Seite 61 von 134
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Di 25. Mai 2010, 22:18
von Siria
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
Lýsir blickte Inga in die Augen und lächelte sie an. Es hatte gut getan und irgendwie hatte sie für ihn mitgeweint, er fühlte sich zumindest irgendwie erleichert aber auch berührt.
"Ich tu dir nichts. Ich danke dir." sprach er sanft und nahm vorsichtig ihre Hand, um sie sanft zu drücken.
Sie hatte ihm gerade ein Geschenk gemacht, auch wenn ihr dies wohl nicht bewußt war. Aber er spürte es, zwar noch wenig aber, da war etwas. Ein Zeichen, dass er wohl noch nicht ganz verloren war, dass er noch etwas spüren konnte. Im Moment spürte er Dankbarkeit.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Di 25. Mai 2010, 22:22
von Tjeika
=================================
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
=================================
"Ich danke dir", murmelte Inga noch etwas verwirrt und schüttelte kurz irritiert den Kopf, ohne den Blickkontakt mit Lýsir zu unterbrechen.
"Ich habe keine Angst vor dir", flüsterte sie dann und merkte, dass es stimmte.
Wie konnte sie auch noch Angst vor Lýsir haben, jetzt, wo er sie in ihrem schwächsten Moment gehalten hatte, ja, auf eine gewisse Art und Weise geschützt und gestützt hatte?
"Ich habe Angst davor, dass du gehst", wisperte sie dann und die Erkenntnis, dass auch das durchaus der Wahrheit entsprach, drang erst in jenen Sekunden zu ihr durch, als sie die Worte auch schon ausgesprochen hatte.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Di 25. Mai 2010, 22:32
von Siria
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
Abermals drückte er ihre Hand, vorsichtig, denn verletzten wollte er sie nicht.
"Ich werde nicht gehen, wenn du dies nicht möchtest, denn auch ich würde gerne bleiben." sein Blick war auf Inga gerichtet. Ihre Augen hielten ihn gefangen und gaben ihm Kraft.
Sein Herz fing schneller an zu schlagen. Erleichterung machte sich in ihm breit und... er fühlte sich tatsächlich glücklich. Er fühlte sich zu Hause... hier... in mitten der Holmgard.
Er blickte sie noch immer an. "Du mußt zu kräften kommen." hörte er sich besorgt sagen. Ja, er war besorgt, besorgt um Inga.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Di 25. Mai 2010, 22:35
von Tjeika
=================================
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
=================================
"Mir geht es gut", sagte Inga leise, blickte immer noch tief in Lýsirs Augen und irgendwie konnte und wollte sie sich nicht aus seinem Blick befreien.
Sie spürte den sanften Händedruck und erwiderte ihn, beinahe automatisch und doch war es ehrlich.
"Dank dir", sprach sie dann und meinte es auch so.
Immerhin hatte er sie im freien Fall aufgefangen. Ein seltsames Gefühl der Geborgenheit machte sich in Inga breit. Es war lange her, seit sie es das letzte Mal verspürt hatte.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Mi 26. Mai 2010, 18:10
von Siria
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
Irgendwie wollte sich Lýsir nicht trennen, doch er hatte Nachtwache und er sollte einen Rundgang machen.
"Du solltest dich ausruhen. Ich muß einen Rundgang machen." Lýsir blickte Inga in die Augen. Er konnte sich von diesen nicht trennen. Es war auf eine besondere Art und Weise beruhigend bei ihr zu sein.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Mi 26. Mai 2010, 18:13
von Tjeika
=================================
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
=================================
Nur äußerst ungerne unterbrach Inga den Blickkontakt mit Lýsir. Doch letztlich hatte er Recht, er hatte einen Rundgang zu machen und Inga selbst brauchte wahrlich etwas Ruhe. Es war doch ein reichlich aufwühlender Tag gewesen und das in vielerlei Hinsicht. Ein wenig Schlaf konnte ihr nur gut tun, auch wenn sie aufgrund von Thyras Entführung bezweifelte, auch nur eine einzige Minute Schlaf zu finden. Doch versuchen musste sie es, denn wenn sie ihre Kräfte aufgebraucht hatte, konnte sie ihrer Freundin auch nicht helfen.
"Ich wünsche Euch eine ruhige Nacht", sagte Inga dann und stand letztlich auf, als sie den Blickkontakt unterbrach.
Noch einmal nickte sie ihm zu und es fiel ihr außerordentlich schwer, die Türe zum Unterdeck zu öffnen. Irgendetwas hielt sie hier...
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Mi 26. Mai 2010, 18:20
von Siria
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
Lýsir konnte den Blick nicht von Inga wenden. Er wußte nicht warum, aber er wollte sicher gehen, dass es ihr gut ging, dass sie unbeschadet in ihrer Kajüte ankam, dass sie nicht gefangen genommen wurde.
Irgendetwas war an dieser Frau, dass ihn fesselte. Er konnte es nicht erklären. Schon sehr lange hatte er so etwas nicht mehr gespürt. Überhaupt, er spürte sich wieder, spürte Trauer und gleichzeite Freude. Er nickte ihr noch ein Mal zu.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Mi 26. Mai 2010, 18:24
von Tjeika
=================================
Dnjepr, auf der Holmgard
08. März 768, Morgen
=================================
Inga hatte nicht eine einzige Minute geschlafen. Sie hatte an Thyra gedacht. Alle möglichen Szenarien hatte sie sich ausgemalt. Und allesamt hatten vor ihrem geistigen Auge kein gutes Ende genommen. Und wenn sie nicht gerade an Thyra gedacht hatte, für sie zum Allvater gebetet hatte und gehofft hatte, dass sie wieder wohlbehalten auf die Holmgard zurückkehrte, dann waren ihre Gedanken bei Lýsir verweilt. Er war seltsam und Inga wusste nicht so recht, was genau seltsam an ihm war. Was sie dazu brachte, noch mehr, als ohnehin schon von ihm erfahren zu wollen. Und immer wieder hatte sie seine Augen gesehen, als stünde er direkt vor ihr. So, wie er es nun tat, als sie den Weg zum Frühstück eingeschlagen hatte.
"Guten Morgen", grüßte sie den sichtlich müden Mann.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Mi 26. Mai 2010, 18:39
von Siria
Dnjepr, auf der Holmgard
08. März 768, Morgen
Es war eine lange Nacht gewesen. Nicht nur, weil er Wache hatte, sondern auch, weil er viel Zeit hatte, um seinen Gedanken nachzuhängen.
Inga gehörte dazu. Er konnte nicht beschreiben, was ihn so verwirrte oder beschäftigte. Es war, als hätte sie etwas bei ihm in Gang gesetzt, wovon er nicht gedacht hätte, dass es so etwas in ihm noch gab. Er hatte über sich gesprochen, über seine Schmerzen, das hatte er schon lange nicht mehr getan. Er fühlte wieder. Doch er versuchte, diese bröckelnde Mauer wieder aufzubauen. Er wollte nicht noch mal einen Menschen verlieren.
Am Ende der Nacht, hatte er sich so weit, dass seine Mauer wieder aufgebaut war. Er wollte niemanden noch mal so nahe an sich heran lassen.
Der Morgen graute und er begab sich zum Frühstück. Müde und Erschöpft.
Plötzlich stand Inga vor ihm. Und Lýsirs innere Mauer geriet wieder ins Wanken. Doch er hielt sie noch aufrecht.
Er lächelte sie ehrlich, wenn auch ein wenig distanziert an. "Guten Morgen. Konntet ihr ein wenig schlafen?" Sie sah nicht danach aus, was verständlich war.
Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer
Verfasst: Mi 26. Mai 2010, 18:43
von Tjeika
=================================
Dnjepr, auf der Holmgard
08. März 768, Morgen
=================================
Ingas Lächeln schwand ein wenig. Sie bemerkte die Distanz, die gestern Nacht nicht zwischen ihr und Lýsir geherrscht hatte. So nickte sie nur, auch wenn das nicht stimmte, dass sie hatte schlafen können und drängte sich schnell an ihm vorbei, um in den Mannschaftsraum zu kommen. Der große Tisch war noch reichlich leer. Njal und Thor waren noch nicht da und auch einige andere Männer fehlten noch. Und die, die schon da waren, sahen abgekämpft und müde aus, ebenso, wie sich Inga auch fühlte. Schnell setzte sich sich an ihren Platz und ihr Blick fiel auf jenen Stuhl neben ihr, von dem sie wusste, dass er an diesem Morgen leer bleiben würde. Und Inga ahnte, dass sie keinen Bissen herunterbekommen würde.