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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 20:20
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
"Du schaffst das. Wir schaffen das", sprach Lýsir aufmunternd zu Inga, obwohl er etwas zweifelte.
Es ging weiter, er war so angespannt, dass ihm alles schmerzte. Doch endlich war Inga oben und in Sicherheit. Lýsir atmete tief durch. Die letzten Meter brachen an.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 20:25
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
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Inga war unendlich erleichtert, als sie endlich oben angekommen war. Hier oben blühte fast nichts, nur wenige Bäume standen hier, ansonsten war hier keine Wiese, nur Stein. Doch Inga achtete kaum darauf. Schnell nahm sie die Tuchbeutel von ihren Schultern und legte sie beiseite, um sich über den Abgrund zu beugen und Lýsir ihre Hand hinzuhalten. Sie wollte ihm helfen, denn sie hatte gemerkt, wie schwierig es war, sich hier oben auf das Plateau zu ziehen. Die Kanten des Gerölls waren scharf.
"Nur noch wenige Meter", sagte sie und endlich erreichte sie seine Hand.
So fest sie nur konnte, hielt sie ihn fest, mit der anderen Hand hielt sie sich selbst fest.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 20:34
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
Dankbar nahm Lýsir Ingas Hand entgegen. Er drückte sich hoch, doch der Stein, auf dem sein rechter Fuß ruhte, brach und Lýsir geriet ins Wanken. Mit seiner linken Hand klammerte er sich am Stein fest, mit der rechten hielt er sich fester an Ingas Hand fest.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 20:40
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
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"Du schaffst das", sprach Inga und wusste wieder einmal nicht, ob sie Lýsir oder sich selbst Mut zusprach.
Schnell griff sie auch mit ihrer zweiten Hand, mit der sie sich zuvor an dem Felsen selbst festgehalten hatte, griff sie nun ebenfalls nach Lýsirs Arm und sie zog mit aller Kraft, die sie hatte. Sie konnte, sie durfte ihn nicht verlieren. Er durfte nicht sterben. Er musste leben und sie tat alles, was in ihrer Macht stand.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 21:13
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
Lýsir hielt sich mit aller Macht fest, und versuchte mit seinen Fuß wieder Halt zu finden. Schließlich gelang es ihm und mit Ingas Hilfe zog er sich nach oben über den Klippenrand.
Er umarmte Inga, presste sie an sich. Er war so froh, sie zu haben. Diese Hürde lebend überstanden zu haben. Er konnte sie nicht mehr loslassen. "Danke!" hauchte er in ihr Ohr.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 21:15
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
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"Den Göttern sei Dank", murmelte Inga, die ihre Arme um Lýsirs Nacken gelegt hatte und sich an ihm schier festhielt.
"Ich bin so froh, dass du lebst", flüsterte sie leise, ehrlich erleichtert.
Und es war, als würde eine riesige Last von Inga abfallen. Sie waren in Sicherheit, wenn auch nur vorerst, aber sie beide lebten, hatten einander. Mehr zählte für den Moment nicht.
"Ich liebe dich", hörte sie sich da sagen und erschrak über sich selbst.
Was hatte sie da gerade gesagt?
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 21:23
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
Ich liebe dich hallten die Worte von Inga in Lýsirs Ohren wieder. Sie liebte ihn? War das möglich? Wie stand er....
"Ich dich auch! Ich dich auch!" die Worte kamen aus seinem Munde, als wäre es selbstverständlich... und ja, ja, er liebte sie.
Lýsir schloss die Augen und drückte Inga noch ein wenig mehr an sich heran. Ihm kamen Tränen, doch Inga sollte sie nicht sehen. Er war ihr so unendlich dankbar. Wie schaffte es die Frau, ihm die Gefühle so sehr wiederzugeben, ihm zum Leben zu erwecken.
"Ich liebe dich." hauchte er noch ein Mal in ihr Ohr.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 21:28
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
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Es war... richtig. Ja, es war in der Tat richtig, stellte Inga irritiert fest und seufzte leise. Ja, diese Worte zu hören. Es war gut und richtig. Als sollte es so sein. So und nicht anders. Ein überaus merkwürdiges Gefühl. Wahrlich merkwürdig und doch wusste Inga, dass es richtig war.
"Wir sollten weiter", murmelte Inga nach einer gefühlten Ewigkeit, die sie hier nun schon wie aneinandergefesselt gestanden hatten.
Und eigentlich hatte Inga auch nicht das sonderliche Bedürfnis danach, diesen Zustand zu ändern. Dafür genoss sie Lýsirs Nähe einfach viel zu sehr. Doch wenn sie auch nur irgendwann einmal ankommen wollten, wenn sie Thyra wirklich aus der Gefangenschaft befreien wollten, bevor es zu spät war, dann mussten sie sich allmählich auf den Weg machen.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 21:40
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
Lýsir seufzte. Sich jetzt trennen von Inga, ein unangenehmer Gedanke, jedoch, es war wichtig. Er gab ihr einen zärtlichen Kuß, nahm den Sack über seine Schulter und fasste nach ihrer linken Hand. Dann erst blickte er sich um. Das Gelände war recht trostlos. Sie brauchten etwas zu essen. Lýsir hoffte, dass sie bald irgendeinen Ort erreichen würden. Zum Glück war der Weg zunächst vorgegeben. Immer dem Dnjepr nach.
"Dann los." sprach er zu Inga während er sie verliebt anblickte. Ein wunderbares Gefühl durchströmte ihn.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 21:45
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Früher Abend
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So lange liefen sie nun schon immer den Flusslauf entlang. Irgendwann wusste Inga nicht mehr, wie spät es überhaupt war. Erst die einsetzende Dämmerung verriet ihr, dass sie beinahe den gesamten Tag über gelaufen war. Was vielleicht auch eine Erklärung für ihre nun schmerzenden Füße war. Doch es gab schlimmeres, befand Inga, immerhin hatte sie einen Halt. Nicht für eine einzige Sekunde hatte Lýsir ihre Hand losgelassen. Und es war tatsächlich so, dass seine Nähe ihr die nötige Kraft gab, nicht aufzugeben, sondern immer weiter zu gehen. Immer und immer wieder blickte sie ihn von der Seite an, lächelte ihn an. Und ja, sie war glücklich. Durch ihn und nur durch ihn. Doch dann, irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit, die sie nun schon den Fluss entlang gelaufen waren, konnte sie in der Ferne Lichter ausmachen. Eine Ortschaft. Endlich.