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Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 21:04
von Siria
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend

Unruhe stieg in Lýsir auf. Er wollte Inga nicht verletzten und hatte es doch getan. Sie hatte sich wegen im erschreckt.
Er wollte nicht, dass sie das tat, wollte sie aber auch nicht abweisen. Inga wollte nur helfen, so wie er es schließlich bei Thyra auch wollte.
Er nickte, wagte jedoch nicht, sie anzusehen.
"Bitte erschreckt nicht, vor den Naben." seine Stimme war leise. Er hatte nie sein Hemd bei schweren Arbeiten ausgezogen. Er wollte nicht, dass man seine Narben sah. Und wollte eigentlich auch nicht, dass Inga sie sah. Sie war zu schön, um so etwas häßliches zu sehen.

Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 21:11
von Tjeika
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Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
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Inga hatte eigentlich etwas sagen wollen, hatte sagen wollen, dass die Narben sie nicht erschreckten, sie eher faszinierten, dass sie erfahren wollte, woher sie stammten, was Lýsir hatte mitmachen müssen, was er hatte erleben müssen. Doch sie brachte keinen Ton heraus, so dass sie schließlich nur nickte und beinahe vorsichtig schon neben Lýsir auf die Knie sank, um sich die Wunde an seiner Schulter genauer anzusehen.
"Erschreckt nicht, es ist kalt", flüsterte sie leise und wusste nicht einmal, warum sie flüsterte.
Dann wrang sie den Lappen aus. So schlimm war die Wunde nicht, die er an der Schulter davongetragen hatte. Sie blutete lediglich ein wenig und musste gekühlt werden. So legte sie vorsichtig den Lappen auf seine Wunde, wobei sie darauf geachtet hatte, eine möglichst saubere Seite des Lappens auf die Haut zu legen. Doch ihr Blick glitt immer und immer wieder auf seinen Rücken und letztlich, ohne dass Inga es überhaupt bemerkte, fuhr sie mit einem Finger eine jener Narben entlang, vor denen Lýsir sie gewarnt hatte...

Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 21:22
von Siria
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend

Die Kühle des Lappens tat gut. Und Lýsir beruhigte sich ein wenig. Doch dann spürte er, wie Inga mit einem ihrer Finger einer Narbe entlang fuhr. Ohne zu überlegen drehte er sich um und packte ihr Handgelenk und sah ihr scharf in die Augen. "Nicht!" fauchte er sie an.
Doch was er in ihren Augen sah, ließ ihn erschaudern und er ließ sofort ihr Handgelenk wieder los.
Er wollte sie nicht verletzen. Auf keinen Fall.
Er stand auf und zog sich unter Schmerzen sein Hemd wieder an. Doch diese Schmerzen waren nichts, gegen die Schmerzen, die Spuren nicht nur auf seinem Rücken hinterlassen hatten.
"Ich danke euch für eure Hilfe." versuchte er mit ruhiger, höflicher Stimme zu sagen.
"Ihr solltet euch ausruhen." sprach er schließlich besorgt und sanft und lächelte sie ehrlich an.

Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 21:27
von Tjeika
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Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
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Inga wich einen Schritt zurück. Sie konnte nichts dagegen machen, Lýsir jagte ihr Angst ein. So sehr sie sich auch gegen dieses Gefühl versuchte zu wehren. Immerhin war sie es ja gewesen, die zu weit gegangen war. Inga ließ Lýsir nicht aus den Augen, starrte ihn beinahe schon aus angstgeweiteten Augen an, während sie unbewusst ihr Handgelenk rieb. Sie hatte wahrlich nur helfen wollen und auch wenn es Lýsir sichtlich leid tat, was sein Blick und auch seine Stimme ihr verrieten, so war sie hier nicht die Einzige, die zu weit gegangen war. Und letztlich konnte sie sich gegen das Gefühl der Angst kaum mehr erwehren. Ohne einen weiteren Ton zu sagen, drehte sie sich herum und rannte beinahe schon die Stufen zu ihrer Unterkunft, die sie sich für gewöhnlich mit Thyra teilte, hinunter.

Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 21:33
von Siria
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend

Lýsir seufzte. Was hatte er nur angerichtet. Er sank zu Boden, er mußte einen klaren Kopf bekommen. Er konnte es so nicht stehen lassen. Er mußte sich Inga gegenüber erklären, das war er ihr schuldig.
Mit einem mulmigen Gefühl ging er zu ihrer Unterkunft und klopfte an.

Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 21:39
von Tjeika
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Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
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Inga hatte sich auf ihr Lager gesetzt, den Kopf in die Hände gestützt, die Knie angewinkelt und den Rücken an die Wand gelehnt. Ihre Gedanken waren längst nicht mehr bei Lýsir, auch wenn er ihr sicher noch so einiges Kopfzerbrechen bereiten würde. Ihr Blick, kaum war er auf Thyras Lager gefallen, hatte sich verfinstert und dann hatte sie an ihre Freundin denken müssen. Die verschiedensten Szenarien, was nun gerade mit ihr geschah, spielten sich in ihrem Kopf ab. Und leise Tränen der Sorge rannen ihre Wangen hinab, während ihr Blick fest auf das Bett Thyras gerichtet war. Nicht einmal das Klopfen, ließ sie aufblicken.
"Herein", sagte sie recht mechanisch und blickte noch immer nicht auf, als sich die Tür öffnete.
Sie bemerkte es kaum.

Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 21:44
von Siria
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07. März 768, Abend

Als Lýsir herein trat und Ingas Blick zu dem zweiten, leer stehenden Schlaflager folgte, verstand er ihre Aufgelöstheit.
Was war das heute nur für ein Tag? Nun war er noch unsicherer als vorher. Was sollte er tun. Er setzte sich neben Inga. Er wollte seinen Arm um sie legen, doch mitten in der Bewegung hielt er inne. Dies stand ihm nicht zu. Er nahm seinen Arm zurück.
"Wir werden sie finden." flüsterte er und hätte sie gerne ein wenig getröstet.

Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 21:48
von Tjeika
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07. März 768, Abend
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Vollkommen irritiert blickte Inga zu Lýsir, der plötzlich, ohne, dass sie es wirklich mitbekommen hatte, neben ihr saß. Wann war er in den Raum getreten, wann hatte er sich neben sie gesetzt? Inga konnte sich kaum erinnern und nur vage erklang das Klopfen an der Tür von vor einigen Momenten in ihren Erinnerungen erneut. Und dann klingelte ihre Erinnerung ein zweites Mal. Zu deutlich noch hatte sie in Erinnerung, wie er sie oben an Deck behandelt hatte. Ein plötzlicher, kurzer Schmerz in ihrem Handgelenk erinnerte sie zusätzlich daran. Und kurz flackerte sein kalter Blick in ihren Gedanken auf, als er sie hart am Arm gepackt hatte. Unwillkürlich rückte sie ein wenig von ihm weg, senkte für eine Sekunde den Blick, um sich zu sammeln, doch es brachte nicht wirklich viel. Sie hatte noch immer Angst vor ihm und als sie wieder zu Lýsir blickte, stand das wohl auch mehr als deutlich in ihrem Blick geschrieben.
"Natürlich werden wir das", sagte sie trocken und doch mit zitternder Stimme.

Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 21:58
von Siria
Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend

Es schmerzte ihn, sie so zu sehen. Niemals wollte er ein weiteres mal ein Gesicht voller Schmerzen und Angst sehen. Aber vor allem kein Frauengesicht.
Ihm stockte der Atem, als offensichtlich er der Grund war für Ingas Angst. Es tat ihm weh.
"Das wollte ich nicht." flüsterte er, seine Kehle war trocken.
"Bitte, habt keine Angst vor mir. Ich würde euch niemals verletzen wollen." er blickte auf ihr Handgelenk. Es war rötlich verfärbt. Er hatte ihr wehgetan. Seine Augen waren aufgerissen, das hatte er nicht wirklich getan.
Er konnte nicht bleiben, konnte es nicht ertragen, dass sie ihn so anblickte, dass er der Grund war für ihre Angst. Er sollte dieses Schiff verlassen, so schnell wie nur irgend möglich.
"Es war keine Absicht. Die Narben... ich... es tut mir aufrichtig leid." er sackte ein wenig in sich zusammen und trat zur Türl
"Ich hoffe, ihr könnt mir irgendwann verzeihen." traurig blickte er zu Boden. Er verstand seine Reaktion, aber sie war nicht richtig gewesen, schon gar nicht, Inga gegenüber, die ihm nur helfen wollte.

Re: Miklagard - Ein warägisches Abenteuer

Verfasst: Mo 24. Mai 2010, 22:05
von Tjeika
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Dnjepr, auf der Holmgard
07. März 768, Abend
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Nun war es wohl Lýsir, der ein wenig verstört war. Schnell und ohne es wirklich zu registrieren, war sie aufgesprungen. Das hatte sie nun wirklich nicht gewollt. Und sie wollte ja nicht einmal die Angst vor ihm empfinden, die sie augenscheinlich empfand. Immerhin war sie es doch gewesen, die zu weit gegangen war. Es war einfach falsch, dass er nun die alleinige Schuld an dem hier tragen sollte.
"Wartet", rief sie und bemerkte wohl zu spät, dass sie erneut zu weit gegangen war.
Sofort zog sie ihre Hand zurück, die sich nun ihrerseits, wenn auch nicht beileibe so fest, wie er es zuvor getan hatte, um sein Handgelenkt gelegt hatte - an jener Hand, die am Türknauf lag.