Re: Das Glück Freunde zu haben (Hogwarts-Ableger)
Verfasst: Mi 1. Sep 2010, 00:20
Leevke van der Zon
Färöer Inseln / vor Vivis Haus
Freitag, 11.09.2010
19:13 Uhr
Leevke sah sich im Zimmer um, ein wenig unsicher blickte sie zur Tür, durch welche Vivi verschwunden war und welche sie hinter sich geschlossen hatte. Nun war sie allein. Ihre Gedanken rasten, mit leicht zitternden Händen setzte sie sich an den Schreibtisch, dessen Größe sie kaum wahr nahm. Sie starrte nur auf das Briefpapier und das Pergament und versuchte sich zu entscheiden, welches sie wohl nehmen sollte. Schließlich entschied sie sich für Pergament, welches weniger aufdringlich wirkte in ihren Augen als das wohlgemerkt sehr schöne Briefpapier. Doch dann hatte sie wieder das Gefühl, sich die Entschuldigung zu erkaufen und ließ etwas mutlos die Hände sinken.
Sie lehnte sich zurück, die Augen geschlossen und hatte plötzlich das Gefühl, nicht ein Wort auf das Papier zu bringen. Nicht nur, dass ihre Hände fürchterlich kalt waren und zitterten, was ihre Schrift sicherlich vollkommen unleserlich machen würde. In ihrem Kopf herrschte auf einmal eine totale Leere.
„Leevke van der Zon, reiß dich zusammen“, mahnte sie sich selbst halblaut und atmete tief durch. Erst dann öffnete sie die Augen wieder und strich das erste Pergament vor sich glatt, ehe sie eine Feder, die in einem Halter steckte, in ein Fass mit blauer Tinte steckte.
Minutenlang hielt sie die Feder über dem Pergament und bis auf Brendans Namen war sie kein Wort weiter. Frustriert legte sie die Feder beiseite und stand auf, stützte sich auf der Fensterbank ab und starrte das Pergament regelrecht böse an.
Noch einmal versuchte sie sich zu beruhigen, diese Briefe waren ihr enorm wichtig und wenn sie die ganze Nacht daran sitzen würde. So ging sie nach einigen Minuten wieder zum Schreibtisch und zog ein weiteres Pergament hervor, welches sie mit Lenes Namen versah.
Kurz blickte sie beide Pergamente an und dann setzte sie einfach die Feder an und schrieb.
Liebe Lene,
ich weiß nicht wirklich, wie ich diesen Brief beginnen soll. Ob ich ihn wirklich schreiben soll. Falls du ihn doch in den Händen hältst, hoffe ich, dass du ihn überhaupt liest.
Wahrscheinlich habe ich gar kein Recht, ihn zu schreiben, nach neun langen Jahren in denen ich mich nicht gemeldet habe. Dich nicht einmal habe wissen lassen, ob ich noch lebe…
Aus diesem Grund schreibe ich dir nun. Du sollst wissen, dass ich noch lebe, dass ich jeden deiner Briefe gelesen habe, auch wenn ich sie nie beantwortet habe, obwohl du so sehr um Antworten gebeten hattest.
Glaube bitte nicht, dass ich dich im Moment meines Weggangs vergessen habe oder du mir nichts mehr bedeutet hast. Im Gegenteil, auch wenn solch eine Beteuerung nach so langer Zeit wohl nur von geringer Bedeutung ist. Die Wahrheit ist, dass ich Angst um dich hatte – weil ich dich liebte. Ich hatte panische Angst, durch meine eigene Dummheit die Mörder meiner Eltern zu dir zu führen, wenn ich dir schriebe. Ich musste abtauchen und dich in schmerzlicher Ungewissheit zurück lassen. Es tut mir unendlich leid und wäre ich im Besitz eines Zeitumkehrers, ich würde ihn nutzen und mich selbst daran hindern, dir so weh zu tun…
Erst jetzt, nach neun Jahren, sehe ich einen kleinen Lichtstreifen. Und ich weiß, dass ich dir die Antwort schuldig geblieben bin, bis heute.
Ich weiß, dass es keine Entschuldigung für mein Verhalten gibt. Aber falls du noch immer Antworten möchtest, bin ich bereit, sie dir zu geben – auf alle deine Fragen.
Ich habe wohl kaum ein Recht, um Verzeihung zu bitten, daher kann ich nur hoffen, dass du es eines Tages, vielleicht, tun kannst.
In Liebe,
Leev
Lieber Brendan,
wenn du diesen Brief in der Hand hältst, hoffe ich, dass es dir gut geht. Neun Jahre sind eine lange Zeit – eine verdammt lange Zeit, wenn man auf jemanden warten muss. Ich habe dich warten lassen und mit jedem Tag verließ mich der Mut ein Stückchen mehr.
Erst jetzt, wo ich meine Heimat erneut verlassen musste, schreibe ich diese Zeilen und hoffe, es ist nicht zu spät. Hoffe, dass du mich noch nicht aufgegeben hast, noch nicht vergessen hast.
Ich bin zurück, Brendan. Mein Leben ist ein Scherbenhaufen, welches ich nun langsam, ganz langsam wieder zusammen setze.
Dieser Brief ist ein erster Schritt und wenn… wenn du bereit bist, wenn du es hören möchtest, erkläre ich dir alles. Aber ich möchte mich nicht aufdrängen…
Ich wohne zur Zeit bei Vivi, wo sie wohnt, weißt du, denke ich. Am Sonntag findet ein Grillfest statt und wenn du magst… bist du herzlich eingeladen. Ich würde mich sehr freuen.
In Liebe,
Leevke
Ihre Augen brannten und sie erlaubte sich ein paar Tränen, die sie hastig fort wischte. Sie rollte die Pergamente zusammen und schrieb die jeweiligen Namen darauf – Brendan Steward und Lene Månström. Nun musste sie nur noch den Mut finden, sie abzuschicken.
Dann verließ sie den Raum und suchte Vivi, sie wollte die Briefe sofort abschicken. Sonst würde sie es nie tun.
Sie fand Vivi und Kjell im Wohnzimmer, wo sie an einander gekuschelt auf der Couch lagen und sich zärtlich küssten. Leevke wurde schlagartig rot, doch Kjell hatte sie bereits bemerkt.
Schüchtern hielt sie die Briefe hoch. „Ich bin fertig“, erklärte sie leicht unsicher, es war ihr mehr als peinlich, dass sie gestört hatte. „Ich bin sofort wieder weg und möchte euch gar nicht stören, nur kurz etwas fragen, ob ich mir einen eurer Vögel ausleihen darf, um den Brief zu Brendan zu schicken“, fragte sie und sah etwas verlegen auf den Boden. Da nahm sie beiden nun sogar diesen gemeinsamen Augenblick, dabei hatten sie kaum gemeinsame Zeit gehabt, Leevke wäre am liebsten aus dem Zimmer gerannt, doch nun war die Frage gestellt und sie hoffte, dass sie sie bald wieder allein lassen konnte, denn das hatte sie nicht gewollt…
Färöer Inseln / vor Vivis Haus
Freitag, 11.09.2010
19:13 Uhr
Leevke sah sich im Zimmer um, ein wenig unsicher blickte sie zur Tür, durch welche Vivi verschwunden war und welche sie hinter sich geschlossen hatte. Nun war sie allein. Ihre Gedanken rasten, mit leicht zitternden Händen setzte sie sich an den Schreibtisch, dessen Größe sie kaum wahr nahm. Sie starrte nur auf das Briefpapier und das Pergament und versuchte sich zu entscheiden, welches sie wohl nehmen sollte. Schließlich entschied sie sich für Pergament, welches weniger aufdringlich wirkte in ihren Augen als das wohlgemerkt sehr schöne Briefpapier. Doch dann hatte sie wieder das Gefühl, sich die Entschuldigung zu erkaufen und ließ etwas mutlos die Hände sinken.
Sie lehnte sich zurück, die Augen geschlossen und hatte plötzlich das Gefühl, nicht ein Wort auf das Papier zu bringen. Nicht nur, dass ihre Hände fürchterlich kalt waren und zitterten, was ihre Schrift sicherlich vollkommen unleserlich machen würde. In ihrem Kopf herrschte auf einmal eine totale Leere.
„Leevke van der Zon, reiß dich zusammen“, mahnte sie sich selbst halblaut und atmete tief durch. Erst dann öffnete sie die Augen wieder und strich das erste Pergament vor sich glatt, ehe sie eine Feder, die in einem Halter steckte, in ein Fass mit blauer Tinte steckte.
Minutenlang hielt sie die Feder über dem Pergament und bis auf Brendans Namen war sie kein Wort weiter. Frustriert legte sie die Feder beiseite und stand auf, stützte sich auf der Fensterbank ab und starrte das Pergament regelrecht böse an.
Noch einmal versuchte sie sich zu beruhigen, diese Briefe waren ihr enorm wichtig und wenn sie die ganze Nacht daran sitzen würde. So ging sie nach einigen Minuten wieder zum Schreibtisch und zog ein weiteres Pergament hervor, welches sie mit Lenes Namen versah.
Kurz blickte sie beide Pergamente an und dann setzte sie einfach die Feder an und schrieb.
Liebe Lene,
ich weiß nicht wirklich, wie ich diesen Brief beginnen soll. Ob ich ihn wirklich schreiben soll. Falls du ihn doch in den Händen hältst, hoffe ich, dass du ihn überhaupt liest.
Wahrscheinlich habe ich gar kein Recht, ihn zu schreiben, nach neun langen Jahren in denen ich mich nicht gemeldet habe. Dich nicht einmal habe wissen lassen, ob ich noch lebe…
Aus diesem Grund schreibe ich dir nun. Du sollst wissen, dass ich noch lebe, dass ich jeden deiner Briefe gelesen habe, auch wenn ich sie nie beantwortet habe, obwohl du so sehr um Antworten gebeten hattest.
Glaube bitte nicht, dass ich dich im Moment meines Weggangs vergessen habe oder du mir nichts mehr bedeutet hast. Im Gegenteil, auch wenn solch eine Beteuerung nach so langer Zeit wohl nur von geringer Bedeutung ist. Die Wahrheit ist, dass ich Angst um dich hatte – weil ich dich liebte. Ich hatte panische Angst, durch meine eigene Dummheit die Mörder meiner Eltern zu dir zu führen, wenn ich dir schriebe. Ich musste abtauchen und dich in schmerzlicher Ungewissheit zurück lassen. Es tut mir unendlich leid und wäre ich im Besitz eines Zeitumkehrers, ich würde ihn nutzen und mich selbst daran hindern, dir so weh zu tun…
Erst jetzt, nach neun Jahren, sehe ich einen kleinen Lichtstreifen. Und ich weiß, dass ich dir die Antwort schuldig geblieben bin, bis heute.
Ich weiß, dass es keine Entschuldigung für mein Verhalten gibt. Aber falls du noch immer Antworten möchtest, bin ich bereit, sie dir zu geben – auf alle deine Fragen.
Ich habe wohl kaum ein Recht, um Verzeihung zu bitten, daher kann ich nur hoffen, dass du es eines Tages, vielleicht, tun kannst.
In Liebe,
Leev
Lieber Brendan,
wenn du diesen Brief in der Hand hältst, hoffe ich, dass es dir gut geht. Neun Jahre sind eine lange Zeit – eine verdammt lange Zeit, wenn man auf jemanden warten muss. Ich habe dich warten lassen und mit jedem Tag verließ mich der Mut ein Stückchen mehr.
Erst jetzt, wo ich meine Heimat erneut verlassen musste, schreibe ich diese Zeilen und hoffe, es ist nicht zu spät. Hoffe, dass du mich noch nicht aufgegeben hast, noch nicht vergessen hast.
Ich bin zurück, Brendan. Mein Leben ist ein Scherbenhaufen, welches ich nun langsam, ganz langsam wieder zusammen setze.
Dieser Brief ist ein erster Schritt und wenn… wenn du bereit bist, wenn du es hören möchtest, erkläre ich dir alles. Aber ich möchte mich nicht aufdrängen…
Ich wohne zur Zeit bei Vivi, wo sie wohnt, weißt du, denke ich. Am Sonntag findet ein Grillfest statt und wenn du magst… bist du herzlich eingeladen. Ich würde mich sehr freuen.
In Liebe,
Leevke
Ihre Augen brannten und sie erlaubte sich ein paar Tränen, die sie hastig fort wischte. Sie rollte die Pergamente zusammen und schrieb die jeweiligen Namen darauf – Brendan Steward und Lene Månström. Nun musste sie nur noch den Mut finden, sie abzuschicken.
Dann verließ sie den Raum und suchte Vivi, sie wollte die Briefe sofort abschicken. Sonst würde sie es nie tun.
Sie fand Vivi und Kjell im Wohnzimmer, wo sie an einander gekuschelt auf der Couch lagen und sich zärtlich küssten. Leevke wurde schlagartig rot, doch Kjell hatte sie bereits bemerkt.
Schüchtern hielt sie die Briefe hoch. „Ich bin fertig“, erklärte sie leicht unsicher, es war ihr mehr als peinlich, dass sie gestört hatte. „Ich bin sofort wieder weg und möchte euch gar nicht stören, nur kurz etwas fragen, ob ich mir einen eurer Vögel ausleihen darf, um den Brief zu Brendan zu schicken“, fragte sie und sah etwas verlegen auf den Boden. Da nahm sie beiden nun sogar diesen gemeinsamen Augenblick, dabei hatten sie kaum gemeinsame Zeit gehabt, Leevke wäre am liebsten aus dem Zimmer gerannt, doch nun war die Frage gestellt und sie hoffte, dass sie sie bald wieder allein lassen konnte, denn das hatte sie nicht gewollt…