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Re: Kapitel 3
Verfasst: Fr 6. Mai 2011, 19:59
von vojka
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Namid
28. April 143. Jahr des Lichtes, Nachmittag
Irgendwo in Thyn
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Namid spürte, wie sich Ghoral in Bewegung setzte, aber sie achtete nicht wirklich darauf, vertraute einfach darauf, dass das Pferd Revan folgen würde. Immer weiter flogen ihre Pfeile auf die Raks. Sie wollte ihnen einen möglichst sicheren Weg zur Brücke bereiten. Allerdings wurde es von Sekunde zu Sekunde schwieriger, ihre Kraft schwand immer mehr und sie konnte nur hoffen, dass sie heil über die Brücke käme, da sie der Bewusstlosigkeit näher war als dem Bewusstsein.
Dann stand sie auf der Bücke, wie genau sie dort hingekommen war, wusste sie nicht mehr, sie konnte auch nicht darüber Nachdenken, das ließ ihr trüber werdender Geist nicht mehr zu. Zwei Raks waren ihr auf die Bücke gefolgt, doch kaum hatte sie ihre letzte Kraft zusammengenommen um diese Abzuwehren, ließ sie ein weiteres Geräusch genau hinter sich herumfahren. Das war nicht Ghoral, der dort stand, das war etwas unmögliches, Unwirkliches. Direkt vor ihr standen ihre toten Eltern, ihre Mutter mit ausgebreiteten Armen und neben ihr, ihr Vater mit sorgenvollem Blick.
„Namid, mein Kind.“ flüsterte sie mit liebevoller Stimme und nahm sie in ihre Arme. „So lange hast du warten müssen, so lange gesucht.“
War das ein Traum, eine Halluzination? Oder war sie bereits ohnmächtig geworden? Das war unmöglich.
„Jetzt ist es gut.“ legte nun auch ihr Vater seine Hand auf ihre Schulter „Du musst nicht weitersuchen. Deine Antwort ist hier. So nah.“ Seine Hand strich sanft über ihre Wange, wie er es so oft getan hatte, als sie klein war, als sie noch glücklich war. „Wir wissen, was du seit so vielen Jahren suchst, du suchst denjenigen, der uns ermordet hat. Ich wünschte, du würdest es nicht wissen wollen, doch wir sehen, dass es dir keine Ruhe lassen wird. Deswegen wollen wir dich von deiner Qual erlösen. Es war…“
Ein brennender Schmerz in ihrem Rücken lenkte das letzte bisschen Aufmerksamkeit von dem Gespräch ab, begleitet vom Knurren und Zähnefletschen des Raks direkt hinter ihr. Namid konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten und fiel auf den Boden, begleitet von den entsetzten und verzweifelten Blicken ihrer Eltern, bis sie den Kopf nicht mehr halten konnte und die Augen auf die immer größer werdende Lache auf den Brettern der Brücke fiel.
Komisches Wasser dachte sie, bevor es Nacht wurde so rot…
Re: Kapitel 3
Verfasst: Fr 6. Mai 2011, 20:14
von Tjeika
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Shaya Zarin
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Shaya starrte ihre Mutter an, war kaum fähig sich zu regen, zu atmen, geschweige denn, zu sprechen oder überhaupt auch nur ansatzweise klar zu denken. Doch dann, langsam, wie flüssiges Metall, erreichte sie die Erkenntnis, dass es ihre Mutter nicht sein konnte, die dort vor ihr stand. Nein, das war einfach nicht möglich. Ihre Mutter war bei ihrer Geburt gestorben. Das, was sie dort sah, konnte nicht sein. Es konnte nicht wahr, nicht real sein. Vollkommen unmöglich. Irritiert und ein wenig schockiert schüttelte Shaya ihren Kopf, um ihrer Gedanken wieder Herr werden zu können. Und es dauerte auch nicht lange, da machte sie überaus merkwürdige Gedanken in den Köpfen ihrer Begleiter aus. Natürlich sah sie selbst am anderen Ende der Brücke, wo sie noch immer hinstarrte, ihre Mutter. Doch mit einem Mal war diese Illusion so unwirklich, als wäre der Zauber schon alleine durch das Begreifen seiner Existenz gebrochen. Mit einem Mal war es nur noch eine Illusion und nicht mehr ihre Mutter und so versuchte Shaya die Gedanken der anderen in einen logischen Kontext einzuordnen. Natürlich war es sonst nicht ihre Art, sich in den Köpfen der anderen rumzutreiben. Doch wie es ihr schien, gab es nun keine andere Möglichkeit mehr. Wie sonst sollte sie ihnen begreiflich machen, dass auch sie nur simple Illusionen sahen. Und dessen war sich Shaya aufgrund der grundverschiedenen Gesichtsausdrücke - die sie nun erkennen konnte, da sie sich ihnen zu gewendet hatte - und der thematisch völlig verschiedenen Gedankengänge sicher. Leise, in der Angst, sie könnte jemanden erschrecken oder aus einer Illusion holen, in der sie zum Feindbild wurde, näherte sie sich einem nach dem anderen, versuchte zu verstehen, in was für einer Welt der- oder diejenige sich gerade befand. Als sie an allen vorüber war, seufzte sie und ließ ein wenig verwirrt die Schultern hängen - auch ob ihrer eigenen kurzen Ratlosigkeit. Die jedoch nicht allzu lange währte, denn es kam ihr eine Idee.
"Es tut mir leid", murmelte sie leise und meinte es auch so - denn nur ungerne drang sie mit ihrer Stimme in die Geister der Anderen ein.
Es schien ihr die einzige Möglichkeit zu sein, sich in die Illusionen stimmlich-gedanklich einzumischen - als Person konnte sie dort nicht auftauchen, immerhin war sie nur eine Telepathin. Gedanken lesen, ja, gedanklich sprechen, ja, aber mehr war einfach nicht drin. Und so hoffte Shaya, dass alleine schon ihre Stimme genügen würde.
"Einer nach dem Anderen", murmelte sie sich selbst zu.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Fr 6. Mai 2011, 21:26
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Toyan wusste kaum noch, was oder wer um ihn herum war. Panik überkam ihn, wenn sie ihn suchten, wenn sie sie alle fanden... wenn er alle der Bruderschaft, dem Verrat, ausliefern würde. Den Bannpriestern...
"Nein...", hauchte er kraftlos und versuchte, sich wieder aufzurichten. Er musste gehen, ohne ihn waren sie sicherer...
Irritiert sah er sich um, als er plötzlich eine Stimme hörte. Nicht gesprochen, sondern als wäre sie in seinen Gedanken. Shayas Stimme... hektisch sah er sich um, er brachte sie nur in Gefahr, wenn die Priester kamen-
Ihre Stimme war beruhigend, wie er fest stellte, sein Herzschlag war nicht mehr ganz so hektisch, wie auch sein Atem. Und irgendwie begann er, etwas klarer zu sehen. Er blinzelte ein paar Mal, erkannte wieder etwas mehr als noch zuvor, der Tunnelblick weitete sich etwas - von dem er gar nicht wahr genommen hatte, dass es sich um einen Tunnelblick handelte.
"Sha...ya?", sagte er verwundert, als er sie nun deutlich vor sich sah, unversehrt, wenn auch offenbar sehr konzentriert. Verwundert blickte er zurück und stellte fest, dass das vorher so grausame Bild verblasste. Es war noch da, doch es schien der Realität entrückt zu sein, wie eine flimmernde Spiegelung.
Zaghaft ging er mit noch weichen Knien auf sie zu und gab ihr einen sanften Kuss. "Ich danke dir", murmelte er, er mochte sich gar nicht ausmalen, was passiert wre, wenn Shaya nun nicht bei ihnen wäre.
"Bei Valo... was ist mit ihnen?", entfuhr es ihm, als er die anderen nun sah, die auf der Brücke kauerten. Besorgt kniete er sich neben Namid, die offenbar sogar bewusstlos war.
"Ich... ich werde sie auf die andere Seite bringen", sagte er und blickte noch immer besorgt zu Shaya, während er Namid auf die Arme nahm und hoffte, dass das Pferd ihm irgendwie folgen würde, was es zu seiner Erleichterung auch tat.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Sa 7. Mai 2011, 10:36
von Katastropholy
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Revan
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Keine Macht, keine Möglichkeit? Warum griffen ihn diese Wesen denn nicht an? Warum hatte er ein seltsames Gefühl, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging? Er hatte sich so überanstrengt, dass er Nasenbluten bekommen hatte, aber Nasenbluten von etwas, was er anscheinend nicht mehr beherrschte? Dann war da auf einmal eine Stimme in seinem Kopf, winzig, kaum wahrnehmbar, wie ein Blatt in einem Orkan, aber doch da. Shaya? Wie konnte er diese Stimme hören, wenn sie doch vermutlich schon längst tot war? Es sei denn... Er konzentrierte sich erneut und sah etwas, wie Schemen hinter dichtem Nebel, Schatten und Umrisse, die immer deutlicher wurden. Eine Illusion. Eine Realität in der Realität und er war darauf hereingefallen, zugegeben, es war eine sehr gute und vor allem sehr passende, aber das hätte ihm nicht passieren dürfen. Wie konnte er so... dumm sein?
Mittlerweile hatten sich die Schleier fast gelichtet und er fand sich selbst auf der Brücke, neben den anderen wieder. Es hatte sie alle getroffen, aber ihn, ausgerechnet ihn? In ihm kochte es, so sehr, dass die Holzbohlen, auf die er seinen Blick gerichtet hatte unter dem Druck bebeten und krachten und kleine Splitter in alle Himmelsrichtungen wie Nadeln davonflogen.
Re: Kapitel 3
Verfasst: So 8. Mai 2011, 19:25
von Ayrina
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Narea
28. April 143. Jahr des Lichtes, Nachmittag
Irgendwo in Thyn
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Immer weiter prasselten die Vorwürfe auf sie ein, die Narea sich schon die ganze Zeit selbst gemacht hatte. Doch es aus den Mündern der anderen zu hören, machte die Befürchtung zur schmerzhaften Gewissheit. Sie hatte schon längst aufgegeben, sich zu verteidigen.
Doch plötzlich änderte sich etwas an der Situation. Fast schien es so, als würde sie Shaya doppelt sehen. Und das eine Bild wirkte irgenwie... schärfer.
Narea runzelte die Stirn und versuchte sich auf dieses neue Bild zu konzentrieren.
"Was...", brachte sie mühsam hervor und versuchte, Shayas Worte zu verstehen. Wie zähflüssiger Honig drangen sie nur langsam in ihren Geist, doch einmal dort, sanken sie ein und ließen sich nicht mehr vertreiben.
Eine Illusion? Es dauerte eine Weile, bis sie es sich gestattete, diesen Gedanken tatsächlich ernst zu nehmen.
Es war nicht real? Aber es wirkte so echt.
Narea versuchte sich noch stärker auf diesen Gedanken und Shaya zu konzentrieren. Und je länger sie das tat, um so blasser wurden die Trugbilder. Sie waren noch da, doch nun erkannte Narea sie als das, was sie waren.
So fest sie konnte klammerte sie sich an den kleinen Fetzen Wirklichkeit und schob alles andere soweit von sich, wie sie konnte.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Mo 9. Mai 2011, 16:05
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Toyan kämpfte sich über die Brücke, stetig gegen den Drang ankämpfend, zurück zu blicken. Wie im Tunnelblick fixierte er den schmalen Ausgang, der sie zur anderen Seite der Schlucht führen würde. Eher durfte er Namid nicht los lassen, die noch immer bewusstlos in seinen Armen lag.
Schnaufend vor Anstrengung taumelte er die letzten Meter über die Brücke, bis er endlich wieder festen Fels unter den Füßen hatte. Sofort hörte das unerträgliche Gefühl auf, was ihn über der Schlucht ergriffen hatte und nur eine nagende Beklommenheit blieb zurück.
So vorsichtig es ihm möglich war mit seinen zitternden Armen, bettete er Namid auf den Boden. Sie war sehr blass und ihr Atem ging flach. Hektisch warf er einen Blick zurück, wo blieben denn die anderen?
"Namid? Namid, komm zu dir!", flehte er beinahe, gab ihr kleine Klapse auf die Wange, bis er schließlich seinen Wasserschlauch nahm und die letzten Tropfen über ihrem Gesicht verspritzte.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Mo 9. Mai 2011, 17:14
von vojka
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Namid
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Das erste was Namid spürte, als die Schwärze, die ihren Geist umgab langsam weniger wurde, waren Schmerzen, unerträgliche Schmerzen. Ihr Rücken fühlte sich an, als hätte ihr jemand ein Messer in eben diesen gerammt und es dann nach unten gedrückt. Auch von ihrem Kopf strömten noch immer die Schmerzen durch ihren Körper. Erst als zweites spürte sie das Wasser in ihrem Gesicht. Sie verzog ihr Gesicht. „Kein Wasser, kostest Kraft“, murmelte sie nicht sicher, ob man sie überhaupt verstand, sie merkte nur, dass sie immer noch an Kraft verlor, auch wenn sie nicht genau wusste warum
Re: Kapitel 3
Verfasst: Mo 9. Mai 2011, 17:20
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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"Entschuldige", sagte Toyan, der für den Moment völlig verdrängt hatte, dass Namid ja eine Feuermagierin war. "Aber anders warst du nicht wach zu bekommen und Feuer hab ich gerade keines zur Hand", erklärte er etwas hilflos. Und jetzt leider auch kein Wasser mehr. Er war nur erleichtert, dass sie wieder bei Bewusstsein war.
"Aber wir haben es geschafft, wir sind auf der anderen Seite", murmelte er und ließ sich erst jetzt erschöpft neben Namid sinken, um seinen zitternden Muskeln etwas Ruhe zu gönnen, ehe er besorgt zur Brücke schaute. Sie würden doch nicht erneut der Täuschung verfallen und dort fest sitzen?
Re: Kapitel 3
Verfasst: Mo 9. Mai 2011, 17:50
von Katastropholy
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Revan
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Nur mit viel Mühe schaffte Revan es, seine Wut unter Kontrolle zu bringen und langsam seine Emotionen wieder hinter seinen Schutzwällen zu verbergen. "Respekt, wer immer das hier auch war, respekt." knurrte er, erhob sich langsam wieder und sah nach den anderen. Toyan und Namid waren bereits auf der anderen Seite der Brücke angekommen, genau wie Ghoral. nur Narea, Shaya und Ohanzee waren noch auf dieser Seite der Brücke,aber ihren Gesichtern nach zu urteilen, waren sie mittlerweile auch erwacht.
Rasch sah er sich noch einmal um, nein, es waren keine Raks zu sehen, nicht einmal winzigste Anzeichen dafür, nur ihre eigenen Spuren wühlten den ausgetrokneten Boden um die Steine auf. Plötzlich drohte ihm schwarz vor Augen zu werden und ein rasender Kopfschmerz meldete seine Anwesenheit, so dass er kurz taumelte und sich am Geländer der Brücke festhalten musste. Dann fing er sich wieder und ging auf die andere Seite, um sich neben die Beiden zu setzen, die Kapuze wieder über sein Gesicht gezogen, damit ihn die grelle Mittagssonne nicht noch mehr quälen konnte.
Re: Kapitel 3
Verfasst: Di 10. Mai 2011, 20:38
von Jerzon
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Ohanzee
28. April 143. Jahr des Lichtes, Mittag
Irgendwo in Thyn
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Noch immer erwehrte sich Ohanzee den Angriffen seiner Frau. Auch Nadua und Yoskolo machten es ihm schwer sich zu verteidigen. Sie brachten ihn mehr als einmal zum straucheln und nur mit Mühe konnte er Lenmanas Attacken abblocken.
Mehr als einmal hätte der den Kampf beeenden können, doch er brachte es nicht über sich die Frau die er einst geliebt hatte zu töten. Also beschränkte er sich darauf sich zu verteidigen.
Mit einem Mal änderte sich der Klang der Waffen die aufeinander prallten, fast meinte Ohanzee eine Stimme aus herauszuhören. Er versuchte zu verstehen was die Stimme ihm sagen wollte, doch Lenmana gönnte ihm keine Pause sich darauf zu konzentrieren. Die Stimme wurde mit jeder Parade lauter und die Angriffe ungenauer und schwächer. Schließlich hörten sie ganz auf. Die Umrisse seiner Familie verschwammen, je lauter die Stimme wurde.
„Shaya?“ der Wächter drehte sich um die eigene Achse „wo bist du?“ er konnte niemanden mehr sehen. Werder seine Frau und Kinder, noch die anderen die ihn begleiteten. Alles war in einen Nebel getaucht, einzig aus der Richtung aus der die Stimme der Telepathin kam schien sich der Nebel langsam zu lichten. langsam bewegte Ohanzee sich in die Richtung aus der jetzt eindeutig Shayas stimme vernehmen konnte. Und immer mehr Kontraste konnte er wahrnehmen.
Schließlich erkannte er sie, Shaya, Revan und die anderen. Noch einmal blickt er zurück, doch von dem Nebel war nichts mehr zu erkennen.