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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Do 27. Mai 2010, 22:28
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Vormittag
Lýsir lächelte Inga an.
"Sehr gut." antwortete er. Legte seine Hände auf ihren Rücken und genoss die Nähe. Alles war in Ordnung, alles war gut. Mit Inga würde alles gut bleiben.
Er war wohl kurz eingenickt. Diese wohlige Wärme, die Nähe zu Inga, beruhigten ihn so sehr, dass er seiner erneut überkommenden Müdigkeit nachgegeben hatte.
Er schreckte auf, als er eine unangenehme Kühle bemerkte. Das Feuer war erloschen, er mußte es erneut anfachen, doch noch lang Inga auf seinem Bauch. Er beobachtete sie und lächelte dabei vor sich hin. Es war kein Traum gewesen, sie war noch da, bei ihm, so nahe. Er streichelte sie, allein dies erzeugte Wärme in seinem Körper, wer brauchte da noch ein Feuer?
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Do 27. Mai 2010, 22:35
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Vormittag
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Solch ein wundervoller Traum, doch irgendetwas kitzelte sie. Beinahe schon sanft. Doch sie wollte nicht aufwachen. Wollte nicht feststellen, dass Lýsir nur ein Traum gewesen war. So kämpfte sie leise seufzend dagegen an, doch die Realität hatte sie schnell wieder eingeholt. Es war kalt. Doch ihr Kopf war weich gebettet. Ein Kissen? Nein. Verwirrt runzelte Inga die Stirn, ehe sie sich letztlich dazu entschloss die Augen zu öffnen und der bitteren, einsamen Realität ins Gesicht zu blicken. Es dauerte einige Sekunden, ehe sie ihre Lider dazu hatte überreden können, sich endlich zu öffnen. Es war dämmrig. Wo war sie hier? Dann spürte sie, dass ihr Kissen sich bewegte. Als sie ihren Kopf verwirrt hob, realisierte sie erst, dass dies alles kein Traum gewesen war, dass Lýsir immer noch bei ihr war und sie aus warmen Augen anblickte. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Die Kälte um sie herum war vergessen, brannte doch ein Feuer in ihrem Herzen lichterloh und wärmte sie von innen.
"Guten Morgen", murmelte sie leise und strich eher abwesend über seine Brust.
"Oder so ähnlich", sagte sie dann, als sie merkte, dass es sicherlich alles andere war, nur nicht mehr morgens.
Und der Gedanke an den Morgen war bitter, an das, was am Morgen geschehen war. Und dann dachte sie an Thyra und die Bitterkeit trat auch in ihre Augen.
"Wir sollten weiterziehen", seufzte sie dann ein wenig enttäuscht.
"Hier können wir nicht bleiben", so gerne sie dies auch gehabt hätte - auf Ewig hier in Lýsirs Armen zu verweilen, gab es eine schönere Vorstellung?
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Do 27. Mai 2010, 22:45
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
Lýsir wollte sich nicht bewegen, wollte sich von Inga um keinen Preis trennen. Doch sie hatte Recht. Sie konnten hier nicht bleiben. Sie mußten irgendwie aus dieser Bucht heraus.
Lýsir seufzte. Dieser Morgen war schrecklich und wundervoll zu gleich gewesen. Ein letztes Mal zog er Inga zu sich heran, gab ihr einen zärtlichen Kuß auf ihre zarten Lippen.
"Ja, wir sollten aufbrechen." gemeinsam mit ihr setzte er sich auf, so dass sie auf seinem Schoß saß. Er konnte sich einfach nicht trennen, zu wundervoll schmiegte sich ihr Körper an seinen. Erneut trafen sich ihre Lippen, die vorsichtig miteinander spielten.
Als sie sich dann doch trennten, um ihre Sachen wieder anzuziehen, konnte Lýsir seinen Blick nicht von Inga nehmen. Er betrachtete ihren wundervollen Körper und war glücklich darüber, das Gefühl in sich zu tragen, nicht alleine zu sein, sondern jemanden in seinem Herzen zu tragen.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Do 27. Mai 2010, 22:54
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
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Als Inga ihre Kleider wieder angelegt hatte, glitt ihr Blick wieder zu Lýsir. Und alleine schon sein Anblick zauberte ein ehrliches Lächeln auf ihre Lippen. Ja, sie war wirklich angekommen. Dessen war sich Inga mittlerweile recht sicher. Und dennoch gab es etwas, was sie noch erledigen musste. Seufzend trat sie auf Lýsir zu, nahm seine Hand in die Ihre und blickte ihn offen und liebevoll zugleich an.
"Ich muss Thyra finden", sagte sie ehrlich und es war die reine Wahrheit.
"Ich muss", flüsterte sie dann und sie hoffte so sehr, dass er bei ihr sein würde, dass er ihr helfen würde.
Sie konnte ihre Freundin nicht alleine lassen. Sie konnte nicht in dem Wissen weiterleben, dass sie nicht alles dafür getan hatte, sie aus der möglichen Sklaverei durch die Sarazenen zu befreien. Und insgeheim fragte sich Inga, wer den Zwischenfall heute Morgen überlebt hatte.
"Wirst du mit mir kommen?", fragte sie dann leise, ein wenig unsicher.
Immerhin, wenn man es genau nahm, sie kannten sich kaum, auch wenn sie schon nach so kurzer Zeit soviel miteinander geteilt hatten. Und dazu zählte Inga nicht nur das Nachtlager.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 06:26
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
Lýsir nahm Ingas Hand und zog die Schwedin an sich heran. Er hatte nichts anderes vor gehabt. Er könnte nicht in dem Wissen, dass sie gefangen halten wurde, irgendetwas anderes tun.
"Wir werden sie gemeinsam suchen und finden", sprach er zu ihr und strich ihr über ihre Haare.
Er war zwar hier her gekommen, um Rache an den Entführern zu nehmen, die seine Verlobte auf dem Gewissen hatten, doch Thyra war zunächst wichtiger.
"Ich werde mich nicht von dir trennen", sagte er ehrlich weiter und gab ihr einen letzten Kuß in dieser Höhle. Dann traten sie hinaus. Der Himmel war noch bedeckt, aber es regnete nicht mehr.
Planken und Dinge des Schiffes waren an das Ufer der Bucht gespült worden.
"Wir sollten zunächst die Dinge durchsuchen, ob wir etwas brauchbares für uns finden und dann müssen wir dort hoch kommen." er zeigte auf die Klippen empor. Sie waren an dieser Stelle nicht mehr ganz so hoch, jedoch mußten sie irgendwie hoch klettern.
Er drückte ihre Hand und blickte Inga besorgt an. Allein das Treibgut zu durchsuchen, war keine angenehme Aufgabe.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 12:04
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
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Inga blickte geschockt zu dem sich ihnen nun bietendem Bild. Es handelte sich um die Reste der Holmgard und des anderen Schiffes, die hier in der Bucht angeschwemmt worden waren. Und nicht nur das. Unter den Trümmern würden sie sicherlich den einen oder anderen Toten auffinden. Da war sich Inga sicher. Kurz blickte sie zu Lýsir, doch letztlich nickte sie seufzend, drückte noch einmal Lýsirs Hand, um diese danach loszulassen. Und dann begann sie damit, die größeren Trümmerteile beiseite zu räumen. Und schon bei der ersten großen Planke, stellte sich Ingas Vermutung als richtig heraus. Njals toter Körper lag darunter. Blass, blau angelaufen und aufgebläht. Und es stank. Der Drang, sich zu übergeben, war wirklich groß, doch Inga fühlte sich außer Stande, sich auch nur einen Milimeter zu bewegen, zu geschockt war sie. So starrte sie nur zitternd auf die Wasserleiche hinab, die zu ihren Füßen lag.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 14:09
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
Ein paar nützliche Dinge hatte Lýsir bereits entdeckt und beiseite gelegt, als er zu Inga blickte, die wie erstarrt auf den Boden sah. Er ging zu ihr hin und sah Njal am Boden liegen. Schön war der Anblick keines falls, er fasste Ingas Schultern behutsam an und drehte sie von der Leiche weg.
"Komm, setz dich hier hin. Ich beeile mich, dass wir hier so schnell wie möglich wegkommen, " sprach er behutsam auf sie ein. Sanft strich er über ihre Wangen. Er hätte sie nicht mithelfen lassen sollen. All diese Erinnerungen waren nicht schön.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 14:31
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
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Etwas blitzte in Ingas Augen auf. Sicher, es war ein schrecklicher Anblick gewesen, der sich ihr da mit Njals totem Körper geboten hatte, doch andererseits würde sie niemals damit beginnen, sich vorschreiben zu lassen, was sie zu tun oder zu lassen hatte. Und genau jener Eindruck war gerade durch Lýsir in ihr erweckt worden. Sie würde doch nicht einfach tatenlos mit dabei zusehen, wie er all die Arbeit alleine erledigte. Dafür war sie sicherlich nicht auf Reisen gegangen, dafür hatte sie nicht die Lasten dieser Reise auf sich genommen. Sie war aufgebrochen, um ein besseres Leben zu finden und das würde sie sich sicherlich nicht aus der Hand nehmen lassen.
"Ist schon in Ordnung", sagte sie und räumte weitere Trümmer aus dem Weg.
Sie wollte keinen Streit anfangen und das würde sie mit Sicherheit, wenn sie nun wieder so unglaublich aufbrausend reagiert hätte, auch wenn ihr sehr danach war.
"Ich habe einige Dolche und Säbel gefunden", sagte sie schließlich, als sie auf ihre Ausbeute blickte, die sie auf einen Haufen gestapelt hatte.
"Einige Tuche, die wir als Taschen umfunktionieren können. Von der Nahrung bezweifle ich, dass sie noch genießbar ist", sprach sie dann weiter.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 14:39
von Siria
Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
Lýsir war von der Kraft von Inga sehr überrascht. Er war es nicht gewohnt, dass frauen diese Dinge so einfach wegsteckten. Doch er sagte nichts dagegen, sondern blickte immer wieder etwas sorgenvoll zu ihr herüber. Doch sie machte scheinbar unberirrt weiter.
"Sehr gut," sprach er zu ihr. "Ich habe ein paar wertvolle Gefäße gefunden und noch ein wenig Geld. Außerdem noch ein Messer. Wollen wir hoffen, dass wir diese Gegenstände zum Teil verkaufen können, damit wir weiterkommen." er war etwas in Sorge. Sie wußten nicht, wo Thyra war und je mehr Zeit sie verloren, um so hoffnungsloser war es.
"Dann lass uns alles zusammenpacken und dann müssen wir dort hinaufklettern." Lýsir blickte die Felsen empor. Sie waren nass und daher nicht ungefährlich. Aber sich mit den Resten ein Floß zu bauen, um ein wenig auf dem Fluß weiterzufahren, war ebenso gefährlich. Ihm war der Landweg im Moment lieber.
"Was meinst du. Landweg oder doch das Wasser?" stellte er die Frage an Inga. Er konnte und wollte sie bei dieser Entscheidung nicht außen vor lassen.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Fr 28. Mai 2010, 14:47
von Tjeika
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Am Ufer des Dnjepr
08. März 768, Mittag
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Inga hatte damit begonnen, aus einigen Tuchen einige kleine Tuchbeutel zu knoten. Und sie machte die Knoten so fest sie nur konnte. Immerhin wollten sie unterwegs nichts verlieren. Es dauerte nicht sehr lange und sie hatten ihre Taschen, in die Inga dann begann die zusammengesammelten Gegenstände darin zu verstauen. Erst dann folgte sie Lýsirs Blick die Felsen hinauf und runzelte die Stirn.
"Das sieht nicht sehr gut aus", sagte sie seufzend und knotete den ersten gefüllten Beutel zu.
"Aber wenn ich ehrlich bin, ziehe ich die Felsen dem Wasser vor", sprach sie dann mit einem Blick auf das Wasser.
Nach dem heutigen Erlebnis hatte Inga nicht gerade das Bedürfnis, allzubald wieder auf dem Wasser unterwegs zu sein.