Hamburg, 25.04. 1530
Verfasst: Fr 22. Jan 2010, 09:20
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In der Stadt
früher Nachmittag
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Hamburg. Wie er diese Stadt zu hassen begann. Dabei hätte John unter anderen Umständen durchaus ein Auge für die Schönheit dieser Hansestadt gehabt. Die hellen Fassaden der Häuser am Markt, das rege Treiben in den Straßen und natürlich der Hafen. All das waren Dinge, die John sehrwohl hätten gefallen können. Wäre er nicht zwei Jahre gegen seinen Willen hier gefangen gehalten worden. Er wollte nur noch weg. Doch das war nicht so einfach. Sie suchten ihn. Seit zwei Tagen trieb er sich in den Gassen herum, immer genauestens darauf bedacht, nicht aufzufallen. Etwas, was angesichts seiner zerschlissenen Kleidung und der mageren Gestalt nicht gerade leicht fiel. Aber er war Pirat. Und jeder Pirat wusste, wie er untertauchen konnte. Am liebsten wäre er sofort zum Hafen gestürmt und hätte auf irgendeinem Schiff angeheuert, doch John wusste, dass sie ihn dort als erstes suchen würden. Also zwang er sich, diesem Drang nicht nachzugeben. Noch nicht. Sie würden unachtsam werden und das schon sehr bald. Dann war seine Chance gekommen. Solange trieb er sich in diesem düsteren und ihm doch gleichzeitig soviel vertrauteren Teil der Stadt herum. Hier trieb sich all jenes Gesindel herum, dass in den besseren Vierteln der Stadt nicht geduldet wurde. Huren, Falschspieler, Diebe und Piraten wie er. Niemand hier würde ihn verraten, dass wusste John.
Eine junge, nicht wirklich hübsche Frau mit auslandendem Dekolletee schob sich an ihm vorbei und zwinkerte ihm zu. Er lächelte, doch es erreichte seine Augen nicht. Vergangene Nacht hatten sie ein wenig Spaß gehabt. Er hatte sie nicht bezahlen können, doch dass schien ihr nichts auszumachen. John hatte kein Bedürfnis, es zu wiederholen. Mit einem unterdrückten Seufzen wandte er den Blick ab und sah zu einer nahen Kneipe, aus der Gelächter, Musik, aber vor allem der Geruch nach Essen zu ihm strömte. Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen und fest biss er die Zähne aufeinander. Er hatte schon viel zu lange nichts richtiges mehr gegessen. Aber er hatte kein Geld. Alles, was er besessen hatte, hatte ihm Misson, dieser Mistkerl, abgenommen und nun hatte er nur noch dieses zerschlissene Hemd, die abgetragene Hose und ein paar Stiefel, die er sich beim Falschspiel von einem Mann erschwindelt hatte.
So geht das nicht weiter, schalt er sich in Gedanken. Du bist John Mors, verflucht! Es wird Zeit, dass du dein Schicksal wieder in die Hand nimmst und endlich wieder Oberwasser erhältst!
Entschlossen ballte er die Hände zu Fäusten und ging langsam zu der Kneipe. Er würde noch einmal sein Glück mit den Würfeln probieren. Was hatte er schon zu verlieren?
In der Stadt
früher Nachmittag
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Hamburg. Wie er diese Stadt zu hassen begann. Dabei hätte John unter anderen Umständen durchaus ein Auge für die Schönheit dieser Hansestadt gehabt. Die hellen Fassaden der Häuser am Markt, das rege Treiben in den Straßen und natürlich der Hafen. All das waren Dinge, die John sehrwohl hätten gefallen können. Wäre er nicht zwei Jahre gegen seinen Willen hier gefangen gehalten worden. Er wollte nur noch weg. Doch das war nicht so einfach. Sie suchten ihn. Seit zwei Tagen trieb er sich in den Gassen herum, immer genauestens darauf bedacht, nicht aufzufallen. Etwas, was angesichts seiner zerschlissenen Kleidung und der mageren Gestalt nicht gerade leicht fiel. Aber er war Pirat. Und jeder Pirat wusste, wie er untertauchen konnte. Am liebsten wäre er sofort zum Hafen gestürmt und hätte auf irgendeinem Schiff angeheuert, doch John wusste, dass sie ihn dort als erstes suchen würden. Also zwang er sich, diesem Drang nicht nachzugeben. Noch nicht. Sie würden unachtsam werden und das schon sehr bald. Dann war seine Chance gekommen. Solange trieb er sich in diesem düsteren und ihm doch gleichzeitig soviel vertrauteren Teil der Stadt herum. Hier trieb sich all jenes Gesindel herum, dass in den besseren Vierteln der Stadt nicht geduldet wurde. Huren, Falschspieler, Diebe und Piraten wie er. Niemand hier würde ihn verraten, dass wusste John.
Eine junge, nicht wirklich hübsche Frau mit auslandendem Dekolletee schob sich an ihm vorbei und zwinkerte ihm zu. Er lächelte, doch es erreichte seine Augen nicht. Vergangene Nacht hatten sie ein wenig Spaß gehabt. Er hatte sie nicht bezahlen können, doch dass schien ihr nichts auszumachen. John hatte kein Bedürfnis, es zu wiederholen. Mit einem unterdrückten Seufzen wandte er den Blick ab und sah zu einer nahen Kneipe, aus der Gelächter, Musik, aber vor allem der Geruch nach Essen zu ihm strömte. Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen und fest biss er die Zähne aufeinander. Er hatte schon viel zu lange nichts richtiges mehr gegessen. Aber er hatte kein Geld. Alles, was er besessen hatte, hatte ihm Misson, dieser Mistkerl, abgenommen und nun hatte er nur noch dieses zerschlissene Hemd, die abgetragene Hose und ein paar Stiefel, die er sich beim Falschspiel von einem Mann erschwindelt hatte.
So geht das nicht weiter, schalt er sich in Gedanken. Du bist John Mors, verflucht! Es wird Zeit, dass du dein Schicksal wieder in die Hand nimmst und endlich wieder Oberwasser erhältst!
Entschlossen ballte er die Hände zu Fäusten und ging langsam zu der Kneipe. Er würde noch einmal sein Glück mit den Würfeln probieren. Was hatte er schon zu verlieren?