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Re: Kapitel 3
Verfasst: Di 10. Mai 2011, 20:42
von Tjeika
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Shaya Zarin
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Endlich, es war geschafft. Shaya zitterte am ganzen Leib, sie hatte alle ihre Gefährten erreichen können. Nur das zählte jetzt. Nicht ihre Erschöpfung, nicht all die Kraft, die dieses Unterfangen gekostet hatte. Es war überstanden, sie hatte es geschafft. Erschöpft, außer Atem und am ganzen Leib zitternd sank Shaya auf die Knie. Sie hatte keine Kraft mehr für irgendetwas. Sie sah sich nicht einmal mehr dazu in der Lage, die Augenlider zu öffnen. Und sie wahr wohl auch so blass, wie sie sich fühlte. Wie Kräftezehrend das alles letztlich sein würde, nein, das hatte sie zuvor nicht erwartet. Doch nun war es vorbei. Sie alle lebten noch und keiner war mehr der Gefangene seines eigenen Geistes...
Re: Kapitel 3
Verfasst: Di 10. Mai 2011, 21:18
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Toyans Blick war nun auf die Brücke gerichtet. Erleichtert sah er, dass Revan es offenbar ebenfalls geschafft hatte, nickte ihm jedoch nur kurz zu, als dieser sich neben ihn setzte. Schließlich schien auch Ohanzee zu sich zu kommen, das war der Moment, in dem Toyan aufstand, als Shaya in die Knie sank.
Er achtete nicht mehr auf die Gefahren der Brücke oder darauf, ob vielleicht auch Ohanzee ihr helfen wollte. Er wollte sie nur noch dort herunter holen.
Kaum war er über der Schlucht, sah er sie wieder vor sich, dasselbe Bild. Es ist nur eine Täuschung, mahnte er sich und ging entschlossen weiter, auch wenn er die Hände zu Fäusten geballt hatte.
Am Rande sah er einige Rak, die sich bereits auf die Brücke gewagt hatten. So also holen sie sich ihre Beute, dachte er und warf ihnen zornige Blicke zu, die diese natürlich nicht im mindesten beeindruckten.
"Shaya?", fragte er schließlich, als er sie beinahe erreicht hatte. Zitternd saß sie auf der Brücke, am Ende ihrer Kräfte. Vorsichtig ging er zu ihr, legte ihr die Hände auf die bebenden und kalten Schultern.
"Shaya, ich bin da..." Kurzerhand fasste er unter ihre Knie und hob sie hoch, um auch sie über die Brücke zu tragen.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Do 12. Mai 2011, 08:55
von Ayrina
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Narea
28. April 143. Jahr des Lichtes, Nachmittag
Irgendwo in Thyn
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Es fiel Narea nicht leicht, sich aus den Fängen der Illusion zu befreien. Sie zitterte und noch immer prasselten die Stimmen auf sie ien. Ganz offenschtlich gab es nur einen Ausweg. Ihre Hand hatte sich fest um das Geländer der Brücke gekrallt und es kostete sie alle Anstrengung einen Schritt nach dem anderen zu tun. Sie musste von dieser Brücke herunter.
Das Ende schien ihr unendlich weit entfernt, doch langsam kam es näher. Und als sie es endlich geschafft hatte, sank sie am Ende ihrer Kräfte in die Knie.
Alles was blieb, war ein flaues Gefühl in ihrem Magen und eine kalte, innere Leere.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Do 12. Mai 2011, 19:11
von vojka
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Namid
28. April 143. Jahr des Lichtes, Nachmittag
Irgendwo in Thyn
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Es fiel Namid von Sekunde zu Sekunde schwerer bei Bewusstsein zu bleiben. Die Feuerpfeile, die sie ohne Unterlass aus der anderen Seite der Brücke auf die Raks abgeschossen hatte, obwohl sie da schon mit ihren Kräften zu kämpfen hatte und nun auch noch die Krallen eines solchen Viehs auf ihrem Rücken. Die Schmerzen raubten ihr fast den Verstand. Plötzlich kamen die Erinnerungen an die Geschehnisse auf der Brücke wieder, da waren ihre Eltern gewesen, ihr Vater hatte ihr gerade sagen wollen, wer... Moment wie konnten sie da gewesen sein? Sie waren tot? Mühsam setzte sie sich auf, sah zur Brücke, aber ihre Eltern konnte sie dort nicht entdecken, aber sie mussten doch dort sein. „Mum… Dad“, murmelte sie kraftlos und versuchte irgendwie zurück auf die Brücke zu kommen.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Sa 14. Mai 2011, 16:12
von Jerzon
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Ohanzee
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Ohanzee hatte es geschafft sich zu den anderen zu schleppen. Mit jedem Schritt hatte sich seine Verwirrung gelegt. Als er sich umwandte, sah er wie Toyan Shaya über die Brücke trug. Mehr und mehr der Raks trauten sich auf die Brücke und folgten den beiden. Der Wächter nahm seine Bogen zur Hand, legte einen Pfeil auf spannte sie Sehne und schickte ihn auf seine Reise. Gespannt verfolgte er den Flug des Geschosses. Als der Pfeil einschlug geriet der getroffene Rak zwar ins straucheln, jedoch hatte der Treffer keine Auswirkung. Trotzdem schickte Ohanzee einen weiteren Pfeil auf die Reise. Sie vermochten die Raks zwar nicht zu stoppen, doch sie verschafften Toyan und Shaya den nötigen Vorsprung, auf die andere Seite der Brücke zu kommen.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Mo 16. Mai 2011, 10:42
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
28. April 143. Jahr des Lichtes, Nachmittag
Irgendwo in Thyn
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Toyan nahm nur am Rande seines Bewusstseins mit, dass Ohanzee hinter ihnen blieb und hoffte, dass dieser nicht erneut der Illusion der Schlucht und der Rak erlag. Ein perfektes Zusammenspiel, dem wohl die wenigsten Entkommen konnten - sofern sie nicht gerade Telepathen waren.
Besorgt sah er zu Shaya, die die Augen geschlossen hatte, konzentrierte sich dann aber wieder auf den schmalen Weg vor sich, bis er auch die letzten Brückenpfeiler hinter sich gelassen hatte.
Der Rest der Gruppe saß hier, ziemlich erschöpft und wohl noch immer mit dem beschäftigt, was sie gesehen hatten,was kein Wunder war.
So behutsam es seine zitternden Arme zuließen, ließ er Shaya auf den Boden, strich ihr über die Wange und stand dann erneut auf.
"Namid!", sagte er warnend, als er sah, dass die Feuermagierin sich erneut auf die Brücke zu bewegte. "Namid, nicht! Sieh nicht hin!" Als er sie erreichte stellte er sich einfach vor sie, nahm ihr die Sicht und fasste sie bei den Schultern. Sie war nicht nur blass und erschöpft, sondern sie schien jenseits ihrer Kräfte zu sein. Glaubte das, was sie gesehen hatte, noch immer.
"Namid, es ist eine Täuschung, es ist nicht wahr. Lass dich nicht von ihnen auf die Brücke ziehen, dann wirst du einer von ihnen! Was immer du siehst - es ist nicht wahr, eine Täuschung!"
Obwohl ihre Bemühungen schwach waren, sich gegen ihn zu wehren, hatte auch er kaum noch Kraft, sie aufzuhalten. Versuchte, ihren Blick wieder und wieder einzufangen und hoffte, dass er bald klar wurde und mit ihm ihre Gedanken.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Mo 16. Mai 2011, 16:18
von vojka
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Namid
28. April 143. Jahr des Lichtes, Nachmittag
Irgendwo in Thyn
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"Illusion?", fragte Namid und sah Toyan mit Tränen in den Augen an. Sie hatte sich so sehr gewünscht, dass ihre Eltern doch nicht tot waren, dass sie lebten und dort waren, obwohl sie tief in ihrem Inneren wusste, dass es nicht so war. Sie seufzte und legte sich einfach dort, wo Toyan sie gestoppt hatte hin und schloss die Augen, sie hatte keine Kraft mehr diese aufzulassen. Sie war einfach nur müde, so entsetzlich müde.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Mo 16. Mai 2011, 19:12
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
28. April 143. Jahr des Lichtes, Nachmittag
Irgendwo in Thyn
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Besorgt beobachtete Toyan, wie Namid sich hinlegte und beschloss, sie nun nicht erneut mit zu ziehen, sondern erst einmal ausruhen zu lassen. Kurz strich er ihr über die Schulter und erhob sich dann wieder, um zu den anderen zurück zu kehren, wo auch er sich einfach auf den Boden sinken ließ und für einen Moment die Augen schloss, das Gesicht in den Händen barg. Es war zu viel, sie alle waren ausgezehrt und erschöpft, weit würden sie heute auf keinen Fall mehr kommen. Für den Moment wollte er aber einfach hier sitzen bleiben und gar nichts tun.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Fr 20. Mai 2011, 18:21
von Ayrina
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Narea
29. April 143. Jahr des Lichtes, Nachmittag
Irgendwo in Thyn
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Noch immer herrschte eine angespannte, bedrückte Stimmung in der Gruppe. Schweigend waren sie nach einer nicht weniger schweigsamen Rast wieder aufgebrochen und die Erlebnisse auf der Brücke schienen sie noch immer niederzudrücken.
Narea ging am Ende der Gruppe. Sie hatte seit dem vergangenen Tag niemandem mehr in die Augen geschaut und auch wenn sie wusste, dass es nur eine Illusion gewesen war, so klangen diese Vorwürfe doch noch immer in ihrem Kopf nach. Ihr Blick fiel nach vorn zu Shaya und Toyan, die nah beieinander liefen und mit einem Stich im Herzen senkte sie den Blick.
Die Sonne brannte vom Himmel und der Boden unter ihren Füßen war von trockenem Staub bedeckt.
Als der Mittag anbrach, wurden am Horizont die Umrisse einer Stadt sichtbar und knapp drei Stunden später standen sie vor der brüchigen Mauer, die die kleine Stadt umgab. Die Tore waren nicht bewacht und auch sonst schien man hier kaum mit einem Feind oder Angriff zu rechnen. Vor der Statd waren einige Bauern damit beschäftigt, ihre trockenen Felder zu bewässern und innerhalb der Mauer waren die Straßen von nur wenigen Händlern bevölkert. Vermutlich war kein Markttag und die meisten Leute gingen ihren Geschäften nach, die sie nciht auf die Straße führten.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Fr 20. Mai 2011, 20:31
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
29. April 143. Jahr des Lichtes, Nachmittag
Therona, Seyîn
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Toyan ging neben Shaya, auch wenn sie kaum sprachen. Generell waren sie alle seit dem Zusammentreffen mit den Rak sehr schweigsam und diese beinahe unwirkliche Gegend machte es nicht besser.
Doch dies war Seyîn, sie hatten die Grenze an der Schlucht überschritten. Das Land seiner Vorfahren, sein Geburtsland, in dem er gelebt hatte, bis seine Mutter mit ihm nach Port Soles gegangen war.
Ein seltsames Gefühl machte sich in ihm breit, es war sehr lange her, seit er zuletzt in diesem Land gewesen war.
Als die Stadt in Sichtweite kam, runzelte Toyan etwas die Stirn. Keine Wachen? Keine befestigten Tore?
Und die Gegend war so trocken, als hätte es hier seit Monaten nicht geregnet.
Vereinzelte Bauern sah er auf den Feldern, doch sie sahen alles andere als gesund aus. Es war die Zeit der Aussaat, halfen da nicht auch die Kinder mit, die ganze Familie?
Doch hier war kein Kinderlachen zu hören, alles war stumm und selbst die wenigen Bauern schienen kaum einen Laut zu geben.
"Verzeihung?", fragte er, ein alter Mann mit einem Hut sah auf und winkte dann ab.
"Keiner da", murrte er, Toyan verstand nicht recht.
"Wir suchen einen Ort, wo wir-"
"Ich sagte, keiner mehr da! Mustah hat sie alle geholt. Es stehen genug Häuser leer, nehmt Euch eines davon." Dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu, irritiert blinzelte Toyan.
Was war hier passiert?
Als sie die Stadt betraten, schien dort ebenfalls Grabesstimmung zu herrschen und Toyan erkannte schnell, dass das gar nicht so verkehrt war: ein stummer Zug ging durch die Stadt, hinter einem Sarg, während vereinzelt Menschen aus den Fenstern blickten und stumm zusahen.
Er schluckte, es schien, als seien sie in eine sterbende Stadt geraten. Ein ziemlich unangenehmes Gefühl machte sich in ihm breit, aber sie brauchten einen Ort für die Nacht, wo sie wenigstens ein Dach über dem Kopf hatten.