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Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 15:52
von vojka
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Namid
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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Namid konnte nicht mehr. Der Schmerz in ihrem Inneren wurde von Sekunde zu Sekunde schlimmer. Immer wieder sah, wie sie ihren Vater fand, im Flur des Hauses tot mit einer blutenden Wunde in der Brust. Fühlte dasselbe, was sie damals gefühlt hatte. Auch sah sie, wie sie ihre Mutter gefunden hatte, in der Tür zur Küche, mit durchgeschnittener Kehle. Bilder die sie die letzten Jahre regelmäßig verfolgten. Egal ob am Tage oder in der Nacht in ihren Albträumen. Auch spürte sie, die Hilflosigkeit, die sie damals gefühlt hatte, welche sie eigentlich dachte verdrängt zu haben. Spürte die unbändige Wut auf die Mörder ihrer Eltern, bevor sie wieder in den Schmerz der Trauer zurück driftete. Es war wie ein Ring, der weder Anfang noch Ende hat, so schienen auch ihre Gefühle kein Anfang und kein Ende zu haben, liefen immer von neuem in ihr ab. Ihre Augen brannten vor lauter Tränen, die ihr in einem stetigen Fluss die Wangen hinunter liefen. Plötzlich meinte sie ihren Namen zu hören, sah auf, konnte aber nichts erkennen. Was war hier los wer war da? War ihr Vater doch zurückgekehrt, hatte er sie doch nicht allein gelassen? Vorsichtig streckte sie ihre Hand aus. „Papa?“, fragte sie, traute sich aber nicht weiter, traute sich nicht, ihre Hand weiter auszustrecken, traute sich nicht daran zu glauben, dass ihr über alles geliebter Vater wirklich vor ihr sitzen könnte. War dies doch nicht möglich, oder waren die Bilder, die sie in ihrem Kopf hatte nicht real und dies war nun Wirklichkeit? Waren ihre Eltern vielleicht gar nicht tot?

Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 16:05
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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Toyan sah Namid irritiert an. Papa? Er war nicht ihr Papa... aber er konnte jetzt nicht stundenlang mit ihr diskutieren, ob er ihr Vater war oder nicht.
Vorsichtig ergriff er die von ihr ausgestreckte Hand, zwang sich, der wieder erdrückend werdenden Scham ihr gegenüber nicht nach zu geben.
"Kommt, Namid, Euer Vater ist.. dort hinten", sagte er und deutete in die Richtung, wo die Falle zu Ende war und sie hoffentlich wieder zu sich selbst kommen würde.
"Es sind nur ein paar Meter, kommt", sagte er und bot ihr an, sie hoch zu ziehen, sah sie bittend an, lange würde er dem nicht mehr widerstehen können, lange blieb er nicht mehr stark..

Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 16:09
von vojka
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Namid
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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Namid blinzelte, als sie hörte was die Person vor ihr sagte. Ihr Blick war immer noch von ihren Tränen verschleiert, so dass sie kaum etwas erkennen konnte, folgte aber trotzdem mit ihren Augen dem ausgestreckten Arm und sah in die gedeutete Richtung. „Papa ist da?“, fragte sie, traute dem ganzen aber nicht wirklich, irgendetwas war hier komisch, aber sie konnte nicht sagen was es war, nur das etwas nicht stimmte. Sie ergriff die ihr angebotene Hand und ließ sich hoch helfen, aber kaum, dass sie stand, versagte ihr Fuß seinen Dienst und sie sackte wieder in Richtung Boden.

Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 16:27
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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Schnell fing Toyan sie auf, als sie stürzte. "Kommt, ich helfe Euch, es sind nur wenige Schritte", sagte er und hoffte, dass es ihr dann besser ging, sie endlich befreit war von der Trauer. Zitternd krallte sie sich in seine Tunika.
"Vorsichtig, einen Schritt nach dem anderen", sagte er leise, sah, wie Narea vor Dain stand und Shaya sich um den Fremden kümmerte.
Er hoffte, dass sie diese Falle bald hinter sich gelassen hatten, auch ihm waren diejenigen aufgefallen, die es nicht geschafft hatten und nun einsam in den Ecken lagen, leere Körper ohne Seele.
Wieder ein Schritt, verzweifelt sah er dorthin, wo er das Ende vermutete, nur wenige Meter...

Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 16:30
von vojka
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Namid
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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Namid bekam nicht wirklich mit, was um sie herum passierte. Die Bilder in ihrem Kopf liefen immer schneller ab, als hätte jemand auf einen Kopf gedrückt, damit dies passierte. Sie merkte, nicht, wie sie sich an Toyan festkrallte, wie ihr Blick starr auf den Punkt gerichtet wo laut Toyan ihr Vater sein sollte. Auch sah sie nicht wirklich etwas, waren die Tränen doch noch immer nicht versiegt. Sie spürte nur, spürte den Schmerz in ihrer Brust, der ihr Herz fast zum Bersten brachte.

Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 17:05
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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Toyan seufzte, sie mussten sich beeilen, er merkte, wie sein eigener Widerstand gegen die drängende Scham langsam bröckelte.
"Kommt, nur noch ein Stück..." Sie kamen an Shaya und dem Fremden vorbei, noch wenige Schritte, dann waren sie wieder frei...
Es schien sich ewig hin zu ziehen, doch dann, endlich, schienen sie aus einer unsichtbaren Barreire zu stolpern.
Toyan schloss kurz die Augen, damit der beginnende Schwindel nach ließ. Auch die Scham verblasste, Namid sank erneut zu Boden, als ihre Beine sie nicht länger tragen wollten. Nun standen sie zu dritt dort, schöpften Atem und versuchten sich von dem zu erholen.
Sorgenvoll sah er zurück, würden Shaya und Narea es schaffen?

Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 17:30
von vojka
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Namid
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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Namid spürte, wie die Bilder, welche eben noch so schnell durch ihren Kopf gezogen waren langsam an Geschwindigkeit abnahmen, aber ihre Trauer blieb, nur das Gefühl der Hilflosigkeit ließ langsam nach, aber die Wut in ihrem Inneren steigerte sich. Aber da war auch noch ein anderes Gefühl. Sie sah auf zu Toyan, welcher sie aus diesem seltsamen Raum gebracht hatte, als in ihr eine Erinnerung aufstieg. Hatte sie Toyan wirklich Papa genannt? Hatte sie tatsächlich geglaubt, er wäre ihr geliebter Vater gewesen? Sie merkte wie sie langsam rot im Gesicht wurde und senkte ihren Blick, als sie etwas an Toyans Handgelenk sah. Sie erstarrte. Griff blitzschnell nach seiner Hand und drehte sie so, dass sie das Mal sehen konnte. „Du“, rief sie und merkte, wie die Wut, welche sie schon die ganze Zeit in sich gespürt hatte, die Kontrolle über sie gewann. Spürte, wie die Flammen in ihre Augen traten und sich zwei Handteller große Feuerbälle in ihren Händen bildeten, nachdem sie seine Hand wieder los gelassen hatte. „Du bist Schuld, du und deines gleichen“, schrie sie in an und stand auf. Die Schmerzen in ihrem Fuß waren für den Moment vergessen. Sie spürte nur die unbändige Wut und den Wunsch nach Rache in sich. Sie taumelte ein paar Schritte zurück. Wie konnten die anderen, sich mit solch einem Subjekt beschäftigen, wie konnten sie ihn in ihrer Mitte dulden? Namid merkte nicht wirklich, wie sie die Feuerbälle, in ihren Händen auf Toyan schleuderte und sich sofort neue bildeten, merkte nicht, dass ihr inneres Feuer nach außen trat und sie von kleinen Flammen umgeben war, welche wild um sie herumtanzten, sie allerdings nicht verletzen.

Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 17:47
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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Erschrocken duckte Toyan sich, doch ein Feuerball streifte ihn dennoch, riss ein Brandloch in sein Hemd, den Schmerz auf der Haut spürte er für den Moment nicht. Verdammt, er hätte es wissen müssen, hatte gar nicht mehr darauf geachtet, ob sein Mal verdeckt war oder nicht. Hatte sich zu sicher gefühlt...
"Namid, hört auf damit!", rief er, hatte nichts, um sich zu wehren. Sie waren noch immer in einem engen Gang, keinerlei Fluchtmöglichkeiten...
Woran auch immer er Schuld sein sollte, ihn als Jäger traf gewiss eine Menge Schuld. Und eine grausame Ahnung machte sich ihn ihm breit, weshalb sie ihn eben 'Papa' genannt hatte...
Nun war sie von kleinen Flammen umgeben, Toyan wusste nicht, was er tun sollte.
"Namid, beruhigt Euch!", versuchte er es noch einmal, doch sie würde kaum auf ihn hören..

Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 18:06
von vojka
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Namid
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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„Beruhigen?“, schrie Namid und warf erneut einen Feuerball in Toyans Richtung. „Ich soll mich beruhigen? Nachdem du und deines Gleichen meine Eltern getötet habt?“
Sie war außer sich vor Wut, die Flammen, welche um ihren Körper tanzten wurden immer größer und wilder, aber sie merkte es kam, war sie doch viel zu sehr in ihrer Wut, in ihrem Hass gefangen. Erneut flog ein Feuerball in seine Richtung und dann noch einer und noch einer. Sie wusste nicht, ob sie traf, es war im Moment nicht wichtig. Obwohl sie Toyan verletzen wollte, ihm den Schmerz zufügen wollte, den sie in den letzten Jahren in sich getragen hatte. Wollte, dass er dasselbe durchmachte wie sie. „Ihr verdammten Jäger habt mir meine Eltern genommen, obwohl sie euch nie etwas getan haben. Obwohl sie mir immer gepredigt haben die Sine zu achten, da auch sie nur Menschen sind, aber nein, ihr seid keine Menschen ihr seid Monster. Beraubt ihr doch Kindern ihrer Eltern“, sie schrie immer weiter, immer mehr ihrer Feuerbälle flogen den Gang entlang in Richtung Toyan, aber es war ihr egal. Es war ihr auch egal, dass ihre Kraft, die sie vorher schon kaum gehabt hatte, sie nun endgültig zu verlassen schien. Aber sie kämpfte weiter, ließ sich für den Moment davon nicht unterkriegen.

Re: Kapitel 2

Verfasst: Mi 2. Jun 2010, 19:52
von Cassiopeia
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Toyan Kerim
16. April 143. Jahr des Lichtes, Abends
in den Dogan-Höhlen
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Er wusste, dass sie Recht hatte. Automatisch zog er eine Barriere um seinen Geist, noch immer flogen Feuerbälle auf ihn zu, fügten ihm die ein oder andere Brandwunde zu. Er bemerkte es kaum, hörte ihre Worte immer und immer wieder.
Sie hatte Recht und das war es, was schmerzte. Auch er hatte Eltern verhaftet und zum Tode verurteilt, deren Kinder zurück geblieben waren. Doch die Bruderschaft machte auch keinen Halt vor Sippenhaft...
"Namid, wer auch immer es war, ich habe Eure Eltern nicht getötet!", versuchte er es trotzdem, doch was er auch sagte, würde es nur noch schlimmer machen. Plötzlich erschien das Gefühl aus der Falle gar nicht so unwahrscheinlich...
"Ich habe Euch nichts getan, Namid! Und ich hörte schon lange auf, ein Jäger zu sein. Spätestens, als ich mich Aceio und Gilean anschloss, um mit Magiern und Sine gemeinsam die Nekromanten aufzuhalten. Bitte... hört auf..." Es war nicht seine Art zu bitten, doch nun lag die Situation anders. Ihrer aller Lage war anders und er wollte nicht hier drinnen gegrillt werden. Er wusste nicht, ob die Namen ihr etwas sagten, hoffte es, war noch immer konzentriert auf ihre Feuerbälle, die jedoch schwächer und schwächer wurden. Doch sie waren nicht minder gefährlich, seine Kleidung hatte bereits einige schwarze Löcher, ebenso wie seine Haut die ein oder andere Brandstelle aufwies. Doch er wusste nicht, was er noch machen konnte.