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Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 01:01
von Tjeika
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Ort: Marktplatz
Zeit: Später Nachmittag
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"Als ob er mir einen Wunsch abschlagen könnte", murmelte sie und blickte sich auf dem Marktplatz um.
"Zwei Silberlinge die Woche und einmal im Monat zusätzlich zwei Silberlinge. Sowie den Sonntag frei", sagte sie und suchte in der Menschenmasse nach ihrer Kammerfrau. Diese kam auch schon zwei Sekunden später auf die beiden zugestürmt, mit zwei Körben voller Fisch und anderer Leckereien.
"Herrin, wo seid Ihr bloß gewesen?", rief sie ein wenig erzürnt und doch voller Sorge.
"Ich habe die Zeit vergessen", sagte Linnea.
"Nun, wenn Ihr uns zu unsererm Anwesen begleiten wollt, um den Wohltäter kennenzulernen?", sprach Linnea erneut und mit leichtem Spott in der Stimme, diesmal wieder an den Spielmann gewandt.

Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 01:08
von Greyback
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Ort: Marktplatz
Zeit: Später Nachmittag
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"Gewiss doch ... Frau Gyldenstierne.", lächelte er und nahm der Kammerfrau sogleich die Einkäufe ab, welche wenig davon begeistert, aber auch sogleich die Erleichterung anzusehen war. "Wenn man bedenkt ... ", dachte er sich, während sie sich auf den Weg machten, " ... dass ich dies letztenendes einer Diebin verdanke." Er hörte durchaus den Spott in ihrer Stimme, aber es war wie es war: Ihr Mann hatte das Geld und er ditkierte letztenendes, wie die Sache ablief.

Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 01:14
von Tjeika
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Ort: Anwesen Gyldenstierne
Zeit: Früher Abend
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Linnea war alleine in das Arbeitszimmer ihres Mannes eingetreten. Sie hatte den Spielmann und die Kammerfrau - ohje, nun waren es schon zwei, deren Namen sie sich nicht merken konnte - gebeten, draußen zu warten. Die Kammerfrau war davon zwar nicht sonderlich begeistert gewesen, denn sie trieb sich für gewöhnlich nicht gerne mit dem gemeinen Volk herum, jedoch hatte sie gehorcht, wie sie es immer tat. Ja, es hatte durchaus etwas Gutes, dass ihre Mutter immer so streng zum Gesinde gewesen war.
"Habt Ihr kurz Zeit?", fragte sie an ihren Gatten gewandt, der daraufhin seinen Kopf hob und sie lächelnd anblickte.
Linnea wusste, dass er ihr vollkommen verfallen war und somit war es auch von vornerein klar gewesen, dass er einfach nicht fähig und willens war, ihr auch nur einen einzigen Wunsch abzuschlagen.
"Ich habe gestern einen sehr talentierten Spielmann kennenlernen dürfen. Der Zufall wollte es, dass ich ihn heute auf dem Markt wieder traf. Nun, ich würde Euch gerne bitten, ihn fest anzustellen", sagte sie mit klimpernden Wimpern und der Gesichtsausdruck ihres Gatten sprach Bände - er konnte gar nicht ablehnen.
"Ihr habt ihn mitgebracht?", fragte er Linnea, die mit einem Nicken antwortete.
"So bittet Ihn herein", fuhr er mit sanfter Stimme fort - ja, er war ihr definitiv verfallen und Linnea kam dieser Bitte auch sogleich nach.

Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 01:23
von Greyback
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Ort: Anwesen Gyldenstierne
Zeit: Früher Abend
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Humbert trat in das Zimmer und hatte etwa eine Sekunde um sich umzusehen - und um festzustellen, dass es aussah wie jedes gewöhnliche Arbeitszimmer auch, lediglich war alles etwas teurer, etwas nobler, etwas extravaganter. Dann nahm er sofort Augenkontakt zu Herrn Gyldenstierne auf und verneigte sich abermals tief.
"Gestatten: Humbert Rosenfeld. Gestandener Schiffswächter und freischaffender Musikant.", stellte er sich lächelnd, "Ich darf Ihnen zu einer überaus enzückenden Gattin gratulieren. Das Gesicht eines Engels und einen mehr als passablen Geschmack pflegt sie auch möchte ich meinen." Für einen kurzen Moment befürchtete er, zu dick aufgetragen zu haben.

Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 01:28
von Tjeika
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Ort: Anwesen Gyldenstierne
Zeit: Früher Abend
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Linnea wurde leicht rot. Sie war es zwar gewohnt, Komplimente zu erhalten, aber in einem solchen Ausmaße, war es doch schon ein wenig ungewöhnlich. Sie blickte von Humbert - endlich hatte sie wieder seinen Namen vernommen und sie nahm sich fest vor, ihn dieses Mal auch im Gedächtnis zu behalten - zu ihrem Gatten, der ein stolzes Lächeln auf den Lippen trug.
"Dies ist mir sehr wohl bekannt", sagte er ebenso stolz.
"Linnea, wieviel habt Ihr ihm versprochen?", fragte er nun an die Skandinavierin gewandt.
"Zwei Silbermünzen die Woche, zwei zusätzlich am Ende des Monats und den Sonntag frei", wiederholte sie ihr Angebot, immer noch leicht errötet.
Ihr Gatte nickte und wandt seinen Blick wieder dem Spielmann zu.
"Nun, dann sei es so, sofern Ihr akzeptiert."

Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 01:36
von Greyback
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Ort: Anwesen Gyldenstierne
Zeit: Früher Abend
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"Selbstverständlich.", nickte er. "Wann und wo wird das Abendmahl serviert? Ich möchte mich entsprechend vorbereiten."
Er würde sich wohl etwas herausputzen und neue Saiten auf die Geige spannen - nun, da er sich praktisch alle zwei Monate eine neue leisten könnte. Erst mit diesem Gedanken began er, das Glück, dass ihm wiederfahren ist zu realisieren. Und immer mehr bohrte sich der Gedanke in sein Bewusstsein, dass er dies einer Diebin verdankte. Sie hatte ihn für seine ungewollte Mithilfe entlohnt, wenn auch ganz anders, als sie es sich wahrscheinlich vorstellte - und er würde versuchen, sich seinerseits erkenntlich zu zeigen.

Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 01:43
von Tjeika
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Ort: Anwesen Gyldenstierne
Zeit: Abend
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"Da es eh an der Zeit ist, könnt Ihr auch gleich folgen", sagte Linneas Ehemann und stand von seinem Stuhl auf, um zur Tür zu gehen.
"Käthe, zeigt doch unserem... Spielmann, wo gespeist wird. Wir werden dann in fünfzehn Minuten zu Abend essen", rief er aus der Tür heraus.
Dann lächelte er Linnea noch einmal zu und begab sich wieder zu seinem Stuhl.
"Wir sehen uns dann beim Essen, Liebes", sagte er und wand sich wieder seinen Papieren zu.
Für Linnea war dies das Zeichen, dass er vor dem Essen noch etwas fertig bekommen wollte, so dass sie Humbert bedeutete, ihr hinaus zu folgen.
"Nun, wir sehen uns dann nach dem Essen, ich werde mich noch etwas frisch machen", sagte sie und nickte ihm, sowie Käthe zu - so war also der Name der Kammerfrau...

Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 01:56
von Greyback
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Ort: Anwesen Gyldenstierne
Zeit: Abend
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Humbert folgte Käthe in den Speisesaal. Ein großer, aber gemütlicher Raum. Er räusperte sich mehrmals, während er durch den Saal schritt um die Akustik auszutesten. Als er meinte den richtigen Ort gefunden zu haben, kniete er sich nieder und machte sich an seiner Geige zu schaffen. Danach begutachtete er nocheinmal den Raum und bemerkte voll Freude ein kleines Clavichord, welches wohl schon für einige Zeit kaum mehr als Dekoration und Prestigeobjekt war. "Später.", dachte er sich. "Später."
Langsam wurde von Käthe und zwei weiteren, noch nicht ganz so alten Damen, davon eine äußerst beleibt, das Abendmahl aufgetischt. Es gab Seelachs.

Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 02:00
von Tjeika
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Ort: Anwesen Gyldenstierne
Zeit: Abend
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Linnea hatte sich wahrlich schwergetan in der Wahl ihrer Garderobe für den Abend. Doch zur Feier des Tages entschied sie sich für ihr Lieblingskleid. Sie liebte das grüne Samtkleid einfach - auch wenn es vielleicht ein klein wenig übertrieben war. Dennoch, es war ihr egal. Sie stellte sich halt gerne zu Schau.
Mit einem freudig erwartenden Lächeln auf den Lippen schritt sie die Treppen von ihrer Garderobe zu dem Speisesaal hinunter. Johann, ihr Gatte, hatte sich schon gesetzt und wartete nun mit dem Speisen auf sie. Sie roch schon von der Tür, dass es Fisch gab - wie es meistens Fisch gab, weil Linnea Fisch einfach so sehr liebte.
Das freudig erwartende Lächeln lag auch noch auf ihren Lippen, als sie den Raum betrat.

Re: Lübeck, 04. 04. 1530

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 02:13
von Greyback
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Ort: Anwesen Gyldenstierne
Zeit: Abend
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Humbert konnte von Glück reden, dass seine Haare und Bart bereits rot waren, denn sonst hätte er wahrscheinlich eher einem Leuchtturm als einem Menschen geglichen. Linnea sah in ihrem Samtkleid, welches perfekt auf ihren Körper zugeschnitten war einfach makellos aus. So mussten wohl die Walküren aussehen, von denen ihm ein schwedischer Smut einmal erzählte. Er hielt sich still im Hintergrund während sie sich setzte und sich mit ihrem Gatten zu unterhalten begann. Trotzdem konnte er nicht die Augen von ihr lassen. In seinen Kreisen gab zwar ebenfalls einige Naturschönheiten, aber dieser Klasse Frau begnete man wohl nur in Adelshäußern.
Er versuchte sich zu beruhigen und überlegte, welche Begleitung er wohl zum Essen spielen sollte. Ein netter, entspannter Marsch vielleicht.