bettete ihn auf ihren Schoß um. Sie erschrak, als sie das Blut sah, welches an der Wand klebte. „Holt Madam Pomfrey! Bewegt euch endlich!“, fuhr sie die anderen an, die noch ganz geschockt waren und sich bisher keinen Millimeter bewegt hatten.

Peter und Remus wollten gerade loslaufen, als sie von Patrick gestoppt wurden. „Wartet, ich schick meinen Patronus los, das geht schneller.“ Er sprach die Formel, ein großer Bär nahm Gestalt an und verschwand sofort.

Auch die anderen erwachten nun aus ihrer Starre und gingen zu Lily und James. „Schatz, bitte wach auf, es tut mir leid, ich wollte das nicht. Bitte, verlass mich nicht, ich liebe dich doch“, schluchzte Lily und strich ihm liebevoll eine Haarsträhne aus der Stirn.

„Lils“, krächzte James und öffnete langsam seine Augen. „Was ist passiert?“ Lilys Tränen rannen noch schneller ihre Wangen herunter.

„James, es tut mir leid, ich wollte das nicht. Verzeih mir bitte.“ Die Rothaarige konnte sich kaum beruhigen.

„Wovon redest du meine Süße? Wie komme ich hierher?“, James guckte verständnislos in die Runde. Als sein Blick bei den beiden Auroren hängen blieb stutzte er. Was sucht Dad hier?, fragte er sich und runzelte die Stirn. Außerdem war da dieses schmerzhafte Pochen an seinem Hinterkopf und ein leicht schwummriges Gefühl in seinem Kopf, welches er nicht zuordnen konnte.

„Jamie? Was ist das letzte, woran du dich erinnerst?“, fragte Liam vorsichtig und musterte seinen Sohn. James versank in seinen Gedanken.

„Wir wollten gerade zum Zaubertrankunterricht und Harry ist, nein war verschwunden, denn er ist ja hier. Ich hab Kopfschmerzen, denken ist eindeutig zu anstrengend für mich.“

In dem Moment erschien Madam Pomfrey, die Schulheilerin, im Zimmer und scheuchte erst einmal alle von ihrem Patienten weg. Lily ließ dies allerdings nicht zu. „Vergessen Sie es! Ich bewege mich kein Stück von ihm weg“, schrie sie sie an, doch die Heilerin schüttelte den Kopf.

Lily spürte Hände an ihren Schultern, die sie fortziehen wollten, weg von James. „NEIN! Beccy, lass mich los, ich muss bei ihm bleiben, ich bin doch Schul - “

„Lily, nein! Komm weg von ihm, Poppy bringt ihn jetzt in den Krankenflügel und kümmert sich um ihn, er kommt wieder in Ordnung. Aber das kann sie nur, wenn du ihr jetzt den Platz dafür lässt, also bitte. Komm zur Seite, Lily, komm hier her.“

Stumm folgte die kleine Gruppe der Heilerin in den Krankenflügel, wo sie James in ein Bett legte und einen Wandschirm als Sichtschutz aufstellte.

Nur mühsam konnte Beccy Lily dazu bewegen, die Krankenhexe mit James allein zu lassen und einen Minimum an Abstand zwischen sich und den Wandschirm zu bringen.

Lily zitterte in unterdrückter Panik und flüstere Worte vor sich hin, die niemand verstand. Krampfte ihre Hände in einander, krallte sich beinahe in ihre Unterarme und war jede Sekunde soweit, wieder an James' Bett zu stürzen, sobald Madam Pomfrey hinter dem weißen Behang hervor treten sollte.

Was sie dort mit ihrem Patienten besprach, hörte niemand, es war ein Schallzauber über das Bett gesprochen worden, um die Privatsphäre zu schützen.

„Ich brauche ihn doch“, wisperte Lily und rang verzweifelt ihre Hände, als sie plötzlich etwas Schweres auf ihrer Schulter spürte.

Sie drehte sich erschrocken um und sah in das nicht minder geschockte und besorgte Gesicht Liams.
Dieser schaffte es irgendwie, sie auf einen Stuhl zu setzen, der etwas weiter von dem Bett weg stand und sah ihr nun in die Augen, welcher voller Tränen waren.

„Lily, hör mir zu. Es ist nicht deine Schuld. Was auch immer vorher zwischen euch passiert ist, renkt sich wieder ein. James wird wieder, den haut so schnell nichts um, das weißt du. Mach dir keinen Vorwurf, bitte. Es sind nur ein paar Tage, an die er sich nicht erinnert, aber sein Gedächtnis wird wieder kommen.“

Lily seufzte. „Aber… aber wenn ich nicht so kalt zu ihm gewesen wäre die letzten Tage, so wütend… ich weiß doch, dass er und Severus sich nicht verstehen und daran wird sich auch nichts ändern. Und doch versuche ich es immer… wieso kann ich ihn nicht einfach verstehen, ich bin doch seine Freundin?“, murmelte sie noch immer ganz aufgelöst und ließ den Kopf sinken.

„Lily, nicht doch“, sagte Liam einfühlsam. „Du und James seid etwas Besonders. Lasst euch das von nichts und niemandem kaputt machen. Als Claire und ich gemeinsam auf Hogwarts waren, war die Situation vielleicht ähnlich. Wir waren ein verliebtes Paar, doch ein guter Freund von Claire wollte uns auseinander bringen. Er hätte es fast geschafft.“ Bei diesen Worten hielt er kurz inne, als hätte er sich in diesem Moment das erste Mal wieder daran erinnert. „Doch dann haben Claire und ich erkannt, dass sich zwischen die Liebe zweier Menschen niemals jemand drittes drängen sollte. Aber genau so liegt es an den Lieben selbst, so etwas nicht zuzulassen. Du und James ihr liebt euch, daran hege ich keinerlei Zweifel. Aber ich glaube den Grund zu kennen, wieso er sich so gegenüber deinem Freund Severus verhält, da ich es damals nicht anders getan habe.“

Etwas beschämt blickte er zu Boden, was würde Lily jetzt von ihm halten? Eigentlich hatte er ihr nur etwas Mut zu sprechen wollen und nun war dieses Gespräch in eine ganz andere Richtung gelaufen.

Er sah die Freundin seines Sohnes wieder an. Sie schien über seine Worte nachzudenken und nach eine Weile sagte sie: „Es nicht zulassen, sagst du? Wie…wie genau meinst du das? Und nein, ich fürchte, ich kann James' Verhalten nicht wirklich verstehen, wenn es um Severus geht. Seine einzige Antwort ist nur 'weil er existiert'“.

Liam seufzte. Ohja, diesen Satz kannte er nur zu gut aus seinem eigenen Mund.
„Weil er unsicher ist, Lily. Weil er Angst hat, nicht gut genug zu sein, dich nicht halten zu können. Deswegen muss er sich immer wieder beweisen - nur leider auf die falsche Art. Mit nicht zulassen meine ich, nicht darauf achten, was andere vielleicht sagen oder wenn jemand einen Blick auf den Partner wirft, der vielleicht in eine Richtung geht, der einem gar nicht gefällt. Alles, was zählt ist doch, dass ihr euch liebt. Alles andere ist zweitrangig.“

Lily schwieg eine Weile, ehe sie antwortete. „Ich glaube ich weiß, was du meinst. Aber James ist in diesem Punkt so… schwierig. Klar freue ich mich nicht über die Horden von Mädels, die auf seinen Hintern starren und sich manchmal aufführen, dass es peinlich ist. Aber solange ich weiß, dass er nur mich liebt und seinen Blick sehe, wenn er mich ansieht, ist es unwichtig, wie andere ihn ansehen.“

Liam nickte. „Siehst du. Und ich bin froh, dass du so denkst. Nur leider hat mein Sohn das noch nicht so ganz begriffen… . Ich hoffe, er wird es eines Tages verstehen. Ich hoffe es wirklich.“

In dem Moment trat Madam Pomfrey hinter dem Wandvorhang hervor und Lily sprang von ihrem Stuhl auf und war in der nächsten Sekunden an James' Bett. Während Liam sich leise mit der Heilerin unterhielt, setzte sie sich zu ihrem Freund und griff nach seiner Hand.

„Hey Süße, nicht weinen“, sagte James sanft, erhob sich vorsichtig und zog sie dabei halb zu sich herunter um sie zu küssen.

„James, ich…“, begann Lily, doch die Worte blieben ihr im Halse stecken, als sie James' Verband erkannte, der um seinen Kopf gewickelt war.

„Ich komm wieder auf die Beine, das ist halb so schlimm, sagt Poppy“, erklärte James, Lily sah ihn fragend an.

„Ich hab nur eine leichte Gehirnerschütterung und kann mich an die letzten Tage nicht wirklich erinnern. Aber das kommt wieder, sagt sie, es braucht nur etwas Zeit.“

Erleichtert küsste Lily ihn auf den Mund. „Ich bin so froh, dass es dir soweit gut geht“, sagte sie leise und legte sich neben ihn aufs Bett, kuschelte sich an ihn.

„Aber sag mal“, wollte James wissen und sah sie nun seinerseits fragend an, „was ist eigentlich passiert? Ich kann mich schließlich nicht erinnern…“

Lily schluckte, wieder schossen ihr Tränen in die Augen. Sie kam sich so klein und ungerecht vor. Das Gespräch mit Liam vor wenigen Minuten kam ihr in den Sinn.
„Wir… wir hatten uns gestritten“, begann sie zögernd, James' Augen wurden groß.

„Gestritten? Warum das denn?“, fragte er entsetzt und Lily hoffte, dass sie ihm nicht böse sein würde wegen dem, was dann passiert war.

Doch während sie sprach, wurde James' Blick immer weicher und als sie endete, küsste er sie zärtlich.

„Lily, es.. es tut mir leid. Ich weiß, dass du… dass ich dich damit wütend mache, immer und immer wieder. Aber ich… es ist einfach unerträglich, dich so gut mit ihm befreundet zu sehen, schon all die Jahre über. Wie oft habe ich mir gewünscht, an seiner Stelle zu sein? Einerseits weiß ich, dass es lächerlich und bescheuert ist, aber… es nagt an mir, immer tiefer, immer weiter. Der Gedanke, dass es alles nur ein Traum ist und ich eines Tages aufwache und du bist nicht mehr da und sagst mir, dass du mich liebst, zerreißt mich, Lily. Du wirst es mir wohl kaum glauben, aber ich bin nicht gerade stolz darauf, mich so zu benehmen. Aber ich kann nichts dagegen tun, ich habe sonst das Gefühl, wahnsinnig zu werden, wenn er dich ansieht, versteckt, aus seinen schwarzen Augen, die doch so viel mehr sehen, als sie zeigen können…“

Es war eine Weile still zwischen ihnen, bis Lily ihm schließlich direkt in die Augen sah. „James, ich liebe dich so sehr wie ein Mensch jemand anderen lieben kann. Ehrlich und aufrichtig. Und daran kann auch niemand etwas ändern, da kann er noch so sehr Severus Snape heißen. Ich hatte vorhin… eine Unterhaltung mit Liam und er sagte… er meinte, wir sollten nicht zulassen, dass jemand sich zwischen uns drängt. Denkst du, mir gefallen die Blicke, die Vivian Scott dir immer zu wirft? Sicher nicht. Aber ich weiß, dass du ihr keine Beachtung schenkst und das gibt mir die Sicherheit, die ich brauche. Ich spüre, fühle, wie du mich liebst, da ist alles andere unwichtig. Keine Vivian und kein Severus können daran etwas ändern, dass ich dich liebe, James und ich… ich würde mich freuen, wenn du es versuchen würdest.“

James blickte ein paar Minuten an die Decke, welche Lily wie eine Ewigkeit vorkamen. Irgendwann schloss er die Augen und Lily dachte schon, dass er eingeschlafen war, als er leise sagte: „Ich weiß nicht, ob das kann, Lils. Da ist immer diese Stimme in mir, die so fordernd klingt…“

Liebevoll strich Lily ihm über die Wange. Selten zeigte James sich so verletzlich, auch nicht ihr gegenüber. Dass er es nun doch tat, zeigte ihr einmal mehr, wie sehr er sie liebte und dass vielleicht auch ein James Potter dazu bereit war, über seinen Schatten zu springen.

„Vertrau mir, James. Vertraue dir selbst. Höre nicht auf die Stimme der Eifersucht, es gibt dazu keinen Grund. Severus mag ein guter Freund sein, ja. Er war der erste Zauberer, den ich kannte. Er war es, der mir sagte, ich sei eine Hexe, aber mehr als Freundschaft war und wird da niemals sein. Was auch immer er für mich empfinden mag, sollte niemals eine Gefahr für dich sein, James. Lass es nicht zu, dass es zu einer Gefahr für uns wird, bitte.“

James war erstaunlich still und es dauerte lange, bis er wieder etwas sagte. „Ich… werde es versuchen“, krächzte er und seine Stimme klang mehr als gequält.

„Versprich es mir“, bat Lily und sah ihn fest an.

Nun wagte auch James es wieder, ihr in die Augen zu sehen. „Ich, James Liam Potter, verspreche dir, mein Bestes zu geben und in Zukunft nur noch auf mein Herz zu hören und nicht mehr auf die fiese Stimme in meinem Kopf“, grinst er sie an und ihre Augen strahlten.

„Ich liebe dich, James“, sagte Lily leise und küsste ihn. Legte all ihre Liebe in den Kuss hinein und war erstaunt, wie ungewohnt zurückhaltend und beinahe schüchtern er ihr entgegen kam.

„Tut mir leid, Lily“, sagte er noch einmal, aber sie verstand, was er meinte. Liebevoll sah sie ihn an und strich mit ihren Fingern vorsichtig über den Rand seines Verbandes, der oberhalb der Schläfen verlief.

„Mach dir keine Gedanken. Sieh lieber zu, dass du wieder gesund wirst und dein Gedächtnis wieder kriegst und zum nächsten Training wieder fit bist“, grinste sie, als Madam Pomfrey zu ihnen trat und sie bat, doch nun bitte den Patienten allein zu lassen. Wenn er beim nächsten Training wieder dabei sein solle, brauche er Ruhe, um sich zu erholen.
Auch alle Einwände seitens James, dass Lily doch seine beste Medizin sei, ließ sie nicht gelten und kurz darauf befand sich Lily zusammen mit den anderen auf dem Gang vor der Krankenstation.

Das restliche Training an diesem Tag fiel aus. Keiner hatte wirklich Lust, es ohne James fortzuführen und so verbrachten die sieben Jugendlichen einen ruhigen Samstag, in dem sie liegengebliebene Hausaufgaben erledigten, fliegen gingen oder einfach nur die Seele baumeln ließen. Auch am Sonntag sollte das Training ausfallen, da James noch nicht wieder teilnehmen durfte und die anderen nicht ohne ihn weiter machen wollten. Liam aber kam trotzdem ins Schloss, um mit seinem Sohn und seinem Enkel zu reden.

„Dad was machst du denn hier?“, fragte James erstaunt, als sein Vater den Krankenflügel betrat, in dem James noch bis zum Abend bleiben sollte. Lily lag in seinen Armen gekuschelt mit auf dem Bett und Sirius, Remus, Harry, Peter, Ginny und Beccy saßen um sie herum.

„Ich wollte mit dir und Harry etwas besprechen“, ließ der Auror verlauten und fügte noch hinzu, als sich keiner erheben wollte: „Allein, wenn es euch nichts ausmacht.“

Die sechs Jugendlichen verstanden diesen Wink mit dem Zaunpfahl und erhoben sich einer nach dem anderen. Am längsten dauerte die Verabschiedung von Lily und James, denn nach dem Streit der letzten Woche, wollte Lily jede Sekunde die sie mit ihrem Freund verbringen konnte voll ausnutzen. Als die Tür zum Reich der Schulheilerin geschlossen war, trat Liam an das Bett seines Sohnes und setzte sich neben Harry, schwieg jedoch. Sein Blick war in die Ferne gerichtet. James und Harry ließen ihm die Zeit, die er scheinbar benötigte, um seine Gedanken zu sammeln.

Nach schier endlosen fünf Minuten, in denen der Auror noch immer nicht das Wort ergriffen hatte, wurde James ungeduldig.

„Dad?“, fragte er sanft, woraufhin der Auror erschrocken zusammen zuckte.

Er atmete noch einmal tief durch und begann dann leise zu berichten, was er auf dem Herzen hatte. „James, erinnerst du dich an das Training, als wir den Patronuszauber übten?“, fragte Liam seinen Sohn.

„Ja, natürlich, aber warum fragst du?“ James sah seinen Vater nur verständnislos an und auch Harry verstand nicht, was sein Großvater ihnen damit erzählen wollte oder warum er überhaupt bleiben durfte, während die anderen hinausgeschickt worden waren.

„Du hast deinen Patronus gesehen? Es ist ein Greif. Du kennst die Legenden, die sich um unsere Familie ranken. Du kennst die Gerüchte, wir wären Nachkommen -“

„Von Gryffindor“, wurde er von James unterbrochen. „Aber das ist doch Schwachsinn, warum sollten ausgerechnet wir von einem der Gründer abstammen? Und wenn dem so wäre, warum hat nie jemand einen Erbschaftstest gemacht? Na weil keiner wirklich dran glaubt, weil keiner diesen Mythos zerstören will.“

„Aber du weißt auch, dass nur Godric Gryffindor Greifen kontrollieren konnte und diese magischen Geschöpfe sein Zeichen waren“, führte das Familienoberhaupt der Potters weiter aus.

„Ja, aber was willst du uns damit jetzt sagen Dad?“ James wurde langsam ungeduldig. Er mochte es nicht wenn sein Vater so um den heißen Brei herum redete und sich immer wieder durch andere Äußerungen davor drückte zum Kern einer Sache zu kommen. Wenn er jedoch offiziell als Auror auftrat, war er plötzlich ganz anders.

Harry bekam unterdessen nicht mehr soviel von dem Gespräch seines Vaters und Großvaters mit. Nun war er es, der in seiner Gedankenwelt gefangen war. Bitte nicht noch mehr, lass ihn nicht das sagen, was ich denke. Habe ich nicht schon genug Namen und Titel? Brauche ich noch mehr davon? Was hat die Schicksalsgöttin nur gegen mich, dass sie mir kein ruhiges und normales Leben gönnt? Ich will doch einfach nur ein normaler Junge mit einer normalen Familie sein, in der ich mich geliebt und geborgen fühlen kann.

„Du willst was?!“, rief James und riss Harry damit aus seinen Gedanken. „Dad, das kann nicht dein Ernst sein!“

„Doch James. Eigentlich ist das mein voller Ernst und ich erzähle es euch, weil ich eure Meinung hören möchte, da es um eure Zukunft geht. Ich will und kann das nicht über euren Kopf hinweg entscheiden“, erklärte Liam ruhig und sah zwischen seinem Sohn und seinem Enkel hin und her.

„Harry, sag doch auch mal was dazu, was hältst du davon?“, fragte James den Jüngsten der Potters.

„Ähm - ja - also -“, stotterte Harry und musterte verlegen seine Hände, welche auf seinem Schoß lagen.

Liam fing an zu lachen. „Lass mich raten, du hast nichts von dem mitbekommen, was wir gerade geredet haben oder?“

„N… Nein, Sir“, gab Harry kleinlaut zu. „Also einen Teil habe ich schon mitbekommen, aber nicht alles.“

„Dann erkläre ich es dir noch einmal. Aber zunächst einmal, nenn mich nicht Sir, bitte. Sage entweder Liam oder Grandpa oder etwas ähnliches. Du bist schließlich mein Enkelsohn.“

Liam schenkte Harry ein warmes, offenes und herzliches Lächeln, welches der Schwarzhaarige schüchtern erwiderte. Ich bin es einfach nicht gewohnt eine Familie zu haben, dachte er bei sich, durchbrach dann allerdings seine Gedankengänge und schenkte seinem Großvater seine ungeteilte Aufmerksamkeit, als dieser weiter sprach.

„Ich würde gerne bei Gringotts einen magischen Erbschaftstest machen lassen um herauszufinden, ob meine Vermutung bezüglich unserer Abstammung richtig ist oder nicht. Allerdings würde ich gerne eure Meinung zu diesem Thema hören, da es eure Zukunft genauso betrifft.“

Harry runzelte die Stirn. Jemand war an seiner Meinung interessiert? Seiner Meinung zu einem Thema, was nicht um Voldemort oder den Krieg ging? Das war etwas völlig neues für ihn, klar seine Freunde wollten wissen, was er denkt, aber von Erwachsenen war er dieses Vertrauen nur von Sirius gewohnt gewesen. Alle anderen meinten immer ihn übermäßig beschützen zu müssen.

„Ähm ich muss erst in Ruhe darüber nachdenken und ich würde auch gerne mit Ginny darüber reden, wenn das in Ordnung wäre. Denn ich liebe sie und wenn alles so läuft, wie wir es uns wünschen, werde ich sie in der Zukunft heiraten.“ Harry lief rot an, während er dies sagte und musterte zum wiederholten Male seine Hände, welche noch immer in der Position von vorhin lagen.

„Ich will auch mit Lily reden, denn sie geht es genauso etwas an“, ließ James verlauten und blickte fragend zu seinem Vater.

„Ist in Ordnung. Wenn ihr nichts dagegen habt, werde ich mit Albus reden und ihn bitten, dass ihr nächstes Wochenende mit euren Freundinnen nach Potter Manor kommen könnt. Dort könnten wir dann zu Sechst in Ruhe über alles reden“, schlug der Auror vor.

James und Harry nickten und als Liam sich erheben wollte, wurde er von seinem Sohn zurück gehalten. „Dürfen die anderen auch davon wissen?“, fragte er. Der Schulsprecher mochte es nicht Geheimnisse vor seinen Freunde haben zu müssen und dies wusste sein Vater.
Schließlich nickte dieser zustimmend, erhob sich und schritt zur Tür.

Mit der Klinke schon in der Hand, drehte er sich noch einmal um. Ich werde gleich noch einmal wieder kommen und euch sagen, ob Albus dem zugestimmt hat. Wir sehen uns also gleich noch einmal.“

Eine halbe Stunde später betrat Liam wieder den Krankenflügel, in dem sich nun auch wieder die anderen Freunde eingefunden hatten.

„Albus hat zugestimmt. Er erwartet euch Freitag nach dem Quidditchtraining in seinem Büro.“

Fünf Tage später, am Freitag, waren Lily, Ginny, James und Harry auf dem Weg zum Büro des Schulleiters. Die Woche war sehr ruhig gewesen. James' Gehirnerschütterung war ausgeheilt und sein Gedächtnis war wieder gekommen.

„Zitronendrops“, nannte James das Passwort und der Wasserspeier ließ sie Ausnahmsweise ohne Diskussion eintreten. Das Büro war allerdings leer und so setzten sich Lily, Ginny und James auf einen der Sessel vor dem Schreibtisch, während Harry zu Fawks, Dumbledores' Phoenix ging um in zu streicheln.

„Fawks scheint dich wirklich zu mögen“, erklang die Stimme des Schulleiters, als dieser den Raum betrat. „Ich erwarte euch am Sonntag zum Abendessen wieder in Hogwarts und hoffe, ihr werdet alles klären können“, sagte er und reichte ihnen ein Buch, welches er mit seinem Zauberstab antippte und in einen Portschlüssel verwandelte, nachdem es von allen Vieren angefasst wurde.

„Danke Professor“, sagte James noch, als sie schon das bekannte Ziehen hinter ihrem Bauchnabel spürten.
Die Wirklichkeit ist nur etwas für Menschen, die mit Büchern nichts anfangen können.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von Tjeika »

Huhu,

dann erstmal verspätet eine gute Nacht, Cass :knuff: Schlaf gut und träum was Feines ;)

Nun aber zum Kapitel:
Eigentlich hatte es ja schon sein Gutes, dass Lily ein wenig überreagiert hat. Sonst hätte sie niemals das Gespräch mit Liam, der mir übrigens immer sympathischer wird, auch wenn ich langsam denke, sympathischer geht eigentlich gar nicht mehr und dann das klärende Gespräch mit James geführt.
Also hatte auch dieser etwas unglückliche, nenne wir es einmal Unfall, seine Gute Seite gehabt... vielleicht lernen beide ja daraus, ich will es ja hoffen.
Nun also der Verwandtschaftstest.
Da bin ich ja nun sehr neugierig.
Ich werde dann auch ins Bett verschwinden und danke vielmals für dieses wundervolle Kapitel :knuddel:
"Hören Sie, Sir, folgendes... Es geht um meinen Teppich, der das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht hat..."

// The Big Lebowski \\
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von Cassiopeia »

Huhu Ria :knuff: Vielen Dank für dein Review! Stimmt, somit hatte der Streit etwas Gutes und Ginnys und Harrys Aufenthalt hat erste Folgen^^. Viel Spaß nun mit dem nächsten Kapitel *g*


Kapitel 40

Familienwochenende

Kaum waren sie aus dem Büro des Schulleiters verschwunden, tauchten sie auch schon im Eingangsbereich von Potter Manor auf. Die vier Jugendlichen hatten sich noch nicht richtig wieder aufgerichtet, als ihnen bereits eine strahlende Claire Potter entgegen lief.

„Willkommen, ihr Lieben! Schön das ihr da seid“, sagte sie und umarmte einen nach dem anderen. Lasst das Gepäck erst einmal hier stehen und kommt mit mir ins Esszimmer, das Abendessen wartet bereits auf euch.“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und die vier folgten ihr.

Liam saß schon am Tisch, stand aber auf als Claire mit Harry, James, Lily und Ginny eintrat und begrüßte sie genauso herzlich wie es vorher schon seine Frau getan hatte.

„Kommt ihr auch schon?“, fragte er mit einem gequälten Lächeln. „Ein armer, hart arbeitender Mann wie ich durfte noch nichts von den Köstlichkeiten auf diesem Tisch anrühren, weil die Kinder noch fehlen.“ Liam hielt sich theatralisch seinen Bauch und tat so, als würde er jeden Moment vor Schwäche zusammen brechen.

„Liam Balthasar Potter!“, rief Claire und sah ihren Mann böse an, welcher auch sofort den Kopf einzog und sich wieder still auf seinen Platz am Tisch setzte.

James brach in schallendes Gelächter aus. „Ohman, wie gut, dass ich nicht so unter dem Pantoffel stehe wie du Dad, das ist ja schon fast -“, weiter kam James allerdings nicht denn ein eben so scharf gesprochenes „James Liam Potter!“, seitens Lilys brachte ihn sofort zum verstummen.

„Alles klar Dad, du steht also nicht unter dem Pantoffel von meiner Mum? Wie gut, dass ich gerne unter dem Pantoffel stehe“, fügte er noch schnell hinzu, nachdem Ginny ihn streng angesehen hatte.

„Glück gehabt mein Lieber“, sagte sie und gab ihm einen zärtlichen Kuss.

James und Liam sahen sich an und anschließend zum jüngsten männlichen Potter. „Dad, wir machen eindeutig was falsch. Wir bekommen einen Rüffel und Harry einen Kuss. Wo ist da die Gerechtigkeit?“ Liam nickte nur zur Bestätigung und Vater und Sohn setzten zeitgleich eine Leidensmine auf.

Nachdem sich alle gesetzt hatten und jeder etwas von den leckeren Speisen auf dem Tisch auf seinem Teller liegen hatte, ergriff Liam erneut das Wort: „Hat Beccy euch wieder sehr über den Platz gescheucht?“

Lily konnte nur mit den Augen rollen. Immer nur Quidditch! Gibt es denn nie ein anderes Thema bei den Männern?, dachte sie. James aber war begeistert, er liebte die Diskussionen über diesen Sport mit seinem Vater. „Nein, Dad. Das Training wird immer besser. Quidditch macht richtig Spaß im Moment. Unsere Mannschaft war zwar nicht schlecht, aber mit Ginny und Harry sind wir nicht mehr zu schlagen.“

Während des Hauptganges des Essens gab es nur ein Thema am Tisch: Quidditch. Lily und Claire versuchten sich zwar über etwas anderes zu unterhalten, aber da James zwischen ihnen saß und lautstark mit seinem Vater, Harry und Ginny diskutierte, kamen die beiden Frauen kaum zu Wort. Als der Nachtisch aufgetragen wurde, reichte es Claire. „So, nun habt ihr aber genug darüber geredet. Harry, möchtest du mit James in einem Zimmer schlafen oder lieber in Sirius'?“

Harry dachte einen Moment nach. Klar wäre es lustig mit Dad in einem Zimmer zu schlafen, besonders, da er ja genauso alt ist wie ich, aber das kann ich ja auch in Hogwarts. Aber hier könnte sich vielleicht Ginny zu mir ins Zimmer schleichen. „Ich glaube, ich nehme Sirius' Zimmer“, sagte er und lief dabei rot an, als er seinen Blick auf seine Freundin richtete.

Nach dem Essen gingen die sechs ins Wohnzimmer. Claire und Liam wollten ihren Enkel und auch ihre zukünftige Schwiegertochter besser kennen lernen, denn auf dem Weihnachtsball und am Tag danach war dies leider nicht möglich gewesen.

„Erzähle Mal etwas von dir, Harry. Wie sind deine Freunde, wie hast du sie kennen gelernt?“, fragte Claire und ihn liebevoll an.

Harry versank kurz in seinen Gedanken, aber dann begann er zu lächeln. „Ich habe die wahrscheinlich besten Freunde, die man sich wünschen kann.“

James wollte protestieren, denn er war bei Sirius, Remus und Peter der selben Meinung, aber ein bittender Blick seitens Lily ließ ihn seinen Mund unverrichteter Dinge wieder schließen.

„Sie halten immer zu mir und helfen mir, wo sie nur können. Ron, Ginnys Bruder, habe ich auf meiner ersten Fahrt nach Hogwarts kennen gelernt. Ich wusste nicht, wie ich zum richtigen Gleis kommen konnte und habe Molly, Percy, Fred, George, Ron und Ginny gesehen. Ich hörte Molly sagen 'typisch, alles voller Muggel hier!', da wusste ich, dass sie Zauberer waren und bin ihnen gefolgt. Ich habe all meinen Mut zusammen genommen und sie gefragt, wie ich zum Gleis 9 ¾ komme und sie sagte es mir. Fred und George haben mir mit dem Koffer geholfen und kurze Zeit später setzte sich Ron zu mir ins Abteil. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und das ist bis heute so geblieben.“

„Wenn mein liebes Brüderchen nicht gerade irgendwelchen komischen Anfälle hat“, schnaufte Ginny bei dem Gedanken an das Trimagische Turnier, wo Ron doch allen Ernstes behauptet hatte, dass Harry seinen Namen selber in den Feuerkelch gewordne hatte um wieder einmal im Mittelpunkt zu stehen.

Harry überging den Einwurf seiner Freundin einfach. Ja, Ron war manchmal eifersüchtig auf ihn, aber nur, weil er es nicht besser wusste.
„Bei Hermine war es genau anders herum. Sie mochte ich am Anfang überhaupt nicht. Sie war mir fast unheimlich mit ihrem Wissen.“

„Wieso das?“, fragte Liam und nahm sein Glas Wein in die Hand um einen Schluck davon zu trinken.

„Was würdest du von jemandem halten, der mehr über dich weiß als du selbst?“, erwiderte Harry und musste an ihre erste Begegnung im Hogwartsexpress denken.

Hermine und ihr Wissensdurst, dachte er nur Kopfschüttelnd.

Lily, James, Claire und Liam brachen in Gelächter aus.

„Ja ja, lacht ihr nur, ich fand das damals überhaupt nicht lustig. Sie war - nein, falsch, sie ist immer noch leicht besserwisserisch und manchmal ist das sehr anstrengend. Aber ohne ihr Wissen wäre ich wahrscheinlich schon im ersten Jahr gestorben“, fügte er vollkommen ernst hinzu.

Nach dieser Aussage brach das lachen abrupt ab. Lily und James wussten zwar, dass Harry schon einiges hatte durchstehen müssen während seiner Schulzeit, aber sie verdrängten immer wieder, wie dramatisch es eigentlich gewesen war.
Für Claire und Liam aber, die zum ersten Mal näheren Konzakt mit ihrem Enkel hatten und noch kaum etwas von dessen Vergangenheit wussten, sahen Harry geschockt an.

„Mein, beziehungsweise unser Verhältnis zu Hermine änderte sich erst an Halloween. Ron hatte am Morgen einen gemeinen und beleidigenden Satz über Hermine gesagt, den sie eigentlich gar nicht hören sollte, aber leider tat sie dies doch. Das Resultat war, dass Mine sich den ganzen Tag über in ein Mädchenklo eingeschlossen hatte. Beim Festessen am Abend stürzte ein Lehrer in die Große Halle und sagte, dass ein Troll ins Schloss eingedrungen sei. Die Verrauensschüler sollten uns in die Gemeinschaftsräume bringen, aber auf dem Weg dorthin fiel mir Hermine ein und wir sind los gelaufen und wollten sie warnen. Leider begegneten wir auf dem Weg dorthin den Troll und schafften es, ihn in einen Raum einzusperren. Nur hatten wir nicht bemerkt, dass es genau das Klo war, in welchem sich Hermine befand. Irgendwie haben wir sie da heraus bekommen mit ein klein bisschen Zauberei und sehr viel Glück. Wir drei waren hinterher der Meinung, dass man nach so einem Erlebnis nur eines sein kann - Freunde.“

Atemlose Stille folgte dieser Geschichte. Nach einer Minute durchbrach Ginny diese jedoch. „Ich kenne diese Geschichten ja nun schon etwas länger und auch genauer, aber ich bin jedes Mal wieder fasziniert, wenn du sie erzählst, Harry. Weißt du eigentlich, dass du Talent hast, was das Geschichtenerzählen betrifft? Man hat das Gefühl, direkt dabei zu sein“, sagte sie, während sie neben Harry saß und ihm nun einen liebevollen Kuss auf die Wange gab.

Er lächelte sie an, aber plötzlich wurde das Lächeln, welches eben noch sein Gesicht zierte, schief, fast schmerzverzerrt.

Ginny erbleichte, als sie das sah, war es doch in den letzten Wochen nicht vor gekommen. „Harry, was ist los?“, fragte sie vorsichtig nach, um sich ihres Verdachtes sicher zu sein.

„Narbe - Voldemort - sehr wütend“, brachte er zwischen zusammen gepressten Zähnen hervor.

Liam und Claire, die noch nicht wussten, dass ihr Enkel einer von Voldemorts Horkruxen war, aber genau so Lily und James, die einen solchen „Anfall“ noch nie mit bekommen hatten, sahen die beiden Zeitreisenden nun geschockt an.

Was hatte das alles zu bedeuten? Lily fand als erste ihre Sprache wieder und fragte eben diese Worte laut.

„Harry ist durch dieses Seelenstück von dem Monster mit ihm verbunden und er spürte es, wenn Voldemort sehr starke Emotionen empfindet, wie etwa Wut, aber auch, wenn er extrem glücklich ist. Außerdem schlüpft Harry manchmal in dessen Haut und sieht alles, was er tut durch dessen Augen.“ Während Ginny dies alles leise erklärte, hielt sie Harry schützend in ihrem Armen und versuchte ihm so Kraft zu geben.
Harry schien von seiner Umgebung nichts mehr mit zu bekommen. Er hatte die Augen geschlossen und presste seine Hand noch immer auf die Blitznarbe auf seiner Stirn.

Im Raum herrschte eine gespenstige Stille. Alle Augen waren ängstlich auf Harry gerichtet, welcher erst nach einer halben Ewigkeit aus seinem Tranceartigen Zustand erwachte.
Matt lag er mit seinem Kopf in Ginnys Schoß gebettet, ihre Hand hatte die seine genommen und er merkt erst jetzt, dass er seine Finger ziemlich stark zusammen gepresst hatte.
Sofort lockerte er seinen Griff, doch Ginny sagte nichts sondern sah ihn nur aus ruhigen und liebevollen Augen an.

„Was hast du gesehen?“, fragte sie leise und Harry bemerkte, wie er beim Klang ihrer Stimme sofort ruhiger wurde. Es war alles gut, sie war da, direkt bei ihm.
Dass sich außer ihnen noch vier andere Leute im Raum befanden, bekam er gar nicht mit.

Harry schluckte und rang nach Worten. „Er war sehr, sehr wütend. Karkaroff und Dolohov… er hat sie bestraft… Crucio… weil sie ihre Aufgabe nicht erledigt haben…“

„Welche Aufgabe?“, wollte Ginny wissen und warf einen Blick auf Liam, der angespannt zuhörte.

„Sie sollten die Familien, welche den Angriff auf das Dorf letzte Woche überlebt haben, finden, was ihnen jedoch nicht geglückt ist. Er möchte alle reinblütigen Familien auf seiner Seite wissen und diese Familien… er will die Kontrolle über etwas haben, was mit diesen Familien zu tun hat…“

Liam wurde blass. „Oh nein“, murmelte er und lenkte damit zum ersten Mal Harrys Aufmerksamkeit auf den Rest seiner Familie. Beinahe verlegen setzte er sich auf und bemühte sich, Liam anzusehen, während dieser in schweigendes Grübeln versunken war.

„Was oh nein, Dad?“, wollte James alarmiert wissen, auch Claire sah ihren Mann überrascht an. Wenn Liam so auf Harrys Informationen reagierte, konnte das nichts Gutes bedeuten.

„Die beiden Familien, das sind angesehene Mitglieder des Zaubergamots. Wenn er so vehement an sie heran kommen möchte, kann das nur bedeuten, dass er den Zaubergamot unter seine Kontrolle bringen will. Das wäre seine letzte Hürde um das Ministerium einzunehmen“, erklärte Liam

Harry sah die anderen bittend und mit ängstlichen Augen an. „Wie gut sind die Schutzzauber um dieses Haus?“

„Dad hat einige Extra-Zauber drauf gelegt, wie er eben Auror ist, aber ich denke, wenn es möglich ist, sollten wir sie verstärken“, meinte James und sah zu seinem Vater, welcher nur abwesend nickte.

„Er darf sie nicht kriegen“, zischte er und stand auf. „Ich muss kurz etwas mit jemandem besprechen, bin bald wieder da. Die Schutzzauber werden auf jeden Fall verstärkt, da könnt ihr euch sicher sein. Ich bin etwa eine Stunde bei Patrick und einem Kollegen, nicht weglaufen“, sagte er gehetzt und war schon im Kamin verschwunden.

**

„Liam, was machst du denn hier?“, fragte Patrick seinen Partner, als dieser aus seinem Kamin stolperte. Als er das bleiche Gesicht sah, ging er zu einem Tisch, auf welchem ein paar Flaschen und Gläser standen und goss seinem Freund ein Glas Feuerwhiskey ein und reichte es ihm.

Liam nahm es mit einem dankbaren Kopfnicken entgegen und stürzte es in einem Zug hinunter. „Pat, wir haben ein Problem. Voldemort will den Gamot unterwandern. Alle, die gegen ihn sind, werden entweder überredet oder sie werden umgebracht. Wir müssen uns darum kümmern.“

Patrick war geschockt aufgrund dieser Nachricht. Er ging wieder zum Tisch und goss sich nun selbst einen Feuerwhiskey ein und trank ihn in einem Zug aus. „Ich werde morgen sofort alles Nötige in die Wege leiten. Genieße du das Wochenende mit deinem Sohn und deinem Enkel und ihren Freundinnen.“

„Danke. Pass aber auf, wen du warnst, nicht, dass ein Todesser dabei ist“, erwiderte Liam.

„Hältst du mich für einen blutigen Anfänger? Aber mal etwas anderes, woher weißt du das eigentlich so plötzlich? Du bist doch schon seit heute Mittag zu Hause“, wollte Patrick wissen und musterte seinen Kollegen neugierig.

Liam seufzte, er wusste, dass sein Freund diese Frage stellen würde, aber wollte er sagen, dass Harry, das sein Enkel in den Kopf von diesem Monster gucken konnte? „Durch Harry“, murmelte er, da er wusste, dass er der Frage so oder so nicht entkommen konnte.

Patrick blickte seinen Freund verwirrt an. Wie konnte er das meinen? Liam sah wohl, dass sein Freund kein Wort verstand und wiederholte ihm nun das, was Ginny vorhin erzählt hatte. Als er gerade fertig war, betrat Leyah das Wohnzimmer der O'Conners.

„Liam was machst du denn hier? Pat sagte mir, du hast dir über das Wochenende frei genommen, da James, Lily, Harry und Ginny bei euch wären. Ich hoffe es ist nichts passiert?“, fragte sie und umarmte ihn kurz, bevor sie sich neben ihn auf die Couch setzte.

Der Auror warf einen Blick auf seine Uhr. „Tut mir leid, aber ich hab versprochen in einer Stunde wieder da zu sein und ich wollte noch kurz zu Gideon und ihn fragen, ob er dir morgen helfen würde“, sagte Liam und erhob sich langsam.

„Lass sein, ich werde selbst kurz zu ihm flohen, geh du nach Hause und lerne Harry kennen, man kann nie wissen, wie lange er noch da ist“, sagte Patrick und schob seinen Partner mit leichter Gewalt zum Kamin, damit er wieder nach Potter Manor zurückkehren konnte.

„Danke. Wir müssen demnächst mal wieder zusammen zu Abend essen. Was haltet ihr davon, wenn ihr Anfang Februar zu uns kommt am Samstag, wenn unsere Schützlinge lieber Quidditch spielen, als zu trainieren mit uns“, fragte Liam, als er schon im Kamin stand. „Sag mir einfach Montag bescheid“, fügte er noch hinzu, bevor ihn die grünen Flammen verschwand.

**

„Guten morgen, habt ihr gut geschlafen?“, fragte Claire am nächsten Morgen, als Ginny und Harry zum Frühstück kamen.

„Ja, danke Claire. Ich hab sehr gut geschlafen“, antwortete Ginny und sah Harry bei diesen Worten verliebt an.

„Ihr hättet mir übrigens ruhig sagen können, dass ihr lieber in einem Zimmer schlafen wollt. Da hättest du dich nicht in sein Zimmer schleichen müssen“, schmunzelte Claire. Harry und Ginny liefen synchron knall rot an.

In dem Moment betraten auch Liam, James und Lily das Esszimmer und als Liam die roten Gesichter von Harry und Ginny sah, lachte er lauthals. Lily und James hingegen sahen nur verständnislos zwischen den anderen hin und her.

„Haben wir etwas verpasst?“, fragte James und sah die beiden verständnislos an.

„Wir haben nur festgestellt, dass dein Sohn dir sehr ähnlich zu sein schein“, erwiderte Claire und lächelte, als sie die beiden Pärchen nun direkt vor sich stehen sah. Die Ähnlichkeit der beiden Jungs war ja nun kein Wunder, aber dass Ginny und Lily sich ebenfalls so ähnlich sahen, war beinahe beängstigend.

„Ich weiß. Er hat alles Wichtige von mir geerbt. Mein gutes Aussehen, mein Quidditchtalent und meinen guten Geschmack bei Frauen“, lachte James, wurde dann aber von Lily unterbrochen.

„Gott sei dank hat er nicht auch noch dein Ego geerbt.“

Claire und Liam lachten daraufhin nur noch mehr. „Wir meinten eigentlich eher die Geheimniskrämerei. Denn nicht nur Lily hat sich letzte Nacht in ein anderes Zimmer geschlichen.“ Nun war es an James und Lily, rot anzulaufen.

Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, sagte Liam: „Hört mal, ihr vier. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn ihr in einem Zimmer schlafen wollt, solange ihr bei Poppy wart und euch Verhütungstränke habt geben lassen. Ich will jetzt noch nicht Uropa werden, für Opa ist es ja zu spät“, grinste er.

Als alle sich beruhigt und am Frühstückstisch Platz genommen hatten, ergriff Liam wieder das Wort: „Habt ihr euch überlegt, ob wir den Test machen oder nicht?“

Harry schaute zu James und dieser sah zurück. Sie hatten in der letzten Woche sowohl nur zu zweit als auch mit ihren Freundinnen viel über dieses Thema gesprochen, waren aber zu keinem wirklich Ergebnis gekommen. Mal waren sie dafür, mal dagegen.

„Ich weiß nicht, ob ich dafür sein soll. Es würde bedeuten, dass ich, obwohl wir die Zukunft ändern, wieder im Mittelpunkt stehen werde. Das will ich nicht, aber vielleicht könnte es uns auch helfen. Ich bin hin und her gerissen“, sagte Harry und sah etwas verlegen auf den Teller vor sich. Es war ihm etwas peinlich, aber es war das, was er ehrlich dachte.

James sah nun nachdenklich zu seinem Vater. „Ich weiß, was Harry meint und ich bin auch in gewissen Sinne seiner Meinung. Aber vielleicht kann es uns ja auch helfen, wenn der Test überhaupt positiv sein sollte.“

Liam sah zu Lily und Ginny, als wollte er sie stumm auffordern ihre Meinung zu dem Thema kund zutun. „Erst einmal muss ich sagen, dass ich es nett finde, dass ich, beziehungsweise wir“, fügte Lily nach einen Blick auf Ginny hinzu, „nach unserer Meinung gefragt werden.“

„Das ist doch selbst verständlich, immerhin werdet ihr irgendwann ein vollständiges Mitglied dieser Familie sein, obwohl eigentlich seit ihr es jetzt schon“, unterbrach Claire Lilys Dank. „Aber verzeih, dass ich dich unterbrochen habe.“

Lily winkte bloß mit ihrer Hand ab. „So genau weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Natürlich könnte das ganze uns Vorteile bringen und wenn es nur der ist, das verschollene Gryffindor Castle zu finden mit seiner angeblich überdimensionalen Bibliothek, wo wir vielleicht Hilfe bekommen könnten. Aber andererseits würden wir so noch mehr in den Fokus von Voldemort kommen und das behagt mir nicht sonderlich.“

„Sie hat vollkommen Recht, das ist genau das, was ich auch denke. Es ist nicht so, als wäre ich es nicht gewöhnt auf Voldemorts Liste sehr weit oben zu stehen, spätestens, seit ich mit Harry zusammen gekommen bin, aber ein wenig Ruhe wäre für unser Vorhaben von Vorteil denke ich“, fügte Ginny noch hinzu. Sie hatte mit Lily in der letzten Woche sehr ausführlich über dieses Thema geredet vor allem auch ohne ihre Freunde, die ihnen zwar davon erzählt hatten und auch ihre Meinung wissen wollten, es ansonsten aber lieber alleine mit sich bzw. untereinander ausmachen wollten.

„Also seid ihr vier dagegen?“, fragte Liam und klang leicht enttäuscht.

„Nicht zwangsläufig, Dad. Wir möchten hauptsächlich, dass es solange wie möglich geheim bleibt, zumindest bis Voldemort vernichtet ist“, antwortete James und sah zu Harry, als wolle er ihn auffordern auch noch etwas zu dem Thema zu sagen.

Harry seufzte, er wusste, dass er wohl der einzige war, der diesen Test nicht machen wollte, aber sie hatten alle auch Recht, es könnte hilfreich sein, es könnte ihnen vorteile bringen. „Die Frage ist, wiegen die Vorteile, die es haben könnte, die Nachteile die der Test hat auf? Wenn ja, bin ich dafür, wenn nein, bin ich dagegen.“

Mittlerweile hatte jeder sein Frühstück beendet und Liam stand auf und ging neben dem Tisch auf und ab um seine Gedanken zu sortieren. Er zog seinen Zauberstab und neben ihm schwebte sowohl ein Pergament als auch eine Flotte-Schreibe-Feder. „Die Nachteile wären also die Aufmerksamkeit, Voldemorts erhöhtes Interesse, sicher ist, dass wir das Erbe antreten müssen, wenn wir den Test machen, sprich wir haben alle Rechte und Pflichten, die damit zusammen hängen, wie ein zusätzlicher Sitz im Gamot, im Schulbeirat, wir haben ein größeren Einfluss auf die Wahl des Schuldirektors. Ob das Vor- oder Nachteile sind, lasse ich jeden selbst entscheiden. Vorteile währen auf jeden Fall die Bibliothek von Gryffindor mit einem enormen Wissen, besonders von Büchern, die so schon als Verschollen gelten. Mit Gryffindor Castle hätten wir einen sicheren Zufluchtsort für uns und unsere Freunde. Meinst du das wiegt das auf?“, wandte sich Liam nun an seinen Enkel, der aufmerksam zugehört hatte und nun gedankenverloren sein Glas mit Kürbissaft in den Händen drehte.

„Können wir nicht erst den Test machen und dann in Ruhe überlegen, ob wir es annehmen?“, fragte er leise. Ihm behagte das ganze immer noch nicht so ganz. Er hatte sich doch auf ein so ruhiges Leben gefreut, gefreut, dass er dann nur einer unter vielen sein würde. Niemand besonderes mehr - einfach nur Harry James Potter.

Liam schüttelte den Kopf. „Das geht leider nicht. Wenn du den Test machst, und dein Stammbaum offenbart wird, nimmst du automatisch die Erbschaften an, die offen stehen für dich.“

„Lasst ihr mir eine halbe Stunde? Ich muss auf meinen Besen“, damit verließ Harry fast fluchtartig den Raum und ließ fünf ratlose Menschen im Raum zurück.

Pünktlich kam er wieder zurück. Sein Gesichtsausdruck war entschlossen, er hatte ganz offensichtlich eine Entscheidung gefällt. „Wir machen es. Mir ist klar geworden, dass es uns wirklich helfen könnte und anders als in meiner Zeitleiste, werde ich langsam da hingeführt und stolpere nicht von heute auf morgen in ein mir vollkommen fremdes Leben, vorausgesetzt natürlich, wir besiegen diesen Bastard.“

Ginny ging auf ihn zu und umarmte ihn fest. Sie wusste, dass ihm diese Entscheidung schwer gefallen sein musste. Aber sie war froh, dass er nun auch dafür war. Denn während Harry fliegen war, hatten sich Liam, Claire, James, Lily und sie verständigt, dass der Test nur gemacht werden würde, wenn alle einverstanden wären.

„Dann auf zieht euch um, holt eure Umhänge und dann auf zu Gringotts, ich denke wir sollten es dann schnellst möglich hinter uns bringen, damit wir heute Abend Zeit für uns haben“, unterbrach Claire die Vertrautheit von Ginny und Harry. Jeder ging nun in sein Zimmer um sich umzuziehen. Zehn Minuten später waren alle fertig und sie stellten sich vor den Kamin, mit welchem sie in den Tropfenden Kessel reisen wollten.
Die Wirklichkeit ist nur etwas für Menschen, die mit Büchern nichts anfangen können.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von Tjeika »

Huhu ihr Lieben,

den Zauberergamot unter seine Kontrolle kriegen also, das hat Voldemort also vor. Klingt nicht sonderlich fein...
Ich kann Harry schon sehr gut verstehen, dass er Zweifel hatte, diesen Test zu machen, aber auch in meinen Augen überwiegen die Vorteile die Nachteile.
Dies hier war ein ganz wunderbares Kapitel, in der Tat!

Ich bin nun sehr gespannt, was der Test bringt und ob sie es schaffen werden, die beiden Familien vor Voldemort zu schützen!

Ich freue mich auf mehr :knuddel:
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Hey Ria,

schön, dass dir das Kapitel wieder gefallen hat. Hier geht es auch gleich weiter und auch der Test wird jetzt direkt gemacht. Viel Spaß dabei :knuff:


Kapitel 41

Gringotts


Als alle sich den Ruß von ihrem Roben abgeklopft hatten, traten sie in den Hinterhof des Tropfenden Kessels vor die Backsteinmauer. Liam zückte seinen Zauberstab und zählte die Backsteine ab - drei nach oben...zwei zur Seite. Als er den richtigen gefunden hatte, klopfte er dreimal mit seinem Stab dagegen und der Eingang zur Einkaufsstraße der Hexen und Zauberer öffnete sich.

„Lasst uns erst zu Gringotts gehen und dann können wir eventuell noch ein wenig bummeln, was haltet ihr davon?“, fragte Liam nachdem alle durch den Rundbogen gegangen waren. Die anderen nickten zustimmend, so dass sie nun zügigen Schrittes auf das großen schneeweißen Haus mit dem blankpolierten Bronzetor zugingen, in welchem die Zaubererbank untergebracht war.

„Guten Tag“, sagte Liam, nachdem sie hingegangen waren und nun vor einem Schalter standen, hinter dem ein missmutig aussehender Kobold stand. „Ich würde gerne einen magischen Erbschaftstest machen“, fügte er leiser hinzu. Es musste ja nicht jeder sofort mitbekommen, was sie vorhatten. Der Kobold schien zu verstehen, nickte kurz und bedeutete ihnen durch ein Handzeichen ihm zu folgen.

Sie betraten ein großes Büro, in dem ein riesiger Schreibtisch stand, hinter welchem der Kobold, der dort saß, fast verschwand. In einer Ecke stand eine gemütlich aussehende Sitzgruppe. „Guten Tag Mister Potter“, sagte der Kobold, welcher etwas freundlicher zu sein schien als der, der sie hier her geführt hatte.

„Negotian. Ich hoffe, Ihre Geschäfte laufen gut“, erwiderte Liam den Gruß mit einem freundlichen Lächeln. „Meine Frau und meinen Sohn kennen Sie ja bereits. Diese reizende Lady wird hoffentlich einmal meine Schwiegertochter. Der junge Mann und die Dame neben ihm sind Freunde der Familie und sie dürfen offen und ehrlich vor ihnen reden, denn wir haben keine Geheimnisse.“ Zwar gehörte Harry zur Familie, aber Liam konnte dem Kobold gegenüber ja schlecht sagen, dass sein fast achtzehn jähriger Sohn ein Kind hatte, was im selben Alter war wie er selbst.

Negotian nickte und zeigte auf die Sitzgruppe. „Wollen wir uns nicht dort hinsetzen? Ich denke, es lassen sich so leichter Geschäfte machen.“

Die Potters und der Direktor von Gringotts, denn keiner anderer war Negotian, setzten sich und der Kobold sah sie fragend an. „Was kann ich für sie tun?“

„Ich würde gerne einen magischen Erbschaftstest machen lassen“, sagte Liam und sah noch einmal zu Harry und James, ob sie ihre Meinung nicht in letzter Minute geändert hätten.

„Sie wissen, dass Sie das Erbe dann annehmen müssen, wenn der Test positiv ist? Das heißt, Sie müssen die Pflichten, die der Name Potter mit sich bringt, müssen sie dann erfüllen“, sagte Negotian und nachdem Liam genickt hatte, schnippte er einmal mit seinen Fingern und vor ihm auf dem Tisch erschien ein Stapel Pergamente.

„Wenn ich Sie bitten dürfte, auf dieses Pergament ein paar Tropfen Blut zu träufeln“, bat er und reichte Liam einen Dolch.

Dieser nahm ihn mit einem dankbaren Nicken entgegen und schnitt sich in seinen linken Zeigefinger und ließ drei Tropfen davon auf das Pergament fallen. Mit einem Wink seines Zauberstabes ließ er den Schnitt verheilen und blickte dann auf sein Blut. Von dort, wo es auf das Blatt getropft war, zogen feine Linien über das Pergament und es bildeten sich in feiner, schnörkeliger Schrift Namen.
Immer weiter verzweigte sich das Geflecht, mittlerweile waren Vorfahren aus dem fünfzehnten Jahrhundert erschienen. Weiter wanderte es zum vierzehnten, dreizehnten und zwölften Jahrhundert.

Gespannt verfolgten die sechs Potters, die zukünftigen wurden schon als dazugehörig betrachtet, bald müsste der Name auftauchen, falls er überhaupt auftauchen würde.

Negotian schien es nicht zu interessieren, wie der Stammbaum sich aufbaute, er hielt ein anderes Pergament in den Händen und nickte von Zeit zu Zeit, was aber keinem der Menschen in diesem Raum beachtet wurde.

Die Köpfe beugten sich noch etwas tiefer über das Pergament, sie hielten alle den Atem an. Plötzlich zeigte Harrys zitternder Finger auf einen Punkt - Mary Gryffindor. Von diesem Namen ging eine weitere Verbindung zu Godric und Sarah Gryffindor. Offenbar war Mary das einzige Kind von Godric und heiratete einen Simon O'Duncan. Erst Ende des zwölften Jahrhunderts kam der erste Potter ins Spiel. Eine gewisse Sophie O'Duncan heiratete dort einen Charles Potter.

„Es stimmt also, es waren keine Gerüchte“, sagte Liam fast atemlos. Er war in dem Glauben aufgewachsen, dass es eine Legende wäre, nichts weiter. Aber hier bewahrheitete sich einmal wieder, dass Legenden immer einen wahren Kern haben.

Die Augen des Kobolds weiteten sich, als er auf das Ergebnis blickte. Der Reihe nach blickte er erst Liam, dann James und schließlich Harry an, um danach die Frauen scheu anzusehen.

Dann quiekte er mit einem Male auf und verbeugte sich hastig. „Sie sind es wirklich, Sie sind wirklich gekommen... oh, welch eine Ehre... Die Herren Gryffindor sind zurück gekehrt!“

Verlegen blickten die sechs sich an.
„Ähem“, machte Harry und wusste nicht wirklich, was er sagen sollte.

Aufgeregt versuchte Negotian ihnen zu verstehen zu geben, dass er zu einem Kollegen müsse wegen einiger Unterlagen. Es hatte dem Kobold ganz offensichtlich die Sprache verschlagen, was James grinsen ließ.

Als Harry ihn ansah, erkannte er, dass dieser ein begeistertes Funkeln in den Augen hatte. „Cool“, flüsterte James und sah nun die anderen mit leuchtenden Augen an.

Liam und auch Harry hingegen waren sehr blass geworden.

„Ich kann es nicht glauben“, stammelte Liam, „es ist wirklich wahr. Die Linie der Ahnen existiert bis heute… wir sind… wir sind…“

Lords“, platzte es aus James heraus und Harry dachte, dass dieser das Ganze vielleicht eher wie ein großes Abenteuer ansah. Wusste er denn nicht, was das bedeutete? Wieder etwas, woran die anderen sie erkennen würden, worauf sie neidisch wären und sie für etwas besseres hielten, was sie nicht waren.

„Lady Potter“, murmelte Lily und taumelte einen Schritt zurück.

„Nicht ganz Miss. Richtig müsste es heißen Lady Gryffindor-Potter“, sagte da die Stimme des Direktors von Gringotts.

Claire und Ginny hatten noch kein Wort gesagt, ebenso wie Harry. Die Information schien sich nur ganz langsam in ihrem Kopf fest zu setzen, was dieser Stammbaum ihnen soeben offenbart hatte, aber als der Negotian weiter sprach, versuchten sie ihre Aufmerksamkeit auf ihn zu richten. „Darf ich ihnen Vilico vorstellen. Er ist für die alten Verließe zuständig, ebenso Verwaltet er die Vermögen von den vier ehrenwerten Gründern von Hogwarts.“

Liam stand auf, ging auf den Kobold zu und streckte ihm die Hand entgegen. Vilico ließ sich auf die Knie fallen.

„Mein Lord“, sagte er leise und wagte es nicht, Liam anzusehen. Dieser sah erschrocken auf den Kobold und bat ihn, aufzustehen.

„Ich… ich bin kein Lord“, sagte Liam verwirrt. Sicher, er wusste, dass Godric Gryffindor ein Lord gewesen war, ebenso wie die anderen Gründer der Schule Lords und Ladies gewesen waren - doch er, Liam Potter, sollte nun ein Lord Gryffindor sein?

Vilico erhob sich schüchtern und verneigte sich nun auch vor allen anderen Mitgliedern der Familie.
„Ich habe die Ehre, Sie in die Besitztümer und Rechte und Pflichten ihrer Vorfahren, sowie ein wenig in die Familiengeschichte der Gryffindors einzuweihen“, erklärte er und begann, mehrere Pergamente vor sich auszubreiten.

„Den letzten Lord Gryffindor durften wir vor sechshundert Jahren in unseren Hallen begrüßen. Damals herrschte der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankereich und zugleich hatte die Kirche einen enormen Einfluss auf die damalige Bevölkerung, sowohl den Adel als auch die niederen Stände. Die magische Bevölkerung war in einer äußerst schwierigen Lage, da immer mehr Hexen und Zauberer in die Belange des Krieges hinein gezogen wurden und schließlich entlarvt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.“

Die Anwesenden schüttelte es bei diesen Schilderungen. Jeder von ihnen kannte die grauenhaften Bilder aus jener Zeit, als Hexen, doch auch nicht wenige unschuldige Muggel, auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden waren. Sie konnten etwas, das für den Rest der Bevölkerung, einschließlich des Klerus, unverständlich war.

„Um sich zu schützen, übergab der damalige Lord Gryffindor all seine Besitztümer in die Hände des Direktors von Gringotts, einschließlich sämtlicher Papiere, Ausweise, Testamente, Auszeichnungen und natürlich Materielle Reichtümer sowie Schlösser, Burgen und Gold und Schmuck, wie es kein Kobold dieser Bank jemals zu Gesicht bekommen hatte. Er legte seinen Adelstitel ab und nahm seinen Bürgerlichen Namen wieder an. Von dort an hießen seine Nachkommen Potter, ohne den Zusatz des Lords. Doch unsere Bank ist angewiesen, auf alle Eigentümer und Nachlassenschaften der Gründer ein besonderes Auge zu haben und so existieren diese bis heute und haben nun, wie mir scheint, einen neuen Besitzer gefunden.“

Liam war sichtlich darum bemüht, die Fassung zu wahren.

„Als erstes werden wir nun das Formelle klären. Ich muss alle, die in das Erbe der Gryffindors mit eingeschlossen sind, mit all ihren Daten aufnehmen, damit Sie als die rechtmäßigen Erben anerkannt sind.“

Harry schluckte und hörte kaum zu, als Liam auch schon begann, Vilico seinen Namen, Geburtsdatum und -ort zu nennen.
Doch als Claire einen Blick auf ihren zukünftigen Enkel warf, wurde sie blass und unterbrach ihren Mann nervös.

„Ist es möglich, dass man später noch Erben ernennen kann? Also, ich meine… wie genau verläuft das mit der Weitervererbung?“, wollte sie von dem Kobold wissen und Harry atmete erleichtert auf.

Denn genau hier tat sich ein großes Problem auf: offiziell waren Harry und Ginny gar nicht hier, da sie zu dieser Zeit noch nicht einmal geboren worden waren. Folglich konnten sie auch das Erbe der Gryffindors noch nicht mittragen, würde aber in wenigen Jahren zur Familie gehören - und zumindest Harry wäre dann direkter Nachkomme der Familie Potter und somit auch Gryffindors.

„Natürlich, das ist kein Problem“, erklärte Vilico, „Die Lords und Ladies sind berechtigt jeden, der als Familienmitglied gilt, ob direkter Nachkomme oder eingeheiratet, ebenfalls zum Erben zu bestimmen.“

Harry saß noch immer unbeweglich auf seinem Stuhl.

Claire schien mit dieser Antwort zufrieden und nachdem sie ihre Daten genannt hatte, wandte sie sich an James, damit dieser als dritter und letzter seine Daten nennen konnte. Denn Lily würde erst nach der Heirat in das Erbe aufgenommen werden und Harry erst nach seiner Geburt.

Als dies alles notiert war, begann der Kobold aufzuzählen, was sie alles genau geerbt hatten und wie in der Vergangenheit das Erbe der Gryffindors verwaltet wurde. „Lord Lester Gryffindor hat uns den Auftrag gegeben, sein Geld nicht nur brach liegen zu lassen, sondern auch damit zu arbeiten, was wir getan haben. Aber erst einmal kommen wir zu den Grundstücken und Gebäuden. Als Gründer von Hogwarts gehörte Godric ein viertel des Schlosses, allerdings gibt es einen Vertrag, den alle Vier gleich am Anfang unterzeichnet hatten, wonach es zwar ihnen gehört, aber solange die Schule existiert nicht privat genutzt werden darf. Weiterhin haben sie ein Schloss ganz in der Nähe von Hogwarts - Gryffindor Castle. Ein kleines Landhaus steht in Godric's Hollow, der Stadt die vor fast eintausend Jahren von Godric Gryffindor persönlich gegründet wurde. Ein weiteres kleines Schloss steht in Süd Irland - O'Duncon Mannor, wobei dies, wie schon erwähnt, eher ein Schloss als ein Mannor ist. In Südspanien steht eine Ferien Finca, direkt am Meer mit einem sehr großzügigem Privatstrand.“

„Ich glaube, ich weiß, wo wir unseren nächsten Urlaub machen“, brachte Liam mühsam hervor. Ihm war das alles irgendwie zu viel, mit einem Mal hatten sie vier zusätzliche Häuser, zwei davon waren sogar Schlösser. Wer weiß, was von den Gebäuden überhaupt noch steht, wo sie doch Jahrhunderte leer standen, dachte er und blinzelte. Vilico lächelte nur freundlich und wartete darauf, dass wieder Ruhe einkehrte, damit er mit seinem Bericht fortfahren konnte.

„Im Verlies der Gryffindors befinden sich neben 53 Truhen mit Gold, Silber und Edelsteinen, auch Waffen und Rüstungen. Das eigentliche Schwert von Sir Godric befindet sich allerdings in Hogwarts. Auch seltene Bücher und Artefakte lagern dort, neben Besitzurkunden von diversen Firmen und rund 500 Millionen Galeonen.“ Nicht nur Liam verschluckte sich bei dieser Summe an seinem Tee, auch Claire und James bekamen einen Hustenanfall und versuchten wieder normal Luft zubekommen. Harry schien von dem allem nicht wirklich etwas mitzubekommen, er war immer noch in seinen Gedanken versunken und stellte sich einige Fragen, wobei er genau von Ginny und Lily beobachtet wurden.

„Darf ich Sie etwas fragen?“, fragte Harry noch leicht abwesend. Er wusste die Antwort zwar eigentlich schon, wollte aber noch einmal Gewissheit haben. Auch wenn er es nicht glaubte, aber er hoffte, dass der größte Zauberer dieses Jahrhunderts sich in diesem Punkt vielleicht doch irrte, auch wenn sein Kopf etwas anderes sagte, aber er wollte hoffen.

„Natürlich!“

„Gibt es… auch Nachkommen der anderen Gründer in unserer Zeit?“

Der Blick des Kobolds verdunkelte sich. „Es gibt einen“, begann er und es bereitete ihm sichtliches Unbehangen, darüber zu sprechen. „Jenen, der sich selbst Lord nennt und dies, wie wir wissen, auch zurecht. Doch sein Verhalten ist leider alles andere als im Sinne des ehrenwerten Lords Slytherin.“

Harry keuchte. „Voldemort“, flüsterte er und wurde blass. Wenn Voldemort erfuhr, dass nun eine weitere Familie der Gründer aus den Schatten getreten war, würde er alles daran tun, sie auszuschalten. Er begann zu zittern, wieder etwas, womit er seine Familie in Gefahr gebracht hatte. Wären er und Ginny nicht hier gelandet, hätten sie vermutlich nie dieses Erbe antreten müssen…

„Harry, was hast du?“, unterbrach Ginny seine düsteren Gedanken und löste seine verkrampften Hände. Ihr reichte es jetzt, sie wollte wissen, was mit ihrem Freund los war. Harry sah sie verlegen an und bedeutete ihr, nicht jetzt darüber zu sprechen. Doch er blieb auch den Rest der Zeit still und nervös und sein Herz wollte einfach nicht aufhören zu klopfen.
Beinahe rechnete er damit, seine Narbe zu spüren, wie es gestern erst der Fall gewesen war. Er war sich sicher, Voldemort würde einen Weg finden, seiner Familie Leid anzutun… sein Blick fiel auf Lily und James.
Nein, dachte er, Mum und Dad werden leben, du Bastard bekommst sie nicht!

Damit erneuerte er zum Wiederholten Male das Versprechen, was er sich schon gegeben hatte, als er den Vorschlag gemacht hatte, die Zeitlinie zu ändern. Als er gesagt hatte, das Ginny und er vielleicht genau deshalb hier gelandet waren in dieser Zeit. Er würde es schaffen, er war nicht allein. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er seine Familie, die zu ihm stand, die ihm half und was viel wichtiger war, die ihn liebte und akzeptierte wie er war.

Ein leichtes Lächeln bereitete sich auf Harrys Gesicht aus, als er einen nach dem anderen ansah, Liam, Claire und James lauschten gespannt und ungläubig dem Vortrag des Kobolds. Lily saß ihm gegenüber und sah immer zwischen Vilico und ihm selbst hin und her, ihr sorgenvoller Blick änderte sich aber, als er sie lächeln sah und lächelte zurück. Auch Ginnys Miene hellte sich auf und schenkte ihm ein zaghaftes Strahlen, was Harrys Augen zum Leuchten brachte.

Der Kobold schien fertig zu sein, denn alle, die dem Gespräch gefolgt waren erhoben sich nun. Harry richtete seine Aufmerksamkeit nun wieder auf seinen Großvater, der gerade etwas sagen wollte. „Ich hätte gerne vier Geldbeutel, für die vier jungen Herrschaften, mit denen sie über eine bestimmte Summe aus dem Familienverlies der Potters monatlich verfügen können.“

„Aber -“, wollte Harry aufbegehren und auch Ginny schien sich bei diesen Worten nicht sehr wohl in ihrer Haut zu fühlen, aber ein Blick von Liam und die geflüsterten Worte von Claire, dass sie später darüber reden könnten, ließen sie vorerst verstummen.

„Selbstverständlich Lord Gryffindor-Potter, ich bräuchte nur je einen Tropfen Blut von den Besitzern der Beutel, damit niemand sonst darauf zugreifen kann“, erwiderte Negotian, der während der Ausführungen von Vilico sehr schweigsam gewesen war. Mit einem Schnippen erschienen je vier Beutel, ein Stapel Pergamente sowie der kleine Dolch, den Liam vorhin schon benutzt hatte. Liam setzte in den Formulare die Summe ein und unterschrieb die Pergamente. „Tut mir leid, sie müssten die Pergamente noch einmal ausfüllen und unterschreiben, sie müssen mit ihrem Vollständigen Namen unterschreiben, ein einfaches Potter reicht leider nicht mehr.“

Nachdem er die Formulare erneut ausgefüllt hatte und diesmal mit seinem neuen Namen unterschriebe hatte, verließen sie das Büro des Direktors. Liam beschloss sich kurz im Verließ seines berühmten Vorfahren umzusehen, bevor sie sich einen schönen Tag in London machen wollten. Eine halbe Stunde später kam er wieder. „Ich glaube, ich sollte mir nächste Woche mal einen Tag frei nehmen und mich dort genauer umsehen, außerdem sollten wir an einem der zukünftigen Wochenende mal unsere Häuser ansehen um zu schauen, was von ihnen noch vorhanden ist. Ich habe dort unten Grundrisse für Gryffindor Castle und O'Duncan Manor gefunden. Aber nun lasst uns Spaß haben“, grinste er, gab seiner Frau einen Kuss und Hand in Hand verließen die drei Paare die Zaubererbank.

„Ich würde gerne zu Qualität für Quidditch“, sagte James und warf einen sehnsüchtigen Blick in die Richtung dieses Ladens.

„Du hast die Hoffnung, dass du diesen neuen Besen bekommst, wohl immer noch nicht aufgegeben oder?“, fragte Liam und sah seinen Sohn mit schelmisch funkelnden Augen an. Er verstand seinen Sohn ja, denn er war in seiner Jugend genauso verrückt nach diesem beliebten Zauberersport gewesen. Er wandte seinen Blick zu Claire, welche nur mit den Augen rollen konnte, denn sie verstand, das James ihren Mann endlich weich geklopft hatte und nun seinen neuen Besen bekam.

Sie nickte und bekam ein strahlendes Lächeln von ihrem Mann und einen Kuss. Er wollte sich schon zu James umdrehen, um ihm diese Nachricht zu erzählen, als sie noch hinzufügte: „Aber nur, wenn ihr Männer mit uns anschließend durch Muggellondon geht und nicht meckert, wenn wir einkaufen.“ Nun war sie es, die grinste, denn sie bekam Liam nie dazu, mit ihr einmal durch die Muggelseite der Stadt zu bummeln. Er war eben ein typischer Zauberer und verstand nichts von dieser Seite der Menschheit. Anders als Claire, die zwar auch eine Reinblütige Hexe war, aber sich immer sehr für Muggel interessiert hatte und das Einkaufen bei diesen gerade zu liebte. Liam nickte geschlagen und wandte sich dann an James.

„Wer zu erst bei deinem neuen Besten ist!“ Bevor James überhaupt ganz verstand, was sein Vater da gesagt hatte, hatte dieser auch schon fast zehn Meter Vorsprung.

Lily und Claire sahen den beiden Männern, die in diesem Moment wieder Kinder waren, nur kopfschüttelnd hinterher. Langsam setzten sich die beiden in Begleitung von Ginny und Harry in Bewegung, um James und Liam zu folgen. Allerdings merkte man ihnen an, das sie es nicht eilig hatten, beide wussten aus Erfahrung, dass ihre Männer die nächste Stunde vollkommen in ihrem Element waren.

Vor der Magischen Meganerie blieben sie stehen. Harry und Ginny sahen sich das Schaufenster an, bis Harry der Atem stockte. „Luna“, murmelte er fast tonlos, aber Ginny und auch Claire, die gerade hinter die beiden getreten war, hatten ihn gehört.

„Luna?“, fragte Claire und versuchte Harrys Blick zu folgen, welcher in Gedanken versunken auf die Schaufensterscheibe starrte. Bilder flogen vor Harrys innerem Auge vorbei. Bilder aus glücklichen Tagen seiner Kindheit. Er flog auf einem Besen, es schepperte, eine Katze miaute und lief schnell weg, als Harry auf einem kleinen Kinderbesen auf sie zu geflogen kam. James lachte, genau wie Lily.

„Da... das is... ist ... Luna“, stammelte er und zeigte auf eine schwarz-weiße Katze, die Harry aus ihren grünen Augen musterte. „Das ist unsere Katze, nein es wird unsere Katze sein. Ich werde sie beim Fliegen fast umbringen, wenn ich ein Jahr alt bin.“

„Du erinnerst dich an Erlebnisse aus deinem Leben, die so lange zurück liegen? Du warst erst eins!“, fragte Claire und sah ihn fast geschockt an. Bedeutet das etwa, er kann sich auch genau an die Nacht erinnern, in der Lily und James sterben, bzw. für ihn gestorben sind?, fragte sie sich und wusste nicht ganz, was sie von der ganzen Sache halten sollte. Normalerweise erinnern sich Menschen erst an Ereignisse, die nach ihrem dritten bis fünften Lebensjahr passiert sind und auch dann meistens nur, wenn ihnen durch Erzählungen geholfen wird.

Harry nickte. „An ein paar Sachen erinnere ich mich, daran, wie Voldemort, Mum und Dad“, er schluckte hart, das würde nicht passieren, er musste es nicht noch einmal erleben. Claire nahm ihn liebevoll in den Arm. „Daran, wie Hagrid mich zu den Dursleys brachte, aber nur an den Lärm des Motorrades. Das mit Luna ist mir gerade eingefallen, besser gesagt ich habe es in einem Brief gelesen, den Mum an Sirius geschrieben hatte. Aber eben, als ich der Katze in die Augen gesehen habe, konnte ich mich wieder klar erinnern, ich sah die Bilder ganz deutlich vor mir. Wir waren alles so glücklich. Es war so schön, dass zu sehen“, nun strahlte Harry schon wieder.

Claire nahm einfach seine Hand und betrat mit ihm das Geschäft. Lily und Ginny folgten den Beiden.

„Ich hätte gerne diese Katze“, sagte die frischgebackene Lady Gryffindor-Potter und deutete auf Luna, wie Harry sie nannte.

„Das ist eine ausgezeichnete Wahl. Sie ist ein Halbkniesel und hilft Menschen, wenn diese traurig sind. Sie zeigt den Menschen Erinnerungen, die dieser längst vergessen hatte, Erinnerungen aus glücklichen Tagen und so spendet sie Hoffnung. So ist auch der Name der Katze, Hope“, antwortete die Verkäuferin höfflich.

„Kann man diese Katze noch umbenennen?“, wollte Claire wissen, während Harry versuchte sie auf sich aufmerksam zu machen.

Die Verkäuferin nickte. „Aber selbstverständlich ist dies möglich. Benötigen sie sonst noch etwas?“

Claire kaufte außerdem noch Futter, ein Buch in dem der richtige Umgang und die richtige Pflege der Katze beschrieben wurde und noch ein paar Kleinigkeiten. Hope, oder Luna wie sie in Zukunft heißen würde, wurde in eine Transportbox gepackt und an Harry übergeben.

„Claire -“, versuchte Harry erneut anzufangen zu sprechen.

„Nein Harry, hör mir zu. Lass mir die Freunde, dir diese Katze zu schenken, wenn sie später sowieso euch gehört, dann gehört sie nun eben schon früher in eure Familie“, sie sah ihn liebevoll an und Harry konnte in dem Moment nicht anders. Er drückte Ginny die Box mit der Katze in die Hand und umarmte die verdutzte Claire stürmisch.

„Danke, Granny“, flüsterte er leise, aber Claire vernahm die Worte und eine Träne des Glückes lief ihr die Wange hinunter. Wenn sie bis dahin noch Zweifel gehabt hätte, ob sie Harry nun mögen soll oder nicht, so waren sie spätestens in diesem Moment Beiseite geräumt.

Es war schön so in der Umarmung von Claire, von seiner Grandma. Er musste grinsen, er hatte bemerkt, was das Wort Granny bei ihr ausgelöst hatte. Plötzlich versteifte er sich.

Nein nicht jetzt, was will sie hier? Sie wird mir nicht noch einmal jemanden wegnehmen, dachte er, als er ein irrsinniges Lachen vernahm.

Claire merkte dies natürlich, da sie ihn immer noch im Arm hielt allerdings verstand sie nicht, was seine Reaktion zu bedeuten hatte. Er löste sich von ihr und als sie seinen Geschichtsausdruck sah, erschrak sie.

In ihm stand blanke Wut und Hass geschrieben.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Tjeika
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von Tjeika »

Huhu ihr beiden Süßen! :knuff:

Wieder ein sehr sehr schönes Kapitel. Ich hoffe, ihr werdet des Lobes nicht müde, denn irgendwie ... ja, ich kann diese gute Geschichte eben nur loben.
Dies war wieder einmal ein äußerst aufschlussreiches Kapitel. Irgendwie war mir klar, bei all den Andeutungen, die vorher schon gemacht wurden innerhalb der Geschichte, dass die Potters tatsächlich die direkten Nachfahren von Gryffindor waren.
Da fällt mir übrigens eine Ungereimtheit auf, die wir gestern am Telefon, vojka, schon einmal kurz hatten beim Thema Hogwarts Hausaufgaben. Es wurden doch nur Muggel als Hexen verbrannt :grübel:
Wie dem auch sei, ich bin nun sehr gespannt, was sie mit all den Häusern und dem vielen, wahrlich vielen Geld nun anstellen werden. Wie ich mir die Potters vorstelle und wie sie in der Geschichte hier rüberkommen, werden sie sicherlich was reichlich gutes damit tun.
Gespannter bin ich aber nun darauf, wer diese Person ist, die da nun aufgetaucht ist... aber ich ahne böses, ich ahne, wer es ist... bei diesem Lachen...

Neugierig bin ich nun aber auf alle Fälle und wahrlich gespannt auf das nächste Kapitel!
Ria :knuddel:
"Hören Sie, Sir, folgendes... Es geht um meinen Teppich, der das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht hat..."

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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Hey, stimmt schon, aber gejagd wurden die Hexen und Zauberer schon, naja und ohne Zauberstab waren sie auch machtlos und vielleicht ist doch die eine oder andere Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wer weiß das schon?
Stimmt die Andeutungen waren schon sehr zahlreich und deutlich, aber das war uns auch egal *lach*

Hier geht es jetzt auch gleich für dich weiter.

Kapitel 42

Godrics Verlies

Harry wandte sich von Claire ab und sah die Winkelgasse hinauf und wieder hinunter, als würde er etwas suchen. Dann schien er es entdeckt zu haben, denn sein Blick richtete sich starr auf drei Personen. Claire versuchte aus zu machen, wer diese Personen waren, konnte es aber nicht wirklich erkennen, da sie schwarze Umhänge trugen und die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen hatten. Harry wollte auf die Gestalten zu gehen, aber Claire legte ihm eine Hand auf die Schulter, was ihn zusammen zucken ließ.

„Harry, was ist los?“, fragte sie behutsam und beließ ihre Hand dort, wo sie war.

„Bellatrix ist los“, zischte er fast und fixierte weiter die drei Gestalten, die vor dem Eingang zur Nokturngasse standen.

„Bitte Harry, tue nichts Unüberlegtes. Sirius wird nicht hinter den Vorhang fallen und auch Nevilles Eltern werden nie in den Wahnsinn gefoltert. Wir werden dafür sorgen, das sie in Askaban landet und dort auch für den Rest ihres Lebens bleibt, denn Voldemort wird vernichtet und wird auch nie wieder auferstehen können“, flüsterte Ginny in ihm Ohr. Sie hatte gehört, was er gesagt hatte und wusste wohl am besten, was gerade in ihm vorging. Sie umarmte Harry und hielt ihn so einfach fest und langsam, ganz langsam löste sich seine Anspannung. Schließlich nickte Harry und löste sich sanft von ihr, gab Ginny einen zärtlichen Kuss und wandte sich an Lily und Claire, die ihn besorgt musterten.

„Geht schon wieder“, murmelte er und versuchte zu lächeln, was jedoch etwas misslang, denn es wirkte sehr schief und gequält. Er nahm die Box mit Luna von Boden auf, die Ginny dort abgestellt hatte um ihn besser umarmen zu können und fügte dann noch hinzu: „Wollen wir Grandpa und Dad nicht mal aufsammeln? Sonst wird das nichts mehr mit eurem Einkaufsbummel heute?“

Langsam setzten sich die drei Frauen und Harry in Bewegung. Ginny hielt Harrys freie Hand, es sah aus, als wolle sie so verhindern, dass er sich doch noch auf Bellatrix Lestrange stürzte. Aber er tat es nicht, er warf zwar noch einen Blick über seine Schulter zurück, doch da waren die drei auch schon verschwunden.

Sie gingen zu Qualität für Quidditch, wo Liam und James immer noch diskutierten, welcher Besen denn nur der Beste wäre. Nach weiteren zehn Minuten waren sie endlich fertig und die Gruppe beschloss kurz nach Hause zu flohen, um die Einkäufe wegzubringen und sich muggelgerechter zu kleiden. Sie verbrachten einen schönen Nachmittag in London, aßen bei einem Italiener zu Mittag und kauften in verschiedenen Boutiquen ein.
Selbst aufgleitende Schiebetüren, Kassenscans und Rolltreppen trugen zur Belustigung aller bei und zum Schluss waren auch Liam und James froh, diesen Ausflug in die Muggelwelt mit ihrer Familie erlebt zu haben
Auch den Männern wurden nicht verschont und bekamen neue Kleidung. Am Abend gingen sie wieder Essen diesmal allerdings bei einem Spanier um sich schon mal auf ihren kommenden Sommerurlaub im Feriendomizil ihrer Vorfahren einzustimmen. Zwar würde dies noch mehr als ein halbes Jahr dauern, aber sie dachten man könne nicht früh genug anfangen sich vor zu bereiten.

Als sie wieder zu Hause waren, setzten sich alle ins Wohnzimmer vor den Kamin und redeten bis spät in die Nacht hinein über das, was sie heute alles erfahren hatten. Aber nicht nur, denn Harry erzählte von seiner Kindheit und seiner Schulzeit, genau wie Ginny. Auch James, Lily, Claire und Liam erzählten Geschichten aus ihrer Vergangenheit. Auch bekam Harry Fotos von seinem Vater als Baby zu sehen. Luna, Harrys neue Katze, schien sich nicht mehr von ihm trennen zu wollen. Es war, als hätten sich die beiden ewig gesucht und nun endlich gefunden. Sie wich ihm kaum noch von seiner Seite, lag entweder auf seinem Schoß oder zumindest in seiner Nähe, als hätte sie Angst, er könnte einfach so wieder verschwinden.

Auch den Sonntag verbrachten die sechs sehr ruhig und beschlossen, nur gemeinsam nach Gryffindor Castle zu gehen um es zu erkunden. Dafür müssten Lily, James, Harry und Ginny zwar wieder einmal die Schule über ein Wochenende verlassen, aber der Schulleiter hatte bestimmt nichts dagegen, so hofften sie zumindest.

Pünktlich zum Abendessen flohten die vier Hogwartsschüler wieder zurück in die Schule, denn gerade jetzt, wo sie vielleicht öfters übers Wochenende zu Claire und Liam wollten, sollten sie es sicht nicht mit dem Direktor verscherzen.

„Guten Abend, Professor. Ich soll Ihnen dies hier von meinem Vater geben“, begrüßte James Dumbledore, als er aus dem Kamin in dessen Büro trat und übergab ihm die Pergamentrolle, welche Liam ihm noch kurz vor der Abreise in die Hand gedrückt hatte.

„Danke, James. Geht ihr schon zum Abendessen nach unten, ich denke eure Freunde sind gespannt, was ihr zu berichten habt. Ich werde nur noch kurz Liams Brief lesen und euch dann gleich folgen. Lasst euer Gepäck hier liegen, Sally und Crossie werden es gleich in eure Schlafsäle bringen.“ Dumbledore öffnete die Rolle und gab den Schülern so zu verstehen, dass das Gespräch beendet war.

Die vier machten sich auf den Weg zum Essen und wurden, als sie am Gryffindortisch ankamen, von ihren Freunden herzlich begrüßt und auch gleich ausgequetscht. Besonders Sirius war neugierig, wie sie sich letztendlich entschieden hatten und wie das Wochenende sonst so war. Aber James, Harry, Lily und Ginny blockten jedes Gespräch am Tisch ab und sagten nur „Später“, denn sie wollten hier nichts erzählen, da zu viele neugierige Ohren lauschen konnten.

Nachdem alle fertig gespeist hatten, gingen sie mal wieder in den Raum der Schulsprecher, da sie dort sicher waren, nicht belauscht zu werden. Alle setzten sich auf ihre üblichen Plätze und nun berichteten die vier ausführlich, was sie am Wochenende gemacht hatten, dass der Test positiv war und das sich nun wohl einiges ändern würde.

Fast zwei Stunden später erhob sich Harry. „Ich werde ins Bett gehen, ich glaube nicht das Crossie oder Sally meine Luna aus der Box geholt haben und ich möchte sie dort nicht unnötig lange eingesperrt lassen.“ Er gab Ginny noch einen Gute Nacht Kuss und verließ den Raum.
Sirius, Remus, Peter und Beccy sahen die anderen drei fragend an. „Wer ist Luna?“, brachte es Remus auf den Punkt, Lily erklärte es ihm.

Am Montag morgen mussten James, Peter, Beccy und Lily schon früh aufstehen, da sie Muggelkunde belegt hatten, die anderen blieben noch etwas länger in ihren Betten und wollten erst später zum Frühstück gehen.

Zehn Minuten vor der Verwandlungsstunde, die wieder alle gemeinsam belegt hatten, trafen sich die acht Freunde vor der Großen Halle um gemeinsam zum Unterricht zu gehen. Kurz nachdem sich alle gesetzt hatten, erschien auch schon Professor McGonagall wie immer in einem Umhang mit dem typischen Schottenmuster ihres Clans. „Heute werden wir den Desillusionierungszauber üben.“

**

Während die Siebtklässer ihre Verwandlungen übten, ging Liam die Winkelgasse entlang, auf dem Weg nach Gringotts. Er wollte sich noch einmal genau im Verlies seiner Vorfahren umsehen. Er betrat das große Gebäude und ging direkt auf einen Schalter mit einem Kobold zu.

„Sie wünschen?“, fragte die kleine Kreatur unfreundlich und sah nicht einmal auf.

„Ich würde gerne mein eines Verlies aufsuchen“, sagte er und reichte seinen Schlüssel über den Schalter hinweg.

„Aber natürlich sofort, Lord Gryffindor-Potter. Ich werde sofort einen Kobold zu Ihnen schicken. Nur einen kleinen Moment bitte“, sagte er nun freundlich, fast überschwänglich.

Nach einer Halsbrecherischen Fahrt in die tiefsten Tiefen der Zaubererbank kamen sie bei dem Verlies der Gryffindors an. Es wurde ihm geöffnet und wie schon beim letzten Mal stockte Liam der Atem. Das Verlies war um ein vielfaches größer als die normalen. Es gab einen Hauptraum, von dem viele Nischen abgingen, in denen verschiedene Dinge standen. Gleich links neben dem Eingang fand er Truhen mit Büchern. Er öffnete ein paar und fand sehr alte und wertvolle Skripte vor. Teilweise konnte er sie nicht einmal lesen, da sie in einer Schrift geschrieben waren, die er nicht kannte. Damit würde er sich später befassen, nahm er sich vor. Er wandte sich der nächsten Nische zu in welcher wieder Truhen standen, diese waren allerdings mit Edelsteinen, hauptsächlich Rubinen und Schmuck, gefüllt. Er öffnete wieder ein paar, nur um einen groben Überblick zu haben und fand ein Paar wunderschöne zierliche Ohrringe mit jeweils einem Flügel als Anhänger. Er lächelte, das wäre das ideale Geschenk, dachte er und erinnerte sich an die Bitte seines Sohnes, die er gestern geäußert hatte.

** Rückblick Anfang**

„Dad, kann ich dich kurz sprechen?“, frage James seinen Vater, als er nach dem Mittagessen in dessen Büro trat.

„Natürlich, was kann ich für dich tun?“, entgegnete Liam und sah von demcor ihm liegendem Brief auf.

Anfangs druckste James noch etwas herum, wurde sogar leicht rot um die Nase, aber dann rückte er doch noch mit der Sprache heraus. „Du willst doch diese Woche noch einmal ins Verlies von Gryffindor, oder? Kannst du da nicht Mal gucken, ob du ein schönes Schmuckstück findest, was ich Lily schenken könnte? Sie hat in einer guten Woche Geburtstag und mir fällt einfach nichts ein. Außerdem müsste ich mich sonst aus der Schule heraus schleichen und das möchte ich nicht, da ich dir versprochen habe, dies nicht zu tun.“ Trotz des Grinsens, welches nun James' Lippen zierte, merkte man ihm die Ernsthaftigkeit dieser Worte an.

„Ich kann gerne einmal gucken und falls ich wider erwartend nichts finden sollte, werde ich deine Mum bitten, sich einmal in der Winkelgasse umzusehen. Sie würde sicherlich etwas finden.“ Liam sah seinen Sohn noch einen Moment lächelnd an, bevor dieser das Büro mit einem „Danke, Dad“, wieder verließ und Liam sich wieder dem Brief an Dumbledore widmete.

** Rückblick Ende**

James wird langsam scheinbar wirklich erwachsen. Lily scheint ihn auch gut im Griff zu haben und es schadet ihm überhaupt nicht, eher im Gegenteil. Er erinnert mich immer an mich und mein Verhalten in seinem Alter. Ich hab auch mit allem geflirtet, was mir über den Weg gelaufen ist, bis, ja bis Claire mich eingefangen und gezügelt hat. Aber ich denke auch Harry und seine Geschichte haben viel dazu beigetragen, denn nicht nur James hat sich verändert, auch Sirius ist etwas ernster geworden, zumindest während des Trainings. Er hat zwar immer noch viele Flausen im Kopf und die sollen auch gerne beide behalten, aber sie erkennen jetzt noch besser, was dort draußen los ist.

Gedankenverloren drehte Liam das Kästchen mit dem Schmuck in den Händen, bevor er es einsteckte und sich der nächsten Nische zu wendete. Diese überging er aber schnell, denn außer Galeonen, Sickeln und Knuts sah er dort nichts.

Die nächste Nische war kleiner. Hier befanden sich Regale, in welchen ordentlich geordnet jede Menge Pergamentrollen lagen. Er sah sich ein paar an und stellte fest, dass es alles Unterlagen über die verschiedenen Beteiligungen an Firmen waren. Im nächsten Bereich stand goldenes Geschirr mit dem Wappen der Familie, dies sah Liam sich erst gar nicht genauer an, darum könnte sich Claire kümmern, befand er.

Nun war nur noch eine Nische übrig. Er ging raschen Schrittes auf diese zu und sah Waffen, Rüstungen und Schilde. Dies war die persönliche Waffenkammer Gryffindors. Nur sein Lieblingsschwert befand sich in Hogwarts, wie es Godric verfügt hatte.

Er ging noch einmal zu den Büchern und sah sich die vielen Truhen genauer an. Hier und da nahm er ein Buch heraus, was er dann in eine leere Truhe legte um sie mit nach Hause zu nehmen.
Bevor er nach guten drei Stunden fertig war und das Verlies wieder verlassen wollte, sah er sich noch einmal um.
Was ist das?, dachteer. Das war doch vorhin noch nicht da gewesen. Zwischen den Nischen mit den Urkunden und den mit den Rüstungen bemerkte er ein kleines Fach, aus dem es zu leuchten schien. Langsam ging er darauf zu und sah hinein. Es befand sich eine kleine Phiole und eine Pergamentrolle darin. Vorsichtig nahm er beides heraus. Zu erst rollte er das Pergament auf und begann zu lesen.

Lieber Nachfahre,

in dieser Phiole ist eine meiner Erinnerungen. Schaue sie dir an, vielleicht kann sie dir von Nutzen sein.

Lebet Wohl

Godric Gryffindor

Liam wurde blass, eine Erinnerung von einem der Gründer, das war etwas Besonderes! Er beschloss sie mitzunehmen und sie sich anzusehen, aber wo sollte er dies tun? Er selbst hatte kein Denkarium?

**

„Gideon, wie viele fehlen noch?“, fragte Patrick den jungen Auror und sah von seinen eigenen Pergamenten auf. Der Leiter der Aurorenabteilung saß in einem der großen Besprechungsräume an einem Tisch und mit ihm saßen dort die Brüder Prewett und halfen ihm. Er hatte, wie er es Liam am Wochenende versprochen hatte, sich darum gekümmert, dass alle Mitglieder des Zaubergamots, von denen sicher war, das sie entweder neutral oder auf der Seite des Lichts standen, gewarnt wurden, dass Voldemort Jagd auf sie machen würde. Das war eine langwierige Aufgabe, aber er wusste, dass Liam gerade private Dinge im Kopf hatte, als dass er seine Aufmerksamkeit auf dieses Problem richten könnte.

„Wir haben es fast geschafft Pat, sind nur noch ein paar, die schaffen Fabian und ich auch alleine. Geh du in den Büro und tue andere wichtige Dinge“, grinste Gideon und sein Bruder nickte bestätigend. Patrick schenkte beiden ein dankbares Lächeln und verließ den Raum.

**

„Herein“, sagte Dumbledore, nachdem es an seine Bürotür geklopft hatte. Er stand am Fenster und sah hinaus auf die Ländereien, aber nachdem sich die Tür geschlossen hatte, drehte er sich um. „Liam was machst du denn hier? Ist etwas passiert?“, fragte der Schulleiter erstaunt.

„Nein Albus, keine Angst es ist nichts passiert. Ich wollte nur fragen, ob ich dein Denkarium einmal nutzen dürfte“, erwiderte der Auror nachdem er der auffordernden Handbewegung Dumbledores gefolgt war und nun vor dem Schreibtisch saß, hinter welchem sich der Direktor gerade niederließ.

Dumbledore musterte den Auroren über seine Halbmondförmige Brille hinweg, griff in eine Schale mit Zitronenbrausebonbons und antwortete: „Selbstverständlich. Darf ich erfahren, was du dir angucken möchtest?“

„Du hast ja im Brief, den James dir gegeben hat, gelesen, dass die Gerüchte um die Abstammung der Potters stimmen. Heute war ich noch einmal im Verlies Gryffindors und habe dort eine Phiole gefunden mit einer Erinnerung, welche ich mir gerne ansehen würde.“

„Eine Erinnerung eines Gründers? Liam, das ist ein unvorstellbar großer Schatz, den du da hast“, entgegnete Albus seinem ehemaligen Schüler. Er stand auf und ging zu einem Schrank in der Ecke. In diesem bewahrte er immer sein Denkarium auf, welches er nun auf den großen Schreibtisch stellte. „Darf, darf ich sie mir vielleicht mit ansehen?“, wollte der Leiter der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei schon fast schüchtern wissen. Liam öffnete die Phiole und ließ den silbernen Gedankenfaden in das mit Runen verzierte Gefäß gleiten und nickte auf die Frage hin.

Gemeinsam traten sie an den Rand und senkten ihre Köpfe, bis sie die Flüssigkeit berührten.

**

Sie landeten im selben Raum, den sie gerade verlassen hatten. Allerdings sah die Einrichtung noch ganz anders aus. Das Einzige, woran sie es erkannten, war der Ausblick, die Wendeltreppe und dass dieser Raum kreisrund war. In der Mitte des Raumes stand ein großer Tisch mit vier Stühlen. Auf jedem war ein anderes Wappen zu sehen, eines für Gryffindor, eines für Slytherin, eines für Ravenclaw und eines für Huffelpuff. Gerade betraten zwei Menschen dieses Zimmer und setzten sich auf zwei der Stühle.

„Godric, so glaub mir doch, ich spüre es, deine Nachfahren werden in großer Gefahr sein“, sagte eine Frau mit langen hellbraunen Haaren, blaugrauen Augen und einer zierlichen Statur.

„Ach Helga, du weißt ich glaube nicht an Wahrsagerei, auch wenn ich weiß, dass du so etwas nicht ohne Grund sagst“, antwortete der Mann, welcher Godric genannt wurde. Er hatte Schulterlange dunkelbraune Haare, braune Augen und war muskulös gebaut.

„Ach mach was du denkst, aber bitte, warne deine Nachfahren irgendwie vor. Es war großes Unheil in meiner Kugel zu sehen, Schreie, Tote, grünes Licht und eine Narbe. Ich weiß nicht, was es genau bedeutet, nur das es nichts gutes sein wird.“ Godric fing an zu lachen , aber da veränderte sich die Stimme seiner Freundin und Kollegin und er wusste, was dies bedeutete, denn Helga Huffelpuff war eine der wenigen Menschen, die wahrhaftige Prophezeiungen machen konnten, allerdings bekam sie hiervon nie etwas mit.

7 ist die mächtigste magische Zahl.
Doch 13 werden die Macht und das Wissen besitzen, die 7 Seelen des Bösen zu vernichten.
Liebe, Freundschaft und Vertrauen werden stärker sein als das Dunkle.
Gemeinsam sind sie stark.
Einzeln werden sie brechen.
7 Seelen
13 Kämpfer
1 Auserwählter
3 Generationen
Zwei Welten, die sich berühren. Wenn Tod und Leben treffen auf einander, dann erstarkt die Magie des Lichts. Hilfe wird kommen aus anderer Welt, aus anderer Zeit.
Das Böse wird vernichtet werden, wenn die sieben, die ihn stärkt, sich in eine acht wandeln wird.


**

Dumbledore und Liam tauchten wieder aus dem Denkarium auf und setzten sich. Stille herrschte, fast bedrückende, keiner von beiden sagte ein Wort. Jeder hing seinen Gedanken nach.

„Al - chrm - Albus, glaubst du - ?“

„Was, das es auf Voldemort und uns passt?“, fragte Dumbledore und musterte den Auror vor sich. „Ich weiß es nicht, Liam.“

Gedankenverloren fuhr Liam sich immer wieder durch die Haare, während Dumbledore einen Brausebonbon nach dem anderen ass. Eine halbe Stunde später waren beide Männer immer noch in Gedanken versunken, wurden aber aus diesen durch ein Pochen an der Tür aufgeschreckt.

„Herein“, rief der Schulleiter. Die Tür wurde geöffnet und Lily und James standen in eben dieser. „Ah ihr beiden seit das, ich habe unseren Termin nicht vergessen, es ist nur etwas Unerwartetes dazwischen gekommen.“

„Ist etwas passiert, Sir?“, fragte Lily, als sie die bleichen Gesichter von Dumbledore und Liam sah.

Dumbledore schüttelte den Kopf und ein warmes Lächeln zierte nun seine Lippen, aber das typische Funkeln in seinen Augen wollte sich heute nicht zeigen. „Nein meine Liebe, es ist alles in bester Ordnung. Ich wollte nur etwas mit euch Besprechen. Aber vielleicht wäre es besser, wenn wir das auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.“

„Dad, was machst du denn hier?“, wollte James von seinem Vater wissen, der bisher noch nicht einmal aufgesehen hatte.

„Ich wollte nur kurz etwas mit Albus besprechen“, antwortete er und auf den fragenden Blick seines Sohnes fügte er noch schnell, fast zu schnell, hinzu: „wegen des Ausfluges nach Gryffindor Castle, er meint, wir könnten es Ende Februar, Anfang März tun.“

„Wenn dann alles geklärt wäre, würde ich sagen, wir setzen uns in den nächsten Tagen zusammen, was ich mit euch besprechen wollte, hat keine Eile. Ich werde euch eine Nachricht zukommen lassen, wenn es mir besser passt“, unterbrach Dumbledore Liam und warf seine beiden Schulsprecher fast aus seinen Büro.

Nachdem Liam und der Direktor gehört hatten, wie sich der Wasserspeier unten wieder schloss, begann der Auror an zu sprechen: „Albus, wir sollten das hier“, damit zeigte er auf die Erinnerung im Denkarium, „Erst einmal vor den Kindern geheim halten. Kann ich mir vielleicht dein Denkarium ausleihen, damit ich Patrick, Claire und Leyah das alles zeigen kann?“

„Aber natürlich, leihe ich es dir, aber bitte sei vorsichtig und bitte nicht schrumpfen für den Transport, das mögen diese Gefäße nicht sonderlich“, antwortete Dumbledore. Liam dankte mit einem Nicken, verpackte die Erinnerung, nahm das Runenbesetzte Gefäß auf den Arm und ging zum Kamin. Mit einem „Potter Manor“, verschwand er in den grünen Flammen.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von Tjeika »

Huhu ihr Lieben! :knuff:

Ihr postet hier ein aufschlussreiches, super Kapitel nach dem Anderen, ich hoffe, das ist euch klar. Die Ereignisse überschlagen sich jetzt ja fast schon... soviel, was passiert, soviele Hinweise, wie sie alle jetzt schon haben. Wow. Ihr habt euch da wahrlich eine äußerst komplexe Story ausgedacht.
Nun habe ich aber etwas zu bemängeln, es ist nichts großes, aber es ist etwas, was ich eigentlich nicht so gerne lese, wenn Zauberer in der Welt der Muggel unterwegs sind.
Das hier spielt im Jahre 1978. Rolltreppen gab es damals zwar schon (die erste wurde 1885 in Betrieb genommen), Barcode-Scanner in Kaufhallen wurden zwar schon 1973 in Umlauf gebracht, allerdings waren sie bis Anfang der Achtziger Jahres des zwanzigsten Jahrhunderts nicht sonderlich verbreitet. Automatiktüren gab es auch erst später, allerdings kann ich gerade leider keine genaue Jahreszahl finden...
Wie dem auch sei, jedenfalls finde ich es nicht sonderlich clever von Liam und Dumbledore, den Jugendlichen diese Prophezeiung vorzuenthalten...

Ich freue mich auf mehr - und auf den mir versprochenen Sirius :D
:knuddel: Ria
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Lach, ja das kann gut sein, du wirst sicherlich noch öfters Dinge finden, die geschichtlich nicht 100 %ig passen. Bei den Türen und den anderen haben wir nicht ganz nachgedacht. Wir bemühen uns zwar immer so genau wie möglich zu sein, aber leider findet man nicht immer das was man sucht, wenn man es braucht.
Was die Komplexität der Story anbelangt, ja stimmt sie ist sehr komplex und vielschichtig, aber gerade das macht uns Spaß. Und nicht umsonst sagen wir (haben wir das hier schon einmal, keine Ahnung), dass diese Story die 200 Chaps locker sprengen wird. Immerhin sind wir gerade dabei Chap 91 zu schreiben und es ist gerade einmal ein halbes Jahr vergangen und es fehlt noch eine Menge Zeit. Aber es macht einfach Spaß und destiny ist schon lange ein Lebensprojekt, denn Teil 2 und 3 sind ja auch schon geplant *gins*
So aber nun geht es hier weiter mit dem nächsten Chap und deinem Sirius, wenn er auch etwas anders ist *lach*


Kapitel 43

Sirius' großer Auftritt

Auf Montag folgt bekannter Maßen Dienstag, was in diesem Falle hieß, die Vorbereitungen auf eine weitere Vollmondnacht liefen auf Hochtouren. Remus wurde weitestgehend in Ruhe gelassen, die Rumtreiber wussten um die Empfindlichkeit des Werwolfes am Tage der Verwandlung.
Für Beccy war es nun das erste Mal, dass sie ihren Freund der Nacht und dem Mond überlassen musste und obwohl sie sich immer wieder sagte, dass die Jungs Erfahrung im Umgang mit Moony hatten und es bisher immer gut gegangen war, konnte sie nicht umhin sich trotzdem Gedanken zu machen. Es wurmte sie, dass sie selbst noch nicht so weit war, die Rumtreiber auf ihrem nächtlichen Streifzug zu begleiten, da weder sie, noch Harry, Lily oder Ginny die Verwandlung bisher auch nur im Ansatz geschafft hatten. Doch sie nahm sich eisern vor, es bis zum seinem Geburtstag im März geschafft zu haben.

Remus war schweigsam und abweisend, auch ihr gegenüber. Er ließ sie nicht an sich heran, und wehrte sie ab. Traurig setzte sie sich neben Lily auf das gemütliche Sofa vor dem Kamin und starrte in die Flammen.

„Hey“, sagte die rothaarige Hexe, die die Gedanken ihrer Freundin sofort erraten hatte. „Es wird alles gut gehen, da bin ich mir sicher. Doch vielleicht schaffen wir es ja, dass die Jungs nächsten Monat Unterstützung haben?“ Sie versuchte zu grinsen, doch bei Beccys niedergeschlagener Miene wurde ihr Blick sorgenvoll.

„Beccy, was ist los? Es ist doch nicht nur die Tatsache, dass sie wieder einen Vollmond durch stehen müssen, oder?“

Ertappt schüttelte Beccy den Kopf. „Nein“, sagte sie leise und zupfte unbehaglich an ihrem Pulloverärmel. „Es ist… du weißt doch, was beim letzten Vollmond passiert ist und ich frage mich… naja… ich hab einfach Angst um ihn, auch wenn das im Grunde völlig bescheuert ist.“

Lily schüttelte den Kopf. „Nein, das ist es nicht. Er jetzt dein Freund, Beccy, du liebst ihn. Denkst du, ich habe nicht Mal um Mal Angst um James, gerade nach dem letzten Mal? Aber ich kann sie nicht von dieser Nacht abhalten und will es auch gar nicht. Nein, ich freue mich auf die Nacht, in der wir ebenfalls dabei sein können und bin froh, dass Remus solche Freunde gefunden hat, die Monat für Monat das mit ihm durchstehen. Wir können ihnen nur vertrauen und an sie glauben und sie morgen mit einem Lächeln empfangen.“

Beccy seufzte. Natürlich wusste sie das alles, aber warum fiel es ihr dann so schwer, Remus gehen zu lassen?
„Ja, du hast wahrscheinlich Recht“, murmelte sie kaum hörbar und fragte sich, warum ihr Remus' abweisendes Verhalten so zu Schaffen machte, schließlich wusste sie, dass der Mond der Grund dafür war und nicht sie.
Hör endlich auf, so verdammt empfindlich zu sein, Rebecca!, schalt sie sich selbst und ehe Remus den Raum auf leisen Sohlen verlassen wollte, hielt sie ihn am Portrait auf.

„Pass auf dich auf, ja?“, sagte sie leise und sah ihm bittend in die Augen, die so viel dunkler waren als sonst. Remus nickte nur und wollte bereits weiter, als sie ihn am Ärmel fasste.

„Ich liebe dich.“ Die Worte waren ihr schneller über die Lippen gekommen als dass sie darüber nach gedacht hatte.

Remus brauchte an diesem Tag, gerade jetzt, Abstand. Er mochte es nicht, wenn man ihm dann nahe kam, fühlte sich schnell in die Enge gedrängt und da seine Reizschwelle sehr weit unten war, wusste er selbst nicht, wie er dann reagierte. Also hielt er sich von allen fern und ließ niemanden an sich heran, er wollte keinem weh tun.
Vor allem nicht Beccy.

So sah er sie nur stumm an, kämpfte innerlich gegen den Wolf, der bereits die Flucht angetreten hatte. Moony wollte raus in die Dunkelheit, diese Räume engten ihn ein. Noch war es der Freiheitsdrang, der überwog, doch schon bald würde der Blutdurst hinzukommen, das Verlangen nach Menschenblut… .
Nur noch einen Moment wollte er bleiben, ihr in die Augen sehen, ehe er in die Nacht verschwand. Wollte ihr sagen, dass auch er sie liebte, dass es ihm leid tat, doch kein Wort verließ seine Lippen.
Als sie sich vorbeugte um ihn zu küssen, ließ er es zu, während seine Hand sich an den Rahmen des Portraits krallte, Moony rebellierte, er wollte fort, es zog ihn in die Freiheit. Doch Beccy stand direkt vor ihm, er spürte warm ihre Lippen auf den seinen, schaffte es jedoch nicht, den Kuss zu erwidern.

Sanft löste sich die Irin schließlich von ihm und trat einen Schritt zurück. Ihr Blick hatte etwas Traurig angenommen. Ein letztes Mal sah Remus ihr fest in die Augen und hoffte, sie würde es verstehen, als er sich umdrehte und festen Schrittes zur Krankenstation ging, wo Madam Pomfrey bereits auf ihn wartete.

Beccy atmete tief durch und schloss das Portrait, welches Remus offen gelassen hatte.

„Wow“, platzte es aus James heraus, sie zuckte beinahe zusammen. Verwundert sah sie sich um und erkannte, dass James und Sirius wie erstarrt stehen geblieben waren, anscheinend hatten sie die Szene beobachtet.

„Was?“, fragte sie und merkte, dass sie einen Kloß im Hals hatte.

„Ich hätte nicht gedacht, dass er das zulässt“, meinte Sirius nur und warf einen Blick auf das nun geschlossene Portrait.

„Nope“, pflichtete James ihm bei.

„Also O'Connor, dass er dir nicht, wie uns zu Anfangs, eine runter gehauen hat, sondern sogar den Kuss zugelassen hat, ist glaube ich der größte Liebesbeweis, den Moony dir geben kann“, sagte Sirius anerkennend, schlagartig hellte Beccys Miene sich auf.

Von der Seite hatte sie es noch gar nicht gesehen - aber wie auch, sie kannte Remus bisher nicht wirklich, wenn er kurz vor der Verwandlung stand. Sicher, sie hatte Lily des Öfteren geholfen, die Jungs zu versorgen, wenn diese nachts zurück gekommen waren, aber Remus selbst hatte sie nur am Rande mit bekommen.

Nun mit einem breiten und verliebten Lächeln auf den Lippen setzte sie sich zurück auf das Sofa. Lily freute sich für ihre Freundin, sie hatte es wirklich verdient.


*

Am nächsten Morgen lagen James, Sirius und Peter wohlbehalten in ihren Betten. Die Nacht war ruhig verlaufen, die vier Rumtreiber hatten den Mond unverletzt überstanden. Aufgeregt tigerte Beccy im Gemeinschaftsraum auf und ab. Sollte sie zu ihm gehen? Oder sollte sie ihm Zeit geben, bis er von sich aus soweit war, ihre Nähe zulassen zu können?

„Na los, geh schon, ich warte dann am Frühstückstisch auf dich“, sagte Lily grinsend und beobachtete lachend, wie Beccy beinahe aus dem Portrait stolperte und sich schnellen Schrittes auf den Weg zur Krankenstation machte.

Leise klopfte sie, ihr Herz schlug ihr bis zum Hals.

„Es tut mir leid, Miss O'Connor, aber ich kann Sie noch nicht zu Mister Lupin lass - “

Doch Beccy achtete nicht auf die Worte der Heilerin, drängte sich an ihr vorbei und trat an das Bett ihres Freundes.

„Morgen“, begrüßte er sie und sah sie lächelnd aus überraschend wachen Augen an. Dann setzte er sich auf und begann, seine Sachen zusammen zu suchen.

„Morgen“, sagte Beccy leise und lächelte zurück. Erstaunt sah sie ihn an. „Was machst du? Willst du schon gehen?“

„Genau das habe ich vor“, gab er zurück und fuhr unbeirrt fort, seine Klamotten zusammen zu suchen. Gerade, als er hinter dem Wandschirm verschwinden wollte um sich umzuziehen, kam die Heilerin aufgebracht auf ihn zu.

„Mister Lupin, was denken Sie sich? Sie können doch jetzt noch nicht gehen, Sie haben eine Vollmondnacht - “

„Liebste Madam Pomfrey, dass letzte Nacht Vollmond war, daran müssen Sie mich nicht erinnern, danke. Aber ich fühle mich gut, bin unverletzt und habe Hunger. Daher wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich kurz durchchecken würden und mir dann erlauben würden, meine Freundin zum Frühstück zu geleiten.“

Beccy strahlte bei seinen Worten und die Krankenhexe sah aus, als wolle sie ihrem Schützling einen Vortrag über Vollmondnächte halten, als sie sich einen besseren besann, Remus untersuchte und ihm schließlich doch die Erlaubnis gab, die Krankenstation zu verlassen.

„Ich danke Ihnen“, sagte Remus ehrlich, ehe er sich Beccys Hand schnappte und sie zu sich zog.

„Verzeihst du mir wegen gestern? Es war nicht wegen dir, das musst du mir glauben. Und ich kann auch nicht versprechen, dass es heute den ganzen Tag so sein wird wie jetzt, aber für den Moment bin ich einfach unheimlich froh, dass du da bist.“

Beccy strahlte, wenn das möglich war, nur noch mehr und küsste ihren Freund begeistert auf den Mund.

„Entschuldigung angenommen. Und jetzt komm, gehen wir frühstücken.“

*

„Aufstehen“, tönten die Stimmen von Lily, Beccy und Ginny vier Tage später am Samstagmorgen um sechs Uhr durch den Jungenschlafsaal der Gryffindor Siebtklässler. Es gab keinerlei Reaktion von den fünf Jungs. Peter hatte seine Vorhänge zugezogen und schnarchte leise. James' Vorhänge waren offen und er lag bäuchlings auf seinem Bett ohne Decke und nur mit einer Boxershorts bekleidet. Remus hatte ebenfalls eine Shorts an, dazu aber noch ein T-Shirt, er hatte seine Decke liebevoll im Arm, anstatt sich damit zu zudecken und man hätte meinen können er träumte von einer ganz bestimmten schwarzhaarigen Irin. Alles was man von Harry sah, waren seine schwarzen zerzausten Haare, die unter der Decke hervorlugten. Sirius lag auf dem Rücken, die Decke verdeckte noch halb seinen Körper und er schien leicht im Schlaf zu grunzen.

Der Schlafsaal sah aus wie ein typischer Schlafsaal von Jungs, überall lagen dreckige Klamotten verstreut, Bücher und Pergamente zierten ebenfalls einen Großteil des Fußbodens, der Rest, der jetzt noch frei war wurde von Butterbierflaschen und Verpackungen von Süßigkeiten bedeckt. Die Mädchen fragten sich gerade, wie ihre Freunde in diesem Chaos irgendetwas finden konnten, denn alles, was vom Fußboden frei war, war von jedem Bett ein Weg zum Badezimmer.
Einzige Ausnahme war Remus, bei ihm war alles ordentlich geordnet.

„Hey ihr Schlafmützen, bewegt eure müden Knochen und steht auf!“, rief Lily noch einmal quer durch den Raum, aber immer noch rührte sich keiner der Fünf.

„Eigentlich brauchen wird doch nur Sirius, lassen wir die anderen doch weiter schlafen“, meinte Beccy und ging zielstrebig auf das Bett rechts von der Tür zu.

„Sirius aufstehen, Zeit dich zu verschönern“, flötete sie ihm ins Ohr. Noch immer gab es keine Reaktion des ältesten Blacksohnes, weshalb die Irin ihren Zauberstab zog und ihm eine kalte Dusche verpasste.

Wild um sich schlagend und fluchend setzte sich Sirius im Bett auf. „Was in Merlins Namen soll das?! Habt ihr sie noch alle?!“ Böse funkelte er die drei lachenden Mädchen an, während seine Freunde langsam aufwachten und auch zu Lachen anfingen, als sie Sirius wie einen begossenen Pudel im Bett sitzen sahen.

„Mister Black, wir haben noch einiges zu tun, bevor Sie nach Hogsmeade können. Und wenn Sie heute noch ankommen wollen, sollten wir uns beeilen“, sagte Beccy, nachdem sich alle beruhigt hatten.

Sirius sah die Schwarzhaarige irritiert an. „Wie… wie meinst du das?“, fragte er etwas schockiert.
Nachdem Lily, Ginny und Beccy mit dem Kopf geschüttelt und Sirius hart geschluckt hatte, scheuchten die Mädchen Harry, James, Peter und Remus ins Badezimmer, damit sie es danach belagern konnten.

„So Sirius, du gehst jetzt duschen und wenn du fertig bist, sagst du bescheid“, sagte Lily, nachdem die anderen Jungs fertig waren und nun erwartungsvoll auf ihren Betten saßen. Sie versuchten heraus zu bekommen, was die Mädchen denn alles mitgebracht hatten.

Die Mädchen schickten James und die anderen aus dem Gemeinschaftsraum und als sie nicht gehen wollten, drohten sie ihnen an, auch sie in Mädchen zu verwandeln.
Sie waren der Meinung, wenn sie schon so früh aus den Betten vertrieben wurden, konnten sie die Zeit auch sinnvoll nutzen und etwas für die Schule tun.

Gerade, als die Tür hinter den vier Jungs zuklappte, ging die Tür zum Badezimmer auf und ein ziemlich ängstlicher Sirius stecke seinen Kopf aus selbiger.
„Was habt ihr jetzt mit mir vor?“, fragte er zögerlich und sah die Mädchen der Reihe nach an.

„Erst Mal werden wir dich von überflüssigen Haaren befreien und wir entscheiden, welche überflüssig sind“, grinste Ginny, hob ihren Zauberstab und brachte erst einmal etwas Ordnung in das Chaos des Schlafsaales.
„Wir müssen uns doch bewegen können“, meinte sie nur achselzuckend.
Einen Schlecker des Stabes später stand in der Mitte des Raumes ein Hocker, auf welchen Sirius sich setzen sollte, was er nach einem kurzen Moment des Zögerns auch tat.

„Bevor wir anfangen, ziehe bitte erst einmal alle Klamotten bis auf die Boxershorts aus, damit wir sehen können, wo wir anfangen müssen“, grinste nun auch Beccy und stellte sich mit gekreuzten Armen vor Sirius auf.
Hilfesuchend sah er sich um.
„Deine Freunde wollten lieber im Gemeinschaftsraum warten, auf die kannst du nicht hoffen“, fügte sie noch breiter grinsend hinzu.

Sirius stand auf und wollte auf die Zimmertür zulaufen, aber Lily war schneller und verschloss sie mit einem schnell gesprochenem „Colloportus“. Danach wollte der Schwarzhaarige zu seinem Nachttisch sprinten, auf welchem sein Zauberstab lag, aber diesmal war Ginny schneller. Mit einem einfachen Aufrufezauber hielt sie seinen in den Händen und das Grinsen der drei Mädchen wurde noch eine Spur breiter.

„Sirius, warum machst du es dir selbst so schwer? Du entkommst uns nicht - und du weißt doch: Wettschulden sind Ehrenschulden. Du meintest nun einmal auf diesem Ball, dass wir uns mit diesen Reifröcken nicht hinsetzen könnten, ohne, dass man darunter sehen könne und wir haben es den ganzen Abend über ohne Probleme geschafft. Also stell dich nicht so an, sonst wird der Tag noch schlimmer für dich“, sagte Lily streng, konnte aber nicht lange ernst bleiben bei dem verzweifeltem Gesicht, welches Sirius gerade machte.

Dann änderte sich seine Mine und er begann hinterhältig zu grinsen. „Wie ihr wollt, Mädels, aber wenn ihr Ärger mit Harry, Remus oder James bekommen, weil ihr mir verfallt, wenn ihr mich seht, dann habt ihr ein Problem und nicht ich. Darf ich um Musik bitten?“

Beccy erfüllte ihm seinen Wunsch und schon erfüllten die Klänge von Don't let me be missunderstood den Raum. Sirius grinste frech und begann sich im Rhythmus der Musik zu bewegen. Langsam tanzte er und nun verstanden die Mädchen, was er vor hatte, setzten sich gemütlich auf eines der Betten und sahen dem Hundeanimagus zu.
Langsam, fast schon vorsichtig, zog er sich das T-Shirt über den Kopf, drehte den Mädchen den Rücken zu und wackelte mit seinem Hintern. Dann bewegte er sich Hüftekreisend zu dem Bett, auf welchen Lily, Beccy und Ginny saßen und forderte James' Freundin stumm auf, ihm die Hose zu öffnen. Jemand, der nun den Raum betreten hätte, hätte die Situation falsch verstehen können. Doch zu ihrem Glück betrat keiner den Raum.

Lily zog ihm die Hose aus und nun stand er nur noch mit einer Boxershorts bekleidet, genau wie die Mädchen es gewollt hatten.
„Nun habe ich es endlich einmal mit bekommen, wie du mir die Hose ausziehst“, lachte der älteste Rumtreiber und Ginny, Beccy und Lily stimmten mit ein.
Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, wurde Sirius auf dem Hocker positioniert. Kritisch musterten die Siebtklässerinnen den jungen Mann vor ihnen und tuschelten leise mit einander.
Alles was man verstand waren Worte wie „Beine - Brust geht gar nicht - da müssen wir zupfen - das wird weh tun - da müssen künstliche her“.

Sirius' Augen wurden immer größer bei diesen Worten. Was haben die mit mir vor? Das klingt nach einem mehrtägigen Job, solange wie sie da diskutieren. Es hätte wenigstens den Vorteil, dass ich nicht aus dem Schlafsaal muss. Dann muss ich die Wettschulden doch nicht einlösen, dachte er, bis ihn etwas Warmes, welches auf seinem Bein verteilt wurde, aus seinen Gedanken riss.

„Was ist das?“, fragte er und besah sich das klebrige Zeug an seinen Beinen genauer.

„Das? Och, das ist nur Wachs“, sagte Ginny scheinheilig, legte einen Streifen Papier drauf, nickte ihren Freundinnen zu, sodass sie Sirius festhalten konnten und zog es mit einem kräftigen Ruck wieder herunter.

„AAAH! SPINNT IHR?! Habt ihr sie noch alle? Das tut weh!“, meckerte Sirius und bekam gar nicht mit, wie Ginny bereits den zweiten Streifen ansetzte und abzog.

Wieder schrie er aus Leibeskräften. „Verdammt! Was macht ihr hier mit mir?“

„Nun weißt du, was wir öfter durchmachen müssen“, grinste Beccy nur hinterhältig und bedeutete Ginny, weiter zu machen.

Sirius wollte aufspringen, aber ein schnelles „Petrificus Totalus“ seitens Lily hinderte ihn an der Flucht.

„Wenn du es auf die harte Tour haben möchtest - bitte, kannst du haben“, lachte sie und Ginny konnte weiter machen.

Nun halfen auch Lily und Beccy beim Enthaaren, denn sie mussten Sirius nicht länger fest halten.

Nach einer guten halben Stunden waren sowohl Sirius' Beine, als auch seine Brust und Arme komplett enthaart. Rasiert hatte er sich netterweise schon nach dem Duschen. Nun kam Lily mit einer Pinzette in seine Nähe und der immer noch durch den Zauber an Bewegung gehinderte Schwarzhaarige sah sie mit großen Augen an.

Was hat sie denn damit vor?, dachte er, während er kritisch, aber auch ein wenig ängstlich, das Ding in Lilys Händen musterte.
Nun wusste er, was sie damit wollte.
Sie bearbeitete seine Augenbrauen und das nahm scheinbar kein Ende. Auch Ginny und Beccy waren nicht untätig. Jede schnappte sich eine Hand, aber was sie damit machten, konnte er nicht sehen. Er war einfach nur froh, dass diese Behandlung nicht weh tat im Gegensatz zu dem, was Lily mit ihm veranstaltete.

Gegen neun Uhr ging die Tür zum Jungenschlafsaal der Siebtklässler auf und Ginny, Lily und Beccy kamen mit einem hoch zufriedenen Grinsen in den Gemeinschaftsraum.

Erwartungsvolle Blicke schossen in ihre Richtung und die vier aus ihrem Schlafsaal vertriebenen Jungs sahen die drei Hexen erwartungsvoll an.

„Und? Wo ist er?“, fragte James neugierig und reckte den Hals, ob er Sirius nicht auf dem Treppenabsatz erspähte.

Beccy lachte. „Ich glaube, er traut sich nicht.“

James grinste. „Ach was, der soll sich nicht so zieren. Einen Sirius in Frauenkleidern, wo bleibt denn unser selbst erklärtes Individuum?“

Jetzt musste auch Remus lachen und Harry schlug vor, wenn Sirius nicht zu ihnen kam, mussten sie eben zu ihm kommen und ihn mitschleifen. Er könne schließlich nicht den ganzen Tag im Jungenschlafsaal verbringen, dann wäre der Wetteinsatz ja sinnlos gewesen.

„Tatze, wo auch immer du dich versteckst, wir finden dich“, verkündete James, ehe er die Tür zum Schlafsaal öffnete, Harry prustete los als er die Worte hörte. Kurz darauf jedoch lenkte ihn ein unerwarteter Lachanfall seitens James ab und als er dessen Blick folgte, konnte auch er sich nicht mehr halten.

Dort stand Sirius, der gerade hektisch von James' Koffer wegtrat, anscheinend hatte er nach dem Tarnumhang gesucht. Als er seine Freunde nun jedoch eintreten sah, machte er schnell einen Schritt zurück und versuchte so unschuldig wie möglich auszusehen. Mit den nun lila lackierten künstlichen Fingernägeln richtete er seine wallende Lockenmähne und grinste sie aus schwarz umrandeten Augen an, auf den Lippen eindeutig, aber doch dezent, etwas roséfarbenen Lippenstift aufgetragen.

„Oh mein Gott“, japste Remus, während James und Harry sich noch immer die Bäuche hielten und die Lachtränen aus den Augen wischten.

„Mich würde zu gern interessieren, wie ihr in diesen Klamotten aussehen würdet“, sagte Sirius an seine Freunde gewandt. „Und wenn man James die Beine entwachst hört man das sicherlich bis Hogsmeade.“

James hörte schlagartig auf zu lachen und seine Augen wurden groß. „Wie jetzt, entwachst? Das klingt nach einer grausamen und ganz und gar unmännlichen Foltermethode!“

„Da stimme ich dir vollkommen zu, Krone! Aber ihr wisst doch, ein Rumtreiber kennt keinen Schmerz“, gab er grinsend zurück.

„Stimmt, wenn man mit einem Petrificus Totalus außer Gefecht gesetzt werden muss“, warf Beccy von hinten ein, als sie mit Lily und Ginny zusammen die Tür zum Jungenschlafsaal betrat. Die Kommentare der Jungs wollten sie sich auf keinen Fall entgehen lassen, wie diese ihr „Werk“ begutachteten.

„Na dann, lass dich anschauen, Kumpel!“ Neugierig trat James nun näher, ohne von neuerlichen Lachanfällen geschüttelt zu werden und betrachtete seine besten Freund eingehend.

„Wäh, Nagellack?!“, stieß er beinahe entsetzt hervor, Harry lachte.

„Jup Dad, auch, wenn du niemals so etwas in deine Nähe lassen würdest. Ich muss sagen, die Mädels haben ganze Arbeit geleistet. Auch, wenn die Klamotten… gewöhnungsbedürftig sind“, grinste er und nun war er es, der von den anderen verwundert angesehen wurde.

„Wieso das? Gut, es sind Frauenkleider, aber sonst? Was ist mit ihnen?“

Schnell versuchte Harry, eine ernste Miene aufzusetzen, was ihm jedoch mehr als misslang. „Naja… in meinem siebten Jahr haben wir das Jahr 1998. Da wird das, was ihr heute tragt, als absolute Modesünde abgetan.“

Beleidigt sahen die Jungs ihn an und Harry versuchte es schnell wieder gut zu machen. „Aber damit muss ich wohl leben, schließlich lebe ich jetzt selbst in den Siebzigern“, fügte er hinzu.

Ginny trat an Harry heran und begrüßte ihn mit einem Kuss. Dann jedoch musste sie lachen, als sie seinen Magen knurren hörte. Kein Wunder, sie waren mittlerweile alle seit drei Stunden auf. „Frühstück“, flötete sie deshalb und schnappte sich ihren Freund, um ihn gut gelaunt aus dem Raum zu ziehen. Dieser Tag würde ganz bestimmt nicht langweilig werden!

Entsetzt sah Sirius sie an. „Was?!“, japste er und merkte erst jetzt, wie hungrig er selbst mittlerweile eigentlich war.

„Frühstück, Sirius. Du weißt schon, die erste Mahlzeit am Tag“, erklärte Remus und grinste, als Sirius' Augen sich weiteten. Scheinbar wurde ihm erst jetzt bewusst, was er sich mit dieser Wette eingehandelt hatte.

Doch einen Moment später trat ein entschlossener Ausdruck in sein Gesicht. „Ihr wollt mich in Frauenkleidern? Gut, ihr habt es so gewollt!“ Mit diesen Worten stolzierte er auf seinen dreißig Zentimeter hohen Plateauschuhen aus dem Raum, erstaunt sahen die anderen ihm hinterher.

Kurz darauf hatten sich alle acht gemeinsam am Frühstückstisch eingefunden und beobachteten belustigt und lachend die anderen Schüler, welche teils entsetzt, teils kopfschüttelnd und teils einfach nur lachend an ihnen vorbei gingen.
Sirius fiel nicht aus seiner Rolle. Gut gelaunt saß er am Tisch, hatte die Beine damenhaft übereinander geschlagen und spreizte den kleinen Finger beim Teetrinken ab.

James sah ihn erstaunt an. „Man kann es auch übertreiben“, war sein Kommentar, Lily lachte und sah Sirius beinahe bewundernd an.

„Ach was, Krone. Wenn ich schon Frauenkleider trage, kann ich mich doch auch als eine solche benehmen, oder? Es heißt doch immer so schön, Kleider machen Leute.“

James gluckste und ließ seinem Freund seinen Spaß.

„Schicke Bluse, Black“, erklang es vom Ravenclawtisch von einem blonden Mädchen und Sirius zupfte wie zur Bestätigung an seiner gerüschten Bluse, welche lila als Grundton hatte mit gelb-orangenen ineinander gehenden Kreisen als Muster darauf.

„Danke, Carter“, piepste er mit verstellter Stimme und strahlte, während er sich noch etwas gerade hinsetzte, sodass seine künstlichen Brüste besser zur Geltung kamen. James prustete in seinen Kürbissaft.

Als sie alle mit frühstücken fertig waren, schnappten sie sich ihre Winterjacken und -mäntel und machten sich auf den Weg ins Dorf. Sirius trug, ganz seiner heutigen Rolle entsprechend, einen hellbraunen Figurbetonten Mantel mit Kunstfellbesatz. Die Blicke der anderen Schüler ignorierten sie gekonnt, Sirius hingegen ging stolz und aufrecht in ihrer Mitte.

Plötzlich ging ein in wie üblich in schwarz gekleideter Severus Snape an ihnen vorbei. „Na Black, etwa zum anderen Ufer gewandert?“, fragte er und sein Blick verriet tiefste Abscheu, als er den Rumtreiber musterte.

Während James sich nur schwer zurück halten konnte, dem Slytherin keinen Fluch auf den Hals zu hetzen, grinste Sirius nur kokett. „Ach was Schniefelus. Du bist doch nur neidisch, Süßer, weil du weißt, dass du niemals eine Chance haben wirst.“

Die Freunde wieherten los vor Lachen, während Snape sich grummelnd verzog. Selbst Lily konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, Sirius war einfach unschlagbar.

So setzten sie ihren Weg fort und nichts und niemand konnte ihre gute Laune trüben.

Schließlich betraten sie das Dorf. Als erstes trugen ihre Füße sie in den Honigtopf. Dort wollten sie ihre Süßigkeitenvorräte aufstocken.

Sirius stand vor einem Regal mit Bonbons, wollte sich gerade zu seinen Freunden umdrehen, als er ein anerkennendes Pfeifen hörte.

„Na das nenn ich doch mal Kurven“, sagte eine tiefe männliche Stimme. Sirius setzte ein zuckersüßes, falsches Lächeln auf, drehte sich um und sah den Blonden Hünen mit den Wimpern klimpernd an.

„Na Süßer gefällt dir, was du siehst?“ Erschrocken blickte der Blonde Sirius an, wurde erst weiß, bevor er vor Abscheu sein Gesicht verzog.

„Ih eine Tunte.“ Damit war er aus dem Laden verschwunden und Sirius wandte sich nun breit grinsend an seine Freunde um das los zu werden, was er vor der Störung sagen wollte.

„Guckt mal, sie haben jetzt auch andere Geschmacksrichtungen als Zitrone, wollen wir Albus welche mitbringen?“, fragte er und packte schon von jedem Geschmack ein paar Kostproben ein um ihren Schulleiter später damit zu überraschen.

Lachend uns schwatzend verließen die Freunde den Honigtopf. James sah Beccy auffordernd an und diese verstand sofort, was der Schwarzhaarige von ihr wollte.

„Lily, kommst du mit? Ich wollte nach Klamotten gucken, während der Zeit können ja die Jungs alleine umherziehen und wir treffen uns in zwei Stunden in den drei Besen“, schlug sie ihrer besten Freundin vor.
Die Rothaarige nickte zustimmend und mit Ginny im Schlepptau verschwanden sie Richtung Besenknechts Sonntagsstaat.

„Warum hast du die Mädels weggeschickt?“, fragte Remus seinen Freund, denn er hatte im Gegensatz zu den anderen James' Blick bemerkt.

„Lily hat doch Montag Geburtstag und ich hab zwar die Ohrringe, die Dad mir geschickt hat, aber ich wollte noch etwas eigenes holen und da kann ich meine Freundin nun einmal nicht gebrauchen“, meinte er und sah den Mädchen hinterher, die gerade das Bekleidungsgeschäft betraten.

„Hast du denn schon eine Idee, was du Mum schenken möchtest?“, fragte Harry seinen Vater, der unschlüssig in der Gegend umher guckte.

Dieser konnte nur mit dem Kopf schütteln. „Nein, leider überhaupt keine“, sagte er und setzte sich langsam in Bewegung. Ihm war klar, wenn sie nur in der Mitte des Dorfes stehen würden, würde er nichts für seine Freundin finden.
Sie gingen an Derwisch und Banges vorbei, dem Zauberutensilienladen. Sie schauten zwar hinein, fanden aber nichts, so das sie weiter gingen. Ihren nächsten Halt machten sie vor dem Buchladen. Nach 20 Minuten stand James unschlüssig im Laden und hatte drei Bücher in der Hand.

„Ich kann ihr doch kein Buch schenken“, murmelte er leise und legte sie wieder weg. Er wirkte etwas resigniert, weil ihm einfach nichts einzufallen schien. Wie sollte er auch die Ohrringe, die seit Jahrhunderten in Familienbesitz waren, übertreffen? Dies war nicht möglich, stellte er fest und ließ die Schulter und den Kopf noch etwas mehr hängen.

Seine Freunde versuchten ihm klar zumachen, dass wenn sie weiter hier herum stehen würden, sie wirklich nichts fänden und so setzten sie ihren Weg durch das kleine Zaubererdorf fort.
Wieder draußen an der frischen Luft zog Sirius seinen besten Freund in eine kleine Seitenstraße in der kaum etwas los war, da sie so unscheinbar wirkte. „Nun überleg mal ganz genau Krone, hat Lily irgendwann in letzter Zeit einmal etwas gesagt, was sie vielleicht gerne hätte? Frauen machen doch immer irgendwelche Andeutungen.“

James schüttelte den Kopf und lief nachdenklich die Gasse auf und ab. Plötzlich blieb er stehen und warf einen Blick in ein kleines Geschäft zu seiner Linken. „Das ist es! Das perfekte Geschenk. Ich habe es gefunden!“, frohlockte er und stürmte fast in den Laden.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von Tjeika »

Huhu ihr Lieben :knuff:

Wieder ein sehr schönes Kapitel. Es ist gut, dass es auch mal ruhige Kapitel gibt, wie dieses hier ja nun einmal eines war. Schön zum Verschnaufen und ich fand es ja sowieso schön :D Etwas mehr Sirius ist immer gut...
Ich habe ja wahrlich gelegen vor Lachen, als die Mädels ihm die Beine enthaart haben, zu genial, ehrlich! Klar, dass sie ihn so gesehen dazu zwingen mussten und er hat es sich ja auch selbst zuzuschreiben, wenn er so dämlich ist, solche eine Wette einzugehen. Aber spätestens mit den 30cm Absätzen hatte der Gute dann mein Mitleid. Ich meine, ich kann ja kaum auf 5cm Absätzen laufen, was müssen diese Dinger, die Sirius da tragen musste, dann für eine Qual gewesen sein...
Die Klamotten waren, der Beschreibung nach, schon schrecklich, da hat Harry schon recht, aber so waren eben die Siebziger...
Ich muss aber zugeben, dass sich Sirius wirklich gut geschlagen hat in der Rolle der Frau. Er hat sich dem gestellt, was er sich mit der Wette selbst zuzuschreiben hat. Sehr selbstbewusst, der Gute :lol:
Nun bin ich aber mal gespannt, was James da Feines gefunden hat, was er Lily zusätzlich zu den Ohrringen aus dem Familienbesitz zu ihrem Geburtstag schenken möchte.

Ich freue mich auf mehr!
:knuddel: Ria
"Hören Sie, Sir, folgendes... Es geht um meinen Teppich, der das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht hat..."

// The Big Lebowski \\
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