Re: Das Glück Freunde zu haben (Hogwarts-Ableger)
Verfasst: Mi 1. Sep 2010, 12:18
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Lene Månström
WG in Stockholm, Schweden
22:11 Uhr, Freitag, 11.09.2010
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Lene grinste vor sich her, während sie auf den internen Seiten der Planungsgruppe für das nächste Scandinavian Summerstorm Festival surfte. Es waren schon die ersten 12 000 Karten verkauft, dabei war das letzte Festival gerade einmal anderthalb Monate her. Es war schon faszinierend, wie schnell aus so einer fixen Idee so ein relativ großes Festival werden konnte. Und Lene konnte wahrlich nicht von sich behaupten, dass sie sonderlich traurig über diese Entwicklung war. Doch für heute, so beschloss sie in jenen Sekunden, war genug der Arbeit getan, immerhin hatte sie gerade die Ausschreibung für die freien Mitarbeiter für nächstes Jahr ins Netz gestellt. Sie hoffte, dass sie einige der Techniker und Bauarbeiter vom diesjährigen Festival wieder gewinnen konnte, die sie noch einmal zusätzlich persönlich angeschrieben hatte. Sicher, es waren nicht alle, die dieses Jahr mitgearbeitet hatten, die eine Email bekommen hatten. Doch die, mit deren Arbeit sie besonders zufrieden war, hatten nun eine Mail in ihrem Postfach. Und Lene konnte die Antworten gar nicht erst erwarten. Doch bevor sie zu nervös werden konnte, hatte sie den Rechner ausgeschaltet. Es brachte eh nichts, heute noch Antworten zu erwarten.
Gerade war sie auf dem Weg in die Küche gewesen, als eine Eule an ihr Fenster klopfte. Stirnrunzelnd begab sie sich zum Fenster. Schon lange hatte ihr niemand mehr eine Eule geschrieben, immerhin arbeitete sie in der Welt der Muggel und hatte nur wenige Freunde aus der Welt der Zauberer und Hexen. Brendan war da, Arvid, ihr Bruder. Das war es aber fast auch schon. Und mit den beiden hielt sie anderweitig Kontakt, als über Eulen. Neugierig öffnete sie das Fenster und ließ das Tier in ihr Zimmer, ehe sie ihm einen Keks gab - leider hatte sie keine Eulenkekse, so dass es mit einem gewöhnlichen Butterkeks vorlieb nehmen musste - und dann den Brief abband.
iebe Lene,
ich weiß nicht wirklich, wie ich diesen Brief beginnen soll. Ob ich ihn wirklich schreiben soll. Falls du ihn doch in den Händen hältst, hoffe ich, dass du ihn überhaupt liest.
Wahrscheinlich habe ich gar kein Recht, ihn zu schreiben, nach neun langen Jahren in denen ich mich nicht gemeldet habe. Dich nicht einmal habe wissen lassen, ob ich noch lebe…
Aus diesem Grund schreibe ich dir nun. Du sollst wissen, dass ich noch lebe, dass ich jeden deiner Briefe gelesen habe, auch wenn ich sie nie beantwortet habe, obwohl du so sehr um Antworten gebeten hattest.
Glaube bitte nicht, dass ich dich im Moment meines Weggangs vergessen habe oder du mir nichts mehr bedeutet hast. Im Gegenteil, auch wenn solch eine Beteuerung nach so langer Zeit wohl nur von geringer Bedeutung ist. Die Wahrheit ist, dass ich Angst um dich hatte – weil ich dich liebte. Ich hatte panische Angst, durch meine eigene Dummheit die Mörder meiner Eltern zu dir zu führen, wenn ich dir schriebe. Ich musste abtauchen und dich in schmerzlicher Ungewissheit zurück lassen. Es tut mir unendlich leid und wäre ich im Besitz eines Zeitumkehrers, ich würde ihn nutzen und mich selbst daran hindern, dir so weh zu tun…
Erst jetzt, nach neun Jahren, sehe ich einen kleinen Lichtstreifen. Und ich weiß, dass ich dir die Antwort schuldig geblieben bin, bis heute.
Ich weiß, dass es keine Entschuldigung für mein Verhalten gibt. Aber falls du noch immer Antworten möchtest, bin ich bereit, sie dir zu geben – auf alle deine Fragen.
Ich habe wohl kaum ein Recht, um Verzeihung zu bitten, daher kann ich nur hoffen, dass du es eines Tages, vielleicht, tun kannst.
In Liebe,
Leev
Noch dreimal las Lene den Brief, konnte nicht fassen, was sie da gerade vor sich hatte. Von wem sie diesen Brief bekommen hatte. Irgendwie war auf einmal alles unglaublich unwirklich, nicht real. Niemals im Leben hätte die Schwedin damit gerechnet, jemals noch auch nur ein winziges Lebenszeichen von Leevke zu erhalten. Nein, das war in der Tat überraschend. Und Lene wusste nicht so recht, ob sie es gut oder schlecht finden sollte, nach verdammten neun Jahren einen Brief von der Person zu erhalten, die sie damals über alles geliebt hatte - und die sie fallengelassen hatte, wie eine heiße Kartoffel. Jahrelang hatte sie ihr geschrieben, beinahe schon um eine Antwort gebettelt. Und niemals eine erhalten. Und dann hatte sie angefangen, damit abzuschließen. Und heute, hier, nach neun Jahren, war der Brief nun, den sie sich immer so sehr ersehnt hatte. Nun, wo sie damit begonnen hatte - oder hatte sie damit sogar schon abgeschlossen? - endgültig einen Strich unter das Kapitel Leevke zu ziehen.
Lene hatte ihren Kopf in ihre Hand gelegt, während sie die so lange ersehnten Zeilen ein fünftes - oder war es gar schon das sechste Mal? - las. Und sie wusste, so falsch sie es auch fand, dass sie Leevke antworten würde. Heute noch. Jetzt sogar. So setzte sie sich an ihren Schreibtisch und zog einen Bogen Druckerpapier aus dem Drucker, der an ihrem Laptop angeschlossen war. Pergament und Feder hatte sie schon lange nicht mehr in den Händen gehalten, mal einmal von diesem Brief hier gänzlich abgesehen, von dem sie immer noch nicht wusste, was sie davon halten sollte. Ein Kugelschreiber war auch schnell gefunden und so begann sie letztlich zu schreiben. Sieben Versuche und eine Stunde später hatte sie die Antwort dann auch endlich fertig. Gut war, dass einer ihrer Mitbewohnerinnen auch eine Hexe war, die eine Eule besaß. Dieser band sie ihre Antwort letztlich um und schickte sie an Leevke.
Hallo Leevke,
ich muss gestehen, dass ich wirklich nicht weiß, ob ich mich über deinen Brief freuen soll oder nicht. Lange, viel zu lange habe ich darauf gewartet, dass du endlich ein Lebenszeichen von dir gibst. Doch niemals kam eine Antwort auf meine vielen Briefe. All die Jahre habe ich mich gefragt, was ich falsch gemacht habe, dass du einfach so, ohnen einen Ton zu sagen, verschwunden bist. Dein Abschiedsbrief war auch nicht sonderlich aufschlussreich. Doch heute, nach neun Jahren, weiß ich nicht, ob ich überhaupt noch eine Antwort auf all meine Fragen haben möchte. Ich bin froh, dass du lebst. Und ein Teil von mir möchte auch heute noch wissen, was genau damals geschehen ist. Doch ein weitaus größerer Teil hat längst mit dir abgeschlossen. Ob ich dir jemals verzeihen kann, weiß ich nicht. Du hast mir damals wirklich sehr wehgetan, und das mir einzugestehen, du kennst mich, war nicht leicht.
Wenn du mir wirklich Antworten geben kannst, die mich zufriedenstellen, dann bin ich sehr gespannt darauf. Doch irgendwie bezweifle ich, dass ich jemals wieder etwas von dir hören werde. All die Jahre hast du nicht geschrieben, was sollte sich geändert haben?
Ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Lebensweg. Und viel Erfolg bei dem, was du dir vorgenommen hast.
MfG Lene
Lene Månström
WG in Stockholm, Schweden
22:11 Uhr, Freitag, 11.09.2010
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Lene grinste vor sich her, während sie auf den internen Seiten der Planungsgruppe für das nächste Scandinavian Summerstorm Festival surfte. Es waren schon die ersten 12 000 Karten verkauft, dabei war das letzte Festival gerade einmal anderthalb Monate her. Es war schon faszinierend, wie schnell aus so einer fixen Idee so ein relativ großes Festival werden konnte. Und Lene konnte wahrlich nicht von sich behaupten, dass sie sonderlich traurig über diese Entwicklung war. Doch für heute, so beschloss sie in jenen Sekunden, war genug der Arbeit getan, immerhin hatte sie gerade die Ausschreibung für die freien Mitarbeiter für nächstes Jahr ins Netz gestellt. Sie hoffte, dass sie einige der Techniker und Bauarbeiter vom diesjährigen Festival wieder gewinnen konnte, die sie noch einmal zusätzlich persönlich angeschrieben hatte. Sicher, es waren nicht alle, die dieses Jahr mitgearbeitet hatten, die eine Email bekommen hatten. Doch die, mit deren Arbeit sie besonders zufrieden war, hatten nun eine Mail in ihrem Postfach. Und Lene konnte die Antworten gar nicht erst erwarten. Doch bevor sie zu nervös werden konnte, hatte sie den Rechner ausgeschaltet. Es brachte eh nichts, heute noch Antworten zu erwarten.
Gerade war sie auf dem Weg in die Küche gewesen, als eine Eule an ihr Fenster klopfte. Stirnrunzelnd begab sie sich zum Fenster. Schon lange hatte ihr niemand mehr eine Eule geschrieben, immerhin arbeitete sie in der Welt der Muggel und hatte nur wenige Freunde aus der Welt der Zauberer und Hexen. Brendan war da, Arvid, ihr Bruder. Das war es aber fast auch schon. Und mit den beiden hielt sie anderweitig Kontakt, als über Eulen. Neugierig öffnete sie das Fenster und ließ das Tier in ihr Zimmer, ehe sie ihm einen Keks gab - leider hatte sie keine Eulenkekse, so dass es mit einem gewöhnlichen Butterkeks vorlieb nehmen musste - und dann den Brief abband.
iebe Lene,
ich weiß nicht wirklich, wie ich diesen Brief beginnen soll. Ob ich ihn wirklich schreiben soll. Falls du ihn doch in den Händen hältst, hoffe ich, dass du ihn überhaupt liest.
Wahrscheinlich habe ich gar kein Recht, ihn zu schreiben, nach neun langen Jahren in denen ich mich nicht gemeldet habe. Dich nicht einmal habe wissen lassen, ob ich noch lebe…
Aus diesem Grund schreibe ich dir nun. Du sollst wissen, dass ich noch lebe, dass ich jeden deiner Briefe gelesen habe, auch wenn ich sie nie beantwortet habe, obwohl du so sehr um Antworten gebeten hattest.
Glaube bitte nicht, dass ich dich im Moment meines Weggangs vergessen habe oder du mir nichts mehr bedeutet hast. Im Gegenteil, auch wenn solch eine Beteuerung nach so langer Zeit wohl nur von geringer Bedeutung ist. Die Wahrheit ist, dass ich Angst um dich hatte – weil ich dich liebte. Ich hatte panische Angst, durch meine eigene Dummheit die Mörder meiner Eltern zu dir zu führen, wenn ich dir schriebe. Ich musste abtauchen und dich in schmerzlicher Ungewissheit zurück lassen. Es tut mir unendlich leid und wäre ich im Besitz eines Zeitumkehrers, ich würde ihn nutzen und mich selbst daran hindern, dir so weh zu tun…
Erst jetzt, nach neun Jahren, sehe ich einen kleinen Lichtstreifen. Und ich weiß, dass ich dir die Antwort schuldig geblieben bin, bis heute.
Ich weiß, dass es keine Entschuldigung für mein Verhalten gibt. Aber falls du noch immer Antworten möchtest, bin ich bereit, sie dir zu geben – auf alle deine Fragen.
Ich habe wohl kaum ein Recht, um Verzeihung zu bitten, daher kann ich nur hoffen, dass du es eines Tages, vielleicht, tun kannst.
In Liebe,
Leev
Noch dreimal las Lene den Brief, konnte nicht fassen, was sie da gerade vor sich hatte. Von wem sie diesen Brief bekommen hatte. Irgendwie war auf einmal alles unglaublich unwirklich, nicht real. Niemals im Leben hätte die Schwedin damit gerechnet, jemals noch auch nur ein winziges Lebenszeichen von Leevke zu erhalten. Nein, das war in der Tat überraschend. Und Lene wusste nicht so recht, ob sie es gut oder schlecht finden sollte, nach verdammten neun Jahren einen Brief von der Person zu erhalten, die sie damals über alles geliebt hatte - und die sie fallengelassen hatte, wie eine heiße Kartoffel. Jahrelang hatte sie ihr geschrieben, beinahe schon um eine Antwort gebettelt. Und niemals eine erhalten. Und dann hatte sie angefangen, damit abzuschließen. Und heute, hier, nach neun Jahren, war der Brief nun, den sie sich immer so sehr ersehnt hatte. Nun, wo sie damit begonnen hatte - oder hatte sie damit sogar schon abgeschlossen? - endgültig einen Strich unter das Kapitel Leevke zu ziehen.
Lene hatte ihren Kopf in ihre Hand gelegt, während sie die so lange ersehnten Zeilen ein fünftes - oder war es gar schon das sechste Mal? - las. Und sie wusste, so falsch sie es auch fand, dass sie Leevke antworten würde. Heute noch. Jetzt sogar. So setzte sie sich an ihren Schreibtisch und zog einen Bogen Druckerpapier aus dem Drucker, der an ihrem Laptop angeschlossen war. Pergament und Feder hatte sie schon lange nicht mehr in den Händen gehalten, mal einmal von diesem Brief hier gänzlich abgesehen, von dem sie immer noch nicht wusste, was sie davon halten sollte. Ein Kugelschreiber war auch schnell gefunden und so begann sie letztlich zu schreiben. Sieben Versuche und eine Stunde später hatte sie die Antwort dann auch endlich fertig. Gut war, dass einer ihrer Mitbewohnerinnen auch eine Hexe war, die eine Eule besaß. Dieser band sie ihre Antwort letztlich um und schickte sie an Leevke.
Hallo Leevke,
ich muss gestehen, dass ich wirklich nicht weiß, ob ich mich über deinen Brief freuen soll oder nicht. Lange, viel zu lange habe ich darauf gewartet, dass du endlich ein Lebenszeichen von dir gibst. Doch niemals kam eine Antwort auf meine vielen Briefe. All die Jahre habe ich mich gefragt, was ich falsch gemacht habe, dass du einfach so, ohnen einen Ton zu sagen, verschwunden bist. Dein Abschiedsbrief war auch nicht sonderlich aufschlussreich. Doch heute, nach neun Jahren, weiß ich nicht, ob ich überhaupt noch eine Antwort auf all meine Fragen haben möchte. Ich bin froh, dass du lebst. Und ein Teil von mir möchte auch heute noch wissen, was genau damals geschehen ist. Doch ein weitaus größerer Teil hat längst mit dir abgeschlossen. Ob ich dir jemals verzeihen kann, weiß ich nicht. Du hast mir damals wirklich sehr wehgetan, und das mir einzugestehen, du kennst mich, war nicht leicht.
Wenn du mir wirklich Antworten geben kannst, die mich zufriedenstellen, dann bin ich sehr gespannt darauf. Doch irgendwie bezweifle ich, dass ich jemals wieder etwas von dir hören werde. All die Jahre hast du nicht geschrieben, was sollte sich geändert haben?
Ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Lebensweg. Und viel Erfolg bei dem, was du dir vorgenommen hast.
MfG Lene