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Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 16:29
von Cassiopeia
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

Janis lachte. "Tod oder Freiheit? Klingt gut", nickte er und versuchte, das dunkle Ziehen in seinem Herzen beiseite zu drängen. Freiheit war ihr Ziel, nicht der Tod.
"Leg deinen Kopf an meine Schulter, es ist schön, ihn nah zu spür'n", sang er leise und ließ seine Hand sanft in ihren Nacken gleiten. Das Lied war perfekt.

Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 16:33
von vojka
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

Überrascht löste sich Merle von Janis und sah diesen an. „Du kannst singen?“, wollte sie wissen und sah perplex an. „Was weiß ich noch nicht von dir Janis“, meinte sie und runzelte etwas die Stirn, ehe sie den Kopf schüttelte, nein, das war Schwachsinn.

Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 16:40
von Cassiopeia
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

"Uhm", machte er intelligenter Weise. "Als singen würde ich es nun nicht gerade bezeichnen, es war eher so dahin.. gesummt", sagte er fast ein wenig verlegen. Doch dann grinste er etwas schief, beugte sich zu ihr und küsste sie zärtlich. "Finde es heraus. Denn ich fürchte, ich weiß selbst nicht, was da noch alles schlummert." Ein bisschen unbehaglich war ihm dieser Gedanke schon. Diese Vergangenheit, die dort geweckt wurde, war ihm unheimlich. Wie würde Merle zurecht kommen, wenn sie ihre Erinnerungen wieder bekam?

Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 16:43
von vojka
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

„Du hast schon als Kind gesungen. Du hast mir ein Schlaflied gesungen, damals ehe sie uns trennten“, murmelte sie und sah Janis fragend und leicht ängstlich an, von dem was er eben gesagt hatte und auch vom Kuss hatte sie kaum etwas mitbekommen, denn auch wenn sie versucht hatte diese Bilder aus ihrem Kopf zu schütteln, so ließen sie sich nicht vertreiben. Sie waren auch nur unscharf, undeutlich, aber Janis Stimme erkannte sie klar und auch ihre eigene, wie sie leise weinte.

Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 16:56
von Cassiopeia
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

Janis stockte und für einen Moment sah er das Bild so klar vor sich, dass er meinte, wieder Zuhause zu sein. In seinem richtigen Zuhause, einem riesigen Himmelbett mit einer winzigen Yelana neben sich, die ihn aus großen Augen ansah. Er fühlte, wie seine Stimme in ihm vibrierte, leise und nur für sie.
"Du erinnerst dich", sagte er leise, beinahe erstaunt und versuchte, seine Gedanken zu klären. "Es stimmt, ich habe für dich gesungen. Jeden Abend, bis du geschlafen hast. Oh Gott, ist das lange her..." Plötzlich überkam ihn ein überwältigendes Gefühl des Verlustes, alles, was damals seine Heimat gewesen war, war jetzt fremd und unerreichbar. Ein unerklärliches Heimweh breitete sich in ihm aus nach einem Ort, an den er sich kaum erinnern konnte. Aber er musste zurück. Mehr als alles andere musste er zurück.

Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 17:01
von vojka
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

„Ja... Nein...“, meinte sie verwirrt und ging zu einer nahen Bank auf der Promenade wo sie sich auf Janis Schoß setzte, welchen sie einfach auf diese gedrückt hatte. Sie brauchte ihn nun so nah wie möglich bei sich.
„Ich sehe das Bild nicht klar, ich höre deine Stimme und mein leises weinen, ich höre auch das du singst, aber die Worte, ich verstehe sie nicht, sie klingen so fremd und doch so vertraut. Ich weiß nicht, ich...“, sie merkte nicht wie ihr die Tränen kamen und sie ihr Gesicht immer mehr versuchte an Janis Hals zu verstecken.
„Es tut so weh“, flüsterte sie leise und mit erstickter Stimme.

Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 17:10
von Cassiopeia
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

Besorgt legte Janis seine Arme um sie, spürte ihr leichtes Zittern und versuchte, ihr irgendwie Trost zu spenden.
"Ich weiß", sagte er leise, zog sie so nah wie möglich an sich. Er summte leise und dann formten sich Worte in ihm Worte, die er seit so vielen Jahren nicht mehr gesprochen hatte. Fast vorsichtig formten seine Lippen die ungewohnten Laute und doch war ihm die Bedeutung auf einmal so bewusst als hätte er nie in einer anderen Sprache gesungen.
Wenn der weiße Rabe fliegt, die Sonne untergeht
Werden wir zusammen sein, bis die Welt sich dreht...

Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 17:16
von vojka
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

Merle hielt die Luft an, als Janis begann erst zu summen und dann zu singen. Das war das Lied, sie erkannte es sofort an der Melodie. Die Worte ergaben für sie nicht wirklich einen Sinn, aber sie fühlte sich mit einem Mal geborgen, behütet. Ein Gefühl das sie erst kannte seit sie Janis kennengelernt oder eher wiedergetroffen hatte. Davor hatte sie es, so hoffte sie zumindest auch gekannt, aber erinnern konnte sie sich nicht wirklich daran, sie war wohl noch zu klein gewesen.
Aber noch etwas veränderte sich, je mehr Janis sang, desto klarer wurde das Bild, welches immer noch vor ihrem Inneren Auge war. Und zum ersten Mal konnte sie sich bewusst an etwas von damals erinnern.
„Das war weder bei dir noch bei mir zu Hause, auch wenn es unseren Zimmern ähnelt“, überlegte sie leise und sah Janis an, wischte ihre Tränen fort und schaffte es sogar ein kleines Lächeln zustande zu bekommen. „Da waren wir schon weggebracht worden aber noch näher zu Hause als jetzt“, meinte sie und lehnte ihren Kopf zurück an Janis Schulter, dieses Mal aber nicht verkrampft wie eben sondern einfach entspannt und den Moment genießend.

Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 17:21
von Cassiopeia
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

"Scheint, als erinnern wir uns an sehr unterschiedliche Dinge. Ich könnte überhaupt nicht sagen, wo es war", sagte er leise, doch was er auch versuchte, es kam kein entsprechendes Bild auf.
"Wer uns wohl entführt hat? Warum und von wem? Woher?" Er seufzte, das waren zu viele Fragen. "Mit jeder Erinnerung erscheint mir diese Welt so fremd." Eine tiefe Traurigkeit beschlich ihn, von der er selbst nicht sagen konnte, woher sie kam.
"Ich will nach Hause, Yela", wisperte er leise und schluckte den Kloß hinunter, der ihm so plötzlich die Kehle einschnürte.

Re: Die Welt hinter der Illusion

Verfasst: So 24. Jun 2012, 17:26
von vojka
Lissabon
Montag 25. Oktober 2010
Morgen

Merle nickte. „Es ist alles so verwirrend, da ich mich an kaum etwas erinnere, das ist das einzige bewusste Bild was ich habe“, meinte sie leise und seufzte.
„Ob ich zurück will weiß ich nicht, was erwartet uns in einer Welt, die uns völlig fremd ist, in der uns jemand entführt hat. Warum haben unsere Eltern uns nicht gesucht? Wurden wir entführt, weil wir durch die Magie etwas Besonderes waren oder war das dort normal? Ich weiß es nicht und das macht mir Angst. Diese Welt hier aber kenne ich, da weiß ich, wie ich mich verhalten muss. Ich weiß nicht ob ich mehr Angst davor habe, vor dem was uns dort erwartet oder was uns hier erwartet“, meinte sie und sah Janis entschuldigend an.