Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

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vojka
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Getarnt heißt nicht gleich versteckt!

Der nächste Morgen wurde für alle schwer - aber für die Rumtreiber und Harry wurde er noch schwerer. Als alle anderen Schüler noch ihren Feierrausch ausschlafen durften, mussten die Fünf schon draußen Schneeschieben - ohne Magie versteht sich.

„Das ist doch Sklaventreiberei“, grummelte Sirius wütend.

„Wie war das?“ Professor McGonagall, selbst dick eingemummelt und mit einer Tasse Tee in den Händen, trat auf Sirius zu. „Könnten Sie das noch einmal wiederholen, Mister Black?“

Sirius hielt zwar dem stechenden Blick der Professorin stand, wiederholte seine Worte jedoch nicht.

„Ich frier mir hier noch die Finger ab!“, klagte James keine Sekunde später und besah sich sorgenvoll seine geröteten Hände.

Remus, der ja soweit unschuldig war und dem es erlaubt gewesen war seinen Zauberstab zu benutzten, blickte James tadelnd an. „Erst Blödsinn machen und sich dann beschweren - das sind mir die Richtigen.“

James und Sirius warfen Remus einen solch identischen bösen Blick zu, dass Harry kichern musste und sich die Faust in den Mund steckte, um einen Lachanfall zu verhindern.

„Was gibt es da zu kichern?“, schallte die strenge Stimme McGonagalls über die Ländereien. „Machen Sie weiter, Smith!“

Harry seufzte, nickte ergeben, packte seinen Schneeschieber und schaufelte weiter.

Als die Fünf nach einer weiteren Stunde Schufterei den Gemeinschaftsraum betraten, stießen sie unisono ein wohliges Seufzten aus.

„Endlich kann ich meine Hände auftauen.“ Mit diesen Worten zog sich James die völlig durchnässten Wollhandschuhe von den Fingern und ging zum Kamin hinüber. Harry tat es ihm gleich und so standen sie Schulter an Schulter am warmen Kaminfeuer und tauten langsam wieder auf.

„Meine Güte“, hörte Harry Sirius murmeln. „Sag mal, Remus, wer ist jetzt wer?“ Harry schrak zusammen - er hatte ganz vergessen, wie ähnlich er seinem Vater sah.

„Was habt ihr für Probleme?“ Mit gerunzelter Stirn drehte sich James um und Sirius seufzte auf.

„Alles klar - der Rechte war Krone.“ James sah hilfesuchend zu Remus.

„Na ja“, murmelte dieser. „Von hinten seht ihr völlig gleich aus.“ James musterte Harry nun genau. Diesem wurde ganz unwohl, als James' Blick an seinen Augen hängen blieb - sie waren schließlich mit denen Lilys identisch.

„Ach ja?“, wunderte sich James. „Harry hat doch ganz andere Augen - sie kommen mir aber so vertraut vor.“ Harry hätte am liebsten das Weite gesucht. Lange würde es nicht mehr dauern und seine Tarnung würde allen Lügen zum Trotz auffliegen.

„Ich wüsste nicht, wieso.“ Er verhaspelte sich beinahe bei seinen Worten.

James zuckte mit den Schultern. „Auch wieder richtig.“ Damit wandte sich er wieder dem Feuer zu; Harry allerdings war unruhig geworden.
Bald bekommen sie es heraus, dachte er bang und verschwand aus dem Gemeinschaftsraum.

„Er ist schon ein komischer Vogel“, bemerkte Peter kopfschüttelnd und grinste. Sein Grinsen wurde immer breiter, bis er schließlich in munteres Gelächter ausbrach und seine Freunde ansteckte.

„Worüber lacht ihr denn?“, ließ sich Lilys verwirrte, aber dennoch amüsierte Stimme vernehmen.

„Über diesen Smith“, raunte James ihr zu, als er zur Begrüßung die Arme um sie schlang und sie schließlich auf die Nasenspitze küsste.

Lily zog die Stirn kraus und verbarg ihr Gesicht an seiner Brust. „Nicht schon morgens.“

„Ich dachte, ihr würdet euch jetzt besser verstehen?“, wunderte sich Remus über Lilys offensichtliche Abneigung.

„Und überhaupt Lily, was ist mit dir los? Du bist doch sonst immer die, die freundlich zu allen ist. Selbst zu den Slytherins“, fragte James seine Freundin. Leise murmelnd fügte er noch hinzu: „Selbst zu Schniefelus.“

„Was hat Smith gestern eigentlich gesagt, als du ihn auf das Starren angesprochen hast?“ Peter schaute Lily fragend an.

„Er meinte, ich würde seiner Mutter, die schon lange tot ist, ähnlich sehen. Er hat sie nicht gekannt, sondern kennt nur Fotos von ihr“, erwiderte Lily und sah schon nicht mehr ganz so genervt drein. „Aber ich finde ihn immer noch komisch. Warum sieht er so aus wie du, James?“

„Er sieht nicht so aus wie ich“, antwortete James grummelnd. „Er hat ganz andere Augen als ich!“

Lily nahm James' Kopf in die Hände und blickte ihm tief in die Augen. Gerade, als sie ihn küssen wollte schrie er: „Ich habs! Ich weiß, woher ich die Augen kenne! Moony, Tatze, schaut mal Lily tief in die Augen!“ James drückte Lily ganz aufgeregt in die Richtung der beiden Rumtreiber, welche auf einem Sofa vor dem Kamin saßen.

„James, was soll das? Was hast du?“, fragte Lily perplex und versuchte, sich aus seinen Händen zu entwinden.

„WOW“, war alles was Peter sagte, als er aus seinem Sessel aufgesprungen war, um mit zugucken.

Remus schüttelte nur missbilligend den Kopf: „Krone, dass dir das jetzt erst auffällt, wie lange bist du schon in Lily verliebt?“

Doch Sirius' Blick erhellte sich. „Ha, ich wusste es!“

„Was wusstest du, Tatze?“, fragte James mittlerweile total genervt.

„Ganz einfach, Krone“, sagte Sirius mit einem frechen Grinsen im Gesicht und musterte seinen Freund. „Er ist dein Sohn und Lily ist die Mutter.“

„Spinnst du?!“, entgegnete James und wurde langsam wütend. Langsam fange ich an, diesen Smith auch nicht zu mögen.

Er war in seine Gedanken versunken, als ihn eine Stimme eben aus diesen riss: „JAMES LIAM POTTER! Hättest du die Güte mir jetzt endlich zu sagen, was hier los ist?“, schrie Lily ihn an. Sie war genauso rot wie ihre Haare und schaute James mit zusammen gekniffenen Augen an.

„Ähm - Ja natürlich, Flower.“ James wurde unter Lilys Blick immer kleiner. So böse wie in diesem Moment hatte sie ihn nicht mehr angesehen, seit sie zusammen waren. „Das ist eigentlich ganz einfach. Harry und ich standen nach der Strafarbeit vor dem Kamin um unsere Hände zu wärmen. Sirius meinte, man könne uns von hinten nicht unterscheiden, weil wir genau gleich aussähen. Ich meinte daraufhin, dass es nicht stimme, weil wir unterschiedliche Augen haben. Wir wussten alle, dass wir diese Augen kennen und eben, als du mich angeguckt hast, wusste ich auch, woher.“

Lily sah James nur entgeistert an. „Das kann doch nicht sein. Wo ist dieser Harry? Ich will sofort mit ihm reden!“

*

Während dieses Gespräch im Gemeinschaftsraum stattfand, rannte Harry. Er rannte durch die Flure von Hogwarts, ohne zu wissen, wohin. Er wollte einfach nur weg und einen klaren Kopf bekommen.
Ich kann doch nicht immer weglaufen, wenn sie dem Geheimnis näher kommen. Sie müssen mich eh schon für verrückt halten. Was soll ich nur machen?
Er merkte gar nicht, dass es wieder zu schneien begonnen hatte und er nur mit einem Pullover bekleidet war. Wenn ich wenigstens meinen Besen hier hätte. Ja, eine Runde fliegen war genau das, was er jetzt brauchte. Er stand auf und ging zurück ins Schloss. In der Eingangshalle traf er auf Professor Flitwick, den kleinen Lehrer für Zauberkunst.

„Professor Flitwick, könnte ich mir einen der Schulbesen ausleihen?“, fragte Harry, während er auf ihn zuging.

„Aber natürlich können Sie das, Mister Smith. Sie müssen nur zum Hausmeister gehen. Moment, ich komme mit, damit Sie nicht so lange warten müssen.“ Flitwick ging, so schnell ihn seine kurzen Beine tragen konnten, durch die Halle auf die Tür zu, hinter der das Büro des Hausmeisters Mister Filch zu finden war. Harry war erstaunt, wie schnell der Professor, der ja nur halb so groß war wie er, laufen konnte.

Flitwick erreichte die Tür und klopfte an. Man hörte ein Poltern und die Tür wurde aufgerissen.
„Welcher unnütze Schüler will -“, Filch brach ab, als er Flitwick sah. „Oh, Entschuldigung Professor“, sagte er, aber es wurde deutlich, dass er das nicht so meinte. „Was kann ich für Sie tun?“

„Dieser junge Mann hier würde sich gerne einen der Schulbesen ausleihen.“ Bei diesen Worten zog er Harry, welcher sich ein wenig im Hintergrund gehalten hatte, nach vorne.

„Potter, wozu brauchen Sie einen Besen? Haben Sie mal wieder Ihren kaputt geflogen? Ja ja. Quiddichstar, kann aber nicht fliegen“, grummelte Filch mit einer gewissen Häme in der Stimme.

„Entschuldigen Sie bitte Mister Filch, aber dies ist ein neuer Schüler. Sein Name ist Harry Smith und er hat hier noch keinen Besen. Also, wenn Sie so freundlich wären, ihm einen auszuhändigen?“, quiekte der kleine Professor.

Grummelnd und in seinen nicht vorhandenen Bart murmelnd ging Filch in sein Büro und wühlte in einem Schrank. Er kam mit einem sehr alten Besen wieder, der so aussah, als würde er beim nächsten Flugversuch entzwei brechen.

„Aber Mister Filch, wir werden doch noch bessere Besen haben“, sagte Flitwick, als er den Besen musterte.

„Soll er sich halt selbst einen aussuchen“, erwiderte Filch mürrisch und bedeutete Harry ihm zu folgen.

„Ich werde dann mal wieder gehen. Ich habe noch etwas zu tun“, rief Flitwick Harry noch hinterher, „ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Fliegen, Mister Smith.“

Schluckend und unsicher betrat Harry Filchs Büro. Er war schon einmal hier gewesen, in der zweiten Klasse und er stellte fest, dass auch dieses Büro sich in den nächsten 19 Jahren nicht verändern würde. Lediglich die Beschriftungen auf den Aktenschränken waren andere.
Harry musste sich mit aller Macht daran hindern zu grinsen, als ihm zwei Schubladen ins Auge fielen. Die eine war mit „James Potter“ und die andere mit „Sirius Black“ beschriftet.

„Hier haben wir Besen“, knurrte Filch düster. „Beeilen Sie sich ein bisschen - ich hab noch zu tun.“

Hektisch musterte Harry die wenigen Besen vor ihm und entschied sich schließlich für ein noch recht gut aussehendes Exemplar.
„Ich nehme den hier - Danke.“ Rasch huschte er aus Filchs Büro und atmete aus.

Langsam wird's knapp, dachte er nervös. Vielleicht solltest du ihnen die Wahrheit sagen. Aber kaum hatte er das gedacht, verwarf er die Idee auch schon wieder - die Rumtreiber würden ihm nicht glauben. Doch darüber würde er sich jetzt nicht den Kopf zerbrechen.

Er schulterte den Besen und machte sich auf den Weg zum Quidditch-Feld. Gerade wollte er die mächtigen Eichentüren des Portals aufdrücken, als eine Stimme ihn aufhielt.

„Harry!“

Er erstarrte ungläubig und drehte sich langsam um - immer darauf gefasst, dass er sich geirrt hatte. Aber es war tatsächlich Lily, die eilig die Marmortreppe nach unten hastete.

„Ja?“ Er konnte sich keinen Grund vorstellen, der seine Mutter dazu veranlasst hatte, ihn auf zu halten. Aber da bis auf sie beide die Eingangshalle verwaist war und sie seinen Namen genannt hatte, konnte sie nur ihn meinen.

Atemlos stoppte Lily vor ihm, warf einen Blick auf den Besen und fragte verwundert: „Du willst doch nicht etwa bei dem Wetter fliegen, oder?“

Harrys Herz schlug schneller. War das Sorge in ihre Stimme gewesen? Oder hielt sie ihn einfach nur für verrückt?
Wohl eher das zweite, dacht er selbstzynisch und nickte nur auf ihre Frage.

Lily sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an und stellte fest: „Das würde ich sonst nur James zu trauen.“

Harry, der nun wirklich nicht wusste, was er denn darauf antworten sollte, machte nur unbestimmend „Mhm…“, und wollte seinen Weg fortsetzten.

„Halt!“, wurde er doch sehr energisch von Lily aufgehalten. Nun hatte er keinen Grund seine Überraschung verbergen zu müssen.

„Was ist denn?“ Erst, als die Worte seine Lippen schon verlassen hatten, fiel ihm auf, wie unhöflich sie geklungen hatten. Schnell setzte er ein entschuldigendes Lächeln auf.

Lily allerdings schien seinen Ton gar nicht bemerkt zu haben - sie musterte mit stechend intensiv Blick sein Gesicht. „Stimmt“, murmelte sie schließlich. „Deine Augen sehen aus wie meine.“

Harry war sich ganz sicher, dass sie sein Herz hören musste, wie es schmerzhaft vor Aufregung in seiner Brust pochte. „Da- das geht ja schlecht“, brachte er abgehackt und heiser hervor.

Lily runzelte die Stirn und Harry hatte das Gefühl, er müsse gleich sterben, als er sie murmeln hörte: „Oder Sirius hatte doch recht und wir sind verwandt - aber das ist völliger Unsinn.“

Er schluckte, weil sich sein Hals trocken und rau anfühlte und stieß kratzig hervor: „Wie kommt er denn auf so etwas?“

Lily sah ihn an und grinste: „Das würde mich auch mal interessieren.“

Harry wurde das Gefühl nicht los, dass das Eis zwischen ihm und seiner Mutter langsam anfing zu schmelzen und lächelte zaghaft zurück.

Lily bedachte ihn noch einmal mit einem langen Blick und schüttelte den Kopf. „Sicher, dass du bei dem Schneesturm da draußen fliegen willst?“

Harry machte einige Schritte in die Große Halle hinein und warf einen Blick auf die Decke - sie war Wolken verhangen und Schneeflocken wirbelten, wie von einem Orkan angetrieben, über ihn hinweg.

„Woher weißt du, dass die Decke verzaubert ist?“ Er schrak zusammen - Lily war neben ihn getreten und blickte ebenfalls zur Decke hinauf.

„Hab' ich gelesen.“ Die Lüge war nicht so groß. Hermine hatte ihm so oft die Geschichte Hogwarts vorgebetet, dass Harry wirklich das Gefühl hatte, das Buch selbst gelesen zu haben.

„Du liest viel?“ Wirkliches Interesse klang in ihrer Stimme mit.

Harry schüttelte entschuldigend lächelnd den Kopf. „Nein - aber ich wollte mich ein wenig über die Schule informieren.“

Nun nickte Lily verständnisvoll. „Ist bei euch auch Krieg?“, fragte sie und sah ihn traurig und bedauernd an.

Harry nickte - und es war sogar die Wahrheit. „Ja.“

„Ich finde das alles so schrecklich.“

Harry sah sie überrascht an, als er das Zittern in ihrer Stimme wahrnahm und musste sich zusammen reißen, sie nicht in den Arm zu nehmen.

„Es wird alles wieder gut.“ Er biss sich auf die Lippen. Was erzählte er denn da? Für sie würde es nicht wieder gut werden!

Er war überrascht, als er Lily glucksen hörte.
„Du redest wie James. Er versichert mir auch immer, dass alles wieder gut wird. Dabei sehe ich genau, dass er mir nur was vorlügt. Aber es tut gut es zu hören.“

„Hoffnung gibt es immer.“ Meine Güte, Harry, verhöhnte er sich selbst. Was erzählst du denn für einen Schwachsinn? Aber Lily schien es für gar nicht so schwachsinnig zu halten. Sie blickte ihn nachdenklich an.

„Ich glaube, ich habe dich unterschätz, Harry Smith.“ Und sie reichte ihm die Hand. „Freunde?“

Harry Herz machte einen Hüpfer. Sie wollte mit ihm befreundet sein! Sie misstraute ihn nicht mehr! Endlich würde sie ihn nicht mehr böse oder argwöhnisch angucken, wenn er ihr begegnete. Oder genervt Aufstöhnen, wenn er nur in der Nähe war.
„Freunde!“ Harry ergriff ihr Hand und strahlte sie an.

„Willst du nun bei dem Wetter raus und fliegen gehen oder kommst du mit in den Gemeinschaftsraum zu den anderen?“, fragte Lily, nachdem sie sich die Hände geschüttelt hatten.

„Ich glaube, ich komme mit in den Gemeinschaftsraum. Weißt du, ob ich den Schulbesen sofort zurück bringen muss oder ob ich ihn noch ein bisschen behalten darf?“ Harry blickte von Lily zum Besen in seiner Hand.

„Nein, du musst ihn nicht sofort zurückbringen. Behalte ihn ruhig, solange du hier bist“, antwortete Lily kopfschüttelnd. „Das hat gerade noch gefehlt, noch ein Quiddichverrückter mehr“, murmelte sie.

Sie gingen gemeinsam zurück in den Gryffindorturm. Sie waren kaum durch das Portraitloch geklettert, da hörte Harry auch schon ein: „Lily!“

Die rothaarige Hexe sah überrascht auf. „Beccy, was machst du denn hier?! Solltest du nicht eigentlich in den Schweizer Bergen sein und Skilaufen?“, fragte sie, während sie ein Mädchen mit schwarzen langen Haaren und blauen Augen umarmte.

„Ja, eigentlich hatte Dad das auch geplant für die Ferien, aber Voldemort scheint Weihnachten nicht zu mögen. Dad wurde zurück gerufen und muss jetzt arbeiten, deshalb bin ich wieder hier, denn alleine zu Hause bleiben wollte ich nicht.“ Beccy, oder besser Rebecca Marie O'Conner, wie sie mit vollem Namen hieß, löste sich von ihrer Freundin und guckte Richtung Eingang, wo Harry etwas unsicher stand und zu ihnen herüber sah. Sie blickte ihn an, dann James und zum Schluss Lily.

„Wer ist denn das?“, fragte sie und zuckte mit dem Kopf in Harrys Richtung.

„Ein neuer Schüler. Er und seine Freundin sind vor zwei Tagen hier angekommen und machen hier ihren Abschluss. Sie kommen aus Australien.“, antwortete Lily.

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, er und James sind Zwillinge. Oh man, das kann ja was geben, wenn er genauso viel Blödsinn im Kopf hat wie James“, flüsterte Beccy grinsend.

„Oh ja, das glaube ich auch, denn er hat genauso viele Flausen im Kopf“, bestätigte ihr ihre beste Freundin.

„Woher weißt du das denn?“ Ihr klar neckender Tonfall hätte Lily gestern noch zur Weißglut getrieben, aber jetzt konnte sie darüber schmunzeln.

„Ich habe ihn abgefangen, als er zum Fliegen raus wollte.“

Beccy kicherte. „Er und James sind ja echt ziemlich gleich.“

Lily nickte und dachte noch einmal über das Gespräch mit Harry Smith nach.

„Er ist alles im allem recht merkwürdig.“ Beccy sah Lily etwas verwirrt an.

„Ah ja.“ Die Schwarzhaarige blickte nun selbst zu Harry hinüber und schüttelte den Kopf.
„Das ist ja beinahe unheimlich. Wieso sieht der James so ähnlich?“

„Ich hab keine Ahnung, Beccy.“ Lily senkte die Stimme. „Jedenfalls werde ich ihn beobachten.“

„Lass uns hoch in unseren Schlafsaal gehen, da können wir ungestört quatschen“, flüsterte Beccy zurück.

Lily ging zu James und gab ihm einen Kuss. „Ich gehe mit Beccy in unseren Schlafsaal, wir sehen uns später.“

Kaum gesagt, verschwanden sie auch schon auf der Treppe zu den Mädchenschlafsälen. Die Tür war noch nicht ganz geschlossen, da platzte Beccy beinahe: „Los erzähl, was ist das für ein Typ?“

Lily setzte sich auf ihr Bett und zog die Knie an die Brust, irgendwie war ihr kalt, dieser Smith bereitete ihr Unbehagen.
„Ich weiß es auch nicht genau. Aber er kommt mir komisch vor. Warum sieht er aus wie James, hat sogar ein paar seiner Eigenschaften? Außerdem hat er noch meine Augen! Was mich ebenfalls misstrauisch macht ist, dass er plötzlich eines Abends hier auftaucht und in Dumbledores Büro steht und Dumbledore nicht zu wissen schien, wer er war und was er wollte. Das ist merkwürdig. Und er starrt mich die ganze Zeit an. Ich habe ihn darauf angesprochen…“

Beccy musterte ihre Freundin. Ihr stand eine Falte auf der Stirn, die nur dann zum Vorschein kam, wenn sie angespannt oder genervt war.

„Und was meinte er, warum er das macht?“, wollte sie wissen, während sie sich auf ihr Bett Lily gegenüber fallen ließ und sie ansah.

„Er meinte nur, ich würde genauso aussehen wie seine Mutter, welche er nie kennen gelernt hat, weil sie früh gestorben sei. Aber irgendwie glaube ich ihm das nicht.“ Lily redete sich alles von der Seele, was James nicht hören wollte, weil er Harry mochte. Beccy lauschte einfach nur stumm und dachte nach. Als Lily geendet hatte, blieb sie einige Momente still.

„Aber du hast doch gesagt, dass ihr euch heute nett unterhalten habt?“

Lily nickte augenscheinlich widerwillig. „Ja, schon. Er hat auch einen netten Eindruck gemacht - und trotzdem…“ Lily zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht genau. Da ist noch mehr.“

Beccy blieb stumm, da es nicht ihre Art war sich über Leute auszulassen, die sie nicht kannte und wartete darauf, dass Lily wieder das Wort an sich nahm. Als dies nicht geschah, entschloss sie sich ihrer Freundin einen Stoß in die richtige Richtung zu geben.
„Und was hast jetzt vor?“

Lily überlegte und murmelte dann fest entschlossen: „Ihn im Auge behalten.“

Beccy konnte nicht anders - sie musste einfach zweifeln. „Und wie willst du das in diesem riesigen Schloss - was andere auch Schule nennen - bewerkstelligen?“
Lily musste über Beccys Skepsis lächeln - sie hatte keine Ahnung was für Mittel ihr zur Verfügung standen.

Allerdings musste Lily nach dem Abendessen erfahren, dass James diese Mittel nicht einfach so rausrücken würde.

„Was willst du denn mit der Karte der Rumtreiber und dem Tarnumhang?“, fragte er misstrauisch, als Lily ihn in eine Ecke zog und ihn darum bat.

Lily verdrehte die Augen und knurrte: „Frag ich dich immer, was du vor hast, wenn du mal wieder verschwindest?“

James fiel gar nicht auf, dass Lily wütend war - dazu war er zu gut gelaunt. „Und was krieg ich dafür, dass ich unser Wissen aus den Händen gebe?“

Erst wollte Lily noch wütender werden, doch dann schluckte sie die Wut hinunter. Wenn sie ihn anschrie, würde sie erst recht nicht das bekommen, was sie haben wollte.
„Morgen mehr davon“, murmelte sie und küsste James so zärtlich, dass er alles um sich herum vergaß.

„Ich hol's dir - jetzt sofort“, flüsterte er atemlos und mit verklärten Blick, als sie sich wieder von einander gelöst hatten.

Lily grinste zufrieden mit sich selbst, als er die Treppe hoch sprang, als sei eine Horde Wildschweine hinter ihm her.
Keine zwei Minuten später kam er keuchend wieder die Treppe herunter und drückte Lily ein kleines Paket in die Hände.
„Sei aber bitte vorsichtig damit, Lils und lass dich bei dem, was du vorhast, nicht erwischen.“ Er gab Lily noch einen Kuss, bevor diese in den Schlafsaal der Mädchen ging, um den Umhang und die Karte zu verstauen.

Es wurde ein vergnügter Abend im Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Harry war so froh, dass seine Mutter ihn normal behandelte; ihre Freundin mochte er auch auf Anhieb. Was wohl mit ihr passiert war, dachte Harry.

Nach außen behandelte Lily Harry normal, aber sie beobachtete ihn den ganzen Abend unauffällig. Gegen halb zwei gingen alle in ihre Betten.

Bevor Harry die Treppe zu seinem Schlafsaal hochgehen konnte, hielt Ginny ihn fest.
„Harry können wir uns in einer halben Stunde hier unten treffen? Ich würde gerne mit dir reden. In Ruhe.“

„Klar, kein Problem“, flüsterte Harry zurück und ging nun wirklich die Treppe hinauf.
Die Person, die sich ebenfalls noch im Gemeinschaftsraum befunden hatte und das Gespräch belauscht hatte, hatte keiner von ihnen bemerkt.

Aha, dachte Lily triumphierend. Auch Ginny hat ihre Geheimnise - wusste ich doch, dass da was faul ist.
Lily wusste auch, wie sie ganz schnell hinter dieses Geheimnis kommen konnte. Sie huschte die Treppe nach oben und zog leise und unauffällig James' Tarnumhang und die Karte hervor. Dann warf sie sich den Umhang über und eilte zurück in den Gemeinschaftsraum.
Dort angekommen, suchte sie sich einen Platz in der Ecke, von wo man die Treppen zu den Schlafsälen gut sehen konnte und richtete sich auf eine lange Wartezeit ein.

Sie schreckte auf und sah, dass das Feuer, das, als sie die Treppe hinunter geschlichen war, noch fröhlich geflackert hatte, beinahe ausgegangen war. Sie war eingeschlafen! Leise fluchend rappelte sie sich auf und war ratlos, was sie nun am besten tun sollte. Moment, fiel es ihr in diesem Moment ein. Du hast ja noch die Karte.

Zuversichtlich zückte sie den Zauberstab, breitete die Karte aus und sagte grinsend: „Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut!“
Sofort erschien die magische Karte von Hogwarts auf dem Pergament und Lily suchte sie genaustes ab - ein Harry Smith und eine Ginerva Wright waren aber nicht zu finden. Lily schüttelte verwirrt den Kopf. Aber das konnte nicht sein. War die Karte etwa kaputt? James würde sonst was mit ihr machen!

Hektisch suchte sie den Gryffindorgemeinschaftsraum ab - und atmete erleichtert auf. Da war das kleine Pünktchen, das sie selbst symbolisierte. Also war mit der Karte alles in Ordnung.

Sehr seltsam, dachte sie sich. Noch einmal blickte sie auf das Pergament und erstarrte. Zwei Pünktchen hatten sich in Bewegung gesetzt - beschriftet waren sie mit „Harry Potter“ und „Ginny Weasley“.

Lily runzelte die Stirn.
Die Namen hatte sie noch nie gehört und die beiden bewegten sich auch noch auf den Gryffindorturm zu!
Nun, du wirst es ja gleich erfahren, beruhigte sie sich selbst, zuckte aber dennoch zusammen, als das Portrait zur Seite geschoben wurde und zwei Gestalten durch das Loch kletterten.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Kapitel 5

Des einen Freud, ist des anderen Leid

„Ginny, ich bin so froh, dass du mir noch eine Chance gibst!“

Diese Stimme kenne ich doch, dachte Lily. Es war dunkel im Gemeinschaftsraum, sodass sie noch nicht sehen konnte, wer eben herein gekommen war. Sie blickte noch einmal auf die Karte und tatsächlich - da standen drei Punkte im Gryffindorturm. Lily und diese mysteriösen Harry Potter und Ginny Weasley.

Aber die Stimme, gehört doch diesem Smith. Wie kann das sein? Stirnrunzelnd sah sie sich um und blickte erneut etwas ratlos auf die Karte.

Die Punkte von Harry und Ginny bewegten sich nicht, sie standen noch vor dem Eingang. Lily schlich sich näher an die Punkte heran, um sich zu vergewissern, dass sie sich nicht verhört hatte. Auf leisen Sohlen ging sie näher zum Eingang, konnte aber immer noch nicht sehen, wer dort stand. Sie warf wieder einen Blick auf die Karte und erstarrte. Die beiden ihr unbekannten Personen standen keine zwei Meter von ihr entfernt! Aber wie war das möglich? Hatten sie auch einen Tarnumhang?

Lily wusste nicht, was sie denken sollte. Sie ging noch ein Stückchen näher und tastete vorsichtig mit ihrer Hand wohin sie ging. Da fühlte sie, wie etwas mitten in der Luft ihre Finger berührte. Es fühlte sich weich an. Sie fasste zu und zog so den Tarnumhang von Harry und Ginnys Köpfen.
Lily erschrak. Aber nicht nur sie tat es.

Harry und Ginny merkten, wie der Umhang scheinbar ins Rutschen kam, doch ehe sie es sich versahen, war er fort gezogen worden. Harry sah sich um, zog seinen Zauberstab und sagte: „Accio Tarnumhang.“

Lily konnte gar nicht so schnell reagieren, wie ihr der Umhang von ihr verschwand.

„Lily...“, stammelte Harry, als er seine Mutter erblickte und erbleichte, als er sah, was sie in den Händen hielt. Nun ist es aus, dachte Harry.

Lily sah die beiden erstaunt an, fasste sich aber und warf noch einmal einen Blick auf die Karte. Da standen vor ihr Harry Potter und Ginny Weasley, zumindest wenn sie nach der Karte ging. Ihre Augen sagten ihr aber, dass dort Harry Smith und Ginny Wright standen.

„Wer seid ihr und was wollt ihr in Hogwarts? Warum lügt ihr uns an, was eure Identität angeht?“ Lily fauchte die Beiden nun wütend aber auch ein wenig verängstigt an.
Was wenn das Todesser sind, dachte sie.

Ginny warf Harry einen Blick zu, der wohl sagen sollte: rede mit ihr, sag ihr das du ihr Sohn bist, bevor sie noch den ganzen Turm mit ihrem Geschrei weckt.

Harry seufzte und nickte Ginny zu. Sie hat ja Recht, dachte er, aber wie erklärt man einem Menschen, der genauso alt ist wie man selbst, dass man das Kind von demjenigen ist?
„Können wir uns hinsetzen? Dann erkläre ich dir alles“, sagte er und fügte murmelnd hinzu, „wobei ich immer noch nicht weiß, wie.“

Lily schaute ihn immer noch mit einer Mischung aus Wut und Furcht an, setzte sich aber in einen Sessel vor den Kamin. Harry, der noch seinen Zauberstab in der Hand hielt, hob ihn hoch, entzündete den Kamin mit einem gemurmelten „Incendio“ und setzte sich Lily gegenüber in einen Sessel. Ginny setzte sich zu ihnen und guckte abwechselnd zu Lily und zu Harry.

„Also“, sagte Lily, „warum habt ihr uns angelogen, was eure Namen angeht? Wer seid ihr? Und vor allem, was wollt ihr hier?“

„Es ist nicht so einfach, das alles zu erklären, Lily“, setzte Harry an und sah nachdenklich ins Feuer des Kamins.

„Harry“, sagte Ginny und Harry schaute auf, „sie hat eine Erklärung verdient. Fang einfach am Anfang an.“ Ginny blickte Harry eindringlich an.

„Ich weiß es ja, Ginny, aber wie soll ich ihr das alles erklären? Vor allem, da ich es ja selbst alles noch nicht ganz verstehe?“ Harry guckte sie verzweifelt an und hoffte, in ihrem Gesicht eine Lösung zu finden.

„Hallo! Ich bin auch noch da?!“, brauste Lily auf und man merkte, dass sie langsam richtig wütend wurde.

„Entschuldigung“, sagte Harry, atmete noch einmal tief durch und begann zu erzählen.
„Also. Es ist alles verdammt kompliziert und wie gesagt, ich verstehe nicht mal ein Viertel davon.“

„Wie kann man etwas nicht verstehen, was man selbst gewollt hat?“, wurde er von einer immer noch aufgebrachten und misstrauischen Lily unterbrochen.

„Nein, nein!“, stellte Harry den Irrtum schnell klar. „Ich hatte nicht vor, dass das hier passiert.“

Lily verstand immer weniger und ihr Misstrauen wuchs eher, als das es kleiner wurde. „Und was hattest du vor?“

Harry schluckte. So hatte er sich das Gespräch mir Sicherheit nicht vorgestellt.
„Das kann ich dir noch nicht erklären.“

Lily nickte nur gereizt und forderte: „Dann erklär mir wieso du, in St. Patricks Namen, aussiehst wie James und auch noch seinen Nachnamen hast, obwohl du behauptest ?Smith' zu heißen?“

Harry seufzte. Er fragte gar nicht erst, woher sie seinen richtigen Namen wusste - wenn sie James' Tarnumhang hatte, hatte sie sicherlich auch die Karte. Und obwohl auch diese Frage schwer zu beantworten war, war sie um einiges leichter, als die letzte.
„Ich heiße eigentlich auch ?Potter'“, gab er zu und zuckte mit den Schultern. Lilys Miene hellte sich ein wenig auf. Endlich mal keine Ausflüchte oder Rumgedruckse.

„Und wieso siehst du James zum Verwechseln ähnlich?“, bohrte sie weiter und schwor sich, diesen Harry jetzt nicht mehr vom Haken zu lassen.

Harry hingegen schwitze Blut und Wasser. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Gleich würde seine Mutter ihn für völlig wahrsinnig erklären und ihre frisch gewonnene Freundschaft wäre dahin - kaum hatte sie begonnen.
„Ich sehe James so ähnlich…“ Er schluckte und dann sprudelte es aus ihm hervor: „Weil ich sein Sohn bin.“

Erst schien es so, als sei Lily vor Erstaunen erstarrt, doch dann brach sie in schallendes Gelächter aus.
„Du bist der dreisteste Lügner, der mir je begegnet ist.“
Mit allem hatte Harry gerechnet, nur nicht mit dieser Reaktion.

„Wie sollst du sein Sohn sein, wenn du so alt bist wi-“ Doch dann stoppte sie, wurde kreidebleich und flüsterte zittrig: „Außer Sirius hatte Recht und ihr kommt aus der Zukunft.“

Harry fühlte sich hundeelend. Es war deutlich, dass seine Mutter die Nachricht nicht gut aufnahm.

„Und, kommt ihr aus der Zukunft?“, fragte sie nach eineigenen Augenblicken, zwar immer noch blass, aber dennoch gefasst, nach. Ginny nickte.

„Ja kommen wir.“ Lily nickte stumm und Harry wunderte sich, dass die misstrauische Lily diese Antwort einfach so hin nahm. Aber er sollte nicht enttäuscht werden.
„Beweist es!“, fauchte sie wütend nach einigen Momenten. „Erzählt mir etwas, was nur ich wissen kann.“

Nun war Ginny überfragt und sie und Lily sahen Harry gleichermaßen auffordernd an.
„Okay.“ Dass stellte sich Harry als nicht allzu schwierig vor. „Deine Schwester hasst dich - und das nur aus Eifersucht, weil du zaubern kannst und sie nicht.“ Lily starrte ihn fassungslos an.

„Du weißt es - ihr müsst die Wahrheit sagen.“ Sie wurde wieder eine Spur blasser und ließ sich in den Sessel zurücksinken.

„Und…“ Sie schluckte und schien nicht so recht die richtigen Worte zu finden. „Und wer ist deine Mutter?“ Aber diese Frage beantwortete sie sich selbst, als sie noch einmal feststellte: „Du hast so ähnliche Augen wie ich.“ Doch dann traf die Erkenntnis sie wie ein Faustschlag. „Nein, das sind meine Augen!“ Sie schluckte. „Oh mein Gott! Du bist mein Sohn!

Harry nickte einfach und wagte es weder sich zu bewegen, noch irgendwas zu sagen. Lily schluckte erneut, schloss die Augen und öffnete sie schließlich mit einem Seufzer wieder.
„Ich muss das erstmal verdauen.“ Sie erhob sich. „Trotz allem ist die Geschichte merkwürdig.“

Harry konnte das nur zu gut verstehen und sagte immer noch nichts. Lily schien ihm seine Schweigsamkeit nicht übel zu nehmen und der Blick, den sie ihm zu warf, war um einiges weicher und freundlicher, als vorher.
„Wir sehen uns morgen.“ Damit nahm sie Tarnumhang und Karte und ging langsam die Treppe zu den Mädchenschlafsälen nach oben.
„Lily warte bitte mal kurz“, rief Harry ihr hinterher, „kannst du den anderen vielleicht erst einmal nichts sagen? Wir mussten Dumbledore versprechen, niemandem auch nur ein Wort zu sagen, bis sie es selbst herausfinden.“

Lily nickte Harry zu und ging weiter nach oben. Ihre Gedanken kreisten immer nur um eines. Ich hab einen Sohn! Sie lag in dieser Nacht noch lange wach im Bett und dachte über das, was Harry ihr erzählt hatte, nach. Irgendwie glaubte sie ihm, aber irgendwie auch nicht.
Ich muss mit jemandem drüber reden, dachte sie, ich werde sonst noch verrückt. Mit diesem Gedanken schlief sie am frühen Morgen ein.

Harry und Ginny blieben noch lange im Gemeinschaftsraum sitzen. Harry war, genau wie Lily in ihrem Bett, in seine Gedanken versunken. Ginny lag auf seinem Schoss und war eingeschlafen. Während er nachdachte, kraulte er sanft Ginnys Kopf.
Sie hasst mich nicht! Sie glaubt mir!, dachte Harry immer wieder, bis auch er gegen 6 mit Ginny auf seinem Schoss einschlief.

„Och, guck dir die Turteltäubchen an.“ Murrend und mit dem Gefühl, dass es viel zu früh zum Aufstehen war, öffnete Harry blinzelnd die Augen.

„Sirius, lass sie in Ruhe.“ Nun war Harry allerdings endgültig wach - seine Mutter hatte ihn soeben verteidigt?! Ginny regte sich und schlug grummelnd die Augen auf.

„Müsst ihr so laut sein?“, beschwerte sie sich und sah die Marauder und Lily finster an. James und Lily standen nah beieinander in der Nähe der Treppe, die zu den Mädchenschlafsälen führte, Peter stand am Fenster und bezahlte die Eule mit dem Tagespropheten. Remus und Sirius standen den beiden am nächsten und aus Sirius spitzbübischen Miene war eine entschuldigende geworden.

„Sorry, dass ich dich geweckt habe, Ginny.“ Das er auch Harry geweckt hatte ging ihm gar nicht auf - oder er ignoriert es gekonnt.

„Wie spät ist es?“ Harry war noch ganz benommen und konnte keinen klaren Gedanken fassen.

„Es ist gleich halb 9“, sagte Lily und schenkte Harry ein Lächeln, welches er gerne erwiderte.
James blickte beide misstrauisch an. Was ist denn hier los?, fragte sich James, seit wann ist Lily denn so überaus freundlich zu ihm? Und versuchte dieser Neue da etwa mit SEINER Lily zu flirten? James schüttelte den Kopf, dass kann nicht sein, schoss es ihm in den Kopf, er hat doch eine Freundin. Aber ich werde das im Auge behalten.

„Lasst uns frühstücken gehen“, sagte Sirius und ging Richtung Portraitloch. Remus, Peter und James folgten ihm sofort, nur Lily blieb noch einen Augenblick stehen.

„Geht schon mal vor, ich hab was oben vergessen“, rief Lily ihnen hinterher.

„Ich warte gerne auf dich, Lils“, beeilte sich James zu sagen.

„Das ist doch Blödsinn James, geh frühstücken ich komme in ein paar Minuten nach“, antwortete Lily ihm und wandte sich zu den Stufen um, welche in die Schlafsäle führte.
James schaute noch einmal zu ihr, öffnete den Mund, als ob er was sagen wollte, ging dann aber durch das Portraitloch der Fetten Dame und folgte seinen Freunden zum Frühstück.

Lily, die bemerkte, wie sich der Eingang schloss, drehte sich auf der Treppe wieder um.
„Darf ich Beccy von dir erzählen?“, fragte Lily ihren Sohn, „Ich muss mit jemandem drüber reden!“

Harry runzelte skeptisch die Stirn. Seine Mutter war gut und schön, sie hatte es ja alleine herausgefunden, aber jemanden Wildfremden? Er kannte diese Beccy ja nicht mal - wer war das überhaupt?

„Wer ist das denn?“ Lily schien seinen Argwohn irgendwie verstehen zu können, denn sie trat wieder näher und versicherte ihm sanft: „Keine Sorge, Beccy wird nichts sagen, wenn ich sie darum bitte.“ Harry ließ sich das noch mal durch den Kopf gehen. Sie hatte ja Recht. Es war nie gut, alles nur für sich zu behalten. Er hätte auch gefragt, ob er es Ron und Hermine erzählen dürfe.

„Ja natürlich darfst du's Beccy erzählen“, erwiderte er eben so leise und sanft. Er sah aus den Augenwinkeln, dass Ginny immer wieder zwischen ihm und Lily hin und her sah und dabei breit lächelte.

„Danke, Harry.“ Und zu seiner Überraschung und seiner unbändigen Freude hauchte Lily ihm einen Kuss auf die Wange, bevor sie durch das Portraitloch verschwand.

„Hast du das gesehen?“, fragte Harry ganz aufgeregt. Ginny lächelte nur noch breiter, als eh schon.

„Ja habe ich - und ich find das so toll Harry. Ich freu mich so für dich.“ Harry konnte einfach nicht mehr still sitzen und sprang voller Energie auf.

„Komm - wir gehen was essen!“ Und schon eilte er freudestrahlend los. Nun würde alles gut werden!

Auch Lily hetzte aufgedreht und eilig durchs Schloss, auch wenn der Grund ein anderer war. Sie suchte Beccy, sie hatte sie nicht mehr in der Großen Halle angetroffen.
Auf James' Frage, wieso sie denn nichts essen wolle hatte sie nur hektisch genuschelt „Ich hab keinen Hunger“, und war dann wieder davon geeilt, ohne auf den misstrauischen Blick ihres Freundes zu achten.

Beccy kann doch nicht vom Erdboden verschluckt sein, dachte sie dem Verzweifeln nahe, als ihre Suche in den Kerkern der Eulerei und auf dem Qudditch-Feld ergebnislos geblieben war.
Schließlich stand sie ratlos auf den Rängen, des Quidditch-Stadions und wusste nicht wohin.

„Ach, wieso musst so was auch immer mir passieren?“, grummelte sie wütend vor sich hin und schüttelte fassungslos den Kopf - so recht konnte sie es nicht glauben.

„Ja, träum ich denn?“
Sie schreckte auf, als sie Beccys Lachen hörte. Da kam die Freundin mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht zu ihr hoch gestampft. Lily allerdings war gar nicht nach lachen zu Mute.

„Wo warst du?“, maulte sie, kaum saß Beccy neben ihr. „Ich hab dich gesucht wie blöd.“

„Wo warst du?“, kam die ungerührte Gegenfrage Beccys. „James war ganz verwirrt, weil du so schnell wieder verschwunden warst.“

„Ich habe dich gesucht.“ Immer noch war Lily knurrig. „Ich bin beinahe verzweifelt.“ Beccy sah Lily verwundert an.

„Und wieso hast du mich gesucht?“ Die Antwort interessierte sie doch ungemein.

„Ich habe aus diesem Harry endlich die Wahrheit rausgekriegt und muss mit wem darüber reden“, sprudelte es aus ihr heraus. Nun sah Beccy beeindruckt, aber zu gleich verwirrt aus.

„Und wieso redest du nicht mit James darüber? - Immerhin ist er dein Freund.“ Darauf seufzte Lily nur.

„Ich musste Harry versprechen nur mit dir darüber zu reden. Die anderen sollen es irgendwie alleine herausfinden.“ Beccy schüttelte nur verwirrter den Kopf.

„Was denn heraus finden?“
Lily blickte sich um. Die Hügel um das Quidditch-Feld waren zwar verwaist, aber dennoch fühlte sie sich beobachtet.

„Lass uns das nicht hier besprechen - hier ist mir das zu offen.“
Beccy guckte zwar wie ein Schaf in der Wüste, folgte Lily aber ohne Protest, auch da die Miene der Freundin sehr gut ausdrückte, dass sie nicht bereit war Fragen zu beantworten.

Als Lily und Beccy in den Gemeinschaftsraum kletterten, kam ihnen sofort ein aufgeregter James entgegen gesprungen.
„Da bist du ja, Lils.“ Er zog sie an sich und küsste sie aufs Haar. „Aller in Ordnung? Du siehst blass aus.“

Lily löste sich sanft, aber dennoch bestimmt von ihm und versicherte: „Es ist alles in Ordnung, Darling. Keine Sorge.“

James sah allerdings nicht besonders beruhigt aus und legte ihr fürsorglich einen Arm um die Schultern. „Vielleicht solltest du dich etwas hinsetzten.“

Lily ermahnte sich innerlich zur Ruhe. Sie musste sich nicht hinsetzten. Sie brauchte einen Ort, wo sie ungestört mit Beccy reden konnte. Dass allerdings konnte sie James nicht so direkt sagen. Denn das würde ihn verletzten und das war das Letzte, was sie wollte.

„Ich glaube ich gehe mich ein wenig ausruhen.“

„Soll ich…?“ Lily lächelte ihn beruhigend an.

„Nein, nicht nötig.“ Sie küsste James beruhigend und zärtlich. Dann gähnte sie geschauspielert und ging.

Oben ihn ihrem Schlafsaal wartete sie ungeduldig auf Beccy, da diese natürlich nicht sofort nach ihr hochgehen konnte - das wäre dann doch zu auffällig gewesen.
Als Beccy schließlich in vollem Tempo in den Schlafsaal gerauscht kam musste Lily einfach lachen.

„Sehr unauffällig“, lachte Lily. Beccy schnaufte und kicherte dann.

„Naja… sie haben aber nichts gemerkt.“ Wieder kicherte sie erheitert drauf los. „Und ich soll dir von James ausrichten, dass du dich ja ausruhen sollst.“ Wie auf Kommando lachte Beccy und Lily beide laut los.

„Aber was willst du mir denn nun erzählen?“ Beccy war vor Neugierde ganz hibbelig und setzte sich schwungvoll auf Lilys Bett. Lily setzte sich ebenfalls, rutschte ans Kopfende, sodass ihr Rücken gegen die Wand lehnte und zog dann die Beine zu sich heran.

„Ich habe von Harry endlich erfahren, wieso er sich so komisch verhält.“

Beccy sah nun aus, als wollte sie das Geheimnis notfalls aus Lily herausschütteln, wenn diese nicht gleich erzählte.
„Und?“, fragte sie ganz atemlos vor Spannung. Lily lächelte kläglich.

„Er hat mir eine ziemlich verrückte Geschichte erzählt.“

„Lily!“, quengelte Beccy ungeduldig und legte ihrer Freundin die Hände auf die Schultern und drohte: „Raus mit der Sprache, oder ich schüttele es aus dir heraus.“ Lily wehrte Beccys Hände ab und sah ihre Freundin verstimmt an.

„Beccy, es ist nicht so leicht wie du denkst.“ Lily seufzte. „Er ist mein Sohn aus der Zukunft.“

„ER IST WAS?!“

„Psst! Nicht so laut!“, beschwor Lily ihre beste Freundin. „Ja. Ich konnte es auch nicht glauben, aber er weiß das mit Petunia…“

Beccy klappte die Kinnlade hinunter und ihr Blick war fassungslos.
„Aber dann muss er ja die Wahrheit sagen!“ Immer noch war die Freundin aufgeregt und sprach nach Lilys Meinung eindeutig zu laut.

„Beccy, bitte“, flehte sie. „Nicht so laut, sonst weiß es gleich halb Hogwarts.“ Die andere schnaufte und versuchte angestrengt sich einigermaßen zu beruhigen.

„Dann wissen wir auch, wieso er James so ähnlich sieht.“ Beccy kräuselte die Stirn.
„Wie fühlst du dich jetzt?“ Lily war dankbar, dass die Freundin fragte.

„Ich weiß nicht recht…“, murmelte sie zögernd. „Einerseits ist es toll zu wissen, dass James und ich noch lange zusammen bleiben werden. Aber anderseits glaube ich ihm noch nicht ganz. Wieso ist er hier? Hatte er es geplant? Und wenn er es geplant hat, wieso hat er es geplant? Was passiert noch in der Zukunft?“

Beccy lauschte der Flut an Fragen still und geduldig. Als Lily schwieg und sie mit ihrem stillen Flehen, um eine Antwort bat, riet sie ihr: „Weißt du was, Flower? Frag ihn das alles - dann weißt du auch gleich, ob er wirklich die Wahrheit sagt.“ Lily überlegte.

„Ja, aber das wird James nicht gefallen“, zweifelte sie. Ein verschlagenes Glitzern trat in Beccys Augen.

„Das sollte kein Problem sein - heute ist Quidditch-Training - ich werde ihn gebührend ablenken.“ Lily fiel Beccy um den Hals.

„Danke! Das ist echt lieb von dir!“ Beccy lachte und raunte verschwörerisch „Ich wollte das immer schon mal machen.“ Sie quietschte vergnügt auf und rieb sich die Hände. „Das wird ein Spaß.“ Lily lächelte und freute sich ehrlich und richtig auf das Gespräch mit Harry.

„Oh nein, bei Merlin“, schrie Beccy plötzlich auf, nachdem sie einen Blick auf ihre Uhr geworfen hatte.

„Was ist denn los, Süsse?“, fragte Lily und schaute Beccy an, als hätte sie ein riesengroßes Fragezeichen im Gesicht.

„In 5 Minuten beginnt das Quiddichtraining. Sorry Lily, aber ich muss weg.“ Sie drückte der lachenden Lily einen Kuss auf die Wange und war schon zur Tür heraus.

„James“, hörte Lily ihre Freundin brüllen, als sie ihr langsam nachging. „Beweg deinen Hintern aufs Spielfeld.“
Lily, die gerade den Gemeinschaftsraum betreten hatte, sah nur noch wie Beccy mit einem am Schlafittchen gepackten James durch das Portraitloch verschwand und lachte nur noch mehr. Somit ging sie schließlich selbst hinunter in den Gemeinschaftsraum, wo eine vertraute Runde sie erwartete.

„Hallo Harry, kann ich dich sprechen?“, fragte Lily mit einem scheuen Blick auf ihren Sohn, der mit den restlichen Rumtreibern und Ginny vor dem Kamin saß und ebenfalls lachte.

„Aber klar, was gibt es denn?“, antwortete Harry und blickte seine Mutter fragend an.

„Wollen wir ein bisschen spazieren gehen?“ Nach Harrys nicken fügte sie noch hinzu: „Ich geh mir nur schnell was warmes überziehen.“
5 Minuten später verließen die beiden in die Winterumhänge gehüllt das Schloss.

Sie wanderten eine ganze Weile still vor sich hin und vor allem Harry genoss die Zeit, die er jetzt, ungestört von anderen, mit seiner Mutter verbringen konnte.
Schließlich machten sie unter der alten Buche halt, wo Harry oft seine Hausaufgaben gemacht hatte und wo James und Sirius Snape gequält hatten.

„Ich…“ Lily stoppte und schien sich den richtigen Anfang des Gesprächs noch mal durch den Kopf gehen zu lassen.
„Ich habe Beccy eben alles erzählt“, fing sie nochmals an und sah Harry an. Dieser nickte bedächtig. Eine Person mehr, die über ihn bescheid wusste. Ein Risiko mehr.

„Und was hat sie gesagt?“

Lily lachte, als sie sich an die Reaktion der Freundin dachte.

„Im ersten Moment dachte ich, sie kippt vom Bett“, kicherte sie und auch Harry musste seit langer Zeit mal wieder ehrlich lächeln.

„Das Gesicht hätte mich interessiert“, murmelte er erheitert. Lily nickte.

„Das hätte dir bestimmt gefallen.“ Auf einmal runzelte sie die Stirn. „Aber sie hat mir auch Recht geben, dass sich die Geschichte doch sehr phantastisch und irreal anhört.“

Harry gab ihr mit der Schulter zuckend Recht. „Ich kann es ja selbst immer noch nicht glauben.“ Zumal eigentlich etwas anders geschehen sollte, dachte er schaudernd, hütete es aber laut auszusprechen.

Lily betrachtete ihn nachdenklich. Er sah sie fragend an und sie seufzte.
„Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie niedlich du als kleines Kind sein musst.“ Harry lief bis an die Haarspitzen rot an.

„Ähm…also was ich von Fotos weiß, ziemlich niedlich.“ Er lief noch röter an, als seine Mutter ihn unleugbar zärtlich musterte und ihm ein breites Lächeln schenkte.

„Außerdem wollte ich mich dafür entschuldigen, dass ich dir am Anfang so misstraut habe.“

Harry erwiderte lieber nichts, sondern machte nur eine unbedeutende Bewegung mit dem Kopf denn alle Worte, dass er sie ja verstand und dass er ihr nicht böse war, wären unverschämte Lügen gewesen - und anlügen wollte sie nie mehr.

„Ich glaube am Anfang war ich auch nicht gerade Vertrauenerweckend“, gab Harry zu, als er sich daran erinnerte, dass er Lily zum Anfang ja nur angestarrt hatte, statt den Mut aufzubringen und mit ihr zu reden.

„Ich hab's dir ja auch nicht gerade einfach gemacht“, erwiderte Lily, als habe sie seine Gedanken erraten. Dann kicherte sie plötzlich.

„Wir sollten vielleicht aufhören, uns gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben.“ Harry lachte ebenfalls ein wenig, wenn auch leise, da ihm zu mehr nicht zumute war und nickte.

„Stimmt - wäre nicht schlecht.“

Er klapperte mit den Zähnen und tippelte auf der Stelle, um das taube Gefühl in den Zehen loszuwerden. Lily entging das natürlich nicht, da sie ihn nicht mehr aus den Augen ließ und fragte führsorglich: „Sollen wir vielleicht ein Stückchen weiter gehen?“

Harry nickte dankbar und hatte auf einmal einen Einfall.
„Können wir ein bisschen beim Quidditch zugucken?“ Lily schien zwar nicht richtig begeistert, willigte aber schließlich ein und stellte fest: „Das musst du dann aber von James haben.“ Sie musterte ihn noch einmal. „Wie so vieles.“

„Außer die Augen“, murmelte Harry unbewusst, aber laut genug, dass Lily es hören konnte, die darauf schmunzelte.

„Es ist schon eigenartig, wie die Ironie einem manchmal so mitspielt.“ Bei Harrys verwirrter, aber zu Tode gespannter Miene erklärte sie es genauer.

„Ich weiß nicht wann, aber einige Tage, bevor du und Ginny aufgetaucht seid, hatten James und ich das Thema Kinder, halb im Ernst, halb im Spaß und er meinte er wünscht sich nichts mehr, als dass, wenn wir mal Kinder haben sollten, sie meine Augen erben.“ Sie lächelte. „Und wie ich sehe, wird ihm dieser Wunsch erfüllt.“

Harry musste lächeln, als Lily in einem so zärtlichen Ton von James sprach - seine Eltern liebten sich wirklich. Er schluckte, als ihm mal wieder mit all der gandenlosen Wucht, die die Wahrheit besaß, klar wurde, dass Lily und James genau an dieser Liebe sterben würden.

„Harry? Alles in Ordnung?“ Er sah seine Mutter ganz erschrocken an. Diese musterte ihn forschend.
„Du bist auf einmal so blass. Sollen wir lieber wieder reingehen?“

Harry schüttelte hektisch den Kopf. Um nichts auf der Welt wollte er es verpassen seinen Vater spielen zu sehen!
„Nein geht schon“, versicherte er, der immer noch besorgt aussehenden Lily. „Ich musste nur gerade an was denken.“ Da er sie nicht angelogen hatte, fühlte er sich auch nicht schlecht bei seiner Antwort. Lily sah ihn aufmunternd an, da es ja nicht verkennbar gewesen war, dass er an etwas Trauriges gedacht hatte und strich ihm aufmutend durch die Haare.
Harry musste sich daran hindern laut jubelnd in die Luft zu springen, als er die Berührung seiner Mutter spürte, er begnügte sich damit, breit zu grinsen und das Glücksgefühl in seinem Bauch auszukosten.

Als sie einige Augenblicke später Seite an Seite die Stufen zu den Sitzen empor stiegen, die das Quidditch-Stadion umgaben, klebten Harrys Augen schon an der kleinen Gestalt im scharlachrotem Umhang hoch oben in den Lüften, die sein Vater war.

„Ich weiß immer noch nicht, was so toll an dem Sport ist“, murmelte Lily ratlos, als sie sich auf zwei Plastiksitze in mittlerer Höhe gesetzt hatten. „Aber so kann ich dir Beccy zeigen.“ Sie zeigte auf ihre Freundin, die mit blitzenden blauen Augen und wehenden schwarzen Haaren übers Spielfeld flitzte.

Harry erkannte das Kapitänsabzeichen, das er letztes Jahr ebenfalls getragen hatte und diese Beccy war ihm komischerweise sofort sympathisch - auch wenn er kein Mensch der schnellen Freundschaften war.

„Ist bald ein Spiel, oder wieso ist sie so verbissen?“, erkundigte sich Harry, da Beccy ihre Mannschaftskameraden unbarmherzig scheuchte und Harry sich unangenehm an Wood erinnert fühlte.

Lily kicherte auf seine Frage.
„Nein. Beccy nimmt das Ganze nur sehr ernst.“

Noch eine Parallele zu Wood und Harry fragte sich ernsthaft, ob die beiden vielleicht verwandt waren. Aber er erkundigte sich nicht, da er sonst zu viel erklären musste und nicht mehr James beobachten konnte, der wirklich brillant spielte. Harry erkannte sogar seinen eigenen Flugstil und sein Herz schlug vor Freude höher.
Schließlich setzten alle Spieler, nach einem Zeichen von Beccy, zur Landung an und setzten auf dem Spielfeld auf. Harry wollte schon aufspringen und freudig zu James eilen, als Lily ihn mit einem Kopfschütteln zurück zog.

„Nachbesprechung - mindestens zehn Minuten.“ Beccy wurde Wood beängstigend ähnlich.

„Danke“, murmelte Harry nach fünfzehn Minuten.

„Wofür dankst du mir Harry?“, fragte Lily ihn verwundert.

„Dafür, dass du mir glaubst“, Harry schenkte ihr ein schüchternes Lächeln.

„Warum sollte ich dir nicht glauben, Harry? Du weißt Sachen über mich, die hier in Hogwarts nur James und Beccy kennen. Außerdem bist du eine fast perfekte Kopie von James“, sagte Lily und nahm Harry liebevoll und zärtlich in den Arm und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.

„Was ist denn hier los?!“ Lily und Harry fuhren auseinander. Auf der letzte Stufe der Treppe, welche auf die Tribüne führte, wo Lily und Harry saßen, stand James. Er blickte wütend und verwirrt von Lily zu Harry, wobei Harry die wütenden und Lily die verwirrten Blicke zu spüren bekam. Harry schrumpfte unter dem Blick von seinem Vater um ein paar Zentimeter.

„Was treibt ihr hier?“, zischte er erbost. „Was soll das werden, Harry? Ich dachte, du bist in Ordnung, dass du ein Freund werden könntest. Aber was machst du? Du machst dich hinter meinem Rücken an MEINE Freundin ran! Ich dachte, du wärst mit dieser Ginny zusammen, aber mit ihr spielst du wohl auch nur?!“ Die Blicke, mit denen er Harry bei diesen Worten bedachte, wären tödlich gewesen, wenn Blicke töten könnten. Er sah Harry einfach nur kalt an, voller Wut und Eifersucht.
James wandte sich von ihm ab und schaute nun Lily an: „Und was ist mit dir, Lily? Ich dachte du liebst mich. Ich dachte....“

„James, bitte“, unterbrach Harry ihn.

„Halt deine Klappe du, du Spatzenhirn! Du hast schon genug getan.“

„James, bitte“, flehte Lily ihn an, „es ist nicht so wie es aussieht.“

„ES IST NICHT SO WIE ES AUSSIEHT?“ James lachte hohl auf. „Was würdest du denn denken, wenn ich mit Ginny hinter deinem Rücken so rumschmusen würde, wie ihr es gerade getan habt!“

„Wir haben nicht rumgeschmust, James!“ Lily wusste nicht, was sie sagen sollte, so hatte sie James noch nie erlebt. Klar war er eifersüchtig, das wusste sie, aber noch nie war er so ausgetickt, wie er es jetzt gerade tat. Sie warf Harry einen flehenden Blick zu, doch dieser sah ihn nicht, da seine Augen nur auf James gerichtet waren.

„James bitte, zwischen Lily und mir war nichts und wird auch nie etwas sein“, versuchte Harry es noch einmal zu erklären. Diesmal durfte er den Satz wenigstens aussprechen und wurde nicht gleich nach dem ersten Wort unterbrochen.

„Harry, halt deine miese Klappe du hinterhältiges Schwein! Wie konntest du nur! Und Lily...“

Diesmal unterbrach Harry ihn: „James, Lily und ich haben nichts miteinander. Und ich würde auch nie etwas mit ihr anfangen, weil.... weil.... ich bin doch euer Sohn.“
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Ans Licht gebracht

Die Stille, die auf diesen Satz folgte, war unbeschreiblich laut. Sie dröhnte in den Ohren und rauschte in den Köpfen der Anwesenden, der Nachhall dieser Worte war beinahe greifbar.
Harrys Mund stand noch immer offen, ein wenig war er selbst erschreckt über das, was er gerade gesagt hatte. Er warf einen vorsichtigen Blick zu Lily, die nicht minder erschrocken aussah, doch es spiegelte sich auch etwas anderes darin - Liebe und Angst.
Liebe zu James und zu ihm, ihrem Sohn und Angst, beide zu verlieren standen ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.

Nach einer Ewigkeit, so schien es James, schaltete sein Gehirn wieder um und seine Lungen schrieen nach Luft. Gierig sog er scharf die Luft ein, nach denen es seinen Lungen verlangte, die Augen weit aufgerissen.
Seine Füße machten ein paar Schritte rückwärts und Harry war es, als geschehe all das in Zeitlupe, als sähe er mit einem Mal jedes noch so kleine Detail unglaublich klar und intensiv.

James' Blick hatte sich in den seinen gebohrt, braun traf auf grün, bekanntes grün, geliebtes grün. Doch diese Augen gehörten nicht zu einem liebevollen, wunderschönen Gesicht, welches von rotem Haar umrahmt war - nein, diese Augen gehörten zu seinem eigenen Spiegelbild.

„LÜGNER!“, spuckte er beiahe hervor, sah Harry hasserfüllt an, es konnte einfach nicht wahr sein. Er blickte zu Lily - und verstummte. In ihrem Gesicht erkannte er Schrecken und Angst - und Liebe, wie sie nur eine Mutter für ein Kind fühlen kann.

„Nein, James“, kam es leise von ihr. „Er ist kein Lügner. Harry Potter ist sein richtiger Name, er ist wirklich unser Sohn.“

James schnappte nach Luft wie ein an Land gespülter Fisch, blickte immer noch ungläubig zwischen seinem ?Sohn' und seiner Freundin hin und her, sein Atem beruhigte sich langsam.

„Dann… dann hatte Pad ja doch Recht“, murmelte er mit einer etwas kratzigen Stimme und kam sich plötzlich etwas verloren vor.

Weder Harry noch Lily gingen darauf näher ein. Stattdessen trat Lily vorsichtig einen Schritt auf James zu, sah ihm abwartend in die Augen, achtete auf jede Reaktion ihres Freundes. Als keine kam, trat sie noch einen Schritt näher, berührte zaghaft seine Hand.
Zuerst zuckte James zurück, ihm kam das alles so unwirklich vor… .

„James“, flüsterte Lily leise und griff erneut nach seiner Hand.
Irgendwie schaffte sie es, seinen Blick einzufangen - und James ließ es zu.
„Ich liebe dich“, flüstere sie leise und hauchte ihm einen Kuss auf den Oberarm, merkte, wie er sich langsam entspannte und aufhörte, am ganzen Körper zu zittern.

„Du meinst, er… er ist wirklich… ich meine, wir… wir werden…“, unbeholfen brach er ab, wagte es nicht, zu Harry zu schauen. Lilys Blick wurde warm vor Liebe.

„Ja, das werden wir. Er ist unser Sohn, oder wird es sein - eh…“, sie musste grinsen und dann stahl sich auch ein Lächeln auf James' Züge, in Harry machte sich Erleichterung breit.
Die Reaktion seines Vaters war ihm sehr wichtig gewesen - und er konnte sich wohl nicht im mindesten vorstellen, was gerade in James vorging. Doch als er sah, wie dieser Lily liebevoll ansah und seine ganze Haltung etwas weniger abweisend wirkte, atmete er innerlich auf. Vielleicht würde sich doch noch alles zum Guten wenden.

„Harry?“ James' Stimme holte ihn aus seinen Gedanken. „Wenn… wenn du hier bist… wo sind wir dann in der Zukunft, aus der du kommst?“

Harry schluckte, er hatte diese Frage erwartet und doch wusste er nicht, ob er schon bereit für die Wahrheit war.

„Das kann ich euch nicht sagen, tut mir leid. Aber durch einen unglücklichen Unfall, den wir selbst nicht mal verstehen, sind Ginny und ich etwa zwanzig Jahre in der Zeit zurück geschleudert worden und haben keine Ahnung, wie wir das passiert ist und vor allem, wie wir wieder in unsere Zeit kommen“, erklärte Harry zögernd. „Daher unsere Decknamen Smith und Wright. Ginnys Eltern sind schon eine Weile aus Hogwarts raus, aber ich kann euch versichern, dass es ein verdammt komisches Gefühl war, euch das erste Mal gegenüber zu stehen und sofort zu wissen, wer ihr wart. Und ich durfte mich zunächst nicht zu erkennen geben, was nicht gerade einfach war…“
„Was meinst du, als du uns das erste Mal gegenüber standest?“, fragte Lily erschreckt, eine grausame Vorahnung machte sich in ihr breit. Bedeutete das, dass Harry seine Eltern vorher nie gesehen hatte?...
James war nun ganz zu Lily getreten und hielt ihre Hüfte mit einem Arm umschlungen, hatte ihre Hände miteinander verknotet.
„Was denkst du, was ich gedacht habe, als ich dich sah - du siehst aus wie ich, hast Lilys Augen - ich dachte, ich werde verrückt!“, lachte er, seine Anspannung war ihm trotz der scheinbaren Lockerheit jedoch anzumerken. Auch er hatte Harrys Satz gehört und fragte sich, was das zu bedeuten hatte.

Lily murmelte etwas versunken: „Vielleicht habe ich es geahnt. Irgendwie… wusste ich es von dem Moment an, in dem ich dich sah.“

Harry begegnete dem Blick seiner Mutter, die Augen, die seine Augen waren und plötzlich war es, als verstünden sie einander ohne Worte. Und er meinte, Schmerz in ihren Augen zu lesen, als habe sie begriffen, was es bedeutete, dass er in der Vergangenheit gelandet war und kein Wort über ihre Zukunft sagen konnte.
Eine tiefe Traurigkeit überkam ihn, die einen schmerzhaften kalten Klumpen in seinem Magen hinterließ. Hier standen sie, seine Eltern, lebendig und glücklich, nichts ahnend von dem Schrecken, der ihnen widerfahren würde. Geschützt vor dem Krieg, der sein Klauen bald in ihr Leben schlagen würde… bis zum Tod.

Harry schluckte, er konnte nichts sagen, brauchte es auch nicht. Sie wussten nun die Wahrheit und das war, was zählte. Was sie nun daraus machten, würde sich zeigen.

Plötzlich fiel ihm siedend heiß etwas ein. „Ihr… ihr müsst mir etwas versprechen. Sagt es keinem, bitte. Das ist sehr wichtig, denn wir wissen nicht, was für Schaden dieses Wissen anrichten kann. Dass ihr es wisst könnte schon viel zu große Folgen haben, die keiner abschätzen kann. Lily hat es Beccy erzählt. Aber ansonsten darf es keiner wissen, das müsst ihr mir versprechen.“ Er sah seine Eltern eindringlich an, beide nickten verständnisvoll.

Harry atmete auf. „Danke“, flüsterte er und wusste nicht recht, was er noch sagen sollte. Er wollte jetzt gern allein sein, brauchte Zeit zum Nachdenken.

„James? Darf ich mir deinen Besen ausleihen?“ fragte Harry seinen Vater und blickte in schüchtern an.

„Du spielst Quddich?“, fragte James total begeistert.

„Hmm, ja, ich spiele seit meinem ersten Jahr in Hogwarts im Team der Gryffindors“, antwortete Harry verlegen und blickte seine Schuhspitzen an.

„Aber..., aber Erstklässler dürfen doch gar keine eigenen Besen haben und sie spielen doch auch nicht im Team ihren Hauses. Du musst der jüngste Hausspieler seit... seit....“

„Seit mehr als 150 Jahren sein, ja ich weiß?“ Harry blickte seinen Vater mit rötlichen Wangen an.

„Wow Harry. Lily hast du das gehört? Das ist MEIN Sohn!“ James blickte von Lily zu Harry. In seinen Augen stand der pure Stolz geschrieben. Er streckte seine Brust raus, ging auf Harry zu und drückte ihm seinen Besen in die Hand, klopfte ihm auf die Schulter und sagte mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht: „Na dann zeig mal, was du drauf hast mein Sohn.“

Harry nahm den Besen, stieg auf und stieß sich vom Boden ab.

Harry fühlte den Wind in seinen Haaren - aber auch in seinem Herzen. Hier in luftigen Höhen schien die Welt leichter, weniger kompliziert zu sein.
Er zog seinen Besen in die Senkrechte und betrachtete von oben das zugeschneite Hogwarts-Gelände. Ließ seinen Blick zum See schweifen, hinüber zum Wald und schließlich blieb er an einer kleinen Hütte hängen. Die sieht aus wie Hagrids, dachte er und dann traf es ihn wie ein Blitz - das war Hagrids Hütte. Um ein Haar hätte er vergessen, dass er sich in der Vergangenheit befand und Hagrid nicht einfach einen Besuch abstatten konnte. Die Erkenntnis traf ihn wie einen Schlag in die Magengrube. Zu gerne hätte er die behagliche Hütte betreten und einen Tee mit dem freundlichen Halbriesen getrunken, der im letzten Sommer sein Leben für ihn riskiert hatte. Selbst gegen Hagrids schlechte Backkünste hätte er nichts einzuwenden. Aber es ging nicht. Und die Tränen, die ihm nun in den Augen standen, kamen nicht nur von dem eisigen Wind, der hier oben unbarmherzig an seinen Kleidern zerrte.

Um nicht weiter an Hagrid denken zu müssen, legte Harry sich auf den Besen und ließ ihn wie eine Kanonenkugel nach unten schießen. Am Rande seines Bewusstseins nahm er einen spitzen Aufschrei war. Er zog seinen Besen mit Leichtigkeit wieder in die Senkrechte und warf einen Blick auf die Ränge. Dort stand Lily mit kreidebleichem Gesicht und geweiteten Augen. Ihre Hände hatten sich in James' Umhang gekrallt und auch dem Schulsprecher stand der Schreck ins Gesicht geschrieben, auch wenn Harry daneben Stolz und Bewunderung in den Augen seines Vaters lesen konnte. Er schenkte den
Beiden ein verschmitzt-schelmisches Lächeln und sprang vom Besen - um prompt bis zu den Knien im Tiefschnee zu versinken.

„Na super“, schimpfte er vor sich hin, während er sich zur Tribüne vorkämpfte. Lily und James kamen ihm auf halbem Weg entgegen und ehe er sich versah hatte Lily die Arme um ihn geschlungen.

„Mach das ja nicht wieder, Harry - ich dachte, mir bleibt das Herz stehen!“

„Ich fand's cool“, murmelte James ihm ins Ohr, als er ihm den Besen abnahm. Harry sah ihn an und sah ein breites Grinsen auf James' Gesicht. Er grinste zurück - auf einmal war die Welt um so viel schöner.


Während die Familie Potter auf dem Quidditch-Feld ihre Wiedervereinigung feierte, saßen die restlichen Marauder und Ginny im Gemeinschaftsraum vor dem Kamin.

„Erzählt ihr mir ein bisschen über Hogwarts? Über die Lehrer und die Anderen, die jetzt in den Ferien zu Hause sind?“, fragte Ginny gerade die drei Jungs, weil sie gemerkt hatte, dass sowohl Sirius, als aber auch Remus, sie etwas zu ihrer Scheinidentität fragen wollten.

Remus sah Ginny mit gerunzelter Stirn an. Irgendwas verbirgt sie. Ich spüre Angst, sobald man etwas über sie wissen möchte, lenkt sie von dem Thema ab. Und Sirius schenkt ihr natürlich einfach nur sein Strahlen und erzählt. Aber irgendwas ist komisch an den Beiden. Das spüre ich, besser der Wolf in mir. Harry kommt mir allerdings irgendwie komisch vertraut vor, dachte der Werwolf und musterte Ginny weiter.

Wie von einer inneren Hand geführt erhob sich der Werwolf und sagte: „Ich geh mich ein bisschen hinlegen. Ich bin müde.“

Sirius sah ihn nur an, kräuselte die Stirn, als würde er nachdenken, dann erhellte sich sein Gesicht und er antwortete: „Ja mach das, Moony. Wir wecken dich dann nachher.“

Peter sah allerdings so aus, als wüsste er nicht, warum Remus sich am hellen Tage einfach so hinlegte. Das macht er doch sonst nur..., dachte der kleinste der Marauder. Aber natürlich, morgen Nacht ist Vollmond. Remus will also einfach nur ein bisschen vorschlafen.

Remus ging die Treppe zu den Jungenschlafsälen hinauf und blickte sich noch einmal um. Sirius saß noch mit Ginny vor dem Kamin und erzählte ihr alle möglichen Geschichten von der Schule und den Lehrern, aber es sah so aus, als würde sie gar nicht richtig zu hören. Remus schüttelte den Kopf und ging weiter nach oben.

Als er im Schlafsaal der Marauder war, ging er zu James' Bett, hob die Matratze hoch und nahm ein Stück Pergament darunter hervor. Er zog seinen Zauberstab und tippte es an.

„Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut!“

Sofort breitete sich die Marauder's Map tintenschwarz und genau wie ein Schweizer Uhrwerk vor ihm aus. Sein Blick wurde von einem kleinen schwarzen Punkt gefesselt, der eilig die Treppen hoch hüpfte: Peter. Er machte sich nicht die Mühe, die Karte vor seinem Freund zu verstecken, als dieser die Tür vorsichtig öffnete.

„Remus alles in Ordn-“ Der Kleine stockte, als er Remus auf dem Bett knien sah.

„Was machst du denn da?“, fragte Peter interessiert und trat näher.

„Ich suche James und Li-“ Remus brach abrupt ab und starrte auf die Beiden Punkte im Gemeinschaftsraum.

„ ?Sirius Black' und ?Ginny Weasley'“, las Peter, der sich über seine Schulter gebeugt hatte, leise vor. „Aber sie behauptet doch sie hieße ?Wright'?“ Remus gab Peter nur ein Nicken, als Antwort. Irgendetwas lief hier mächtig verkehrt. Er suchte hektisch die beiden Punkte „James Potter“ und „Lily Evans“. Er schnappte nach Luft, als er die Beiden schließlich in der Nähe des Quidditch-Feldes gefunden hatte. Neben ihnen stand ein Punkt der mit „Harry Potter“ beschriftet war.

„Potter!“, hörte er Peter entsetzt schnappen und konnte die Gefühle seines Freundes nur teilen. Denn es gab nur einen Harry an der ganzen Schule - und das war dieser zwielichtige Smith. Er fasste einen waghalsigen Entschluss. Er rollte sich vom Bett, machte einen Schritt vor und zog mit einer kräftigen Bewegung James' Koffer unter dessen Bett hervor.

„Was machst du da?“, hörte er Peter verwundert fragen und antwortete ihm, während er den Koffer aufschnappen ließ: „Ich suche den Tarnumhang - ich will wissen, was hier gespielt wird!“ Das wollte Peter offensichtlich auch, denn er half Remus den Umhang zu suchen und wurde schließlich in einer Ecke fündig.

„Hab ihn!“, triumphierte er leise und entfaltete den glänzenden Stoff vorsichtig und andächtig. Auch Remus ließ sich den Umhang einmal kurz durch die Hände gleiten, bevor er darunter schlüpfte und den Stoff für Peter hochhielt.

„Wenn du noch mehr wächst, passt du bald nicht mehr drunter“, kicherte Peter und Remus lächelte ihn fröhlich an - wo er Recht hatte, hatte er Recht.

Leise schlichen die Beiden am Kamin vorbei, wo Sirius Ginny gerade davon erzählte, was er und James am Tag der ZAG-Prüfungen mit Snape angestellt hatten. Zu seiner Genugtuung sah Remus Missbilligung auf Ginnys Zügen aufblitzen und lächelte ein wenig hämisch. Dann waren sie im Flur und bogen zu einem Geheimgang ab, der sie direkt in die Eingangshalle bringen würde.

„Verdammt, ist das kalt“, klapperte Peter, als er und Remus schließlich auf dem verschneiten Hogwarts-Gelände standen. „Können wir den Dreien nicht entgegen gehen? Sonst fier ich fest, Moony.“ Remus nickte, da auch ihm lausig kalt war und die Marauder gingen, ein Auge immer auf der Karte, den drei Punkten entgegen, die sich auf dem Rückweg befanden.

„Also, ich gebe es ja nur ungern zu - aber geflogen bist du klasse, Harry. Auch, wenn mir beinahe das Herz stehen geblieben ist bei deinem Sturzflug - machst du das immer so?!“, fragte Lily und sah ihren Sohn beinahe etwas tadelnd an, James lachte.

„Na hör mal - er ist mein Sohn. Wenn er schon so aussieht wie ich, muss er jawohl auch Quidditch spielen können!“ Lily knuffte ihn liebevoll in die Seite, Harry sah jedoch alarmiert aus.

„Nicht so laut, Leute. In diesen Gängen hallt es, wer weiß, wer uns hier alles hören kann.“ Ein wenig unsicher blickte er sich um, konnte aber niemanden entdecken.

James wurde sofort still und schaute entschuldigend drein. „Klar“, sagte er nur etwas leiser. „Aber ich würde trotzdem gerne wissen, wo du diesen Sturzflug her hast!“

„Ähm“, machte Harry und grinste. „Von einem Bulgarischen Nationalspieler, ich habe den Trick bei der WM bei ihm gesehen und fand ihn extrem klasse.“

„Eine Quidditch - WM?!“, rief James begeistert und war völlig aus dem Häuschen. „Wow, das ist sicher der Hammer! Du musst mir den Trick unbedingt zeigen, Harry, ja? Machst du das?“

Harry musste beinahe lachen, wenn es ums Quidditch ging, war James nicht zu bremsen.

„Klar doch, wird gemacht“, sagte er und schlug in James' Hand ein. Damit verschwanden sie hinter der nächsten Ecke und aus der Sicht Peters und Remus'.


Die Beiden standen ziemlich starr in einer Nische, wo eigentlich eine Ritterrüstung stand, welche wohl gerade beschlossen hatte, einen Spaziergang zu machen. Doch im Moment war die Rüstung vergessen, ungläubig starrten Remus und Peter auf die Ecke, hinter der Harry, James und Lily verschwunden waren.

„Hast du… hast du das gehört, was ich auch gehört habe?“, murmelte Remus und zog sich den Tarnumhang vom Kopf, er brauchte jetzt frische Luft zum Atmen.

„Ich glaub es einfach nicht“, kam es dumpf von Peter, der sich mit einem Arm an der Wand abstützte und immer wieder den Kopf schüttelte.

„Harry ist… das kann doch gar nicht sein… wir kommt er hierher? Was macht der hier? Und wieso hat er nichts gesagt? Und diese Weasley oder wie auch immer sie heißt - kommt sie dann auch aus… na ja, der Zukunft?“

„Ich… muss das erst einmal verdauen, glaub ich.“ Träge schlurfte Peter zum Fenster und blickte auf die Weiße Landschaft. Alles sah so friedlich, unberührt aus. Und mitten unter ihnen waren zwei Menschen, die hier irgendwie gar nicht her gehörten und scheinbar aus der Zukunft kamen?
Das war doch alles sehr skurril.

„Pete, wir sollten zurück gehen“, sagte Remus nach einer Weile. „Wenn Prongs merkt, dass der Umhang fehlt, weiß er genau, was los ist. Komm schon, wir müssen uns nur überlegen, was wir jetzt machen. Fragen wir nach oder warten wir, bis sie es uns von selbst erzählen?“

Sie klaubten den Tarnumhang vom Boden auf um rollten ihn zusammen, machten sich langsamen Schrittes auf den Weg zurück zum Gryffindorturm.

„Ich denke, sie sollten es uns selbst erzählen, ich meine, offiziell wissen wir es nicht“, meinte Peter, Remus nickte.

„Nein, du hast Recht. Warten wir, was sich weiter entwickelt, würde ich sagen. Sonst können wir sie immer noch ansprechen…“.

Doch kurz vor dem Portrait hielten sie überrascht inne, als ein wütender James ihnen entgegen kam.
„Ansprechen ist gut“, sagte er laut und kam mit ernstem Gesicht auf sie zu. „Wie wäre es, wenn ihr mir erklärt, was ihr mit der Karte und dem Umhang gemacht habt?“
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser!

„Also ich höre, wie lautet eure Erklärung?“, fragte James, der auf Grund des Schweigens der anderen Rumtreiber immer wütender wurde.

„James, es ist nicht so wie es aussieht!“, versuchte Remus ihn zu beruhigen.

„Ach, es ist nicht das, wonach es aussieht, ja? Das habe ich heute schon einmal gehört, Jungs. Dann erklärt mal.“ James war während seiner Worte immer lauter geworden, andere Gryffindors, welche gerade in den Gemeinschaftsraum wollten, blieben stehen und lauschten dem Streit der Drei.

„James, wollen wir nicht lieber woanders hingehen? Hier haben wir zuviel Publikum und wenn es um das geht, was ich denke, sollten es lieber nicht zu viele hören“, versuchte nun auch Peter seinen Freund zu beruhigen.

James sah sich um, erblickte die anderen Schüler und fuhr sie an: „Habt ihr nichts besseres zu tun, als hier rum zu stehen und uns zu belauschen?“

Ein mutiger Viertklässer trat einen Schritt vor und meinte: „Wir würden ja gerne was anderes machen, aber ihr blockiert den Eingang.“

James schaute ihn erst verdutzt an, wurde dann aber wieder wütend. „Du hättest ja was sagen können, dass du vorbei willst. Du schreibst mir bis morgen 200 mal den Satz ?Anderer Leute Gespräche gehen mich nichts an und ich darf sie nicht belauschen.' Haben wir uns da verstanden?“

„Ja“, murmelte der Gryffindor, der jetzt gar nicht mehr so keck war.

„Kommt, wir gehen“, sagte er zu Remus und Peter, denen langsam gar nicht mehr Wohl in ihrer Haut war, „und ihr“, wandte er sich noch einmal an die Lauscher, „seht zu, dass ihr in den Gemeinschaftsraum kommt und eure Hausaufgaben macht.“

James schnappte sich seine Freunde und suchte mit ihnen einen leeren Klassenraum, zerrte sie rein, zückte seinen Zauberstab und murmelte „Colloportus“ und „Muffliato“ und wandte sich, immer noch mit dem Zauberstab in der Hand, zwei seiner besten Freunde zu: „Also dann erzählt mal, was ich denken soll, wenn Tarnumhang und Karte fehlen und ihr beide aus der Richtung kommen, wo Lily, Harry und ich keine zwei Minuten vorher auch herkamen?! Was soll ich eurer Meinung nach denken?“

„Ja, es stimmt, wir haben euch gesucht...“

„Aber warum spioniert ihr mir hinterher? Ich dachte eigentlich, dass wir Freunde sind!“, unterbrach James Remus barsch, als er mit seiner Erklärung begann. Während James redete fuchtelte er mit seinem Zauberstab, aus dem schon Funken sprühten, vor den Nasen seiner Freunde. Remus hob seine Hand und nahm James vorsichtig seinen Zauberstab aus der Hand und legte ihn auf einen der Tische im Klassenzimmer.

„Ja sind wir und grade weil wir Freunde sind, haben wir es gemacht. Ich weiß auch nicht Prongs, aber der Wolf in mir hat gespürt, das mit Ginny und Harry etwas nicht stimmt. Du weißt, wie stark er kurz vor Vollmond ist. Wir saßen mit Sirius und dieser Ginny im Gemeinschaftsraum. Wir haben nur versucht eine Frage zu stellen, um etwas über sie zu erfahren. Es war sogar noch was harmloses und was macht sie, sie wechselt so schnell das Thema, dass man ihr kaum folgen kann. Ich bin hoch in den Schlafsaal und wollte auf der Karte nachgucken, wo dieser Harry und Lily hin sind, weil ich mir Sorgen um Lily gemacht hab. Wer weiß, was das für ein Kerl ist. Ich wollte nur gucken ob alles in Ordnung ist. In dem Moment kam Peter in den Schlafsaal, er hat wohl gemerkt, dass mit mir was war, denn er wollte gucken, was mit mir ist. Dann haben wir auf der Karte gesehen, das hinter Ginnys Namen nicht Wright steht, wie sie ja vorgibt zu heißen, sondern Weasley. Da haben wir uns natürlich noch mehr Sorgen um Lily gemacht. Wir haben nach Harry und Lily gesucht und fanden euch drei auf dem Quiddichfeld und dann waren wir erst recht skeptisch. Weißt du, dass dieser Harry den selben Nachnamen hat wie du?“

Bei der Frage musste James kichern. Seine Wut schien sich langsam in Luft aufzulösen.

„Ja, das weiß ich, Moony“, sagte James immer noch lachend.

„Als wir den Namen sahen, suchten wir nach deinem Tarnumhang und wollten gucken, ob alles in Ordnung ist. Wir schlichen runter und ginge euch entgegen. Und da bekamen wir endgültig einen Schock! Ist es wahr, was du da gesagt hast? Ist er dein Sohn? Wie kommt er hier her und warum hat er nichts gesagt?“, all die Fragen sprudelten in atemberaubender Geschwindigkeit aus Remus' Mund.

„Oh man, Harry wird ganz schon böse werden, wenn er erfährt, dass noch mehr wissen, wer er wirklich ist“, murmelte James mehr zu sich selbst, als zu seinen Freunden und sagte etwas lauter: „Ja, Harry ist mein Sohn aus der Zukunft und Ginny ist seine Freundin, so wie es aussieht, genau hab ich noch nicht gefragt.“

„Wie der Vater so der Sohn!“, kicherte der kleinste der Rumtreiber.

„Was meinst du Wormy?“, fragte James ihn total verdattert.

„Hast du dir Lily und Ginny mal genauer angesehen? Ihr habt den selben Geschmack bei Frauen“, antwortete er immer noch mit einem frechen Grinsen im Gesicht.

Diese Aussage lies auch Remus und James schmunzeln, aber sofort wurde James wieder ernst.

„Ihr dürft auf keinen Fall ein Wort darüber sagen, dass er mein Sohn ist, niemandem, auch nicht Padfoot, so leid es mir tut.“ James sah seine Freunde fest an.

„Ich bin zwar nicht so begeistert davon, vor Pad ein Geheimnis zu haben, denn er ist unausstehlich wenn rauskommt, dass wir es ihm verheimlicht haben, aber ich verspreche, dass ich nichts sage.“ Remus sah James mit einem nicht sehr glücklichen Gesicht an.

„Ich verspreche es auch“, sagte Peter nickend.


Während dessen saßen Sirius, Lily, Ginny und Harry im Gemeinschaftsraum in den Sesseln vorm Kamin und unterhielten sich. Harry warf Sirius immer wieder wütende Blicke zu. Als er mit seinen Eltern in den Gryffindor Turm zurück gekommen war, hatte er Sirius mit SEINER Ginny flirtend vor dem Kamin gefunden.

Auch Lily fand Sirius' Verhalten komisch und eigenartig - er musste doch gesehen haben, was Ginny und Harry verband. Oder wollte er es nicht sehen? Oh, Sirius Black, dachte sie wütend, wage es nicht Harry das Herz zu brechen! Sie musste ein wenig über sich selbst schmunzeln. Noch vor zwei Tagen hatte sie Harry misstraut und ihn für zwielichtig gehalten und nun? Ja, und nun pochte ihr Herz vor Glück, Stolz und Mutterliebe, wenn sie ihn ansah. Nun sah sie auch kleine Gesten von ihm in einem anderen Licht. Das ständige sich-durch-die-Haare-streichen hatte er von James. Das er allerdings, wenn ihm die Worte fehlten, anfing mit den Fingern zu trommeln, war ein Zeichen ihrer leichten Ungeduld. Sie hatte schon die Hand ausgestreckt um ihm liebevoll einige Fusseln aus den Haaren zu pflücken, als ihr einfiel wo sie waren und sie die Hand hastig zurückzog. Harry allerdings schien ihren Blick gespürt zu haben, denn er drehte sich zu ihr um und schenkte ihr ein leichtes, zaghaftes Lächeln.

„Du benimmst dich irgendwie komisch“, argwöhnte Sirius und musterte sie aus schmalen Augen. Lily lächelte ihn unschuldig und offen an.

„Tu ich das?“ Sirius bejahrte mit einem Nicken, sie ging aber nicht darauf ein. Es hätte auch nichts genutzt, da Sirius sich schon wieder Ginny zu gewandt hatte, die allerdings jetzt nur noch Augen für Harry hatte.

Als Sirius dies schließlich bemerkte, machte sich Wut und Enttäuschung auf seinem Gesicht breit und er erhob sich ruckartig.

„Ich geh hoch - bin müde.“ Lily durchschaute seine Lüge sofort - sahen seine Augen doch kein bisschen klein und müde aus. Sie zog nur die Augenbrauen in die Höhe und versuchte Sirius' Blick einzufangen. Dieser aber wich ihr aus und ging eiligen Schrittes auf die Treppe zum Jungenschlafsaal zu.
Kaum hörte man eine Tür ins Schloss fallen seufzte Harry laut und wurde von Ginny mit einem mitleidigen Blick bedacht.

Lily sah sich rasch im Gemeinschaftsraum um, ob sie auch nicht belauscht wurden und setzte sich dann auf die Lehne von Harrys Sofa.

„Was ist los?“, erkundigte sie sich sanft bei ihrem Sohn und konnte ihm nun endlich die Fussel aus dem Haar fischen.

Harry genoss die Berührung seiner Mutter und machte dann seinem Ärger, seiner Trauer und der Enttäuschung Platz.

„Ich dachte ich verstehe mich besser mit Sirius!“ Lily runzelte die Stirn.

„Wie war es denn in der Zukunft?“, fragte sie vorsichtig, da sie in Harrys Augen die tiefe Trauer sah. Die Frage ließ sie nur noch tiefer werden.

„In der Zukunft wa- sind wir uns sehr nahe.“ Er schluckte. Hatte sie es bemerkt? Hatte er sich zu deutlich verplappert? Anscheinend nicht. Denn auf Lilys Gesicht machte sich ein tröstendes Lächeln breit.

„Du wirst sehen - das wird werden.“ Harry war sich da nicht sicher und das drückte seine Miene auch zu deutlich aus - das wusste er.

Lily betrachtete ihren Sohn traurig. Die Sache mit Sirius machte ihm mehr zu schaffen, als sie es dürfte. Wie nah waren sie sich in der Zukunft? Was war passiert, dass er sich so um Sirius bemühen wollte? Ein Schauder der bösen Vorahnung überkam sie und sie musste ein Zaudern und den Impuls unterdrücken Harry danach zu fragen.

„Ihr habt Sirius zu meinem Paten gemacht.“ Beinahe schien es, als habe er ihre Frage erraten, oder man hatte sie ihr wieder von der Stirn ablesen können. Sie lachte leise.

„Ja, das kann ich mir gut vorstellen.“ Sie schenkte ihm ein verstehendes Lächeln. „Kein Wunder, dass ihr euch so nahe seid.“

Harry kämpfte die aufkommende Panik und Verzweiflung bei Seite. Am liebsten hätte er sich jetzt an sie gedrückt und sein ganzes Wissen über die Zukunft über Bord geschmissen. Wieso musste er das auch alles wissen? Wieso konnte er nicht im Hier und Jetzt leben? Weil du der Auswählte bist, schoss es ihm unbahrherzig in den Kopf. Es schüttelte ihn am ganzen Körper, als ihm klar wurde, dass genau diese Tatsache war, die die junge Frau neben ihm, in vier Jahren umbringen würde. Und das nur weil sie ihn beschützen wollte.

Tränen stiegen in seinen Augen auf und Lily sah ihn erschrocken an.

„Harry“, murmelte sie erschrocken. „Was ist los?“ Er schluckte, schniefte und wischte sich mit der Hand über die feuchten Augen.

„Es…es ist nichts. Ich…“, er brach mit erstickter Stimme ab. Dann sah er Lily offen an. „Wir müssen, wenn James wieder da ist zu Dumbledore und zwar sofort.“ Er sah Lily an, dass sie sich sorgte und verwirrt von seinem Verhalten war. „Euch wird alles erklärt werden - aber ich kann das nicht alleine tun. Es gibt da Dinge, die weiß ich nicht.“ Lily nickte und sah Ginny entschuldigend an.

„Wäre das in Ordnung für dich?“ Ginny nickte rasch.

„Natürlich - das ist wichtiger.“ Lily schien erleichtert und lächelte Ginny zu. Dann verfielen sie in Schweigen. Harry fing irgendwann an auf seinem Oberschenkel herumzutrommeln.

Lily stand auf und tigerte im Raum auf und ab.

Sie zuckte zusammen, als James, Remus und Peter den Gemeinschaftsraum betraten.

James sah sie besorgt an und als er die Verwirrung auf ihrem Gesicht sah, warf er Harry einen fragenden Blick zu.

„Lily. Was ist denn los?“ Diese nahm nur seine Hand und blickte Harry an. Dieser verstand sofort - jetzt oder nie! Er küsste Ginny auf die Stirn und eilte zu seinen Eltern hinüber.

Fünf Minuten später standen die drei Potters vor dem Wasserspeier, der Dumbledores Büro bewachte.

„Die Schulsprecher und der Neue“, kicherte die steinerne Figur. „Was hat er denn angestellt?“

„Nichts“, erwiderte James kühl, nannte das Passwort und sah den Wächter dann abwartet an.

„Ist ja gut, ist ja gut!“ Dann gab er die Treppe frei.

„Ich mag den nicht“, maulte James, während er, Lily und Harry nach oben getragen wurden. Lily kicherte.

„Er ist ein Wasserspeier James - du wirst dich ja wohl gegen ihn durchsetzten.“ James hatte den Mund schon geöffnet, als sie die Tür erreichten und er ihn wieder zuklappte.

„Kommt herein, ihr drei.“ Harry ließ die Hand wieder sinken und fing erst gar nicht an sich zu wundern - das hatte er vor langer Zeit aufgegeben. Lily und James wechselten nur einen Blick und betraten, Harry in die Mitte nehmend, das Büro.

„Was verschafft mir die außerordentliche Ehre, die Familie Potter vereint in meinem Büro zu begrüßen?“ Nun stand James der Mund offen.

„Wie wussten Sie, dass…?“

„James - ein Albus Dumbledore weiß alles“, zwinkerte der Schulleiter James frech zu. Lily musste lächeln. Dumbledore war einfach unersetzbar und einmalig.

„Setzt euch aber erst einmal.“ Er deutete auf die Stühle, vor seinem Schreibtisch und kehrte dann hinter eben diesen zurück.

„Also? Gibt es Probleme?“ Der Schulleiter sah besorgt aus. Lily und James sahen beide zu ihrem Sohn hinüber.

„Harry?“ Dieser atme tief durch.

„Ich möchte ihnen alles erklären“, sagte er zu Dumbledore. Dieser nickte und sah ihn aufmunternd an.

„Das ist richtig und mutig von dir.“ Harry drehte sich zu seinen Eltern um und fühlte sich, mit dem Blick Dumbledores im Rücken, mutig.

„Ich komme wirklich aus der Zukunft - Sirius hatte von Anfang an Recht.“ Lily schnappte nach Luft und fasste nach James' Hand. Dieser strich beruhigend über ihre Finger und nickte Harry zu.

„Ich und Ginny kommen direkt aus dem zweiten Krieg.“ Wieder kam er nicht dazu viel zu erzählen.

„Zweiten Krieg?“, fragte James verwundert. „Heißt das, der Krieg wird enden?“ Harry spürte wie sein Herz zusammen gequetscht wurde. Nein - er konnte das nicht! Er konnte ihnen nicht erzählen, dass sie sterben würden! Wer konnte schon so was?

„Ja er wird enden“, hörte er Dumbledores Stimme in seinem Rücken und eine Woge der Dankbarkeit schlug über ihm zusammen. James jubelte auf.

„Nein, tu das nicht, James.“ Der Schulleiter schüttelte traurig den Kopf. „Es wird eine Menge Opfer geben. Auch ihr werdet euch darin wieder finden.“ James blieb sein Jubel im Hals stecken und schlang beide Arme um Lily. Harry hatte es zwar schon angedeutet, dass sie jung sterben würden, aber es jetzt noch einmal so deutlich zu hören, traf ihn wie ein Hammerschlag den Kopf eines Nagels, wenn man ihn in die Wand schlagen will.

„Was haben wir damit zu tun?“ Lilys Stimme zitterte und sie sah ängstlich zu Harry hinüber. „Wird ihm was passieren?“ Harry musste einen hysterischen Lachanfall unterdrücken, und schon wieder sorgte sie sich nur um ihn. Nicht wissend, dass es die Liebe zu ihm war, die sie töten würde.

„Nein.“ Dumbledores Stimme war so intensiv, dass Lily und James ihn bang ansahen. „Ihr werdet ihn retten.“ Nun wechselten die Schulsprecher einen stolzen und zärtlichen Blick.

„Euer Sohn wird berühmt werden.“ Nun wurde er mit einem glühenden Blick bedacht. Harry hätte es ihnen am liebsten ins Gesicht geschrieen, dass sie bald sterben würden. Aber das wurde ihm abgenommen, denn James fragte: „Wie wird er berühmt werden?“ Dumbledore schenkte ihm einen traurigen Blick.

„Als der Junge, der den Todesfluch überlebt hat.“ James starrte ihn fassungslos an. Aber Lily hatte die Traurigkeit in Dumbledores Blick gesehen und flüsterte: „Was ist mit uns?“

Nun war Dumbledores Blick unleugbar verzweifelt und das ging Harry durch Mark und Bein. „Ihr werdet bei seinem Schutz sterben.“

Stille senkte sich über den Raum. Die Zeit schien in Zeitlupe zu verstreichen. Harry sah Lilys bleiches Gesicht und den Schock in James' Augen. Und die Idee, die ihm seid seiner Ankunft im Kopf herumgespukt hatte, sprudelte nun aus ihm heraus.

„Aber nun bin ich hier! Das muss doch einen Sinn haben!“ Er sah Lily die Stirn runzeln und dann Erkenntnis in den grünen Augen aufflackern.
„Du willst die Zukunft verändern!“ Harry nickte eifrig und sah zu Dumbledore hinüber.

„Das ist doch möglich, oder?“ Der Schulleiter versank in tiefes Schweigen und dachte nach. Harry, hibbelig und zapplig wie er war, konnte kaum still sitzen. Gerade als er aufspringen wollte, spürte er, wie sich Finger um seine Hand schlossen und sah verwirrt nach unten. James hatte beruhigend seine Hand genommen. Er lächelte und sein Herz schlug nicht mehr ganz so schnell.
Schließlich erwachte Dumbledore aus seiner Starre und nickte langsam und bedächtig.

„Ja. Aber wir haben nur eine einzige Chance.“
Harry meinte, sein Herz müsste platzen vor Freunde und Erleichterung. Aber bevor er sich bewegen konnte, zog Lily ihn an sich. Auch James schloss ihn in die Arme und eine ganze Weile rührte sich keiner, doch nun verstrich die Zeit doppelt so schnell und viel zu früh bat der Schulleiter um Aufmerksamkeit.

„Wie gesagt, wir haben nur eine Chance. Als erstes müssen die Horkruxe zerstört werden.“

„Horkruxe?“ Schnell erklärte Harry den Begriff - er wollte endlich den Plan hören und dann loslegen. Diese Chance war einzigartig. Einmal verspielt würde sie nie wieder kehren.

„Das ist schrecklich“, hauchte Lily und suchte bei James Schutz. „Wie kann man nur so grausam sein?“ Das Funkeln in Dumbledores Augen schien für einen Augenblick erlöschen.

„Ich weiß es nicht, Lily.“ Lily schluckte, straffte sich dann und sah kampfbereit aus.

„Das heißt wir müssen diese Horkruxe finden, sie zerstören und dann muss…“ Sie schien bei dem letzten Gedanken zu erschaudern. „Harry Voldemort töten?“ Der Schulleiter nickte.

„Dabei ist es natürlich hilfreich, dass wir wissen, wo sich einige Seelenstücken befinden.“ Er nickte Harry zu, der Hoffnung in sich aufkeimen spürte.

„Die Anderen müssen wir suchen“, schlussfolgerte James und auch in seinen Augen stand Widerstandswille.

„Das Ende des Plans gefällt mir nicht“, schüttelte Lily den Kopf und sah ängstlich und besorgt zu Harry. „Er ganz alleine gegen Voldemort. Können wir ihm nicht helfen?“ Dumbledore schüttelte den Kopf.

„Nein. Die Prophezeiung muss erfüllt werden.“

Lily und James sahen verwirrt zwischen Harry und dem Schulleiter hin und her.
„Was für eine Prophezeiung?“, flüsterte Lily und wurde blass. Hörte das denn nie auf?

Harry straffte die Schultern, fing den Blick Dumbledores auf und nickte. Schließlich wandte er sich an seine Eltern. „Kurz vor meiner Geburt wird eine Prophezeiung gemacht werden. Jener, geboren deren, die dem Dunklen Lord drei Mal gegenüber standen, wird den Dunklen Lord besiegen. Kurz, ich gegen ihn und das alleine.“

Lily schluckte, das ganze war so ungemein trocken vorgebracht, die Bitterkeit in Harrys Stimme war nicht zu überhören gewesen. Es war klar, dass die Erfüllung dieser Prophezeiung teuer erkauft worden war.

„Kann man die nicht auch verhindern?“, fragte Lily bedrückt.

Harry hätte sich vor Dummheit am Liebsten selbst geohrfeigt - das er nicht dran gedacht hatte! Der Schulleiter nickte.

„Das ist ebenfalls eine Möglichkeit. Voldemort kann so von allen mit vereinten Kräften besiegt werden.“
Harry sah Erleichterung in Lilys Augen und war gerührt davon so geliebt zu werden.

„Und wann fangen wir an?“ James' Stimme strotze vor Tatendrang.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Vertauschte Zeiten!

„Nein, ihr könnt nicht mit, dass ist viel zu gefährlich! Was ist, wenn euch etwas passiert?“ Harry warf einen entsetzten Blick zu seinem Vater.

„Ich lass doch meinen Sohn so eine gefährliche Reise nicht alleine machen! Was wäre ich für ein Vater? Es tut mir leid Harry, aber ich werde dir helfen, ob du willst oder nicht!“, antwortete James und blickte seinem Sohn fest in die Augen.

„Aber..., aber was ist, wenn euch etwas passiert? Wenn einem von euch Beiden etwas passiert, dann..., dann werde ich vielleicht nie geboren“, stotterte Harry und warf einen Hilfe suchenden Blick zum Schulleiter.

„Harry“, sagte Lily und nahm die Hand ihres Sohnes, so dass er sich zu ihr wandte. „Du kannst nicht von uns verlangen, das wir unser Kind das alleine durchmachen lassen. Wir sind deine Eltern, bzw. wir werden es sein. In der Zukunft konnten wir dir nicht nur Seite stehen, lass es uns jetzt tun.“

Harry schluckte, nickte dann aber: „Ihr müsst mir aber etwas versprechen.“

„Was?“, fragten Lily und James wie aus einem Munde.

„OK hört zu, ich nehme euch mit. Unter einer Bedingung: dass ihr meine Anweisungen befolgt, die ich euch geben könnte, ohne sie zu hinterfragen.“

Lily und James schauten sich an. Sehr glücklich sahen sie nicht aus, aber sie nickten.

„Seid sicher, dass ihr mich richtig versteht. Ich meine, dass ihr auch solche Befehle wie "Laufen", "Verstecken" oder "geht zurück" befolgen müsst. Habe ich euer Wort?

„Aber Harry...“, versuchte James zu widersprechen.

„Nichts aber Dad. Wenn ich sage lauft weg, lauft ihr weg, wenn ich sage ihr sollt euch verstecken, versteckt ihr euch, wenn ich sage geht zurück, tut ihr auch dies und wenn ich sage bleibt stehen, bleibt ihr sofort stehen“ sagte Harry mit einer Ernsthaftigkeit im Gesicht, die James und Lily erschreckte. Aber sie sahen ein, dass ein Widerspruch zwecklos war.

„Das war noch nicht alles. Wenn ich euch sage, ihr sollt fliehen, dann tut ihr das, ohne euch noch einmal nach mir umzusehen. Auch, wenn ich euch sage, ihr sollt mich verlassen und euch selbst retten, werdet ihr das tun. Werdet ihr das alles befolgen?“, fragte Harry noch einmal.

Harry blickte Beiden nacheinander tief in die Augen. Er sah, dass es ihnen schwer fiel, aber letztendlich mussten sie einsehen, Chancenlos zu sein. Sie ergaben sich und nickten.

Hinter dem Schreibtisch, vor welchem Lily, James und Harry saßen, hörte man jetzt ein Glucksen von Dumbledore. Harry sah Dumbledore fragend an.

„Deine Worte hätten auch von mir sein können“, sagte Dumbledore und seine Lippen umspielte immer noch ein verschmitztes Lächeln, während er Harry aus glitzernden Augen anschaute.

Harry schaute beschämt zu Boden: „Es sind Ihre Worte, Sir. Sie haben sie mir gesagt, an dem Abend...“ Harry schluckte, atmete noch einmal tief durch, „an dem Abend, an dem Sie gestorben sind und wir auf der Suche nach einem der Horkruxe waren.

Überrascht stand Dumbledore von seinem Stuhl auf und sah ihn fragend an. James und Lily starrten ebenso beinahe erschrocken zu ihrem Sohn, der sich am liebsten in eine Ameise verwandelt hätte und welcher sich wünschte, dass nicht er es war, der den Anwesenden hier ihre grausame Zukunft darlegen musste.

„Harry, du meinst…“, begann Lily und blickte zwischen ihm und den Schulleiter hin und her.

Dessen Augen ruhten auf Harry, wussten ihren Schrecken gut zu verbergen. „Könntest du das… genauer erklären, Harry?“, fragte Dumbledore schließlich mit gefasster Stimme, doch Harry hörte das Zittern darin, spürte die Anspannung, die in dem Raum herrschte, beinahe körperlich.

Harry holte tief Luft, seine Nackenhaare stellten sich auf. „Sir, wir… Sie hatten mir das Jahr über einiges über Tom Riddle erzählt, wir hatten uns Erinnerungen angesehen und waren zum Schluss zu den Horkruxen gekommen. Es gab ein Medaillon, Slytherins Medaillon, verborgen in einer Höhle. Sie… hatten mich gefragt, ob ich Sie begleiten möchte.“ Harry unterbrach sich, es war unheimlich schwer, diese Worte zu sprechen. Den Leuten, die ihm außer seinen Freunden am meisten bedeuteten, musste er ihren Tod schildern - Harry hätte viel lieber über das Wetter oder anstehende Examina geredet, als gerade jetzt hier an diesem Ort über den Tod der geliebten Menschen, die noch so lebendig vor ihm standen, erklären zu müssen.

Etwas unsicher sah er den Schulleiter an. Und plötzlich saß er wieder hier, am selben Platz, nur zwanzig Jahre später. Alles war so vertraut und doch unwirklich, Vergangenheit und Gegenwart verschwammen - was war Realität?

Zukunft wurde zur Gegenwart und auch zur Vergangenheit. Was war was? Harry wusste es nicht mehr. Er vergaß vollkommen, dass noch Menschen um ihn herum waren, denen er eigentlich etwas erzählen wollte.

Ein leises „Harry?“ seitens James holte ihn aus seinen Gedanken. Er schloss kurz die Augen und versuchte, das klamme Gefühl der Starre abzuschütteln, dass ihn befallen hatte.

„Oh. Entschuldigung, ich war… in Gedanken. Wo war ich stehen geblieben?“, fragte er leicht verwirrt, noch immer konnte er nicht ganz glauben, dass das hier alles wirklich passierte. Er sah Bilder von der Höhle vor seinem Auge, von Dumbledore, der das Gift trank, die Inferi, das Dunkle Mal über Hogwarts… .

„Du wolltest mich zu der Höhle begleiten, wo wir ein Medaillon suchten“, erklärte der Schulleiter ruhig, Harry zwang sich, weiter zu atmen.

„Ja. Ich musste Ihnen all das versprechen, was ich eben von James und Lily verlangte - und wir disapparierten zu der Höhle. Schließlich erreichten wir das Becken, in welchem das Medaillon versteckt war - und Sie… Sir, Sie tranken die Flüssigkeit in diesem Becken.“

Eine erneute Pause entstand, doch Harry hatte die Augen geschlossen. Er befand sie wieder in der Höhle, fühlte beinahe den Stein unter seinen Fingern, roch den modrigen Geruch…

„Harry, sieh mich an“, sprach Dumbledore leise. Harry sah auf und als er in die Augen des alten Mannes sah, wusste er - es war noch nicht zu spät.

„Das Becken war leer, Sir. Das Medaillon war bereits von jemand anderem weg genommen worden, es war nur noch ein Falsches dort. Nur mit Mühe konnte ich mit Ihnen nach Hogsmeade zurück apparieren - und sah mit Entsetzen, dass das Dunkle Mal über Hogwarts prangte.
Danach passierte alles ziemlich schnell - bis ich mich unter Dads Tarnumhang wieder fand, in der Ecke des Astronomieturmes und mit ansehen musste, wie Sie von Draco Malfoy bedroht wurden. Ich konnte nichts tun, ich war gelähmt und unsichtbar… es tut mir leid, Sir…“

„Harry, erzähle bitte weiter. Hat der Malfoy-Junge mich getötet?“, fragte Dumbledore mit fester Stimme und ließ Harrys Blick nicht entweichen.

„Nein, Sir. Der Mann, der Sie töten wird, wird das mit Ihrem Einverständnis tun. Die Geschichte dahinter ist eine Andere und kann ich jetzt nicht erzählen - aber dieser Mann hat für Sie bei Voldemort spioniert und war ebenfalls im wieder gegründeten Orden des Phönix.“

„Wer?“, wollte Lily besorgt wissen, als ahnte sie, was nun kam.

„Severus Snape“, flüsterte Harry beinahe und wagte es nicht, zu seiner Mutter zu sehen, die kreidebleich auf ihrem Stuhl saß.

„Nicht Severus“, hörte Harry seine Mutter erstickt hervor bringen. „Er hat seine Fehler - die haben wir alle. Aber so etwas würde er nicht tun!“ Harry sah seinen Vater an. Würde dieser sich in seinem Hass gegenüber Snape nun bestätigt sehen, oder würde das Entsetzen Lilys ihn daran hindern zu triumphieren? Als er es endlich wagte, dem Ältern in die Augen zu sehen, sah er Schock, Trauer und Ungläubigkeit.

„Das traue ich ihm auch nicht zu…“ Er stockte runzelte die Stirn und sah Harry an.

„Aber sagtest du nicht, er habe auf Professor Dumbledores Befehl hin gearbeitet?“ Harry nickte, während James Lily in die Arme schloss und Lily ihr Gesicht an seiner Brust verbarg.

„Die Geschichte ist lang und kompliziert“, seufzte Harry und wusste noch während er die Worte aussprach, sie seine Mutter nicht beruhigen würden. Und dass Snape das alles nur getan hatte, weil er sie, Lily, immer geliebt hatte, konnte er in James' Gegenwart nicht aussprechen.

„Severus also…“ Hörte er da seinen Schulleiter murmeln und drehte sich überrascht zu ihm um. „Das ist hoch interessant.“ James starrte seinen Schulleiter entsetzt an.

„Interessant?“ Er schüttelte leicht den Kopf und sah dann besorgt auf Lily hinab, die sich tiefer in seinen Armen verkroch. Auch Harry spürte die Verzweiflung seiner Mutter und suchte krampfhaft ein neues Thema. Aber das wurde ihm abgenommen.

„Wir sollten uns der Aufgabe zu wenden, die wir vor uns haben“, lenkte Dumbledore von dem traurigen Thema ab und Harry sah zu seiner unendlichen Erleichterung, dass der Schock aus Lilys Augen wich und Entschlossenheit Platz machte. Nun sah sie nicht mehr ganz so blass aus.

„Umso schneller wir das hinter uns haben, umso wohler ist mir“, gab sie zu und Harry gab ihr Recht. Auf der anderen Seite wollte er den Beginn des Abenteuers so weit wie möglich in die Ferne ziehen - er wollte nicht, dass sie sich in Gefahr brachten. Um nichts auf der Welt wollte er das!
Auch James schien sich unsicher zu sein, denn er ließ Lily endgültig los und trat ans Fenster.

„Ich würde gerne Remus, Sirius und Peter das alles hier erzählen-.“ Er drehte sich zu ihnen um „- nur für den Fall, dass uns etwas passiert.“ Lily schüttelte energisch den Kopf, als wolle sie diesen Gedanken vertreiben.

„Uns wird nichts passieren.“ Ihre Stimme war so fest, so überzeugt, dass Harry ihr beinahe geglaubt hätte - aber auch nur beinahe. Hatte er doch gesehen, was dieser Zaubertrank mit dem Menschen anrichtete, der ihn trank. Der Trank!, durchfuhr es ihn auf einmal kalt. Sie hatten kein Gegenmittel! Sie wussten nicht, was sie gegen diese fürchterliche Qual unternehmen konnten!
Als er schaudernd und ängstlich von diesem Manko des Plans berichtete, war er überrascht, dass es in Lilys Augen verschlagen aufblitze.
„Irgendeinen Nutzen muss es ja haben, dass James und ich Mitglieder im Slug-Club sind.“
Harry grinste und das erste Mal, seit er selbst von diesem Club erfahren hatte, war er froh, dass es ihn gab.

„Aber wie willst du ein Gegenmittel herstellen, ohne dass du eine Probe von dem Gemisch hast? Nach Golperlots Drittem Gesetz....“ Harry stöhnte auf, während James dies sagte.

„Du bist wohl kein Ass in Zaubertränke, Harry?“, fragte Lily und zwinkerte ihrem Sohn zu, „das musst du von deinem Dad haben.“

„Ich glaub ich könnte besser sein, wenn ich meine Tränke in Ruhe brauen könnte, aber das geht leider nicht“, antwortete Harry und sein Gesicht machte einen leicht gequälten Eindruck.

„Lasst uns das Gespräch morgen fortsetzen. Es ist bereits nach Mitternacht und ihr solltet in eure Betten gehen. Lily, James, verarbeitet erst einmal das eben gehörte und morgen können wir dann weiter sehen. Ich glaube auch, das Harry das alles ziemlich mitgenommen hat und er jetzt Ruhe braucht. Schlaft gut ihr drei.“ Damit war für Dumbledore das Gespräch beendet und er setzte sich wieder hinter seinen Schreibtisch. Lily und James wandten sich zum Gehen, aber Harry blieb noch stehen.

„Wartet ihr unten? Ich wollte Professor Dumbledore noch etwas fragen“, fragte Harry seine Eltern. Sie nickten beide und ließen sich von der Treppe nach unten bringen.

„Ähm, Professor....“

„Ja, Harry mein Junge, was kann ich noch für dich tun?“, fragte Dumbledore. Er legte seine Hände zusammen und sah Harry über den Rand seiner Halbmondbrille hinweg an.

„Ich möchte, dass Sie die ganze Geschichte kennen. Ich meine, warum Snape Sie.... Sie.....“ Harry brach ab, er konnte es einfach nicht aussprechen.

„Mich tötete?“, fragte Dumbledore immer noch mit ruhiger Stimme.

„Ja! Und da wollte ich Sie fragen, kann ich Erinnerungen, die ich gesehen habe, aus meinen eigenen Gedanken ziehen, damit Sie sich diese in Ihrem Denkarium ansehen können?“ Harry blickte seinen Schulleiter, seinen Mentor und seinen Freund hoffend an. Er wollte, dass Dumbledore die ganze Geschichte erfuhr, aber er wusste genauso, dass er sie nie würde erzählen können.

„Ja Harry, es ist möglich“, riss der Schulleiter ihn plötzlich aus seinen Gedanken.

„Wie Sir, ich habe noch nie eine Erinnerung meinem Geist entnommen und bleibt die Erinnerung trotz allem noch in meinem Kopf? Oder werde ich sie dann vergessen haben?“ Harry sah den Schulleiter mit fragendem Blick an.

„Nein du wirst dich nicht dran erinnern Harry, aber wenn ich mir die Erinnerung angesehen habe, kannst du sie zurück in deinen Kopf pflanzen. Willst du sie mir trotzdem geben?“ Dumbledore sah Harry mit seinem durchdringenden Blick an und Harry fühlte sich wieder so, als würde er geröntgt werden.

„Ja, ich möchte sie Ihnen geben“, sagte Harry mit fester Stimme.

Dumbledore erkläre Harry kurz, wie er seine Erinnerung entnehmen konnte: „Du musst einfach nur vor deinem geistigen Auge die Bilder sehen. Dann setzt du deinen Zauberstab an deine Schläfe an und ziehst sie vorsichtig und langsam raus. Wenn du fertig bist, einfach einmal kurz mit dem Zauberstab fester ziehen und die Erinnerung reist ab.“

Harry tat, wie Dumbledore ihm gesagt hatte. Er schloss die Augen und erinnerte sich zurück, was er vor nicht einmal drei Tagen, genau an dieser Stelle, gesehen hatte. Dumbledore hatte unterdessen sein Denkarium aus dem Schrank geholt und Harry legte seine Erinnerung vorsichtig darin ab.

„Ich danke dir Harry und nun geh auch du schlafen.“ Der Schulleiter nickte ihm noch einmal zu und Harry ging. Vor dem Wasserspeier warteten seine Eltern noch auf ihn.

„Was hast du noch so lange bei Dumbledore gemacht?“, fragte ihn sein neugieriger Dad.

„Ihm eine meiner Erinnerungen gegeben“, antwortete Harry und ging langsam los Richtung Gryffindorturm. Dass sein Dad ihn fragte, welche Erinnerung er Dumbledore gegeben hatte und dass seine Mum James daraufhin erklärte, dass Harry diese Erinnerung nun nicht mehr habe, hörte Harry nicht.

Er ging zwischen seinen Eltern und war in seine eigenen Gedanken versunken. Sie werden leben. Ich werde eine ganz normale Kindheit haben. Kein Voldemort, der sie mir zerstören wird.
Aber was ist, wenn ihnen auf der Suche nach den Horkruxen, oder später beim Kampf gegen Voldemort etwas passiert? Dann werde ich gar nicht erst geboren. Dann gäbe es keinen Harry James Potter.
Und was ist mit meiner großen Liebe, mit Ginny? Wenn ich die Zukunft verändere, wird Ginny sich dann trotzdem in mich verlieben? Werden Hermine und Ron trotzdem meine Freunde werden? Werde ich überhaupt eine Veränderung der Zukunft bemerken, oder würden alle Erinnerungen an diese Zeit in der Vergangenheit ausgelöscht werden?
Das ist doch erst einmal alles egal, schoss es Harry durch den Kopf. Wichtig ist erst einmal, dass ich es schaffe, die Zukunft zu verändern. Aber werde ich es überhaupt schaffen? Ohne Ron? Ohne Hermine? Ich merke jetzt erst, wie sehr ich meine zwei besten Freunde vermisste, was sie mir wirklich bedeuten, jetzt wo ich sie nicht um mich habe.
Aber habe ich jetzt nicht etwas besseres? Habe ich jetzt nicht meine Eltern und Dumbledore, die mir zur Seite stehen? Und Sirius und Remus, beide werden leben. Aber ist das wirklich soviel besser als meine Freunde?
Ron, Hermine ihr fehlt mir, ich hoffe, wir sehen uns in einer glücklicheren Zukunft wieder.
Aber was soll ich mit Peter machen? Peter ist ein Verräter und wahrscheinlich wird er dies auch bleiben. Peter du feige Ratte, du wirst dafür bezahlen, dass du das Leben meiner Eltern, Sirius Leben und auch mein Leben zerstört hast. Ich werde dafür sorgen, dass bevor er die Chance hat, meine Eltern zu verraten, auffliegt, dass alle erfahren werden, dass er ein Todesser ist.
Harry fühlte, wie die Wut in ihm aufstieg. Ich muss das in den Griff bekommen, noch darf ich nichts sagen.

„Harry mein Schatz, ist alles in Ordnung? Du bist so ruhig.“
Harry schreckte auf, Lily hatte ihn an der Schulter gepackt und sah in ängstlich an.

„Ja, es ist alles ok, ich war nur in Gedanken“, antwortete Harry und blickte seiner Mum tief in die Augen.

„Freundschaft“, sagte da sein Dad neben ihm, Harry war gar nicht aufgefallen, das sie schon vor dem Bild der fetten Dame standen. Die Drei kletterten durch den Eingang. Der Turm war schon fast leer. Nur eine verlorene Person saß auf dem Sofa und schaute in die Flammen des Kamins.

„Ginny!“ Harry freute sich, dass sie noch da war. Er ging zu ihr, nahm sie in den Arm und gab ihr einen Kuss. Seine Eltern beobachteten diese Szene mit einem Lächeln im Gesicht.

„Ich muss sagen, du hast offenbar meinen Geschmack bei Frauen geerbt“, sagte James und schaute von Ginny zu Lily, die ihm für diese Bemerkung sanft auf den Oberarm schlug.

„Komm James, lass uns in Bett gehen, damit unser Sohn und Ginny ihre Ruhe haben.“

„Aber... aber...“ James Widerspruch war zwecklos. Lily zog ihn einfach zu den Treppen, gab ihm einen Gute-Nacht-Kuss und schob ihn die Treppe zu den Jungenschlafsälen rauf, bevor sie die Treppe zu den Mädchenschlafsälen empor stieg.

Harry ließ sich neben seine Freundin fallen, er war erschöpft und müde. Er stützte seinen Kopf in die Hände, presste die Fäuste auf die Augen, bis er Sterne sah. Irgendwie fühlte er sich wie in einem Gefängnis, ein Traum der zu real war, um ein Traum zu sein… .

„Wie geht es dir?“ Ginnys Stimme war so leise, dass er sie kaum gehört hatte, aber etwas in dieser Frage rührte ihn. Er sah auf und drehte den Kopf in Ginnys Richtung, blickte direkt in ihre braunen Augen, die er die letzten Tage so vermisst hatte.

Er setzte sich zurück, lehnte sich an die Rückenlehne des Sofas. „Irgendwie warte ich darauf, auf zu wachen“, murmelte er mit geschlossenen Augen.

Ginny seufzte. „Ja, das Gefühl kenne ich“, sagte sie leise und lehnte sich an ihn. Unbewusst fanden sich ihre Hände und glitten ineinander, hielten sich fest.

„Das ist alles so verworren. Wir sind in der Vergangenheit, was für alle anderen die Gegenwart ist - und unsere ja auch. Wir kommen aus der Zukunft, was unsere Vergangenheit ist - und für den Rest hier steht das alles noch in den Sternen.“

„Hey“, sagte Ginny sanft und zog sich zu ihm hoch. Sie sah ihn nun direkt an und küsste ihn vorsichtig auf die Lippen, als könne er jeden Moment zurück schrecken.

Doch sie spürte, dass er reden musste, also nahm sie wieder etwas Abstand und spielte mit seinen Fingern.

„Ich meine, vor wenigen Tagen noch dachte ich, das war's - ich war gerade dabei, Voldemort entgegen zu treten und rechnete nicht damit, das zu überleben. Ich hatte Abschied von meinem Leben genommen, war bereit gewesen, alles hinter mir zu lassen. Auch - auch dich.“ Seine Stimme klang brüchig, als er darüber sprach und Ginny spürte, wie ein feines Zittern seinen Körper durchlief.

„Harry - “

„Alles, was ich wollte war, dass du glücklich wirst, Ginny. Du solltest leben. Ich… ich hatte geglaubt, wenn ich dich auf Abstand halte, fällt es mir leichter. Ich wollte nicht, dass du zu sehr um mich trauerst, Ginny. Aber… als ich den Weg zurück zum Wald gegangen bin und den Stein in meiner Hand hatte, wollte ich in dem Augenblick nichts mehr, als dich noch einmal bei mir zu haben und dir zu sagen, wie sehr ich liebe.“

Ginnys Blick verschwamm, als ihr die Tränen in die Augen traten. Sanft wischte Harry sie mit dem Daumen fort und lächelte.

Ginny war viel zu überwältigt von seinen Worten. In Ermangelung eigener Worte, die ihr partout nicht einfallen wollten, küsste sie Harry stürmisch, legte all ihre Liebe hinein.

Ihre Augen strahlten und auch Harrys Augen blitzten warm auf, als sie sich wieder ansahen.
„Ich danke dir, Gin. Sag jetzt nichts, du weißt wofür.“

Er sah sie dankbar an und Ginny verstand, lächelte liebevoll.

„Wie… wie geht es dir?“, fragte er vorsichtig und strich ihr über den Arm. Sie hatte sich mit dem Rücken seitlich gegen seinen Oberkörper gelehnt, beide genossen einfach das Gefühl der Nähe, ganz für sich sein zu können.

„Du fehlst mir“, sagte sie leise, reckte dann den Kopf und sah ihn an. Harry schluckte, prompt überkam ihn das schlechte Gewissen. Die letzten Tage waren so voll gestopft mit Lily, James, Dumbledore und ihrer eigenen verzwickten Geschichte gewesen, dass er Ginny dabei vollkommen außen vor gelassen hatte.

„Tut mir leid“, hauchte er und küsste sie auf den Scheitel. „Es ist nur… sie…“

„Sie sind deine Eltern, ich weiß“, war Ginnys Antwort. In ihr war keinerlei Vorwurf zu hören, doch Harry fühlte sich noch schlechter, als ihm bewusst wurde, dass sie hier niemanden hatte. Er hatte James und Lily, Dumbledore und vielleicht auch ein bisschen Remus und Sirius - und Ginny?
Sie war auf ihn angewiesen und er hatte sie allein gelassen.

„Wir schaffen das, Gin. Wir schaffen das“, murmelte er eher zu sich als zu seiner Freundin.

Ginny richtete sich auf und sah ihn an. „Wer, wenn nicht du?“, sagte sie und grinste.
Doch Harry schüttelte den Kopf. „Nicht ich. Wir. Du und ich.“

„Harry?“

„Ja?“

„Ich liebe dich.“ Sie gab ihm noch einen Kuss und stand dann auf. „Tut mir leid, ich bin hundemüde. Wie auch immer das hier ausgehen mag - ich bin bei dir, Harry. Das weißt du.“

Harry stand mit ihr auf und zog sie noch einmal an sich, küsste sie sanft und wollte sie am liebsten nie wieder los lassen. „Ich weiß und dafür liebe ich dich. Sehen wir uns morgen? Ich würde dir gerne erzählen, was wir mit Dumbledore besprochen haben - aber nicht heute Nacht.“

„Sicher sehen wir uns. Schlaf gut und bis morgen. Und Harry? Mach dir nicht so viele Gedanken, ja?“

„Du auch. Träum schön.“ Er sah sich noch ein letztes Mal um, ehe er die Treppen zum Jungenschlafsaal empor stieg. Leise betrat er den Schlafraum und sah, dass das Licht hinter Sirius' Vorhängen gelöscht wurde, vernahm noch ein „Missetat begangen“ und dann war Stille.

Harry erstarrte. Hatte Sirius sie etwa mit der Karte beobacht?
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Die ganze Wahrheit

Das Erwachen am nächsten Morgen war das angenehmste, das Harry in der Vergangenheit bis jetzt erlebt hatte. Oder war die Vergangenheit jetzt seine Gegenwart? Verwirrt schüttelte er den Kopf und schlug die Vorhänge um sein Bett zurück. Er lächelte, als er sah, dass frühes Morgenlicht den Schlafsaal erhellte, aber noch alle Marauder friedlich schliefen. Selbst Lupin, den Harry als Frühaufsteher kennen gelernt hatte, lag noch in seinem Bett und hatte sich zusammengerollt.

Er ließ den Blick weiter wandern und blieb an seinem Vater hängen. Harry schmunzelte. James hatte sich so sehr in seine Decke gewühlt, dass nur noch die Spitzen seiner strubbeligen Haare herausragten.

Harry schlich auf die Tür zu und warf dabei einen Blick auf die Betten von Sirius und Peter. Peter hatte, ebenso wie er selbst, die Vorhänge geschlossen. Sirius jedoch hatte sie, genauso wie James und Remus, offen gelassen. Harry musste beinahe lachen, als ihm Sirius' leichtes Schnarchen an die Ohren drang - seinem Paten ging es ganz offensichtlich prächtig.
Er sprang rasch die Treppen hinunter, denn er hatte sowohl Ginny, als auch Lily im Gemeinschaftsraum entdeckt.

Beide lächelten, als sie ihn sahen und Harry fühlte Wärme in sich aufsteigen - wie oft hatte er sich gewünscht er könnte von seiner Mutter angelächelt werden! Nun war es endlich war geworden.

„Schläft James noch?“, erkundigte sich Lily und blickte stirnrunzelnd zu den Treppen hinüber, die Harry eben hinunter geeilt war. Harry nickte nur abwesend, während er Ginny in eine liebevolle Umarmung zog. Erst Augenblicke später realisierte er die Verwunderung, die in Lilys Stimme mit geklungen hatte.

„Ja, wieso?“ Er konnte nicht verhindern, dass er sich nervös fühlte - war sein Vater sonst ein Frühaufsteher und es war etwas nicht in Ordnung, dass er so lange schlief? Dann erinnerte er sich daran, dass James sehr friedlich ausgesehen hatte und nicht so, als würde er sich unter einem Alptraum quälen, oder vielleicht schlecht schlafen.

„Er hatte sich tief in die Decke gewühlt, als ich an ihm vorbeigegangen bin“, erzählte er Lily und sah mit Schrecken, dass sich ihre Miene verfinsterte.

„Dann ist er völlig erschöpft.“ Panik stieg in Harry auf. Sein Vater, erschöpft? War er vielleicht mit seiner Geschichte daran schuld? Würde James ihn jetzt hassen? Wie würde Lily jetzt von ihm denken? Die Ungewissheit jagte durch seinen ganzen Körper und er musste mit Mühe ein Zittern unterdrücken.

Ginny, die Harrys Veränderung bemerkte, ging auf ihn zu und nahm ihn einfach in den Arm. Nun war es mit Harrys krampfhaft aufgebauter Fassade vorbei. Er drückte Ginny an sich und weinte. Die Tränen, die er eben noch mühsam unterdrückt hatte, schossen nun in seine Augen und er zitterte am ganzen Körper. All die Anspannung der letzten Tage, die anfängliche Ablehnung seiner Mutter, die zurückhaltende Art von Remus und Sirius, der Vorwurf seines Dads, etwas mit Lily zu haben und die Angst davor, dass er versagen könnte, dass er seine Eltern nicht retten könnte, dass Sirius doch nach Askaban würde müssen. Dazu die Angst, dass er es schaffen könnte, Ron und Hermine zu verlieren, aber vor allem Ginny zu verlieren, all das brach nun aus ihm heraus. Seine Beine versagten ihm plötzlich ihren Dienst und er sackte langsam zu Boden, sich immer noch an Ginny klammernd. Zwischen seinen Schluchzern hörte man in immer wieder murmeln: „Verzeiht mir bitte, ich wollte das alles nicht“.
Lily ließ sich neben ihrem Sohn und seiner Freundin zu Boden gleiten. Ginny und sie schauten sich etwas hilflos an.

„Was hat er denn nur?“, fragte Lily und man konnte ihre Angst um ihren Sohn in der Stimme hören.

„Ich denke einfach, dass ihm das alles zuviel ist. Erst das letzte Jahr, wo er mit Hermine und meinem Bruder durchs Land gezogen ist um die Horkruxe zu zerstören, dann diese Reise hierher, dass er euch endlich kennen lernen durfte. Remus und Sirius, die wieder leben. Irgendwann versagen auch ihm die Nerven. Seit 7 Jahren, seit er wieder in der Magischen Welt ist, kämpft er. Seine ganze Schulzeit bestand bisher nur aus kämpfen und in den Ferien konnte er sich auch nicht wirklich ausruhen, da hat er weiter gekämpft“, sagte Ginny leise zu Lily.
Diese bekam es immer mehr mit der Angst zu tun und sie fühlte sich schrecklich hilflos. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, wie konnte sie ihrem Sohn helfen?

Vorsichtig hoben sie Harry hoch und schafften es irgendwie, ihn zur Couch zu bringen. Setzten ihn darauf nieder, Ginny setzte sich neben ihn und hielt ihn im Arm. Harry lehnte sich an sie, er hatte allen Widerstand aufgegeben. Seine Hände klammerten sich in seine Oberschenkel, er schluchzte und zitterte, dass es Ginny in der Seele weh tat.

„Ist ja gut, Harry“, flüsterte Ginny und küsste ihn sanft auf die Wange. „Wir schaffen das, Harry. Wir schaffen das“, murmelte sie immer wieder, strich ihm über den Rücken, bis sie merkte, dass er sich beruhigte. Das Zittern wurde weniger, der Atem ruhiger.

„Halt mich fest“, hauchte Harry und klammerte sich an sie wie ein Ertrinkender und Ginny hielt ihn fest, murmelte Worte, die nur sie verstanden und die hoffentlich dafür sorgten, dass die Panik in ihm etwas abflaute.
Harry umarmte seine Freundin fest und blickte zu Lily, welche ihn verzweifelt ansah. Er streckte die Hand nach ihr aus und sie verstand, setzte sich auf seine andere Seite und umarmte ihren Sohn ebenfalls, hoffte, ihm ein wenig von der Last abnehmen zu können.

Ein lautes Poltern riss die drei schließlich aus ihrer Umarmung und James und Sirius standen am Treppenabsatz.

Beide waren in ihrer Bewegung erstarrt, doch aus vollkommen unterschiedlichen Gründen. James, weil er verwundert zu seinem Sohn blickte, der dort hilflos aufgelöst in den Armen seiner Freundin und seiner Mutter hing. Und Sirius - der hatte sich schnell wieder gefangen und ging mit ausgreifenden Schritten auf Lily zu.

„Lily, bleib bloß weg von dem! Er und seine… Freundin… nun sagt schon, woher kommt ihr, hä? Smith und Wright, dass ich nicht lache! Also, raus mit der Sprache, wer hat euch geschickt, Voldemort persönlich?“

Kurz bevor er beim Sofa angekommen war, erwachte James aus seiner Trance. „Pad, nicht doch, das ist - “

„Prongs, diese zwei dort mögen sonst wer sein, aber sicher nicht Smith und Wright! Weißt du, was für Namen die Karte angezeigt hat? Ich wette die zwei haben einen ganz verflixten Vielsafttrank intus, diese Todesser - “

Schneller, als einer der Anwesenden reagieren konnte, war Lily aufgesprungen und hatte Sirius eine geknallt.
„Sag das noch einmal Black und du bist tot“, zischte sie gefährlich, Sirius wich ein paar Schritte zurück.

„Prongs, Lily… was geht hier vor?“, fragte er irritiert, während er ein Auge auf Harry geworfen hatte, welcher kreidebleich auf dem Sofa saß und gepresst atmete.

„Wirklich, super gemacht, Black!“, motzte sie. „Dieser Todesser ist dein zukünftiger Patensohn - und James' und mein Sohn, also pass auf, was du sagst. Die liebe Person neben ihm ist seine Freundin Ginny. Und wenn du einem von ihnen zu nahe kommst, lernst du mich kennen, Sirius Black, haben wir uns da verstanden?“

Sirius taumelte leicht und wurde blass. „Ich hatte also Recht, ihr zwei kommt aus der Zukunft“, murmelte er versunken. „Und - ich habe mit der Freundin meines Patensohnes geflirtet!“

Aller Augen flogen zu Harry und Ginny. Letzte warf einen feindseligen Blick zu Sirius und hatte Mühe, den unkontrolliert zitternden Harry auf dem Sofa zu behalten.

„Harry - Harry, es ist okay. Sieh mich an Harry, bitte - sieh mich an!“, versuchte sie, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Doch Harrys blanke Augen waren vor Hysterie weit aufgerissen, sein ganzer Körper angespannt.

Ehe Harry etwas sagen konnte, hatte Ginny sich vor ihn gestellt - und ihn einfach geküsst.
„Harry, ich bin da. Ich bin hier, siehst du? Fühlst du meine Hand, Harry? Sieh mich an, bitte“, sagte sie leise, schaffte es, seinen Blick einzufangen und hielt seine Arme in den seinen.

„Er wusste es nicht, Harry“, schaltete sich Lily ein. „Was hätte er auch anderes denken sollen?“

Eine Zeitlang war nichts zu hören außer Harrys bemüht kontrolliertem Atemholen und Ginnys leisen Worten, die mit Engelszungen auf ihren Freund einredete, bis Harrys sich soweit beruhigt hatte, dass er sich wieder auf das Sofa setzten konnte.
„Ich bin bei dir“, flüsterte Ginny noch einmal und dieses Mal erwiderte Harry ihren Händedruck, sah sie sogar kurz an und küsste sie kurz, aber liebevoll auf den Mund.

„Ginny...“ krächzte Harry und sah sie immer noch mit Angst in den Augen an. Mehr konnte er nicht sagen, seine Stimme versagte ihm.

Lily setzte sich wieder neben Harry aufs Sofa und nahm ihn in den Arm.

„Alles wird gut, mein Schatz. Wir sind alle bei dir, wir werden dir alle so gut wir können helfen. Du musst das nicht alleine durchstehen.“
Lily flüsterte zwar nur, aber Sirius hatte scheinbar sehr gute Ohren, denn er wendete sich an James und fragte leise, damit er Harry nicht wieder erschreckte: „Sag mal Prongs, wovon redet Lily da, was meint sie mit durchstehen und was macht er überhaupt hier? Ich meine selbst ich weiß, dass Zeitreisen gefährlich sind, vor allem wenn die Menschen, die man trifft das wissen und so Informationen über die Zukunft erfahren.“

„Das ist eine sehr lange Geschichte. Lass uns warten, bis Wormy und Moony wach sind und es Harry besser geht. Ich glaube, wir müssen euch die ganze Geschichte erzählen. Aber erst einmal kannst du in die Küche laufen und fragen, ob sie unser Frühstück in den Schulsprecherraum bringen können für… ähm 7...“

„8 James, vergiss Beccy nicht“, warf Lily ein.

„Ja stimmt, sorry Darling. Also für 8 Leute. Ich würde sagen so in einer halben, dreiviertel Stunde, sollten wir da sein. Wenn sie es nicht machen wollen, geh zu Dumbledore, der wird es ihnen dann sicherlich sagen, denn das, was wir zu besprechen haben, ist nicht für andere Ohren bestimmt.“ James sah seinen besten Freund bittend an, der nickte nur und sagte: „Ich mach das schon. Ich frag einfach Sally, du weißt doch, sie erfüllt mir jeden Wunsch, wenn ich dann nur 5 Minuten Zeit für sie habe.“ Sirius verschwand mit einem fetten Grinsen im Gesicht.

Kaum war Sirius verschwunden, gab es auf der Treppe schon wieder Gepolter. Andere Gryffindors, die auch über die Ferien in Hogwarts geblieben waren, aber auch Peter und Remus kamen die Treppe runter und warfen nicht als einzige neugierige Blicke auf Harry, welcher wieder zu zittern anfing.

„Remus, Peter, würdet ihr hier auf Sirius warten? Er ist kurz runter in die Küche, er erklärt euch dann alles. James, Ginny, Harry und ich gehen schon einmal vor. Es ist hier zu voll“, sagte Lily, welche immer wieder ängstliche Blicke zu Harry warf.

„Klar, wir warten“, antwortete Remus und zog den kleinsten der Marauder mit auf eine Couch vor dem Kamin.

Lily erhob sich genau wie Ginny und gemeinsam halfen sie Harry aufzustehen. James ging schon vor zum Portraitloch und half Harry und den Mädels durch den Eingang. Ginny hatte diesmal nichts auszusetzen an der Hilfe, wie sie es einst hatte. Ihre Gedanken waren auch ganz wo anders. Die Vier machten sich auf den Weg zum Raum der Schulsprecher.
„Diantuskraut“, sagte James und das Portrait von 4 Mönchen die Karten spielten glitt zur Seite und gab den Eingang frei. James und Lily gingen vor, doch als Ginny ihnen folgen wollte, hielt Harry sie fest.

„Ginny, bitte warte einen Augenblick“, sagte Harry und man merkte, dass noch lange nicht wieder alles in Ordnung war. Seine Stimme zitterte immer noch etwas.

„Was gibt es denn, Harry? Hey...“ rief Ginny erschrocken, denn Harry zerrte sie weg von dem Eingang zum Schulsprecherzimmer.

„Ich soll gleich Sirius, Remus und Peter alles erzählen? Hab ich das richtig verstanden? Aber wie soll ich meinem Dad sagen, dass einer seiner besten Freunde ihn an Voldemort verraten hat, dass Voldemort ihn und Lily deshalb töten konnte. Dass Sirius wegen ihm 12 Jahre unschuldig in Askaban saß? Wie soll ich ihnen sagen, dass Peter ein Verräter ist?“ Ginny spürte die Angst, die in Harrys Worten mitklang.
Nach einem kurzen Augenblick sagte sie: „Vielleicht... hmm.... vielleicht kannst du ja auch dahin gehend die Zukunft verändern. Ich meine, vielleicht schaffst du es, dass Peter nie ein Todesser wird. Vielleicht lernen sie ja aus der Geschichte. Aber du kannst es ihnen nicht verschweigen. Du musst es ihnen erzählen. Ich meine, wenn alles so klappt wie du es möchtest, wird Voldemort bereits endgültig besiegt sein, wenn wir in die Zukunft zurück gehen.“

Harry seufzte: “Du hast ja recht Ginny. Danke, danke dass du es immer wieder schaffst mich runter zu holen. Ich liebe dich!“

Harry nahm Ginnys Hand und drückte sie sanft, dann gingen sie gemeinsam zurück zum Zimmer der Schulsprecher.

„Diantuskraut“, sagte Ginny und das Portrait ging wieder auf, aber die Mönche schienen nicht so glücklich zu sein, dass sie schon wieder unterbrochen wurden, denn sie fluchten, wie es sich für Menschen wie sie eigentlich nicht gehörte.

Sie betraten einen überraschend großen Raum, der von Sonnenlicht erhellt wurde, welches durch zwei großen Fenster flutete. Vor den Fensterbänken standen zwei Schreibtische, Ginny musste grinsen, als ihr Blick darauf fiel. Es war genau zu erkennen, wem welcher Platz gehörte: James' Tisch war mit Pergamenten und anderen Utensilien übersäht, während Lilys Tisch akkurat aufgeräumt war und alles an seinem Platz lag.
An der linken Wand standen einige Regale mit Büchern und Pergamentrollen, auf der gegenüberliegenden Seite war in die Wand ein großer, gemütlicher Kamin eingelassen, in dem ein fröhliches Feuer vor sich hin prasselte.
Etwa in der Mitte des Raumes befand sich eine Sitzgruppe, bestehend aus zwei roten Sofas und vier ebenso roten Sesseln, die um einen niedrigen Tisch herum standen.
Lily und James saßen bereits in einem der zwei Sofas und Ginny und Harry setzten sich ihnen gegenüber auf das zweite Sofa.

Schweigend warteten die Vier auf die fehlenden drei Rumtreiber und Beccy. Hin und wieder warf Lily einen besorgten Blick zu ihrem Sohn. Sein Zusammenbruch vom Morgen machte ihr immer noch Angst und sie fragte sich, ob es richtig war, dieses Gespräch jetzt zu führen. Aber sie musste zugeben, dass Harry schon besser aussah. Er bekam langsam wieder Farbe im Gesicht und von Zeit zu Zeit stahl sich auch ein leichtes Lächeln auf sein Gesicht. Dann ging das Portraitloch auf und die vier Fehlenden traten ein.

„Frühstück kommt gleich. Sally wollte mir diesen kleinen Gefallen nicht tun. Ich musste den Umweg über Dumbledore machen. Er meinte, er würde sich um das Frühstück kümmern und würde dem Gespräch dann gerne beiwohnen.“ Sirius verzog das Gesicht, man merkte, dass er nicht sehr begeistert war, dass sein Schulleiter dabei war. Er blickte von Lily zu James und von ihnen zu Ginny und Harry während er sprach. Als er sagte, dass Dumbledore auch gleich käme, lächelte Harry richtig und entspannte sich noch mehr.

Remus, Peter, Beccy und Sirius setzten sich, doch als Sirius den Mund öffnen wollte, schüttelte James kaum merklich den Kopf und flüsterte: „Lass uns erst frühstücken. Harry wird die Kraft brauchen.“

James hatte gerade sein letztes Wort gesagt, als es auch schon an der Tür klopfte.

„Herein“, sagte Lily und hoffte, dass es Dumbledore und nicht irgendein Schüler war, der ein Problem hatte. Sie wurde nicht enttäuscht. Im Eingang stand der Schulleiter und schaute ernst, aber auch mit einem Lächeln in die Runde. Sein Blick blieb nur etwas länger an Harry als an den anderen hängen. Harry bemerkte dies und fühlte sich unwohl. Nun war er schon in einer anderen Zeit, wo er nicht berühmt war und trotzdem musterten ihn alle mehr als die anderen. Er seufzte. Sofort hatte sich Ginnys Hand wieder in die seine geschoben und Lily und James warfen ihm besorgte Blicke zu.

„Mir geht's gut“, versuchte er ihnen zu versichern und fügte noch hinzu: „Das einzige, was habe, ist tierischen Hunger.“

„Ah, das ist glaube ich mein Stichwort.“ Dumbledore klatschte einmal in die Hände und zwei Hauselfen erschienen. Sie baten die Anwesenden aufzustehen und ließen dann mit einem Schnippen die gemütlichen Sessel und Sofas verschwinden und einen Tisch mit 9 Stühlen erscheinen, auf dem ein reichhaltiges Frühstück stand.

„Danke Sally und Crossy, ich rufe euch dann, wenn wir noch etwas benötigen“ sagte Dumbledore an die Hauselfen gewandt und lächelte. Die Beiden angesprochenen verbeugten sich tief und waren mit einem leisen Plopp auch schon wieder verschwunden.

Das Frühstück verlief schweigend, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Als auch James und Sirius mit essen fertig waren, klatschte Dumbledore wieder in die Hände und Crossy und Sally erschienen erneut. Die Neun standen von den Stühlen auf und mit einem nun bekannten Schnippen der Beiden verschwand der Tisch und die Stühle und die Einrichtung sah wieder so aus wie vorher. Auf dem Tisch ließen die Hauselfen noch ein paar Getränke erscheinen und entfernten sich wieder mit einem Plopp.

Die Marauder, Lily und Beccy sahen abwechselnd zu Harry und Dumbledore. Harry spürte die Blicke auf sich und begann wieder leicht zu zittern. Er warf Dumbledore einen Hilfe suchenden Blick zu.

„Ich... ich kann.... ich kann ihnen doch nicht alles erzählen“, flüsterte Harry stotternd, aber alle verstanden, was er sagte, denn es war Mucksmäuschen still in dem Raum.

„Harry mein Sohn, wir wollen dir helfen. Alle. Alle, die wir hier sitzen, aber dafür musst du alles erzählen, denn wie sollen wir dir sonst helfen?“, fragte James in einem sanften Ton.

„Aber... aber ich kann euch doch nicht erzählen, wie ihr sterbt.“ Man merkte, dass Harry das Sprechen schwer fiel. „Wie soll ich euch das alles erzählen?“ Diesmal galt sein Hilfe suchender Blick Ginny.

„Harry du schaffst das, ich bin bei dir und kann dir helfen.“ Harry lächelte Ginny nach ihren Worten zögernd an.

Er atmete noch einmal tief durch und begann:

„Es fällt mir nicht leicht, dies alles zu erzählen. Lily und James wissen ja schon, was mit ihnen in der Zukunft passiert, zumindest ein Stückchen. Es wird in ein paar Jahren eine Prophezeiung über mich gemacht. Am Anfang ist nicht sicher, ob sie über mich oder über meinen Freund Neville Longbottom gemacht wird. Erst nach dem Voldemort versucht mich zu töten ist sicher, dass ich es bin über den sie gemacht wurde. Die Prophezeiung besagt, dass ich Voldemort töten werde, dass nur ich es kann. Er hat mich als sich ebenbürtig gekennzeichnet.“ Harry schob seine Haare von der Stirn und zeigte seine Narbe. „Professor Dumbledore gegenüber wird diese Weissagung gemacht und er warnt Lily und James. Ihr versteckt euch und er rät euch, den Fidelius Zauber über euer Haus zu sprechen.“

„Fidelius Zauber?“ unterbrach Beccy Harrys Erzählungen.

Dumbledore räusperte sich: „Das ist ein Zauber, der es jedem unmöglich macht das Haus zu sehen, der nicht vom Geheimniswahrer eingeweiht wird. Der Geheimniswahrer muss einem erst sagen, wo das Haus steht und dann wird es wieder sichtbar für die Person.“

„Dumbledore selbst bot sich als Geheimniswahrer an“, Harry fuhr mit seiner Erzählung fort, als wäre er nie unterbrochen worden, „aber du James wolltest Sirius.“ James warf einen wütenden Blick zu Sirius. Er merkte gar nicht, dass er automatisch in die Vergangeheit wechselte. Denn war seine Vergangenheit... auch, wenn es für die hier Anwesenden noch nicht passiert war und hoffentlich auch nie passieren würde.

„Hey Mann ich würde eher sterben, als dich an Voldemort zu verraten!“ Sirius war ganz aufgebracht. Würde er doch der Schwarzmagier werden, von dem alle dachten er sei in ihm, weil er ein Black war?

„Nein, Sirius hat euch nicht verraten. Es war... es war... Ich kann nicht.“ Harry warf einen Hilfe suchenden Blick zu Ginny, die für Harry weitererzählte: „Sirius hat vorgeschlagen jemand anderes zu nehmen, da Voldemort denken würde er wäre der Geheimniswahrer. Er schlug“, Ginny schluckte, „Peter vor.“

Entsetzen war auf den Gesichtern aller zu sehen. Aber das größte Entsetzen spiegelte sich auf Peters Gesicht wieder.

„Nein... Nein... ich... ich würde nie....“, stotterte er und schaute ängstlich von Einem zum Anderen. Man merkte, dass James am Liebsten auf Peter los gegangen wäre, er aber von Lily beruhigt wurde, die nun seine Hand hielt wie Ginny es bei Harry tat. Sirius und Remus waren zu geschockt um irgendetwas sagen oder machen zu können. Einen Moment herrschte Stille in dem Schulsprecherraum.

„Ich weiß nicht, warum er es getan hat, aber ich habe eine Vermutung, ich habe versucht mir zu erklären, warum ein Freund so etwas tut“, er wandte sich jetzt direkt an Peter, „Fühlst du dich manchmal schlecht behandelt von den anderen Dreien oder vernachlässigt? Bedrückt dich irgendetwas?“

„Ja... ja, manchmal“, antwortete Peter zögerlich.

„Warum sagst du nichts, Wormy?“, fragte Remus.

„Ich bin stolz darauf, dass die Beiden coolsten Jungs der Schule mit mir befreundet sind. Ihr Drei seid alle so schlau, gehört zu den Besten des Jahrganges und ich? Ich schaffe es immer nur mit Ach und Krach. Ohne die Hilfe von Sirius und James hätte ich es nie geschafft ein Animagus zu werden.“

„Animagus?“, unterbrach ihn die überraschte Stimme von Dumbledore.

„Ja, Sir“, gab James kleinlaut zu. „Sirius, Peter und ich sind Animagi. Als wir heraus fanden, was Remus ist wollten wir ihm irgendwie helfen. Wir haben alles über Werwölfe gelesen, was wir in die Hände bekommen konnten. Ich glaube, soviel wie damals waren Sirius und ich in der restlichen Schulzeit nicht in der Bibliothek. Irgendwann entdeckten wir, dass Werwölfe Tieren nichts tun und so beschlossen wir Animagi zu werden. Es hat zwar fast zwei Jahre gebraucht, aber wir haben es geschafft und begleiten Remus seit dem an den Vollmondnächten.“

„Beeindruckend, Sie haben das ganz alleine geschafft? Ohne Hilfe? Ich bin beeindruckt meine Herren. Ich werde Ihr Geheimnis für mich behalten, aber eines sei Ihnen gesagt, Sie sollten sich, wenn Sie mit der Schule fertig sind, registrieren lassen. Besonders, wenn Ihre Berufswünsche noch die selben sind wie vor zwei Jahren Mr. Black und Mr. Potter.“

Die drei Animagi nickten nur.

„Jedenfalls kam bzw. kommt Voldemort am 31.10.81 in unser Haus“, Harry sprach jetzt mehr mechanisch, so als wäre es nicht seine Geschichte, die er da erzählte, „James trat ihm entgegen und sagte Lily, sie solle sich mich schnappen und verschwinden. Voldemort hatte nur gelacht und ihn im Eingangsbereich mit dem ?Avada Kedavra' getötet. Lily war inzwischen in mein Kinderzimmer gelaufen. Voldemort kam hinterher. Ich lag in meinem Bett und Lily stand davor. Voldemort sagte, dass Lily nicht sterben müsse, wenn sie nur zur Seite gehen würde, aber sie hat gefleht nicht mich umzubringen sondern sie zu nehmen. Er hat wieder nur gelacht und auch sie mit dem ?Avada Kedavra' getötet. Dann kam er auf mich zu, richtete den Zauberstab auf mich und der dritte grüne Blitz schoss aus ihm hervor.“

Lily schluchzte leise auf und James nahm sie liebevoll in den Arm. Er war genau wie die anderen in Raum geschockt. Auch von Beccy hörte man ein leises Weinen, hier war es aber nicht James, der sie tröstete, sondern Remus, der sie liebevoll in den Arm nahm.

„Der Fluch traf mich, aber er tötete mich nicht, sondern prallte einfach von mir ab und schoss auf Voldemort zurück. Er fiel in sich zusammen und war dann verschwunden. Hagrid kam und holte mich auf Sirius' fliegendem Motorrad ab und brachte mich zu Dumbledore, der vor Tante Petunias Haus wartete. Als Sirius erfuhr, was Peter getan hatte, jagte er ihm nach, aber Peter konnte fliehen. Er schnitt sich einen Finger ab, ließ die Straße explodieren und riss eine Menge Muggel mit in den Tod. Sirius stand nur da und lachte, er wurde dann ohne Verhandlung nach Askaban gebracht. Alle dachten, er hätte euch verraten und hätte die Muggel getötet.“
Harry brach ab und verbarg sein Gesicht in seinen Händen. Ginny nahm ihn in den Arm und versuchte ihn zu beruhigen, was aber nicht so einfach war. James stand auf und ging auf seinen Sohn zu. Er zog sachte seine Hände von den Augen und zwang ihn, ihm in den Augen zu sehen.

„Harry, das ist schrecklich, was du da erzählt hast, aber bedenke, wir werden das alles ändern. Wir werden das schaffen und du wirst das nie wieder erleben müssen. Du wirst eine ganz normale Kindheit haben. Lily und ich werden leben, Sirius wird nie nach Askaban kommen und Peter wird uns nie verraten. Dafür sorgen wir.“ Langsam beruhigte Harry sich.

„Geht's wieder?“, fragte Lily und sah ihren Sohn besorgt an. Harry nickte nur.

„Ich hab dann bis zu meinem elften Lebensjahr unter der Treppe in einer kleinen Kammer gewohnt.....“

„Was? Ich bringe diese Frau um. Wie kann sie es wagen, meinen Sohn so zu behandeln?“, brauste Lily auf.

„Es war schon ok. Ich hab es überlebt und ich denke, dass sie und Onkel Vernon der Grund sind, warum ich das alles überhaupt überstanden habe. Alle haben mich behandelt, als wäre ich was Besonderes, aber die Beiden haben eher das Gegenteil gemacht. Und ich habe eine Familie. Ginnys Eltern behandeln mich, als wäre ich ihr Kind. Ich habe den Großteil meiner Ferien immer im Fuchsbau verbracht. Ron, Ginnys Bruder ist mein bester Freund und Mr. und Mrs. Weasley waren immer für mich da, wenn ich sie brauchte. An meinem elften Geburtstag waren wir auf eine kleine Insel mit einem Einsturz gefährdetem Haus geflohen vor den Briefen von Hogwarts, jeden Tag wurden es mehr, bis es so viele waren, dass man sich kaum noch bewegen konnte. Nach dem ersten Brief wurde Dudley meinem Cousin eins seiner Zimmer weggenommen und ich bin dort eingezogen, da auf dem Brief sogar mein Zimmer unter der Treppe stand, bekamen die Beiden Angst. Jedenfalls auf dieser Insel kam dann Punkt Mitternacht Hagrid und sorgte dafür, dass ich meinen Brief bekam. Wir sind dann am nächsten Tag in die Winkelgasse und haben meine Sachen gekauft. Das war der schönste Geburtstag, den ich bis dahin hatte, denn Onkel Vernon und Tante Petunia haben ihn immer gekonnt ignoriert.“

Lily schnaubte, blieb diesmal aber ruhig und Harry konnte fortfahren mit seiner Geschichte.

„Im ersten Jahr bin ich Voldemort wieder begegnet. Er hatte von einem Lehrer Besitz ergriffen und wollte so an den Stein der Weisen rankommen, welchen Professor Dumbledore vor dem Schuljahr nach Hogwarts geholt hatte. Ich konnte es verhindern. Ich hab die ganzen Prüfungen, die zum Schutz für den Stein bestanden, mit meinen Freunden Hermine und Ron gelöst.Ohne sie hätte ich es nicht geschafft, denn ihr müsst wissen, Hermine ist die klügste Hexe, Sirius und Remus meinen sogar, sie wäre klüger als du Mum.“ Harry blickte sie mit einem Grinsen im Gesicht an. „Na ja und Ron...“

„Ron ist ein Tollpatsch, aber ein lieber und einer der genialsten Schachspieler, die ich kenne“, unterbrach Ginny ihn.

„Ja, das stimmt. Aber vor allem ist er ein wahrer Freund“, lachte Harry und gab Ginny einen Kuss auf die Nasenspitze.

„Dann kam mein zweites Schuljahr. Es begann schon nicht gut. Ein Hauself wollte verhindern, dass ich zurück nach Hogwarts ging. Er meinte,es wäre zu gefährlich. Er fing die Briefe meiner Freunde ab, um mich glauben zu lassen, ich hätte mir alles nur eingebildet. Dann hat er im Haus gezaubert und ich wurde verwarnt wegen Zauberei Minderjähriger. Onkel Vernon vergitterte mein Fenster, dass ich meine Eule nicht raus lassen konnte, um meinen Freunden zu schreiben. Aber wieder kam Ron mir zu Hilfe. Er kam mit seinen Zwillingsbrüdern.“

Ginny schniefte bei den Worten, denn ihre Gedanken flogen in die Zukunft zu einem toten Fred. Harry merkte es und drückte ihre Hand und flüsterte: „Denk dran, auch das werden wir ändern. Fred wird leben.“
Ginny beruhigte sich langsam wieder und Harry fuhr fort mit seiner Erzählung: „Die drei kamen mit dem fliegenden Auto ihres Vater und halfen mir raus. Den Rest der Ferien verbrachte ich dann im Fuchsbau und es war so schön. Endlich war ich mal nur von Menschen umgeben, die mich mochten, die mich liebten. Es war ganz neu für mich und genoss diese Ferien. Als wir dann zur Schule wollten, kamen Ron und ich nicht durch die Absperrung von King's Cross, der Hauself, Dobby ist übrigens sein Name, hatte es verhindert. Ron und ich wussten nicht, was wir machen sollten. Auf die Idee, meine Eule nach Hogwarts zu schicken, kamen wir gar nicht. Also haben wir das Auto von Mr. Weasley genommen und sind damit zur Schule geflogen. Das Schuljahr war eines der Schlimmsten. Die Kammer des Schreckens wurde geöffnet.“

„Was, wie, wer?“, fragte Dumbledore und man sah, dass er es nicht glauben konnte.

„Durch mich“, flüsterte Ginny leise, „Ich war Schuld, ich habe die Kammer geöffnet.“

„Nein Ginny, du kannst nichts dafür, Voldemort hatte Besitz von Ginny ergriffen und sie benutzt. Alle in der Schule dachten aber, dass ich es war, weil ich Parsel spreche.“

„Du sprichst Parsel?“, fragte Lily verdutzt.

„Ja, Professor Dumbledore erklärte mir, dass als Voldemort versuchte mich zu töten, er mir einige seiner Kräfte übertragen hat. Während des Schuljahres, wurden verschiedene Schüler durch den Basiliken, der eigentlich in der Kamme wohnte und nun frei gelassen worden war, versteinert. Auch Hermine hatte dieses Schicksal getroffen, aber bevor sie versteinert wurde, hatte sie heraus gefunden, wer in der Kammer haust und wie es sich durchs Schloss bewegt, denn ich habe während des gesamten Schuljahres in den Wänden immer wieder eine Stimme gehört. Ginny wurde zum Ende des Schuljahres in die Kammer verschleppt. Ron und ich sind schließlich mit unserem damaligen Lehrer für Verteidigung in die Kammer gestiegen. Professor Lockhard hatte in der Kammer versucht unsere Gedächtnisse zu löschen, denn wir fanden heraus, dass all seine Geschichten und Heldentaten nur erfunden waren. Das einzige, was er nach eigenen Worten wirklich könne, wären Gedächtniszauber. In der Kammer konnte er sich Rons Zauberstab schnappen und versuchte es, aber da der Stab entzwei war und nur notdürftig geflickt wurde, ging der Zauber nach hinten los und traf ihn selbst. Bei dem Versuch gab es auch eine kleine Explosion, die viele Steine der Decke runter kommen ließen. Ich wurde von Ron getrennt, ging aber weiter, denn immer noch war Ginny in Gefahr. Ich fand sie dann in der Kammer.
Tom Riddle, Voldemorts 16 jähriges Selbst, eine wieder belebte Erinnerung, war auch da. Er ließ den Basilisken auf mich los und plötzlich kam Fawks und gab mir den Sprechenden Hut, aus welchem ich dann das Schwert von Gryffindor ziehen konnte. Ich schaffte es irgendwie, den Basilisken zu töten, dabei blieb einer seiner Giftzähne in meinem Arm stecken. Ich konnte ihn rausziehen und stach ihn in das Tagebuch, mit dessen Hilfe er Besitz von Ginny ergriffen hatte, so habe ich das Buch zerstört. Ginny wachte langsam wieder auf, aber ich dachte ich sterbe an den Folgen des Basiliskengiftes. Da kam Fawks wieder und heilte mich mit seinen Tränen. Voldemort verschwand und ich und Ginny konnten mit Ron und Lockhard heil aus der Kammer kommen. Das“, Harry seufzte, „war mein zweites Schuljahr.“

Alle sahen ihn sprachlos an, keiner wusste, was er darauf sagen sollte. Lily und James wussten nicht, ob sie ihren Sohn bedauern sollten, dass er schon in so jungen Jahren so viel mitgemacht hatte, oder ob sie ihn bewundern sollte, dass er das alles geschafft hat und trotzdem ein normaler junger Mann ist.

„Mein drittes Schuljahr war das schönste, auch wenn die Dementoren mir das Leben zur Hölle gemacht haben. Remus kam an die Schule und unterrichtete Verteidigung und er war der beste Lehrer, denn ich in all den Jahren hatte.“ Remus war rot geworden, bei Harry Worten und Beccy warf ihm einen lächelnden Blick zu.

„Außerdem lernte ich in diesem Jahr Sirius kennen. Er floh aus Askaban, da er auf einem Foto Peter gesehen hatte und Peter ganz in meiner Nähe war. Ich muss sagen, als ich Sirius das erste Mal sah, hat er mir ziemliche Angst gemacht, dieser bärenartige schwarze Hund, der mich durchdringend angesehen hat. Am Ende des Schuljahres trafen Remus und Sirius auf Peter. Sirius hatte Ron in die Heulende Hütte verschleppt, da er Krätze alias Peter bei sich hatte. Hermine und ich sind ihnen hinterher. Kurze Zeit später erschien auch Remus. Peter hat die Begegnung mit seinen alten Freunden überlebt. Sie wollten ihn eigentlich töten, um euch beide zu rächen, aber ich habe gesagt, dass du, Dad, sicherlich nicht gewollt hättest, dass deine Freunde zu Mördern würden“, auf die Worte nickte James, „eigentlich wollten wir ihn ausliefern, aber Remus hatte seinen Wolfsbanntrank nicht genommen.“

„Wolfsbanntrank?“, unterbrach Remus ihn und guckte wissbegierig zu Harry.

„Ja, es wird in den nächsten Jahren ein Trank entwickelt, der dich an Vollmond zu einem Schoßwölfchen macht“, sagte Harry schmunzelnd.

Alle im Raum fingen zu lachen an.

„Also, Remus hatte seinen Trank nicht genommen und in dem Tumult konnte Peter fliehen. Da wir jetzt nichts mehr beweisen konnten und man Hermine, Ron und mir nicht glaubte, sollte Sirius den Kuss von einem Dementor bekommen. Hermine und ich konnten das aber mit einer kleinen Zeitreise verhindern. Zwar musstest du fliehen, aber ich war trotzdem glücklich.“ Ein erinnerungsseliges Lächeln stahl sich in Harrys Gesicht.

„Du warst schon einmal in der Vergangenheit?“ fragten Dumbledore, Sirius und Beccy wie aus einem Munde.

„Ja aber nur drei Stunden zurück. Wir haben nur Seidenschnabel, einen Hippogreif und Sirius gerettet“, antwortete Harry, als wäre es nichts besonderes.

„Nur?“, fragte Sirius erstaunt, „ist ja schön und gut, dass du die Bescheidenheit von Lily geerbt hast, aber du darfst dein Licht auch nicht unter den Scheffel stellen.“

Harry zuckte nur mit den Achseln.

„Soll ich weiter erzählen?“, fragte er und man merkte, dass ihm das Lob nicht so ganz behagte.

Kollektives Nicken war Harry Antwort genug und so fuhr er fort: „In den Ferien zwischen dem dritten und dem vierten Schuljahr gab es in England eine Quddichweltmeisterschaft. Rons Dad hatte Karten für das Endspiel bekommen und ich durfte mit. Das Spiel war einfach klasse. Aber nach dem Spiel überfielen Todesser den Zeltplatz und steckten alles in Brand. Einer der Todesser hat das dunkle Mal aufsteigen lassen.
Irgendwie sind wir da alle heil raus gekommen.
Dann begann das vierte Schuljahr und Dumbledore und die Abteilung für Spiele und Sportarten hatte es geschafft, das Trimagische Turnier nach ca. 200 Jahren wieder aufleben zu lassen. Es fand in Hogwarts statt. Alastor Moody sollte in dem Jahr Lehrer für Verteidigung sein, wurde aber vorher entführt. Ein Todesser hatte das Jahr über Vielsafttrank getrunken und sich so als Moody ausgegeben. Er warf menien Namen in den Feuerkelch, welcher die Auswahl der Kandidaten vornehmen sollte und ich wurde ausgewählt. So musste ich am Turnier teilnehmen.
Mit Hilfe von dem falschen Moody und meinen Freunden habe ich es irgendwie geschafft zu überleben und sogar zu gewinnen. Zusammen mit... mit...“ Harry warf einen Hilfe suchenden Blick zu Ginny, die ihn verstand und weitererzählte: „Er gewann das Turnier zusammen mit dem anderen Hogwartsteilnehmer, Cedric Diggory. Aber der Pokal, welchen sie im Irrgarten suchen mussten, war ein Portschlüssel. Die Beiden landeten in Little Hangleton und dort waren Voldemort oder was von ihm übrig war und... und Peter.“ Nun musste auch Ginny schlucken, als sie den entsetzten Blick von Peter und den anderen sah. „Peter hat auf Voldemorts Befehl hin Cedric getötet.“

„Nein, das habe ich nicht getan oder werde ich nicht tun! Nein ich bin kein Mörder!“ Peter schluchzte auf und verbarg sein Gesicht in den Händen. Er konnte es nicht glauben. Ich bin ein Mörder, ich bin ein Mörder, dachte er immer wieder. Er sprang auf und wollte aus dem Raum rennen, aber Harry war schneller.

„Peter, warte. Geh nicht. All das muss nicht passieren. Du kannst das verhindern. Du musst kein Todesser werden. Denk dran, du hast Freunde und wenn du ihnen erzählst, wenn dich was bedrückt oder wenn sie sich mal wieder lustig über dich machen, dann sag ihnen, dass es dich stört. Ich bin mir sicher, dass sie ihr Verhalten ändern werden“, sagte Harry eindringlich und sah Peter ernst an.

„Danke Harry, warum tust du das? Ich bin Schuld, oder werde Schuld sein - man ist das alles kompliziert - wegen mir wirst du keine schöne Kindheit haben.“ Peter sah Harry fassungslos an. Wie konnte jemand, dem er soviel Leid zufügen würde, noch so nett zu ihm sein.

„Ich weiß, dass du nicht alleine Schuld bist an dem was passiert ist. Voldemort hat dir das versprochen, was du von deinen Freunden erwartet hast. Anerkennung!“, antwortete Harry und blickte traurig von Peter zu Remus, Sirius und seinem Dad. Harry zog Peter mit sich und schubste ihn sanft in seinen Sessel zwischen Sirius und Remus zurück, dann setzte er sich wieder neben Ginny auf das Sofa, atmete noch einmal tief durch und erzählte weiter: „Peter fesselte mich an den Grabstein von Voldemorts Dad und führte ein Ritual durch, durch welches Voldemort zurück kehrte.“ Harry hielt die Erzählung, was genau auf dem Friedhof so kurz es ging, um Peter nicht wieder aufzuregen. Er wollte nicht, dass er sich noch schlechter fühlte, als er es jetzt sowieso schon tat. „Voldemort zwang mich zu einem Duell“, fuhr Harry fort, „unsere Zauberstäbe haben sich während des Duells verbunden und Mum und Dad kamen als so eine Art Geist wieder. Ihr habt dafür gesorgt, dass ich vom Friedhof fliehen konnte. Voldemort war wieder da, aber keiner wollte mir glauben und unsere einzige Chance auf Klärung ließ Cornelius Fudge mit dem Kuss des Dementors verschwinden. Er wollte nicht glauben, dass Voldemort zurück war. Keiner wollte mir glauben. Außer meinen Freunden und Ihnen, Professor.“

„Warum sollte ich dir auch nicht glauben schenken?“, antwortete Dumbledore und röntgte Harry mit seinem Blick. Harry wusste nicht, was er darauf antworten sollte und erzählte einfach weiter.

„Dann kamen die Sommerferien. Ich saß bei Onkel und Tante fest, ohne irgendwelche Informationen. Ich hatte gehofft, schnell dort weg zu kommen aber leider war dem nicht so. Ich war viel draußen und bin spazieren gegangen, habe einfach nachgedacht. Eines Tages traf ich auf meinen Cousin Dudley und seine Freunde. Die verabschiedeten sich bald und Dudley ging nach Hause, da es für mich nur Ärger gab, wenn ich später als Dudley nach Hause kam, bin ich ihm dann hinterher gerannt.
In einer dunklen Gasse tauchten plötzlich zwei Dementoren auf und griffen Dudley und mich an. Da ich im dritten Jahr von Remus gelernt hatte, wie der Patronus funktioniert, habe ich ihn heraufbeschworen und so ist uns nichts passiert. Aber damit begann der Ärger erst. Ich bekam einen Brief, in dem stand, das ich von der Magischen Strafverfolgungspatrouille abgeholt werden sollte, mein Zauberstab abgenommen und ich nicht nach Hogwarts zurück dürfte. Professor Dumbledore konnte das noch abwenden und erinnerte Fudge dran, dass er das ohne Anhörung nicht dürfte. Er musste also klein bei geben und ich zu einer Anhörung. Fudge wollte aber unbedingt verhindern, dass Sie, Sir, dran teilnehmen und hat den Termin um ein paar Stunden nach vorne verlegt und obendrein den gesamten Gamot einberufen. Nur mit Ihrer Hilfe bin ich da wieder heraus gekommen und ich durfte zurück nach Hogwarts.
Dort wurde es dann aber fast noch schlimmer. Das Ministerium hatte einen Ausbildungserlass verabschiedet, wonach es einen geeigneten Lehrer bestimmen dürfe, wenn der gegenwärtige Schulleiter nicht in der Lage sei, einen zu ernennen. Sie schickten eine Frau nach Hogwarts, die - die einfach unfähig war. Aber Umbridge war nicht nur unfähig, sondern auch darauf bedacht, dass ich nicht die Wahrheit sage über Voldemorts Rückkehr. Sie versuchte zu verhindern, dass wir lernen uns zu verteidigen.
Hermine schlug vor, dass ich eine Gruppe gründe, in der wir Verteidigungszauber lernen. Umbridge kam aber dahinter und wollte mich von der Schule werfen.
Doch Professor Dumbledore opferte sich für mich. Er hat, nachdem sie unsere Mitgliederliste fanden, gesagt, dass es seine Idee war, dass es seine Gruppe wäre, denn wir hatten diese Gruppe Dumbledores Armee genannt, da es Fudges größte Angst war, dass Dumbledore eine eigene Armee aufstellt. Nun war sie Schulleiterin“, Harry seufzte, „Es war ja das Jahr, in dem wir unsere ZAG's machten, also Ron, Hermine und ich, denn Ginny ist ja ein Jahr unter uns. Auf alle Fälle hatte ich während der Geschichtsprüfung eine Vision. Ich hatte so etwas schon öfters. Ich kann von Zeit zu Zeit sehen, was Voldemort macht, besonders, wenn er extreme Gefühle hat. Diese Vision hatte er mir aber eingepflanzt. Er zeigte mir, dass Sirius gequält wird. Ich hab noch versucht, herauszufinden, ob es stimmt. Sirius, es tut mir leid. Ich bin Schuld“, Harry brach wieder in hemmungsloses Schluchzen aus. Ginny versuchte verzweifelt ihn zu beruhigen, aber es gelang ihr nicht. Sirius stand von seinem Sessel auf und ging auf Harry zu.

„Harry, sieh mich bitte an. Ich bin mir sicher, egal was passiert ist, dich trifft keine Schuld. Du hast alles versucht, da bin ich mir sicher. Ginny kannst du weiter erzählen?“, fragte Sirius Ginny. Sie nickte und Sirius setzte sich auf die andere Seite von Harry und nahm ihn nun in den Arm, während Ginny weiter erzählte: „Wir sind dorthin, wo Sirius in Harrys Vision gefoltert wurde. Wir, dass heißt Ron, Hermine, Luna, Neville und wir Beide. Wir sind also ins Ministerium in die Mysteriums Abteilung, aber da war niemand. Alles was wir fanden, war die Kugel mit der Prophezeiung über Voldemort und Harry. Harry nahm sie in die Hand und dann tauchten acht Todesser auf und wir sind geflohen, nach dem wir ein paar der Regale umgeworfen haben. Sie fanden uns aber und drängten uns in eine Halle mit einem Vorhang. Dann tauchten ein paar Ordensmitglieder auf, auch Remus und Sirius.“ Ginny musste schlucken auch ihr viel es schwer davon zu erzählen. „Sirius kämpfte gegen jemanden und sie traf ihn mit einem Fluch in die Brust. Sirius, du fielst hinter den Vorhang.“

Man sah bei den Rumtreibern, Lily und Beccy nur ratlose Gesichter aber Dumbledore blickte betroffen in Sirius Richtung.

„Was ist mit mir passiert?“, fragte Sirius, dem Dumbledores Blick aufgefallen war und es langsam mit der Angst zu tun bekam.

„Wer hinter den Vorhang fällt ist... ist... tot.“ Ginny war bei ihren Worten immer leider geworden. Im ganzen Zimmer wurde die Luft angehalten nur ein leises Schluchzen war von Harry zu hören.

„Wenn ich besser nachgeforscht hätte, wenn ich an den Zwei-Wege-Spiegel gedachte hätte, wenn ich nur nicht so dumm gewesen wäre, wenn ich, wie Professor Dumbledore es von mir verlangt hatte, Okklumentik gelernt hätte, dann wärst du nie gestorben. Ich bin Schuld an deinem Tod“, wimmerte Harry.

„Harry nun hör mir mal zu“, sagte Sirius wieder sanft, „du darfst dir keine Vorwürfe machen. Du wolltest mich retten, so wie ich dich retten wollte, als ich davon erfahren habe wo du bist. Dich trifft keine Schuld.“ Harry weinte immer noch und flüsterte immer wieder leise ?Ich bin Schuld'. Sirius hielt es nicht mehr aus, holte aus und gab Harry eine Backpfeife.

„Sirius! Wie kannst du es wagen meinen Sohn zu schlagen?!“ brauste James auf, verstummte jedoch sofort, als er sah, dass Harry Sirius dankbar um den Hals fiel. Zwar weinte er noch, aber nicht mehr so herzzerreißend wie noch vor einer Minute.

„Geht's wieder?“, fragte Sirius, nachdem Harry fünf Minuten stumm in seinem Armen geweint hatte. Harry nickte. Ginny reichte ihm ein Taschentuch und er schnäuzte sich erst einmal, dann atmete er noch einmal tief durch und sagte: „Danke Sirius, aber musstest du so fest zu hauen? Das tat nämlich weh!“ Beide fingen schallend an zu lachen. Plötzlich hörte man ein lautes knurren und Ginny fing an zu lachen: „Also war das auch schon zu deiner Schulzeit so, Sirius!“

„Was meinst du?“, fragte er und versuchte möglichst unschuldig auszusehen.

„Na, dass du in den unmöglichsten Situationen Essen kannst“, antwortete Ginny ihm grinsend.

„Sally, Crossy kommt ihr bitte mal“, rief Dumbledore. Mit zwei leisen Plopps erschienen die Hauselfen.

„Würdet ihr uns das Mittagessen bitte hierher bringen? Wir brauchen noch eine Weile für unsere Besprechung.“

„Aber natürlich Sir, sofort Sir!“, piepsten die beiden kleinen Elfen und waren mit einem leisen Plopp wieder verschwunden. Zwei Minuten später waren sie wieder da. Alle standen aus ihren Sesseln oder der Couch auf und die Elfen schnippten und der Tisch vom Frühstück erschien wieder diesmal allerdings mit einem reichhaltigen Mittagessen. Als auch endlich James und Sirius mit dem Essen fertig waren, rief Dumbledore die Elfen wieder und sie räumten ab und dekorierten wieder um.

Als sie alle wieder saßen, blickten alle Harry und Ginny gebannt an und hofften, dass sie gleich weiter erzählen würden.

„Weiß einer von euch Vieren, was Horkruxe sind?“, durchbrach Harry die Stille und blickte nacheinander Peter, Remus, Beccy und Sirius an.

Beccy, Remus und Peter schauten ihn ahnungslos an, nur Sirius riss seine Augen auf und guckte geschockt zu seinem Patenkind.

„Das... das.... das.... ist nicht dein Ernst oder?“ Sirius konnte sich kaum beruhigen und blickte nun beinahe ängstlich zu Dumbledore, als hoffe er, dass der Schulleiter Harry als Lügner hinstellt.

„Ich fürchte Mr. Black ,es ist die Wahrheit“, antwortete Dumbledore ruhig.

„Kann mir jemand erklären, was diese Horkruxe sind? Ich habe nämlich keine Ahnung!“, warf Beccy ein und blickte von Lily zu James, weiter zu Sirius, Harry, Ginny und blieb dann mit ihrem Blick an Dumbledore hängen.

„Horkruxe sind Gefäße, in denen jemand einen Teil seiner Seele gesteckt hat“, antwortete Dumbledore.

„Aber wie, Sir? Wie kann man seine Seele in so ein Gefäß packen?“, fragte Remus und sah verwirrt aus.

„Durch einen Mord“, flüsterte Sirius, „So kann man seine Seele spalten und durch eine Zeremonie kann man das Seelenstück dann in dieses Gefäß einschließen. Das gehört zu der schwärzesten der Schwarzen Magie. Voldemort hat so ein Teil gemacht?“, fragte Sirius mit zitternder Stimme.

Harry schüttelte den Kopf: „Nein, er hat nicht einen Horkruxe erstellt. Er hat seine Seele in acht Stücke geteilt und sieben davon eingeschlossen. Den ersten hat er schon gemacht, da war er jünger als wir jetzt.“

Ein erschrecktes Aufkeuchen ging durch die Vier, die eben erst davon erfahren hatten.

„Sag, dass das nicht wahr ist.“

Harry blickte in das erschrockene Gesicht seines Paten.
„Ich würde gerne Sirius, aber ich kann nicht, denn leider ist es wahr. In meinem sechsten Schuljahr hat Professor Dumbledore mir alles gezeigt, was er über Voldemort zusammen getragen hat, seine Lebensgeschichte quasi. Wir haben uns Erinnerungen von Menschen angeguckt und das ließ keinen anderen Schluss zu. Außerdem habe ich in meinem zweiten Schuljahr einen davon schon zerstört, ohne es zu wissen.“ Harry erntete auf diese Offenbarung nur fragende Blicke, womit er sich genötigt fühlte es genauer zu erklären: „Das Tagebuch, welches von Ginny Besitz ergriffen hatte, war ein Horkrux. Voldemort hat es im alter von 16 Jahren erfahren. Professor Dumbledore hat vor meinem sechsten Jahr einen weiteren zerstört, verlor dabei aber seine rechte Hand. Es war ein Fluch auf dem Ring, welchen Voldemort zu einem Horkrux präpriert hatte.“

„Was sind die Horkruxe? Wo finden wir sie? Wie können wir dir helfen?“ Diese Fragen sprudelten in atemberaubender Geschwindigkeit aus den Mündern von Sirius, Beccy, Remus und Peter.

„Bevor ich euch mehr erzähle, müsst ihr mir was versprechen...“

„Oh nein Harry, nicht das ganze Prozedere noch einmal?“ unterbrach James seinen Sohn.

„Oh doch, Dad. Auch sie müssen mir schwören, dass sie alles tun was ich sage. Wenn ich ihnen sage, sie sollen laufen, sich verstecken fliehen oder ihnen sonst etwas befehle während der Suche, dass sie es widerspruchslos tun werden. Denn ich würde euch gerne alle in der Zukunft kennen lernen. Was nützt es mir, wenn ich Voldemort jetzt schon vernichte, ich aber nie geboren werde, weil vielleicht einer von euch stirbt.“

Sirius, Remus, Peter und Beccy versprachen alles zu tun, was Harry von ihnen verlangte. Sirius fügte aber noch flüsternd, so das es nur der neben ihm sitzende Peter hörte: „Aber ob ich das widerspruchslos tun werde, das weiß ich nicht.“

„Also, die Horkruxe sind, wie ich schon sagte, das Tagebuch, es könnte entweder schon bei Lucius Malfoy sein, oder irgendwo ganz anders, wo ich keine Ahnung habe. Der Ring, welchen Professor Dumbledore zerstört hat ist in der Hütte, in der Voldemorts Mutter aufgewachsen ist. Das Amulett von Slytherin ist in einer Höhle, wo er in der Nähe öfters mit seinem Heim Ferien gemacht hat. Das Diadem von Ravenclaw ist hier in Hogwarts, seine Schlange Nagini ist wohl noch bei ihm, denke ich und dann der Becher von Huffelpuff, aber wo der jetzt ist, weiß ich nicht. In meiner Zeit ist er in Gringotts“, sprudelte es aus Harry raus, nachdem er die Versprechen bekommen hatte.

„Das sind aber erst sechs Horkruxe, sagtest du nicht, dass er sieben erstellt hat?“, fragte Remus.

Harry schluckte und wappnete sich für das, was jetzt kommen würde.

„Der siebte Horkruxe sitzt vor eurer Nase und erzählt euch gerade davon.“

„Was? Nein das kann nicht sein! Sag sofort, dass das nicht wahr ist!“ Lily blickte in ängstlich an.

„Ich kann es leider nicht, Mum“, flüsterte Harry.

Lily brach in Tränen aus. Warum ihr Sohn, hatte er in all den Jahren nicht genug durchmachen müssen? Warum musste es das Schicksal so hart mit ihm meinen? Was hatten sie nur verbrochen. James nahm seine zukünftige Frau in den Arm und versuchte sie zu beruhigen. Es war schwer, aber nach ein paar Minuten hatte Lily sich einigermaßen beruhigt.

„Was ist während deines siebten Jahres passiert?“, fragte Beccy vorsichtig, warf einen Blick zu Lily und hoffte, dass sie noch durchhalten würde.

„Ich bin mit dem, was in meinem sechsten Jahr passiert ist, leider noch nicht fertig“, sagte er bedrückt und warf einen traurigen Blick zu dem Schulleiter. „Aber das, was dann passierte, werde ich euch zu einem späteren Zeitpunkt zeigen.“ Dumbledore nickte bedächtig mit dem Kopf.

„Was meinst du damit?“, fragte Sirius argwöhnisch und sah zwischen Dumbledore und Harry hin und her.

„Harry stellte mir diese Erinnerung zur Verfügung und bat mich, euch in absehbarer Zeit daran Teil haben zu lassen“, antwortete der Professor an Harrys Stelle, welcher ihn dankbar anblickte.

„Warum nicht jetzt?“, wollte James von seinem Sohn wissen und sah ihn abwartend an.

Harry schüttelte den Kopf. „Bitte Dad, nicht jetzt“, flüsterte er und sah Hilfe suchend zu seiner Mutter.

Lily sah ihn warm an und verstand die stumme Bitte.
„Später James, lass den Jungen erst ausreden. Wir werden unsere Antworten bekommen.“

James sah aus, als wollte er noch etwas sagen, schluckte den Satz aber hinunter und sah Harry auffordernd an, weiter zu sprechen.

„In meinem siebten Jahr bin ich mit meinen Freunden Ron und Hermine durchs Land gezogen und habe die Horkruxe gesucht. Wir sind ins Zaubereiministerium eingebrochen, in Gringotts eingebrochen, wurden gefangen genommen und eingesperrt. Wir sind mit Hilfe von Dobby entkommen, wobei er leider getötet wurde.“ Harry brach ab und eine einzelne Träne suchte sich ihren Weg aus seinen grünen Augen, die nun feucht glitzerten. Er vermisste seinen aufgedrehten kleinen Freund immer noch.

„Wer ist Dobby?“, fragte Remus und sah mitfühlend zu Harry.

Ginny drückte seine Hand und strich ihm über den Rücken, langsam beruhigte er sich wieder. Als er sich im Stande fühlte, weiter zu sprechen, erklärte er: „Dobby war ein freier Hauself, der Hermine, Ron und mich vor dem Tod bewahrte und uns rettete. Wir waren eingesperrt in den Kellerverliesen in Malfoy Manor, als Peter einen von uns nach oben bringen sollte. Ron und ich schafften es, ihn zu überwältigen, als er mich mit einer magischen Hand erwürgen wollte.“

Peter wurde kalkweiß im Gesicht und wippte panisch mit Oberkörper vor und zurück. „Nein“, hauchte er immer wieder. „Nein, das bin ich nicht. Ich bin kein Mörder...“

„Du bist kein Mörder, Pete und wird werden verhindern, dass du einer wirst“, sagte Remus und legte Peter vertrauensvoll dein Arm um die Schultern.

Harry fuhr fort: „Doch Peter zögerte und die magische Hand wandte sich gegen ihn, so dass er sich selbst strangulierte.“

Sofern es ging, wurde es im Raum noch stiller, bis Dumbledore das Wort ergriff. „Wenn ich das richtig sehe, Peter, war die Hand, die Harry erwähnte, dir von Tom gegeben als Prüfung deiner Treue. Indem du aber zögertest, warst du ihm in dem Moment nicht mehr loyal gegenüber und wurdest dafür bestraft. Ich jedoch halte diese Geste für sehr mutig, da es zeigt, dass trotz deiner vorherigen Taten noch Gutes in dir streckte.“ Er sah Peter über seine Halbmondbrille hinweg mit einem gütigen Lächeln an, welches Peter scheu erwiderte.

„Vielen Dank, Sir. Aber ich habe Angst, eines Tages wirklich so zu werden. Dass ich dem Ganzen trotz allem, was ich jetzt weiß, nicht entgehen kann und am Ende doch als Mörder dastehe.“ Er senkte beschämt den Kopf und zitterte.

Harry murmelte leise: „Viel mehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die ausmachen, wer wir wirklich sind.“

Überrascht hoben sowohl Peter als auch Dumbledore die Köpfe.

„War das wieder ein Satz von mir?“, fragte er lächelnd, Harry wurde leicht rötlich um die Nase.

„Ja, Sir. Ein Satz, den Sie mir in unserem zweiten Schuljahr sagten, als ich zweifelte, wirklich ein Gryffindor zu sein. Er hat mich sehr beeindruckt und mir geholfen.“

Harry sah kurz zu Peter und entschloss, weiter zu sprechen.
„Nachdem Dobby uns bei der Flucht aus Malfoy Manor geholfen hatte, wo wir erfahren hatten, dass sich einer der Horkruxe in einem der Verließe in Gringotts befand, machten wir uns auf den Weg dorthin. Ein Kobold war uns bei dem Einbruch behilflich, doch war das Verließ durch einen Zauber geschützt. Wir entkamen mit Hilfe eines Wächterdrachen und machten uns auf nach Hogwarts, wo sich der vermeintlich letzte Horkrux befand. Als wir aus Gringotts raus waren, merkte Voldemort, was wir vor hatten und kontrollierte die Orte, an denen seine Horkruxe versteckt waren. Na ja außer Nagini, aber die war ja bei ihm. Während Hermine, Ron und ich im Schloss nach dem Diadem suchten, sammelte Voldemort seine Truppen und drang in Hogwarts ein. Irgendwann zog er sich in den Verbotenen Wald zurück und ich wollte eigentlich zu ihm gehen, denn es waren während dieser Schlacht schon genug Menschen gestorben. Fred, einer von Ginnys Brüdern. Ein kleiner Gryffindor, für den ich ein Held war und... und...“ Harrys Blick wanderte zu Remus, er konnte es nicht aussprechen. Tränen sammelten sich wieder in seinen Augen.

„Ich...“ flüsterte Remus leise.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Kapitel 10

Tränen und Schnee

Stille.
Die letzten Worte klangen unangenehm laut in den Köpfen der Anwesenden wieder, keiner sagte ein Wort. Viel zu sehr versuchten sie, das zu begreifen, was Harry ihnen hier so eben ausgebreitet hatte.
Nach einander warfen sich die vier Rumtreiber schwere und geschockte Blicke zu. Daran würden sie eine Weile zu kauen haben, das war ein ganz schön schwerer Brocken, den Harry ihnen hier vorgesetzt hatte. Bedrückte Mienen, auf denen sich Entsetzen, Unglaube und Angst wieder spiegelten, sahen sich ratlos im Raum um.

Doch die letzte Frage traute sich keine zu stellen. Remus war starr vor Schreck - wie, bei Merlin, war er gestorben? Seine Achtung vor dem Jungen vor ihm stieg ins Unendliche, was hatte Harry alles mit machen müssen! Und jetzt saß er hier vor ihnen und erlebte diese Hölle noch einmal. Er wusste nicht, ob irgendjemand von seinen Freunden so viel Rückgrad hatte wie James' Sohn, der nun wieder einem Zusammenbruch verdammt nahe war.

„…raus“, konnte man nur verstehen, keiner machte Anstalten, ihn aufzuhalten. Zusammen mit Ginny stolperte Harry durch das Portraitloch und schlug hart auf die Wand ein.

„NEIN!“, rief er verzweifelt, es hallte unheimlich verzerrt von den Wänden des Ganges wieder. „Wieso, Gin? Wieso musste das alles passieren? Wieso muss ich ihnen, die mir alle so viel bedeuten, erzählen, wie sie sterben oder zu Verrätern werden? Das ist nicht fair…“ Erneut liefen heiße Tränen seine Wangen hinab. Harry hatte nicht die Kraft, sie fort zu wischen. Er hatte seine Stirn gegen die raue Wand gelehnt, drückte sich gegen den Stein und hoffte, es würde ihm etwas von dem Schmerz aus seinem Inneren nehmen.

Behutsam trat Ginny an ihn heran, nahm ihn von hinten in den Arm, so sanft es ging, ohne ihn zu erschrecken.
„Ich bin stolz auf dich, Harry. Du hast dort drinnen allen dein Leben ausgebreitet und ich kann wohl nur ahnen, wie schwer es dir gefallen ist.“ Sie brachte ihn schließlich dazu, sich umzudrehen und an der Wand hinunter zu rutschen. Behutsam setzte sie sich vor ihn, sie war selbst total durcheinander. So offen hatte sie ihn noch nie über seine Vergangenheit sprechen hören, noch nicht einmal ihr gegenüber.

„Warum… warum muss es immer die Leute treffen, die ich liebe?“, flüsterte Harry tonlos.
„Was ist, wenn.. wenn sie es nicht schaffen, Gin? Wenn sie verlieren… und Mine und Ron und…“

„Harry nein!“, unterbrach Ginny ihn harsch, er quälte sich schon genug. So gut sie seine Gedanken nachempfinden konnte, sie mussten sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren, so gut es ging.
„Daran darfst du nicht einmal denken, hörst du? Sie werden es schaffen, Mine, Ron und Neville, sie alle werden überleben und Voldemort wird endgültig nicht mehr als eine grausame Erinnerung sein. Glaube mir!“

Unendlich langsam hob Harry den Kopf, seine grünen Augen, die voller Tränen waren, taten Ginny mehr weh als alles andere.

„Ich kann das nicht, Gin. Ich kann Remus doch nicht erzählen, dass er und Tonks… scheiße… und der kleine Teddy…“ Er vergrub wieder sein Gesicht in den Händen und schluchzte erstickt auf.

Das Bild des toten Remus neben der ebenso reglosen Tonks würde er niemals vergessen. Es war keine vier Tage her, der Schrecken saß noch viel zu tief, als dass er sich in irgendeiner Weise damit hatte auseinander setzen können.

„Vielleicht“, sagte Ginny leise, hatte selbst mit ihrer Stimme zu kämpfen. „Vielleicht ist es besser, wir sagen nichts davon. Dass James und Lily in der Zukunft heiraten und dich bekommen werden - okay. Aber bei Remus und Tonks ist das etwas anderes, ich glaube, das sollten wir lieber in der Zukunft lassen, was meinst du?“

Harry nickte kaum merklich. „Ja, ich… ich denke auch. Außerdem glaube ich nicht, dass ich ihm das erklären kann…“

Ginny schluckte. „Nein, wenn ich ehrlich bin… ich auch nicht“, murmelte sie stand auf. „Aber wenn du magst, erzähle ich gerne weiter…“

Harry stemmte sich umständlich hoch und sah sie liebevoll an. „Ich danke dir, Gin. Aber ich werde es jetzt zu Ende bringen… aber ich danke dir, dass du da bist.“ Damit schloss er sie behutsam in seine Arme und küsste sie, klammerte sich an sie und wollte sie am liebsten nie wieder los lassen.

„Ich liebe dich, Harry“, flüsterte sie gegen seine Lippen und barg ihren Kopf an seiner Schulter.

„Lass mich nie mehr los, Ginny“, hauchte Harry mit erstickter Stimme und Ginny hielt ihn fest, gab ihm den Halt, den er brauchte und den er nur bei ihr fand. Wieder einmal wurde ihm schmerzlich bewusst, wie sehr er sie über das letzte Jahr vermisst hatte.

Nach eine Ewigkeit, so schien es ihnen, lösten sie sich von einander.
„Geht es wieder?“, fragte Ginny behutsam und strich ihm über die noch feuchte Wange.

Harry konnte nicht mehr als nicken, Hand in Hand betraten sie den Schulsprecherraum wieder. Drinnen hatte sich das Bild nicht sehr verändert. Lily und James hielten sich in den Armen, während Lily leise schniefte. Dumbledore saß ruhig, aber nicht minder geschockt in einem der Sessel, ebenso wie Peter auf der anderen Seite des Raumes.
Sirius saß, ebenfalls ziemlich blass und mit versteinerter Miene, auf dem Sofa, neben ihm Beccy, die versuchte, Remus zu beruhigen. Letzterer saß, kreidebleich und zitternd, auf dem äußersten Rand des Sofas und schien nicht wirklich mit zu bekommen, was gerade um ihn herum geschah.

Als Harry und Ginny den Raum betraten, sahen ihn sieben Augenpaare an. Steif setzte er sich auf seinen Platz, Ginny nahm neben ihm Platz.

„Es war… es war vor vier Tagen“, begann Harry erstickt und versuchte, den Kloß in seinem Hals hinunter zu schlucken. „Der Kampf war in vollem Gange, halb Hogwarts lag in Trümmern. Überall flogen tödliche Flüche, lagen reglose Körper… unter ihnen Fred…“ er brach ab, die Stimme versagte ihm. Doch Ginnys geflüsterte Worte gaben ihm Kraft, Fred war ihr Bruder, er musste jetzt stark sein, für sie.
„Ich bekam erneut einen Einblick in Voldemorts Gedanken - er war in der Heulenden Hütte. Nichts hielt mich mehr, zielstrebig hielt ich darauf zu. Doch, ich… wurde abgelenkt.“

Erneut stockte er, es war vollkommene Stille eingetreten. Als Harry seinen Blick Remus zuwandte, wurde dieser noch eine Spur blasser.

„Ich sah dich, Remus, reglos und blass, den Zauberstab noch in der Hand neben Nymphadora Tonks - “

Bei den Worten war Sirius aufgesprungen. „Nein!“, rief er entsetzt, James war ebenfalls auf den Beinen. Er hatte von der kleinen Nymphadora gehört, dass sie ebenfalls sterben sollte -

„Und da war mir alles egal“, fuhr Harry fort. „Aber ich muss erst etwas erklären, ehe ich weiter erzähle. Was sagt euch dieses Symbol?“, fragte er und zeichnete mit seinem Zauberstab ein Dreieck auf den Boden, in welchem ein senkrechter Strich verlief und ein Kreis sich an seine Innenseiten schmiegte, der es ausfüllte.

Ratlos sahen die Anwesenden auf Harrys Zeichnung. Alle, außer Dumbledore.
„Professor, Sie wissen, was es damit auf sich hat, aber das ist Ihre Geschichte. Alles, was ich dazu sagen kann, ist folgendes: Dieses hier stellen die drei Heiligtümer des Todes dar. Das Dreieck ist ein Umhang, der senkrechte Strich ein Stab - und der Kreis ein Stein.“

Ehrfürchtiges Staunen machte sich unter denjenigen breit, die das Kinderbuch über Beedle, den Barden gelesen hatten, eine vage Ahnung erfasste sie.

„Was genau das für eine Geschichte ist, kann euch Professor Dumbledore am besten erklären oder diejenigen, die das Kinderbuch dazu kennen. Ich bin mit Muggelbüchern aufgewachsen, kann euch aber soviel sagen: es ist weit mehr als ein Kinderbuch. Alles in diesem Buch ist wahr. Die drei Gegenstände existieren tatsächlich und bis vor drei Tagen hatte ich immerhin zwei davon. Den Stein und den Umhang.“

Er nestelte an eine Tasche herum und holte vorsichtig den Stein heraus. Die Augen der Anwesend wurden groß.

„Und der Umhang? Meinst du etwa, das ist… eh…“, fragte James unruhig, nein, das konnte nicht sein, Harry musste sich vertan haben.

„Doch, Dad“, sagte Harry nickend. „Du vererbst mir deinen Umhang - den wahren Unsichtbarkeitsumhang des Todes. Nur der Stab fehlte noch. Doch ich hatte den Umhang und ich hatte den Stein - zwei mächtige Waffen gegen Voldemort. Ich machte mich auf den Weg in den Wald, alles erschien mir so fern, so abgerückt von der Wirklichkeit…“

Wieder war es still im Raum, Harry musste sich sammeln, nun kam der Teil, den er selbst nicht ganz verstand.

„Ich hatte alles hinter mir gelassen, mit meinem Leben abgeschlossen. Mich von allen verabschiedet, auch von - von Ginny“, er sah sie mit einem warmen Ausdruck in den Augen an, den sie liebevoll erwiderte, drückte kurz ihre Hand. „Ich wollte einfach, dass es zu Ende war. Keine Tode mehr, kein Leid mehr, wollte nicht noch mehr Leid über diejenigen bringen, die mir mehr bedeuteten als Worte sagen können.“
Er schluckte kurz, gleich hatte er es geschafft. „Ich erinnerte mich an den merkwürdigen Schnatz, den Dumbledore mir vererbt hatte. Die Nachricht, die dabei gelegen hatte, sagte etwas wie Ich öffne mich ganz zum Schluss. So nahm ich den Schnatz und legte ihn an die Lippen. Ihr müsst wissen, in meinem ersten Jahr als Sucher für Gryffindor fing ich den Schnatz mit dem Mund. Und das war eben jener Schnatz, den ich nun in den Händen hielt. Kaum hatten meine Lippen ihn berührt, sprang er auf - und enthüllte den Stein der Auferstehung. Ich legte den Stein auf die Hand, ein letztes Mal wollte ich euch um mich haben - Mum, Dad, Sirius und Remus. Tut mir Leid, Peter, du verstehst, dass ich dich nicht…“ Entschuldigend sah er zu Peter, welcher nur zaghaft nickte.

„Ich hatte nicht gemerkt, wie Ginny zu mir gelaufen war… ich war immer noch unter dem Tarnumhang… und ich drehte den Stein, in der Erwartung, euch vier ein letztes Mal zu sehen - und landete mit Ginny zusammen zwanzig Jahre in der Vergangenheit. Und da sind wir nun…“

Er atmete tief ein und wieder aus, er hatte es geschafft. Etwas unsicher sah er sich im Raum um, blickte einem nach dem anderen ins Gesicht. Noch immer beherrschte Unglauben, Fassungslosigkeit ihre Mienen. Entsetzen, leichte Panik.
Aber auch Stolz und Bewunderung für die zwei Personen, die nun vor ihnen saßen.

„Harry, ich… ich verneige mich ehrlich vor euch. Was ihr durchgemacht habt, kann sich wohl keiner hier vorstellen - aber ihr seid jetzt hier und gemeinsam haben wir die Chance, dass es niemals soweit kommen wird“, sagte Sirius ernst. Da konnte Harry nicht anders, sprang auf und flog ihm in die Arme.

Sirius, perplex wie er war, strich Harry sanft und langsam über den Rücken.
„Nicht doch, little one“, wisperte er etwas hilflos. „Es wird nie so weit kommen - das schwöre ich dir.“ Aber Harry schüttelte den Kopf und klammerte sich nur verzweifelter an ihn.

„Nicht schwören - tu das nicht!“

„Gut, dann schwöre ich nicht“, nahm Padfoot seine Worte zurück und hoffte so, den aufgelöst schluchzenden Harry ein wenig beruhigen zu können.

„Ich will nicht, dass ihr mitkommt“, brachte Harry nach fünf Minuten Tränen und Verzweiflung hervor. „Um nichts auf der Welt will ich das!“

„Wir lassen dich doch nicht allein!“, brauste James auf - und bereute es sofort. In Harrys Augen sammelten sich Tränen und er wimmerte verzweifelt: „Das ist ja das Problem.“ Er machte sich von Sirius los und wollte auf James zu stürzen, aber die Verzweiflung, die Angst sie zu verlieren und so niemals geboren zu werden, übermannte ihn und er sank zu Boden.

Sofort knieten Lily, James und Ginny neben ihm und versuchten ihr Menschenmöglichstes, um ihn wenigsten ein bisschen zu beruhigen.

„Versteh uns doch, Harry.“ Lily flehte beinahe. „Wie du nicht willst, dass uns nichts passiert, quälen wir uns mit dem Gedanken, wie es sein mag wenn dir etwas passiert.“ Durch den Schleier aus Tränen und der dumpfen Mauer aus Angst und Verzweiflung, stach Lilys besorgter Blick merkwürdig scharf hervor und langsam drang die Bedeutung durch die Dumpfheit zu Harry durch.

Er setzte sich auf, wischte sich über die Augen und sah seine Mutter an. Ihr besorgter Blick schwächte ein wenig ab, anscheinend sah er nicht mehr so verzweifelt und am Boden zerstört aus.

„Es tut mir Leid.“ Er schaffte es nicht, auch nur einem in die Augen zu sehen. „Ich…ich…“ Er brach ab.

„Es macht dich fertig“, beendete Remus leise und sanft seinen Satz. „Und über jede andere Reaktion würde ich mich wundern. Ich bevorzuge diese Reaktion.“ Sirius schien Moonys Meinung zwar durchaus zu teilen, war aber dennoch ängstlich, da er sich um Harry sorgte.

„Aber das macht ihn doch so fertig“, warf er ein. Dumbledore schmunzelte.

„Recht haben Sie, Mr. Black, aber so beweist er, dass er lieben kann.“ Es folgte eine nachdenkliche Stille auf die Worte des Schulleiters.
Lily, James, Harry und Ginny hockten immer noch auf dem Boden, Remus lehnte sich mit zusammen gezogenen Augenbrauen zurück und Sirius tröstete Peter, der noch nicht begreifen wollte, dass er einmal so grausam werden würde.

Schließlich unterbrach Sirius die Stille.

„Also werden wir zunächst diese Horkruxe zerstören müssen?“

Harry erschauderte, als er das Wort hörte, nickte aber.
„Ja.“ Er war froh, dass seine Stimme nur ganz leicht zitterte und spürte, wie Ginny ermutigend seine Hand drückte. „Und das so schnell, wie nur irgend möglich.“
Sirius stand auf und auf einmal würde Harry klar, wie stolz und glorreich er aussah, wenn seine Augen funkelten.
„Dann sollten wir loslegen!“

„Aber so was muss organisiert werden!“, warf Beccy laut und schnell ein. „Sonst passiert wirklich noch was.“

Dumbledore nickte bedächtig.
„Da allerdings muss ich Miss O'Conner Recht geben.“

Peter schien sich wieder gefangen zu haben und fragte: „Wie lange brauchen wir für die Vorbereitungen? Und was soll ich in der Zeit machen?“ Sirius, der immer noch vor dem Sofa stand, auf dem er und Peter gesessen hatte, drehte sich um und fuhr dem Freund spielerisch durch die Haare.

„Du wirst so sehr mit Arbeit eingedeckt, dass du nicht weißt, wann du Zeit zum Verraten findest.“ Er schmunzelte über seinen eigenen Witz und auch auf Peters blasses Gesicht schlich sich ein winziges, vorsichtiges und hoffnungsvolles Lächeln.

„Professor Dumbledore, könnten wir Ihr Denkarium benutzen? Ich würde ungern alles genau erzählen, was Sie mir in der Zukunft über Voldemort gezeigt haben“, fragte Harry den Schulleiter schüchtern, nachdem er sich endgültig beruhigt hatte. „Ich meine, ich weiß zwar, wo die Horkruxe in der Zukunft sind, aber hier wird zumindest das Tagebuch noch wo anders sein. Auch denke ich, dass der Becher noch nicht in Gringotts sein wird. Vielleicht findet ja einer einen Hinweis, wo sie zu finden sind.“

„Aber natürlich Harry, dann kann ich dir auch gleich deine Erinnerung wieder geben, aber ich würde sagen, wir hören erst einmal auf für heute und verarbeiten die ganzen Informationen, die du uns eben gegeben hast und treffen uns morgen nach dem Frühstück. Wollen wir uns wieder hier oder in meinem Büro treffen?“, sagte Dumbledore und warf den achten einen fragenden Blick zu.

„Nichts gegen Ihr Büro, Sir, aber hier ist es doch um einiges gemütlicher“, antwortete Sirius ihm mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.

„Einverstanden meine Herrschaften, ich würde sagen, Sie gehen noch ein wenig an die Luft, solch schönes Wetter wie jetzt im Moment haben wir um diese Jahreszeit ja nicht sehr oft und Harry, es ist in Ordnung, dass diese 6 hier“, Dumbledore deutete nacheinander auf die Rumtreiber, Lily und Beccy, „Bescheid wissen, aber mehr sollten es nicht werden. Bitte achten Sie darauf, sich nicht zu verplappern.“

„Ja Sir, ich wollte es ja auch vor ihnen geheim halten, aber Lily fand es sehr schnell heraus und dann auch einer nach dem anderen. Es war so, als hätte man eine Lawine ausgelöst.“ Harry war rot geworden nach Dumbledores Worten und schaute bei seiner Antwort lieber auf seine Schuhspitzen, als auf seinen Schulleiter.

„Dann stoppen Sie diese Lawine nun und jetzt ab mit Ihnen. Ich möchte Sie nicht mehr im Schloss sehen, solange es draußen noch hell ist.“ Dumbledore zwinkerte ihnen zu und verschwand aus dem Raum der Schulsprecher.

„Na dann kommt. Lasst uns ein bisschen raus gehen“, sagte James und zog Lily von der Couch.

„Dad, dürfte ich mir noch mal deinen Besen ausleihen? Der ist bei weitem besser als die Schulbesen.“ Harry blickte James bittend an.

„Na klar. Kommt, wir holen unsere Jacken und dann gehen wir raus.“ Mit den Worten von James erhob sich auch der Rest der Bande und verließen den Raum, in dem sie eben so viel Erschreckendes erfahren hatten.

Als sie aus der Großen Hale traten, rissen sie ihren Augen begeistert auf. Tief wurde die frische, kalte Luft eingeatmet, die so nach Freiheit roch, wie verzaubert lag die Landschaft und einer weißen Decke, die den Krieg und das Elend vergessen ließ.
Mit jedem Schritt, den die acht in die Schneelandschaft setzten, ließen sie einen weiteren Teil der düsteren Gedanken, die bei dem eben Besprochenen auf sie eingestürzt waren, hinter sich.

„Wer zuletzt beim Stadion ist, muss auf den See!“, brüllte Sirius und rannte in Richtung Quidditch-Stadion davon. Verwundert blickten die anderen sich an - und folgten ihrem Freund auf dem Fuße.
Ginny preschte an Harry vorbei, grinste ihn an und war nun direkt hinter Sirius. Harry war beinahe gleichauf, James knapp hinter ihm. Danach folgten Lily und Remus, Beccy und, mit einigem Abstand, Peter.

Keuchend und lachend kamen sie am Stadion an, auch Peter, der erkannt hatte, dass es um den Spaß an der Sache ging, obwohl er letzter geworden war.
James leitete sie zu den Eingangstoren - begeistert schoben sie diese auf und rannten auf die unberührte Schneefläche im Inneren des Stadions.

„Oh Mann, es ist doch immer wieder von Vorteil, wenn der Schulsprecher dein bester Freund ist“, freute sich Sirius und bewarf James sogleich mit einem Schneeball.

„Solange ich dazu gut bin, das Quidditch-Stadion aufzuschließen, soll es mir Recht sein“, lachte er und traf Sirius mit seinem Ball an der Hose.

„Hey, bitte vergesst nicht: Harry ist Qudditch-Kapitän“, grinste Ginny und warf eine Handvoll Schnee auf ihren Freund, der sich lachend weg drehte.

„Wow, Harry, echt? Und von so einem Jungen bin ich Pate!“, strahlte er und rannte Harry hinterher, um ihn eine Ladung Schnee in die Jacke zu stopfen. Ginny lachte und warf einen Blick auf Lily und James, welche dicht beieinander standen.
In Lilys Augen war eine liebevolle Wärme getreten - und James sah aus, als platze er gleich vor Stolz.
Leise lächelnd schweifte ihr Blick weiter zu Peter und Remus, die dabei waren, einen Schneemann zu bauen.

„Ähm - Jungs? Was soll das werde, wenn es fertig ist?“, fragte sie. Remus und Peter sogen mit ihren Zauberstäben Massen von Schnee an, die sie zu einer riesigen Kugel klatschten.

„Hagrids Ebenbild“, verkündete Remus grinsend, Ginny grölte vor Lachen. Begeistert half sie mit und formte die zweite Kugel, Lily und Beccy halfen ihr mit beinahe kindlichem Enthusiasmus. Die dunklen Gedanken aus dem Schulsprecherzimmer waren wie weg geblasen. Für wenige Augenblicke ließen sie einfach alles hinter sich, waren einfach nur sie selbst. Frei und unbeschwert.

James, Harry und Sirius waren inzwischen selbst wandelnde Schneemänner, die sich vor Lachen kaum noch auf den Beinen halten konnten. Sich gegenseitig haltend, schlurften sie zum Rest der Gruppe zurück, wo gerade mit vereinten Kräften der Kopf auf die unteren zwei Kugeln gesetzt wurde.

„Boah!“, war alles, was Sirius hervor brachte, Beccy kicherte und warf einen Blick zu Remus, welcher beinahe glücklich aussah.
Wenn er nur öfter so schauen würde, dachte sie traurig, wandte ihre Aufmerksamkeit dann aber wieder dem 5 Meter großen Koloss zu, der langsam aber sicher Ähnlichkeit mit Hagrid bekam.

„Fehlt noch der riesige Umhang“, feixte James und schwang seinen Zauberstab. Sofort formten sich die Schneemassen so, dass es tatsächlich wie ein Umhang aussah, staunend blickten die anderen erst James, dann den Schnee-Hagrid an.

Schließlich noch ein paar Feinzüge - fertig.

„Perfekt“, grinste James und blickte stolz auf ?sein' Werk.
„Und wer hat die ganze Arbeit gemacht?“, fragte Lily und grinste ihren Freund vielsagend an.

„Rem und Peter natürlich“, kam es prompt von James, Lily drehte sich gespielt beleidigt weg. „Dann gibt es eben keinen Kuss“, verkündete sie, sofort war James bei ihr und küsste sie vernichtend.

Plötzlich erklang ein Bellen, verwundert sahen die anderen sich um. Sirius tobte alias Padfoot durch den Schnee und Peter wuselte vor ihm her. Begeistert sprang James auf sie zu und war im nächsten Moment ein Hirsch. Er vergrub sein Geweih immer wieder im Schnee und wirbelte ihn auf, die drei Animagi schienen sichtlich aufzublühen.

Doch Harry kam ein Gedanke.
Unauffällig zog er Ginny zur Seite. „Gin? Ich hätte da… was hältst du davon, wenn wir Dad fragen, ob er uns zeigt, wie man ein Animagus wird?“

Ginny starrte ihren Freund fassungslos an - dass konnte er nicht ernst meinen!

„Harry“, brachte sie rau hervor. „Das ist Wahnsinn!“ Harry sah zwar Ginnys Angst in ihren Augen, fühlte und verstand sie aber nicht. Dafür jagte die Aufregung und die Waghalsigkeit zu sehr durch seinen Körper. Er hatte schon immer wissen wollen, wie sein Vater, Sirius und Peter es geschafft hatten Animagi zu werden.

„Das wird bestimmt cool!“ Er atmete schwer und fühlte sich so gut, wie lange nicht mehr.

Ginny hingegen war ängstlich und wusste nicht so recht mit ihrem aufgedrehten Freund umzugehen. Hilfe suchend drehte sie sich zu Lily um, die immer noch da stand, wo James sich in den Hirsch verwandelt hatte.

Als hätte Lily Ginnys verzweifelten Blick gespürt drehte sie sich zu Ginny und Harry um. Erst war ihre Miene noch von einem breiten Lächeln durchzogen, doch dann wechselte der Ausdruck immer weiter ins entsetzt-verwunderte, als sie Harry entdeckte, der mit weit geöffneten Augen und roten Wangen den drei Animagi nach starrte.

„Harry?“, fragte sie leise, als sie langsam näher kam, als habe sie Angst Harry wurde sonst erschrecken. „Alles in Ordnung?“ Harry sah sie an, und immer noch war die Begeisterung in seine Augen nicht erloschen.

„Das ist es!“, murmelte Harry, ohne auf seine Freundin oder Lily zu achten. Er sah aus, als hätte er so eben eine Erleuchtung gehabt und schien alles andere ausgeblendet zu haben.


„Harry? Harry!“, versuchte Ginny es erneut und rüttelte an seinem Arm. Mühsam brachte sie ihn dazu, sich endlich zu ihr umzudrehen, sodass der Blick auf die Animagi versperrt wurde.

Beinahe verwundert sah er in ihr Gesicht, dass Angst und Verwirrung ausdrückte. Kurz schloss er die Augen, um sich zu sammeln und sprudelte dann los: „Ginny, das ist es! Wenn wir lernen, wie man ein Animagus wird, können wir Voldemort vielleicht einen Schritt voraus sein. Nicht nur, dass er noch nichts von unserem Plan, die Horkruxe zu zerstören, weiß, nein, er wird es auch schwer haben, uns zu erkennen. Und das Ministerium ebenso, das es Ron, Hermine und mir die letzten Monate nicht wirklich leicht gemacht hat.“

Ginny sah ihn skeptisch an. Harrys Blick war etwas ruhiger geworden, statt der überschwänglichen Begeisterung war nun etwas Ernstes in seine Augen und auch seine Stimme getreten.

Vorsichtig trat Lily zu ihnen, als wäre sie sich nicht sicher, ob sie bei dem Gespräch dabei sein dürfte. Doch da niemand von ihnen Einwände erhob, beschloss sie, zuzuhören, was ihr Sohn für eine Idee hatte.

„Aber… Das ist sicher nicht etwas, dass man Mal eben so lernt, Harry. Wir werden Monate brauchen, Zeit, die wir viel besser mit der Sucher der Horkruxe ausfüllen sollten!“

Energisch fiel Harry ihr ins Wort: „Aber das ist doch kein Widerspruch! Wir können doch mit der Suche beginnen und gleichzeitig uns in den Verwandlungen üben. Ich kann nicht hundertprozentig sagen, dass sie uns helfen werden - aber schaden kann es nie, eine weitere Deckung zu haben.“

Abwartend sah er seine Freundin an. Ginny hatte Zweifel, keine Frage. Und er wusste, dass Ginny nicht so leicht zu überzeugen war.

„Ich weiß nicht, Harry. Was, wenn das Ministerium uns auf die Schlichte kommt? Oder Dumbledore? Oder…“

„Gin, langsam“, sagte Harry und unterbrach sie erneut. „Diese drei Jungs hier“, er nickte in Richtung Padfoot, Wormtail und Prongs, „sind seit einigen Jahren Animagi und keiner ist und wird ihnen je auf die Schliche kommen. Denk nur an Krätze, er hat es 12 Jahre geschafft…“ Er warf einen genaueren Blick auf Peter, es tat ihm leid, so über ihn reden zu müssen. „Also bin ich mir sicher, dass, falls wir es schaffen sollten, es so schnell auch niemand merkt, außer wir verwandeln uns direkt vor den Augen eines Beamten.“

Ginny seufzte. „Mir ist einfach unwohl bei dem Gedanken… wenn die Todesser das mitbekommen… der Tagesprophet…“

„Hier kennt uns niemand, Gin. Meine Eltern leben noch, ebenso wie Voldemort. Kein Tagesprophetklatsch zum Frühstück, keine nervenden Lehrersprüche, keine Heldentaten. Hier bin ich einfach nur Harry Smith, der Junge aus Australien. Verstehst du? Das ist die Chance, undercover zu arbeiten ohne, dass es jemand mitbekommt. Und falls - ich betone, falls - Dumbledore doch etwas mitbekommen sollte: er weiß, worum es geht. Denk an Dumbledores Armee, er hat uns alle in Schutz genommen und ich bin mir sicher, das würde er bei dem, was wir jetzt hier anstreben, wieder tun. Vielleicht sollten wir es ihm ohnehin sagen….“

Es war eine Weile still, Ginny versuchte, den Worten ihres Freundes zu folgen - und Lily war beinahe entsetzt über das, was Harry ihr dort eben ausgebreitet hatte. Das war etwas, worüber sie sicher bisher noch keine Gedanken gemacht hatte. Harry würde der letzte lebende Potter sein. Geliebt und gehasst gleichermaßen wegen einer Tat, die ihn zum Waisen machen würde.
Sie schluckte.

Ihre Achtung vor ihrem Jungen stieg beträchtlich, als sie sich seine Worte vor Augen führte.

Der Tagesprophet schien über ihn zu schreiben. Und Harry hatte gesagt, dass es wieder Krieg geben würde - wahrscheinlich würde die Redaktion des Propheten wieder, als eine der ersten einknicken, wenn es um die Wahrheit ging.

Er würde wegen seines Namens verleumdet und verfolgt werden. Und wegen einer Narbe, an die er sich nicht erinnern konnte.
Eine Narbe, die er als Preis für den Tod seiner Eltern erhalten hatte.

Entschlossen trat sie einen Schritt vor, stand nun direkt neben Ginny und Harry. „Ich helfe euch“, sagte sie mit so fester Stimme, wie es ihr möglich war. Sie wusste, dass sie zitterte, doch sie meinte ihre Worte ernster denn je.

„Wie?“, fragte Harry verwirrt, der gar nicht gemerkt hatte, dass Lily neben sie getreten war.

„Ginny, tut mir leid - aber ich muss Harry Recht geben. Ein Animagus zu sein könnte euch - uns - unverhoffte Vorteile verschaffen. Ich habe zwar nicht alles verstanden, was du eben gesagt hast, Harry, aber ich denke, wir sollten es versuchen.“

Harry sah sie ziemlich sprachlos an, Ginny sagte gar nichts mehr.

„Hast du eben… wir gesagt?“, flüsterte er und Lily sah, wie sich seine Augen mit Tränen füllten. Unsicher schniefte er sie weg.

„Oh ja. Ich werde dich nicht noch einmal verlieren, Harry. Du sollst ein Leben mit Eltern haben, lebenden Eltern. Dafür werde ich alles tun, wirklich alles.“ Auch Lily blinzelte ein paar Tränen weg und plötzlich lag Harry in ihren Armen und klammerte sich an sie.

„Danke, Mum“, hauchte er, Lilys Herz setzte für einen Herzschlag aus. Sicher, es war nicht das erste Mal, dass er sie so nannte - aber es schien ihr das erste Mal, dass es in solch einem Kontext von Sohn zu Mutter gesagt wurde.
Das Gefühl war einfach unbeschreiblich schön, ein wenig hilflos strich sie dem 17-jährigen über den Rücken wie einem kleinen Kind und merkte, wie Harry sich langsam entspannte.


Etwas verlegen löste er sich von seiner Mutter, als Ginny vor ihn trat und seine Hände in die ihre nahm.

„Hör zu, du hast mich überzeugt. Ich bin dabei, auch wenn es riskant ist. Aber wenn wir Voldemort so entgehen können, würde ich alles tun.“

Glücklich küsste er sie auf den Mund, sie umarmten sich lange, hielten sich einfach nur fest.
Bis eine Stimme sie in die Gegenwart zurück holte.

„Wann fangen wir an?“, fragte Beccy mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

In der Sekunde waren auch Sirius, Wurmschwanz und James wieder in ihre eigentliche Gestalt zurück gekehrt und sahen die vier neugierig an.

„Wer fängt was an?“, fragte James und blickte zwischen Lily und Harry hin und her. Irgendetwas ging hier vor…

„Ähm…“, machte Harry, er wusste nicht ganz, ob das ein Thema für die große Runde war.

„Was haltet ihr davon, wenn wir erst einmal ins Warme gehen?“, schlug Remus vor und rettete damit die Situation. Er selbst hatte nur die Hälfte mitbekommen und wollte sich nicht aufdrängen, aber er hoffte, dass es sich bei einer Tassen heißen Kakaos besser reden ließ.

Zustimmendes Gemurmel erklang und die Gruppe setzte sich in Richtung Schloss in Bewegung. Harry und Ginny bildeten die Nachhut. Hand in Hand stapften sie durch den Schnee und diskutierten halblaut über die Idee, Animagi zu werden.

„Ich hab dich die letzten Wochen selten so glücklich gesehen wie in den letzten Minuten“, sagte Ginny und sah ihn liebevoll an.

Harry strahlte zurück. „Das könnte an drei Sachen liegen. Erstens, wir kommen dem Plan näher. Zweitens, meine Eltern sind hier und am leben. Und drittens bist du bei mir.“

Damit zog er sie zu sich und küsste sie hingebungsvoll und sie ließ sich küssen, erwiderte den Kuss nicht weniger zärtlich. Sie hatten es bis hier hin geschafft. Der Stress der letzten Monate, Tage und Stunden schien sich in Nichts aufzulösen, es gab nur noch sie beide, hier und jetzt.
Keinen Voldemort, keine Horkruxe, keinen Kampf, keine toten Freunde.
Alles das zählte im Moment nicht und all das würde hoffentlich niemals stattfinden.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Kapitel 11

Bücher, die besten Freunde der Menschen

James kam auf das Thema Animagi zurück, als die Acht wieder im Gemeinschaftsraum saßen und sich an Kakao und Marshmallows gütlich taten.

„Gibt es da etwas, was ich wissen müsste?“; er fragte es zwar scherzhaft und mit funkelnden Augen, dennoch war klar, dass er sich nicht würde täuschen lassen.

„Ich - ähm“, Harry räusperte sich, er hatte es sich leichter vorgestellt, seinem Dad von seiner Idee zu erzählen, „ich möchte, dass ihr mir zeigt, wie man ein Animagus wird.“ Harry sah seinen Dad bittend an.

„Ich find die Idee klasse“, antwortete Sirius enthusiastisch, schrak aber eine Sekunde später schon zusammen, als James laut sagte: „NEIN!“

„Prongs, warum willst du ihm nicht zeigen, wie er einer wird? Wir sind doch auch welche und haben es sogar ohne Hilfe geschafft. Meinst du nicht, er könnte es?“, fragte Sirius seinen besten Freund.

„Genau Prongs, wenn selbst ich es geschafft habe, schafft er es bestimmt auch!“, unterstützte Peter nun Sirius, als er sah, dass James diesen böse angefunkelt hatte.

„Ich glaube ja auch, dass er es schaffen kann, daran liegt es nicht. Aber es ist viel zu gefährlich, es kann soviel dabei schief gehen. Weißt du nicht mehr, Pad? Deine erste Verwandlung, du konntest dich erst nicht wieder zurück verwandeln und als du es endlich geschafft hattest, hattest du immer noch deinen Hundeschwanz.“
Sirius sah James empört an, das sollte eigentlich immer unter den vier Maraudern bleiben, aber nun hatte James es so eben einfach ausgeplaudert, wie ein altes Klatschweib.

„Und bei dir, Wormy? Du hattest deine Schnurhaare auch noch eine Woche, wir konnten von Glück sagen, dass Ferien waren, sonst wäre alles aufgeflogen. Was ist, wenn etwas schief geht?“ Er schaute bei seinen letzten Worten Harry besorgt an.

„James“, ging Lily sanft dazwischen und trat einen Schritt auf James zu. Sie nahm ihn sanft in den Arm und gab ihm einen Kuss auf die Nasenspitze, was ihm ein schwaches Lächeln entlockte. „Beruhige dich bitte“, fügte sie noch hinzu, bevor sie ihn wieder in einen der Sessel vor dem Kamin drückte und sich auf seinem Schoß nieder lies, damit sie ihn schnell beruhigen konnte.

„Meint ihr - chrchrm meint ihr, ein Werwolf kann auch ein Animagus werden?“, fragte Remus schüchtern in die Runde.

Lily blickte James interessiert an und fragte ihn: „Du hast doch bestimmt damals einiges zu dem Thema gelesen, weißt du noch, ob da etwas über Werwölfe stand?“

James' Blick schweifte in die Ferne und man sah ihm an, dass er versuchte sich genau zu erinnern, was in den vielen Büchern, die er damals sogar freiwillig gelesen hatte, stand. Wie war das noch mit den Werwölfen, dachte er. „Ich glaube, da stand nur, dass Werwölfe Animagi nicht angreifen, da sie keine Tiere angreifen und dass ein Werwolf keine Animagigestalt sein kann. Pad, fällt dir noch was ein? Du hast die Bücher doch auch gelesen!“

„Sirius hat Bücher gelesen? Und das auch noch freiwillig?“ Beccy brach in Gelächter aus. Sie kringelte sich und war kaum zu beruhigen. Sirius sah sie beleidigt an.

„Ja O'Conner, ich kann lesen, man höre und staune.“ Sirius schmollte, aber als James seine Frage noch einmal wiederholt hatte, wandte er sich seinem besten Freund zu und sagte: „Sorry James, aber mehr als du schon gesagt hast, fällt mir im Moment auch nicht ein.“

„Mir fehlt Hermine“, murmelte Harry leise, so dass es nur Ginny hören konnte.

„Lasst uns später weiter reden. Lily kommst du mit?“ wandte sich Harrys Freundin an ihre hoffentlich zukünftige Schwiegermutter.

„Wohin?“, fragte Lily total ahnungslos, ließ sich aber von Ginny hochziehen. Sie konnte James noch gerade einen flüchtigen Kuss auf die Wange geben und wurde schon von Ginny aus dem Gemeinschaftsraum gezerrt. Harry und James sahen ihren Freundinnen verblüfft hinterher.

„Was hat deine Freundin vor, Harry?“, fragte Remus und sah auf die Rückwand des Portraits, durch das die beiden Ladys eben verschwunden waren.

„Wenn ich das wüsste“, seufzte Harry und zuckte mit den Schultern, um seine Worte zu unterstützen.

„Ginny, wo wollen wir hin?“, fragte Lily immer noch verwirrt.

Ginny blieb stehen, sah Lily an und fing mit ihrer Erzählung an: „In unserer Zeit hat Harry zwei beste Freunde, der eine ist mein Bruder und dann gibt es da noch Hermine. Hermine ist eine der schlauesten Hexen, die es je gegeben hat und in Situationen wie diesen, hätte sie vermutlich sofort eine Antwort gewusst. Sie hat sehr viel gelesen und weiß auf alles eine Antwort und wenn sie doch einmal keine weiß, geht sie in die Bibliothek und findet die Lösung. Und Harry hat eben gemurmelt, dass sie ihm fehle. Ich möchte einfach nicht, dass er traurig oder unglücklich ist, deshalb will ich jetzt in die Bibliothek gehen und herausfinden, ob Remus auch ein Animagus werden kann oder nicht und ich hatte gehofft du hilfst mir, denn du sollst in dieser Zeit das sein, was Hermine in unserer Zeit ist. Die klügste Hexe an der Schule.“

Lily wurde bei den Worten ihrer zukünftigen Schwiegertochter so rot, dass man keinen Unterschied zwischen ihren Haaren und ihrem Gesicht erkennen konnte.

„Wer hat behauptet, ich wäre die klügste Hexe? Denn das bin ich nicht. Meine guten Noten sind nur auf meinen Fleiß beim Lernen zurück zuführen.“ Lily blickte schüchtern auf ihre Schuhspitzen.

„Sirius und Remus haben es uns in unserer Zeit erzählt. Sie halten viel von dir, die Beiden“, antwortete Ginny und blickte Lily lächelnd an.

„Na los, lass uns herausfinden, ob Remus pelziges Problem ein Hindernis bei unserem Plan ist oder nicht!“ Lily zog, um der unangenehmen Situation zu entgehen, Ginny hinter sich her in die Bücherei.

Von Remus hätte ich ja gedacht, dass er so oder zumindest so ähnlich von mir denkt, aber das Sirius auch so viel von mir hält - Lily war in ihren Gedanken versunken und merkte gar nicht, wie sie am Eingang einer ihrer liebsten Orte in Hogwarts angelangt waren.

Lily schreckte aus ihren Überlegungen, ob sie Sirius vielleicht doch unrecht getan hatte auf, als Ginny stoppte.

„Weißt du, wo wir suchen müssen?“, wandte sich die Jüngere an Lily.

„Folge mir, die Bibliothek kenne ich wie meine Westentasche...“

„Westentasche? Aber du trägst doch gar keine Weste?“ Ginny schaute Lily irritiert und fragend an.

„Das ist ein Muggelsprichwort. Es bedeutet soviel wie etwas in- und auswendig kennen“, antwortete Lily lächelnd, nahm die Hand von Ginny wieder in die ihre und zog sie in die Abteilung, wo sich die Bücher über Verwandlung befanden.

Lily schubste Ginny sanft auf einen Stuhl, der an einem Tisch in einer geschützten Ecke stand und wanderte durch die Regale mit den Büchern über Verwandlung. Sie fuhr mit ihrem Finger die Buchrücken entlang und murmelte hier und da die Titel vor sich hin. Hin und wieder nahm sie eines der Bücher in die Hand, blätterte kurz darin und klemmte sie sich entweder unter ihren Arm oder stellte es kopfschüttelnd wieder an seinen Platz. Nach dreißig Minuten kam Lily mit acht dicken Wälzern zurück zu Ginny und setzte sich ihr gegenüber. Ginny, die Lily beobachtet hatte, kicherte leise, als Lily sich gesetzt hatte und kein Wort sprach, sondern sich sofort eines der Bücher schnappte und drin las. Als das Kichern lauter wurde, sah sie auf und schaute Ginny fragend an: „Was ist denn los? Was hast du?“

„Sirius und Remus wissen gar nicht, wie recht sie mit dem Vergleich von dir und Hermine hatten“, sagte Ginny immer noch lachend.

Lily blickte auf und strich sich verlegen die Haare hinter die Ohren.

„Ich hatte so viel nachzuholen, als ich herausgefunden habe, dass ich zaubern kann, dass Bücher einfach wichtig für mich geworden sind.“ Ginny musste wieder kichern.

„Das sollte doch kein Vorwurf sein - eher Bewunderung.“ Ein leicht trauriger Ausdruck trat in ihre braunen Augen. „Ich würde auch…“ Sie brach ab und man hatte das Gefühl, dass sie den letzten Satz bereute. Lily wollte erst nachfragen, aber ihr Blick wurde von einem, gold schimmernden Titel gefesselt.

„Werwölfe - Monster oder die besten Animagi, die es gibt?“, murmelte sie vor sich hin.

„Aber Werwölfe und Animagi, sind das nicht Gegensätze in sich?“, wandte Ginny ein, als Lily das Buch aus dem Regal zog und aufgeregt nach dem richtigen Kapitel suchte. „Wie kann jemand so was behaupten?“

Aber Lily schüttelte nur kurz den Kopf.
„Das ist es ja. Er behauptet es nicht, er handelt das Thema ab.“ Ginny war einfach nur sprachlos. Lily war wirklich Hermine - nur eine Generation älter. Noch nie hatte sie jemanden so sicher über verschiedene Style der Literatur sprechen hören. Aber den Sinn hatte sie trotzdem nicht verstanden.

„Und wie soll uns das nun bei der Frage helfen, ob Remus ein Animagus werden kann, oder nicht?“
Lily blickte auf und antwortete frei heraus: „Das weiß ich noch nicht - aber es klang interessant.“ Ginny schüttelte breit lächelnd den Kopf. Lily legte manches Mal einen eigenartigen Humor an den Tag - aber durchaus einen, den sie mochte.

„Und, was gefunden?“ James tauchte zwischen den Bücherregalen auf und schlenderte zu den Beiden hinüber. Lily sah auf, schenkte ihm ein strahlendes Lächeln und schüttelte bedauernd den Kopf.

„Nein, noch nicht, aber wir werden was finden.“ James erwiderte ihr Lächeln und einen Moment sahen die Beiden sich so verliebt an, dass Ginny sich ganz falsch am Platze fühlte und wünschte Harry wäre mit James gekommen.
Aber dann war dieser eigenartige Moment vorüber und James runzelte die Stirn.
„Woher nimmst du eigentlich dein unerschütterliches Vertrauen in die Hogwarts-Bibliothek?“

Lily lächelte geheimnisvoll.
„Weil sie mich bis jetzt noch nie im Stich gelassen hat.“

James schnaufte. „Irgendwann ist immer das erste Mal.“

Nun schüttelte Lily den Kopf. „Du bist aber auch Pessimist.“

„Wenn du immer vom Schlechtesten ausgehst, kann es nur besser werden“, argumentierte James.

„Aber Pessimisten sind nicht mal dann glücklich, wenn sie unglücklich sind“, widersprach Lily.

„Das hast du auch wieder recht“, lachte James und seine dunklen Augen blitzen.

Da konnte Ginny nicht mehr an sich halten und brach in schallendes Gelächter aus.

„Ihr solltet euch mal reden hören“, japste sie, als sie sich den verwirrten Blicken der Schulsprecher gewahr wurde.

„Na, lieber nicht!“ James schien ernstlich entsetzt über diesen Vorschlag, was Ginny wieder nahe an einen Kicheranfall brachte.

„Was machst du eigentlich hier, Darling? Sonst meidest du die Bibliothek doch, als wäre sie eine unheilbare Krankheit“, fragte Lily und blickte James liebevoll an.

James schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn, kramte in der Tasche seines Umhangs und zog daraus seinen Tarnumhang hervor.

„Ich dachte, den könntet ihr brauchen, damit ihr ungesehen in die Verbotene Abteilung könnt, ich hab mich erinnert, dass dort das eine oder andere hilfreiche Buch über Animagi stand.“ Lily wusste nicht, ob sie ihn missbilligend anschauen sollte oder ob sie sich freuen sollte.
Ginny nahm ihr die Entscheidung ab: „Die Idee ist klasse, aber wie lenken wir Madam Pince ab?“

„Wen bitte?“, fragten Lily und James wie aus einem Munde.

„Die Bibliothekarin von Hogwarts - Oh oder ist es hier jemand anderes?“ Ginnys Wangen färbten sich leicht rosa, sie hatte ganz vergessen, dass sie in der Vergangenheit war und das hier manches anders war als in ihrer Zeit.

„Ach, du meinst Mr. Lyall. Der bekommt das nicht wirklich mit. Der ist schon steinalt, halb taub und halb blind. Eigentlich kannst du hier alles machen, was du willst, ohne dass es ihn stört“, antwortete Lily und lächelte Ginny beruhigend an.

„Da habt ihr es eindeutig besser als wir“, meinte Ginny, „Bei uns ist eine strenge Dame für die Bücherei zuständig und sie achtet penibel darauf, dass alle Regeln eingehalten werden und ja keiner zu laut ist, oder ihre geliebten Bücher auch nur mit schmutzigen Fingern anguckt.“ Ginny verdrehte genervt die Augen, als sie an diese unmögliche Person dachte und fügte noch hinzu: „Sie macht Filch Konkurrenz mit ihrem Verhalten.

„Oh man ihr seid wirklich nicht zu beneiden“, murmelte James und blickte Ginny mitfühlend an, „es ist ja nicht so, als würde ich die Bücherei so lieben, wie es Lily tut aber zwei Filch würde ich nicht überleben. Magst du uns ein bisschen was über deine und Harrys Schulzeit erzählen? Also ohne die Abenteuer, sondern das Leben drum herum?“

Ginny überlegte. Harry ohne Abendteuer? Das wäre wie irische Musik ohne Fiddle. Aber dennoch ließ sich da bestimmt etwas finden. Auf einmal fiel ihr etwas ein. Aber natürlich! Sie grinste James an.

„Hast du Lust zu hören, wie Harry in seinem dritten Jahr den Quidditch-Pokal gewonnen hat?“

„Ja!“ In James' Augen blitze Begeisterung und Stolz, um die Wette.

„Ich würde lieber alles von Anfang hören, wie er seine Freunde gefunden hat“, warf Lily ein. James schien leicht geknickt, widersprach jedoch nicht.

„Tut mir Leid. Da müsstest ihr Ron, oder Hermine fragen - aber die sind ja noch nicht einmal geboren“, musste Ginny passen und die Erinnerung an ihren Bruder trieb ihr die Tränen in die Augen.

Lily, die ihr gegenüber saß, bereute ihre Worte sofort.

„Ginny, hey. Alles wird gut. Du wirst ihn wieder sehen.“ Ginny wischte sich über die Augen und kaute auf der Unterlippe.

„Ja…schon…“ Sie atmete nochmals tief durch und straffte die Schultern.

„Das erste Mal richtig kennen gelernt hab ich Harry, als er im Sommer vor meinem ersten Hogwarts-Jahr bei uns zu Hause war.“ Sie stoppte und musste zaghaft lächeln. „Obwohl „kennen gelernt“ ist übertrieben. Ich war zu schüchtern, um auch nur ein Wort mit ihm zu wechseln.“

„Wieso zu schüchtern? Du bist hübsch und klug dazu“, wunderte sich Lily und sorgte dafür, dass Ginny röter anlief, als ihr Haarschopf und nur verlegen murmeln konnte: „Ich hatte mich im Jahr davor, als wir uns in King's Cross gesehen haben, in ihn verliebt.“ Sie stoppte überrascht, als James ein Glucken ausstieß.

„Das ist nicht lustig, James.“ Lily strafte ihren Freund mit einem vernichtenden Blick. Dieser allerdings schüttelte hektisch den Kopf.

„Nein! Ich lach nicht deswegen, ich habe mich nur gerade gewundert, wie ironisch die Welt sein kann.“

„Wie jetzt?“ Nun hatten Ginny und Lily nicht nur die gleiche Haarfarbe, sondern auch den gleichen verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht.

„Das versteh ich nicht, James.“ Lily schüttelte zu Verdeutlichung ihrer Worte den Kopf, dass ihre roten Locken nur so flogen. James lief rosa an, was in einem ziemlich amüsierten Kontrast mit den schwarzen Haaren stand und nuschelte: „Ich liebe dich auch schon, seit dem Moment, als ich dich das erste Mal gesehen habe.“ Lily war so perplex, dass sie die Augen aufriss.

„Aber…aber, dass war im Hogwarts-Express und ich habe dich zur Schnecke gemacht, weil du Severus geärgert hast.“ Ginny konnte ihren Kicheranfall einfach nicht unterdrücken - das Bild, was sich gerade in ihrem Kopf formte, war einfach zu köstlich - eine wütend und knallrot angelaufene Lily, machte einen James nieder, der sie einfach nur schmachtend ansah.

Lily grinste mit, während James die ganze Sache ziemlich peinlich zu sein schien.

„Ja na und?!“, verteidigte er sich schließlich. „So was nennt man halt ?Liebe auf den ersten Blick'!“

„Aber auf den allerersten“, prustete Ginny. Lily lachte mit ihr und selbst James musste grinsen, auch wenn er immer noch verdächtig rot im Gesicht war.

„Wie ging's denn nun weiter - wenn du dich nicht getraut hast mit Harry zu reden?“ James versuchte mit allen Mitteln von diesem so peinlichen Thema weg zukommen.

Ginny allerdings wäre gerne bei diesem Thema geblieben. Denn nun würde sie wieder Rede und Antwort stehen müssen.

„Das erste Mal, als ich richtig mit Harry gesprochen habe, ohne dass ich nur gestottert habe, war wohl im dritten oder vierten Schuljahr.“ Lily schenkte ihr einen mitfühlenden Blick, während James seufzte.
„So was ist immer hart - sehr hart.“

Lily runzelte die Stirn. Hatte ihre jahrlange Ablehnung James vielleicht mehr geschmerzt, als er es je - selbst ihr gegenüber - zu gegeben hatte?

Ginny war der Tonfall in den Worten gar nicht aufgefallen, da sie schwer in Gedanken versunken war und angestrengt nachdachte.

„Hart war es ja - aber vielleicht habe ich das auch gebraucht.“ Ihr Murmeln war so leise, dass die Vermutung nahe lag, dass ihr gar nicht bewusst war, dass diese Worte überhaupt ihre Lippen verlassen hatten.

„Wie kann es gut sein jeden Tag enttäuscht und verletzt zu werden?“, sagte James leise.
Lily zuckte bei den Worten ihres Freundes zusammen - da waren sie, die Worte, vor denen sie solche Angst hatte. Sie hatte ihn verletzt, sie hatte ihn enttäuscht und sie hatte es nicht einmal realisiert.

„Lily?“ Sie schreckte auf und sah, dass Ginny sich zu ihr gebeugt hatte und sie forschend musterte. „Alles in Ordnung?“ Lily nickte, sagte aber nichts, da sie ihrer eigenen Stimme nicht traute. Sie zitterte innerlich noch zu sehr.
Ginny sah dennoch sehr misstrauisch aus.

„Und wie hat Harry nun den Quidditch-Pokal gewonnen?“, unterbrach James hibbelig die angespannte Stille, die sich über den Raum zu legen drohte.
Ginny nahm den Faden zwar auf, aber dennoch schwor sie sich, sich nicht mit Lilys einfachem Nicken abspeisen zu lassen.

„Es war das grandioseste Quidditch-Spiel, was Hogwarts, glaub ich, jemals zu Gesicht bekommen hat. Es war Gryffindor gegen Slytherin.“

„Das kann ich mir vorstellen“, grinste James. „Diese Rivalität gibt es schon so lange, wie es diese Quidditch-Turniere gibt.“ Ginny zweifelte nicht an seinen Worten - jeder Schüler wusste, dass diese beiden Häuser, die unterschiedlich nicht hätten sein können, im ewigen Wettstreit standen.

„Und Harrys größter Rivale, Malfoy, spielt als Sucher in der Mannschaft von Slytherin. Allerdings hat er sich nur in die Mannschaft eingekauft.“ Sie verzog das Gesicht, als sie an Malfoys Überheblichkeit dachte und James knurrte wütend: „Ich hasse solche Typen - Daddy hat 'nen Haufen Geld - also habe ich auch Talent.“ Er tat so, als müsse er sich über die Tischkante erbrechen und Ginny kicherte erheitert.

„James, bitte!“ Lilys Vorwurf und Aufruf zu anständigem Benehmen, verlor deutlich an Ernsthaftigkeit, als sich ein Glucksen aus ihrer Kehle löste.
James grinste breit und in seinen Augen saß der Schalk.

„Ist doch aber wahr!“ Nun war die Empörung in die Stimme zurückgekehrt und der Schalk machte dem düsteren Zorn Platz. „Wir waren auch immer reich, aber nie wäre ich auf die Idee gekommen, mir meinen Platz in der Mannschaft zu erkaufen!“

„Hast du ja auch nicht nötig.“ Ginny sagte dies aus ganzem Herzen - sie musste ihn nur über seine Sportart reden hören, um zu wissen, dass er billige Tricks nicht nötig hatte.

James sah beinahe geschmeichelt aus.

„Danke.“

„Bitte.“ Sie lächelten sich kurz und völlig frei von irgendwelchen Hintergedanken an - was nicht immer so gewesen war.

Lily saß stumm zwischen den Beiden und fühlte sich froh und leicht - alles würde besser werden. Die schreckliche Zukunft, von der sie erfahren hatten würde niemals stattfinden - dessen war sie sich sicher.

„Und wie ging's weiter?“, lenkte James das Thema wieder auf das finale Spiel zwischen Gryffindor und Slytherin.

„Das Spiel war große klasse - aber auch furchtbar brutal. So was hatte ich vorher nur in der Liga gesehen.“ James runzelte die Stirn.

„Mhm… Es ist wirklich eigenartig, wie gerade bei dieser Begegnung es immer zu den schwersten Fouls kommt.“

„Sie sind schon immer die stärksten Mannschaften gewesen und das komplette Gegenteil vom jeweils anderen“, warf Lily ihre Meinung ein. Sie lachte, als sie James' verblüfften Blick bemerkte.

„James, vergiss nicht, meine beste Freundin ist die Rebecca O'Conner.“ James lachte hell.

„Ja, dann kann selbst an dir nicht alles spurlos vorüber gehen.“ Er kicherte ein wenig in sich hinein.

„Und wie hat Gryffindor dann gewonnen, wenn sich Malfoy eingekauft hat?“ Wieder standen Wut und Zorn in den Augen des Jägers.

Ginny grinste.
„Mit einem legendären Harry-Potter-Sturzflug.“

„Oh“ Lily konnte sich da einiges drunter vorstellen und wurde jetzt noch ganz blass, wenn sie an Harrys kleine „Vorführung“ dachte.

„Ich glaube, den hat Harry uns schon gezeigt, beim Quidditch-Feld“, murmelte James und man sah ihm an, dass er eine Mischung aus Stolz, Bewunderung und Sorge, aber auch Erleichterung verspürte.

Faszinierend, was Menschen so alles auf einmal fühlen - und ausdrücken - können, dachte Ginny und lächelte in sich hinein.

„So jedenfalls“, sprach sie weiter, „blieb der Slytherin-Sucher hinter ihm zurück und bog schließlich ganz ab und das Stadion konnte nur entsetzt zusehen, wie Harry mit rasendem Tempo auf dem Boden zuraste.“

Ginny gönnte sich die Spannungspause und musste grinsen, als sie James' und Lilys Gesichter sah. Obwohl sie das Flugmanöver bereits kannten, war die Vorstellung, diesen in einem vollbesetzten Stadion zu sehen, doch etwas anderes.

„Und dann - in letzter Sekunde - riss er den Besen hoch und hielt den Schnatz in die Luft. Ich glaube, es hat etwas gedauert, bis alle verstanden hatten, was passiert war und es wieder wagen konnten, zu atmen.“ Ginny konnte ein Glitzern in ihren Augen nicht unterdrücken. Einerseits aus Stolz und Liebe zu Harry, doch auch ihr war damals das Herz stehen geblieben und bei dem Gedanken, was passiert wäre, wenn er es nicht geschafft hätte - nein, sie wollte jetzt nicht daran denken.

Ein wenig unsicher lächelte und knetete sie kurz ihre Hände, irgendwie war ihr plötzlich unbehaglich zumute. Die Dementoren, die in dem Jahr das Schloss ?bewachen' sollten, waren ihr in lebhafter Erinnerung. An den Grund dafür mochte sie gar nicht erst denken.

Es wird niemals soweit kommen, versuchte sie sich selbst Mut zusprechen. Sirius wird nicht nach Askaban kommen, Peter wird nicht zum Verräter werden… all das müssen wir verhindern.

„Ginny?“, holte eine Stimme sie aus den Gedanken, Lily sah sie aus warmen Augen an. „Alles in Ordnung?“

Ginny schluckte und nickte schnell, doch Lilys zweifelnder Blick blieb. Unmerklich schüttelte Ginny den Kopf und Lily verstand.

„Ich würde gerne wissen, wie es mit dir und Harry weiter ging?“, fragte sie und sah Ginny freundlich an, die prompt wieder etwas Farbe im Gesicht bekam.

„Naja, in den Sommerferien zum vierten Schuljahr war Harry mit uns bei der Quidditchweltmeisterschaft. Es war grandios und ich war nervöser denn je“, grinste sie. Das Auftauchen der Todesser verschwieg sie lieber.

„Im vierten Jahr kam dann das Trimagische Turnier, an dem Harry unfreiwillig teilnehmen musste. Und noch jemand kam - Cho Chang.“ Die letzten Worte hatten nicht mehr ganz so freundlich geklungen, ihr Blick wurde schmal.

„Oh oh“, sagte James nur, der diesen Blick kannte. Er ahnte, wer diese Chang war und auch, wie Ginny sich ihr gegenüber gefühlt haben musste. Ein Blick auf Lily beruhigte ihn jedoch wieder. Das war vorbei, sie war jetzt sein Mädchen.

„Ich weiß nicht genau, was da zwischen ihnen je lief - aber ich habe sie gehasst. War jedoch machtlos, denn für Harry war ich einfach nur die kleine Schwester seines besten Freundes. Ich hatte so Angst um ihn in diesem vermaledeiten Turnier - und dann kam das Finale. Und Harry kehrte aus dem Labyrinth mit dem toten Cedric Diggory zurück.“

Ginny merkte, dass dieses Gespräch in eine ganz andere Richtung verlief, als geplant. Sie hatte über sich und Harry reden wollen - leider hatte es das bis vor kurzen kaum gegeben. Sie schluckte, der Gedanke, dass es nicht nur einen Toten an diesem Abend hätte geben können, ließ ihr Herz schmerzhaft schlagen, sie merkte, wie sich ihre Finger in den Unterarm krallten.

„Oh mein Gott“, murmelte Lily. Sie hatte die Geschichte zwar schon von Harry gehört - doch es von jemandem zu hören, der nicht direkt beteiligt, sondern zum Zuschauen verdammt war, war nicht weniger hart.

„Im fünften Jahr entstand Dumbledores Armee - und ich war glücklich wie nie, endlich in Harrys Nähe zu sein, wollte mich beweisen, dass er mich endlich beachtete.“ Sie musste lächeln, als sie daran dachte, wie beinahe verbissen sie an den Zaubern gearbeitet hatte, um Harry endlich zu beeindrucken. Ihren Reducto-Zauber hielt er ihr heute noch vor.

„Doch Harry hatte nur Augen für Chang - und ich suchte Ablenkung, bis in meine fünfte, Harrys sechste Klasse hinein. Dann wurde Harry Quidditchkapitän. Und er brauchte neue Spieler.“ Ein breites Grinsen schlich sich auf ihre Züge, als sie an das Sichtungstraining dachte. Sie wusste, dass Hermine ihre Finger im Spiel gehabt hatte, was den Hüter betraf und sie wusste nun, dass Harry wirklich eifersüchtig auf ihren damaligen Freund gewesen war.

„Und ich spielte vor - und wurde aufgenommen“, schloss sie und ein verliebter Ausdruck trat in ihre Augen.

James und Lily warfen sich viel sagende Blicke zu und ließen Ginny eine Weile in ihren Erinnerungen.

„Und dann, nach dem letzten Spiel der Saison - hat er mich geküsst, mitten im Eingang vom Gemeinschaftsraum. Ich dachte, ich träume - hatte er mich endlich erhört? Doch er hatte es und ich war einfach nur so glücklich wie noch nie.“ Sie merkte, wie ihre Innere Anspannung etwas nach ließ, je länger sie darüber redete, es tat gut. Hier mit Menschen zu sitzen, die es verstanden und denen sie etwas bedeuteten. Sie schlug die Beine übereinander und lehnte sich etwas zurück, versuchte, ganz in der Erinnerung einzutauchen, alles andere für ein paar Sekunden zu vergessen.

Ein schmerzhafter Stich durchfuhr sie, als sie an der Ende des Schuljahres dachte.

James sah Lily aus den Augenwinkeln an. Wusste sie eigentlich, dass das, was Ginny so eben erzählt hatte, auch seine Geschichte hätte sein können? Es erschreckte ihn beinahe, dass sich Harry und Ginny in vielen Dingen ihm und Lily so verdammt ähnlich waren. Doch hier waren anscheinend die Rollen vertauscht worden.

Mit einem warmen Blick bedachte er Ginny, er wusste, was das arme Mädchen durch gemacht hatte, oder ahnte es zumindest. Immer nur hinten an zu stehen, stumm zu lieben, dass es einem das Herz zerriss - doch sie waren beide ans Ziel gekommen. Und glücklich.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Kapitel 12

Vollmond und seine Folgen

„Was war das?“, fragte Ginny und sah sich nach dem lauten Geräusch um. Lily fing an zu lachen, während James beschämt zu Boden blickte.

„Das war mein Magen“, flüsterte James und traute sich immer noch nicht aufzuschauen.

„Du bist genauso wie mein Bruder Ron. Bei ihm muss man auch nicht auf die Uhr gucken, um zu wissen, dass es Zeit fürs Abendessen ist“, lachte Ginny und sah auf ihre Uhr.

James grinste nun auch wieder und sagte: „Lasst uns in die Küche gehen, das Essen ist seit einer halben Stunde vorbei. Die Hauselfen machen uns bestimmt noch eine Kleinigkeit.“

„Aber wollten wir nicht noch in die Verbotene Abteilung?“, fragte Lily. James seufzte und reichte seiner Freundin den Tarnumhang.

„Hole dir ein paar viel versprechende Bücher, die kannst du eh nur im Gemeinschaftsraum lesen und dann können wir alle dir nachher helfen. Hier, pack sie in meine Tasche. Ginny und ich warten beim Eingang auf dich und lenken Mr. Lyalls Aufmerksamkeit etwas auf uns, damit er noch weniger mitbekommt.“ James gab Lily noch einen Kuss, bevor diese unter dem Tarnumhang verschwand.

James und Ginny gingen schwatzend Richtung Ausgang, während Lily sich zur Verbotenen Abteilung schlich. Sie hatte zwar von Professor Slughorn eine Erlaubnis diese zu betreten, allerdings nur um sich Bücher über Zaubertränke auszuleihen. Aus diesem Grund aber, kannte sie sich schon ein kleines bisschen in dieser Abteilung aus, so dass sie die Bücher über Verwandlung schnell fand. Sie fuhr mit ihrem Finger, wie sie es schon vorhin getan hatte, über die Rücken der Bücher und murmelte immer wieder ihre Titel vor sich hin. Viele dieser Titel verstand sie nicht, da viele in Latein oder Altgriechisch geschrieben waren.

Aber bei Zweien stutzte sie, denn eines der Wörter im Titel dieser beiden Bücher sagte ihr etwas. Es war das Wort Animagus, die Titel hießen: Qui Animagus ero (Wie werde ich ein Animagus) und Omne quod scire de alqa re Animagi debebant (Was sie alles über Animagi wissen sollten).

Sie nahm beide Bücher aus dem Regal und schlug sie vorsichtig auf. Hoffentlich geben diese Bücher keinen Laut von sich, dachte Lily währenddessen. Als sie die Bücher aufgeschlagen hatte, atmete sie erleichtert aus. Nicht nur, weil die Bücher still geblieben waren, was bei den Büchern aus dieser Abteilung nicht selbstverständlich war, sondern auch, weil diese Bücher auf englisch geschrieben waren. Sie schlug die Bücher wieder zu, steckte sie in James' Tasche und rückte die restlichen Bücher im Regal so, dass es nicht sofort auffiel, dass zwei Bücher fehlten.

Dann verließ sie auf leisen Sohlen die Verbotene Abteilung und ging auf James und Ginny zu, die immer noch am Eingang standen und sich unterhielten.

„Ja, ihm verdanken wir es, dass wir fast immer den Quiddichpokal in den letzten sechs Jahren gewonnen haben“, hörte Lily Ginny gerade sagen, als sie bei den beiden Wartenden ankam.

„Ich hab, was wir brauchen, kommt, ich habe nun auch Hunger“, flüsterte Lily und James und Ginny zuckten leicht zusammen, als sie so plötzlich angestupst wurden, folgten dann aber Lily ohne ein weiteres Wort. Als sie auf einem menschenleeren Gang ankamen, sagte James: „Nun kannst du den Umhang abnehmen, hier ist keiner, Darling.“

Nach einem Abstecher über die Küche betraten sie mit beladenen Armen den Gemeinschaftsraum. Natürlich hatten die Hauselfen es nicht bei einer Kleinigkeit belassen, sondern ihnen die gesammelten Reste des Abendessens aufgedrängt, so kam es James vor. Etwas verwirrt blickt er auf Harry, den sie so eben anscheinend aus einem Nickerchen aufgeweckt hatten und der sich nun aufrichtete.

„Hey, wo wart ihr denn so lange?“, fragte er und versuchte, ein Gähnen zu unterdrücken. Als er das Essen sah, merkte er erst, wie hungrig er eigentlich war.

Doch als James sich gut gelaunt in den Sessel fallen ließ und begann, zu essen, sah er ihn fragend und leicht vorwurfsvoll an.

„Dad?“

James sah überrascht auf und hielt im Kauen inne. Es war immer noch ungewohnt, wenn Harry ihn so nannte und das war nicht oft. Er sah Harry an, etwas in dessen Tonfall sagte ihm, dass etwas nicht stimmte.

„Was ist denn los?“, fragte er und überlegte angestrengt, ob er etwas verpasst hatte.

„Dad, was machst du hier? Jetzt? Du solltest - “

„Oh verdammt!“, fluchte James, schmiss sein Sandwich auf den Teller und riss den Tarnumhang an sich, zwei Sekunden später klappte das Portrait hinter ihm zu.

So schnell er konnte, rannte er den Gang entlang, wie hatte er den Vollmond nur vergessen können? Ausgerechnet! Er war die letzten Tage schon so wenig für seine Freunde da gewesen und nun vergaß er auch noch den wichtigsten Tag des Monats. Der Tag, an dem sie ihn wirklich brauchten. Sie vier waren ein Rudel, eine -

Er legte einen Zahn zu, als er daran dachte, wie Moony reagieren würde, wenn sein Rudel nicht komplett war. Würde er ausrasten? Ihn suchen wollen? Ausbrechen?

Seine Lungen brannten und schrieen nach Luft, seine Beine überschlugen sich fast. Endlich, der Baum, die Höhle, die Treppe, weg mit dem Umhang - mit hastigen Schritten betrat Prongs den Raum, sah sich hektisch um.
Was war hier passiert?

Pad lag fiepend in einer Ecke und leckte sich das offensichtlich blutende Bein, Wormtail lugte piepsend unter einer Bretterdiele hervor. Und Moony?
Moony sah ihn witternd an, machte seiner Wut durch ein kräftiges Heulen Luft. Prongs' Herz sank, wieso war er nur nicht da gewesen? Wieso lief in letzter Zeit alles irgendwie aus dem Ruder?

Aber selbst das war keine Entschuldigung, dass er ausgerechnet diese eine Nacht vergaß, ergeben senkte er den Kopf.

Moony knurrte, kurz darauf spürte Prongs, wie seine Wange heiß wurde und sah Blut auf den Boden tropfen. Da tat er das, was ihm als erstes einfiel - und hob den Kopf. Bot dem Werwolf so offen seine Kehle dar als Zeichen seiner Treue, Freundschaft und Untergebenheit gegenüber seinem ?Leitwolf'.
Zitternd wartete er ab, was nun geschehen würde.

Moony schnüffelte, er spürte sie kalte Schnauze an seiner Kehle - und dann eine raue Zunge, die kurz über sein Fell leckte. Prongs atmete auf, Moony hatte ihm verziehen.

Ob Moony das allerdings auch so leicht tun würde, war fraglich. Er würde sich durch einen dargebotenen Hals nicht so leicht beeindrucken lassen.

In den frühen Morgenstunden kehrten drei der vier Marauder in den Gemeinschaftsraum zurück, wo Lily und Beccy auf einem der Sofas saßen und auf die Jungs warteten, wie sie es immer taten, wenn Vollmond war. Remus war noch in der Heulenden Hütte und wartete auf die Krankenschwester von Hogwarts, Madam Pomfrey. Heute hatten sie offensichtlich mehr Gesellschaft gehabt als sonst, denn Harry und Ginny saßen auf der anderen Couch aneinander gekuschelt und schliefen.

Sirius wurde von James und Peter, die ihn stützten, in einen der Sessel gepflanzt. James ging zu Lily hinüber und weckte sie sanft.

„Lils, wir sind wieder da“, flüsterte er zärtlich, um sie nicht zu erschrecken. Lily schlug langsam die Augen auf. Als sie ihren Freund erblickte schrie sie auf: „Oh beim Barte von Merlin, was ist denn mit dir passiert, James?“

„Nichts, nur ein kleiner Kratzer, nichts weiter“, antwortete James, aber bevor er weiter sprechen konnte, wurde er schon von Lily unterbrochen.

„Nur ein keiner Kratzer - nur ein kleiner Kratzer?! James Liam Potter...!“

„Lily, nicht so laut! Du weckst die Anderen noch auf!“, stoppte James den Wutausbruch seiner Freundin, aber es war schon zu spät, denn nun rührten sich auch Beccy, Ginny und Harry.

„Oh Scheiße, Sirius. Remus muss ja ganz schön durchgedreht sein. Du musst zu Madam Pomfrey und zwar sofort“, wandte sich Harry an seinen Paten.

„Nein es geht schon. Lils flickt uns immer wieder zusammen, wenn Remus etwas durchdreht“, antwortete Sirius mit einem schwachen Lächeln im Gesicht.

Lily war auf das Gespräch aufmerksam geworden und ging nun, noch einen letzten wütenden Blick auf James richtend auf Sirius zu und sagte: „Sirius, Hose aus.“

„Ich wollte schon immer mal, dass du das zu mir sagst Li...“, konnte Sirius noch sagen, bevor er das Bewusstsein verlor.

Harry schaltete sofort, zog seinen Zauberstab und ging, Sirius vor sich herschweben lassend, rasch zur Krankenstation.

„Madam Pomfrey?“, rief er, während er Sirius vorsichtig auf eines der Betten nieder ließ.

Doch es blieb still. Harry stieß einen Fluch aus, wo war die Krankenhexe, wenn man sie mal brauchte?

Sirius' Augen flatterten und seine Hand suchte sich den Weg zu dem schmerzenden Bein. Harry wurde langsam panisch. Die Erinnerungen an jenen Abend in seinem dritten Schuljahr wurde lebendig, als er Sirius ohnmächtig am See getroffen hatte, über ihren Köpfen das eiskalte Rauschen der Dementoren -

In der Sekunde ging die Tür auf und die Krankenhexe betrat den Raum, bei sich den ebenfalls beinahe ohnmächtigen Remus. Behutsam lotste sie ihn zu dem vorbereiteten Bett und gab ihm einen schmerzstillenden Trank. Ein Schlaftrank war nicht nötig, Remus war, kaum hatte sein Kopf das Kissen berührt, ins Reich der Träume abgedriftet.

Besorgt schaute sie auf ihren Schützling, so erschöpft war er selten. Auch schien er sich wieder einige ernsthafte Verletzungen zugezogen zu haben. In solch einem ernsten Zustand hatte sie ihn zuletzt vor Jahren gesehen.

Ein Husten erregte ihre Aufmerksamkeit, beinahe hatte sie den Schüler, der auf dem Bett beim Eingang lag, vergessen. Sie trat hinter dem Vorhang hervor und war verblüfft, wen sie vor sich sah.

„Mister Smith? Mister Black?“, fragte sie und blickte auf den verletzten jungen Mann, der sich zur Seite gedreht hatte und das Bein in Schonhaltung abwinkelte.

Mit wenigen Schritten war sie bei ihnen, griff im Gehen einige Phiolen aus dem Glaskästchen und stellte sie an Sirius' Bett ab.
Mit prüfendem Blick und tastenden Händen begutachtete sie die Wunde. Sie kannte die ungestüme Art, des jungen Black, aber das hier… erschreckte sie.

Äußerlich jedoch ließ sie sich nichts anmerken, entkorkte eine der Phiolen und beträufelte die Wunde. Die Blutung stoppte und sofort begann das Gewebe, sich zu erneuern. In einigen Stunden würde man nichts mehr davon sehen können.

Dann jedoch hielt sie inne und warf einen Blick auf das Fläschchen. Sah weiter zu Remus' Bett und erinnerte sich, dieselbe Tinktur vor wenigen Minuten auf die Wunden des Werwolfes geträufelt zu haben.
Verwirrt fragte sie sich, wieso sie jetzt wieder diesen Heilungstrank genommen hatte, da er eigentlich speziell für Werwölfe gemacht war.
Doch als sie einen genaueren Blick auf die Wunde warf, wurde sie blass. Konnte das wirklich ein Biss sein?

Ihre Augen flogen zu dem Jungen, der neben dem Bett stand und ziemlich blass im Gesicht war.

„Mister Smith?“, fragte sie, als ihr der Name des neuen Schülers wieder einfiel. „Können Sie mir sagen, was mit Mister Black passiert ist?“

Harry schluckte nervös, natürlich konnte er das, aber er durfte es nicht! Unsicher kaute er auf seiner Unterlippe und suchte nach einer Ausrede. Komm schon, Harry, denke nach!

„Tut mir leid, das weiß ich nicht, Madam. Ich habe ihn… so verletzt gefunden“, murmelte er.

Schlechter Lügner, rief ihm eine leise Stimme zu, doch er ignorierte sie. Alles, was im Moment zählte, war Sirius und dass er wieder gesund wurde… und Remus.

„Er wird es morgen überstanden haben“, sagte die Krankenhexe freundlich, als sie den besorgten Ausdruck auf Harrys Gesicht sah.

Dieser atmete hörbar auf und zog sich den Stuhl ans Bett.

„Mister Smith?“, fragte Madam Pomfrey erstaunt. „Sie sollten lieber zurück in Ihren Schlafsaal gehen. Mister Black wird morgen früh entlassen, es geht im gut - “

„Nein“, sagte Harry entschieden. „Ich gehe hier nicht weg, bis er aufwacht. Ich lasse ihn nicht alleine, nicht noch einmal.“

Verwirrt sammelte die Heilerin ihre Trankutensilien ein und räumte sie zurück in den Schrank. Dann kam sie noch einmal zurück. Doch sie erkannte schnell, dass bei Harry kein Wort ihn dazu bringen würde, das Bett zu verlassen.

„Dann legen Sie sich zumindest ebenfalls in eines der Betten, Mister Smith“, sagte sie freundlich, der Junge hatte etwas an sich, dass sie ihn nicht einfach aus dem Krankenflügel werfen konnte.
„Sie sehen aus, als könnten Sie ebenfalls etwas Schlaf gut gebrauchen.“

Harry sah sie dankbar an und krabbelte unter die Decke des Bettes neben Sirius und war nach wenigen Sekunden eingeschlafen.

Seufzend dämmte Madam Pomfrey das Licht und ging nun selbst ins Bett, gespannt, was der nächste Morgen bringen würde.


Sirius blinzelte, diesen Geruch kannte er - und stöhnte in der nächsten Sekunde schmerzhaft auf, als er versuchte, sein Bein zu verlagern. Jetzt wusste er auch, wo er war. Die Krankenstation, na super.

Doch etwas im Nebenbett ließ ihn überrascht aufsehen.

„Harry?“, fragte er verblüfft und gleichzeitig besorgt, versuchte krampfhaft sich an die letzte Nacht zu erinnern.

War Harry etwa mit in der Höhle gewesen?!

Verschlafen blinzelte Harry und riss dann die Augen auf.

„Sirius! Du bist wach!“, freute er sich und schlug die Decke zur Seite um sich aufzusetzen. Beruhigt erkannte Sirius, dass Harry anscheinend nichts fehlte und entspannte sich etwas.
Aber was machte der Junge dann hier? Er stellte die Frage laut.

„Wie geht es deinem Bein?“, kam Harrys Gegenfrage, irgendwie war ihm die Situation plötzlich unangenehm.

Sirius verzog kurz das Gesicht. „Es geht schon, Pomfrey bekommt das wieder hin“, murmelte er und sah Harry noch immer aus großen, fragenden Augen an.

„Also, was machst du hier?“, wiederholte er seine Frage.

In Harrys Blick trat etwas Trauriges, Schmervolles. Er flüsterte, als er antwortete. „Du bist mein Pate. Ich wollte dich nicht verlieren - nicht noch einmal.“ Er verkrampfte seine Finger in die Oberschenkel, wiegte sich leicht vor und zurück.

Hätte Sirius gekonnt, hätte er den Jungen in dem Arm genommen und nie wieder los gelassen.

„Hey, so schnell geb' ich nicht auf, Harry“, sagte er und versuchte zu grinsen, was ihm jedoch ziemlich misslang. Harry schien mit sich zu ringen, als wolle er etwas sagen und wüsste nicht, wie.

„Rede, Harry. Ich merk doch, dass du was sagen willst“, sagte er sanft, und blickte Harry warm an. Erschreckt sah er, dass sich Tränen in den grünen Augen gesammelt hatten, unsicher wischte Harry sie mit dem Ärmel weg.

„Ich weiß nicht, ich… gut, ich versuche es. Wenn du es hören möchtest.“ Wieder nicht mehr als ein Flüstern, Sirius wurde schwer ums Herz, er ahnte, dass es etwas mit ihm zu tun haben würde und ihrem Verhältnis in der Zukunft. Was konnte den Jungen vor ihm nur so aus der Bahn werfen?

„Ich… ich muss von vorne Anfangen“, schniefte Harry und schluckte. Sirius nickte nur, wagte es nicht, ihn zu unterbrechen, wo er gerade den Mut gefunden hatte, zu sprechen. Unmerklich strafften sich Harrys Schultern und als er nun weiter sprach, klang seine Stimme nicht mehr ganz so gebrochen. „Du weißt, dass Mum und Dad sterben werden und du weißt auch wie“, begann er, etwas in Sirius' Magen krampfte sich zusammen.

„Ja, ich weiß“, krächzte er, wenn das Gespräch schon so anfing, wollte er sich lieber nicht ausmalen, was noch kommen würde. „Und du weißt, dass es Peter sein wird, der sie verrät. Was du aber nicht weißt ist, dass sein eigentlicher Verrat dich betrifft.“

In Ermangelung seiner Stimme sagte Sirius nichts, Harry sprach weiter.

„Das Problem ist, dass niemand weiß, dass Peter der Geheimniswahrer wird. Alle nehmen an, dass du es bist, bist du doch James' bester Freund und mein Pate. Und am nächsten Morgen bist du es, der vor dem zerstörten Haus stehen wird. Peter ist auch da, ihr kämpft. Du willst ihn töten, hat er doch James und Lily durch Voldemort töten lassen. Doch Peter tut etwas, was niemand erwartet: er tötet die 12 umstehenden Muggel, schneidet sich einen Finger ab und flieht als Ratte in die Kanalisation, vorher schreit er aber noch Warum, Sirius, warum hast du Lily und James verraten? Deinen besten Freund!

Harry hielt inne, um Sirius Zeit zu geben, all das zu verdauen. Er konnte sich selbst wohl kaum vorstellen, wie es an Sirius' Stelle war, all das über seine Freunde zu hören, während sie noch lebendig und freundschaftlich vor ihm standen… .

„Somit giltst du als der offizielle Geheimniswahrer der Potters, der sie verraten hat. Der zum Massenmörder mutierte, Peter ebenfalls in die Luft sprengte und schlussendlich in Askaban landen wird. So wird es der Tagesprophet schreiben.“

Sirius' Augen weiteten sich mit Entsetzen. „Nein!“, hauchte er, aus seine Gesicht war jegliche Farbe entwichen. „Das würde ich niemals tun, ich bin doch - ich bin doch kein Mörder!“

Schnell stand Harry auf und war bei Sirius. „Ich weiß. Ich kenne die Wahrheit, ich weiß, was damals wirklich geschah. Und denk daran: es wird niemals soweit kommen. Ihr werdet leben, ihr alle. Voldemort wird nicht zurück kehren, niemals.“

Langsam beruhigte Sirius sich wieder, Harry setzte sich zurück auf sein Bett. „Möchtest du, dass ich weiter rede?“

„Bitte“, murmelte der Liegende, in seinem Kopf drehte sich alles, doch er bemühte sich, sich auf Harry und vor allem dessen Worte zu konzentrieren.

„Den Namen Sirius Black werde ich das erste Mal in den Sommerferien zu meinem dritten Schuljahr hören“, fuhr Harry fort. „Groß gedruckt im Tagespropheten. Du hattest etwas geschafft, was noch nie jemandem vorher gelungen war: du warst aus Askaban geflohen. Und nun gehen alle davon aus, dass du zurück gekommen bist, um dein Werk zu vollenden - sprich, auch mich zu töten.“

Sirius' Herz setzte für einen Moment aus, doch Harry sprach schnell weiter. „Da du als vermeintlicher Mörder auf der Flucht warst, wandte Dumbledore sich an Remus, welcher die Stelle als Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste bekam. Die Marauder's Map fand ihren Weg in meine Hände, doch noch wusste ich nichts über ihre ?Erschaffer'. Dann hörte ich ein Gespräch zwischen Professor McGonagall und dem Zaubereiminister mit und erfuhr, dass du mein Pate warst - und dass du meine Eltern ausgeliefert hättest und deinen besten Freund ebenfalls getötet. Da wollte ich nur eines - dich ebenfalls töten.“

Sirius murmelte ein „Oh nein“, ohne sich dessen bewusst zu sein. Und auch Harry war tief in Gedanken versunken, die so weit zurück zu liegen schienen, dass er sich fragte, ob das wirklich sein Leben war, oder das eines anderen.

„Du tauchtest in Hogwarts auf - und eines Tages sah ich beim Erkunden der Karte den Namen eines Menschen, den ich für tot hielt: Peter Pettigrew. Ich erzählte Remus davon, er nahm mir die Karte ab und war ziemlich… Professorhaft.“ Harry lachte. „Ich wusste, dass da etwas nicht stimmte, doch ohne Karte konnte ich nicht weiter forschen. Am folgenden Tag schließlich zerrtest du Ron in die Höhle der Peitschen Weide.“

„Ron ist dein bester Freund, oder?“, fragte Sirius leise, da er sich nicht sicher war. Harry nickte.

„Ich und Hermine folgten euch in die Hütte. Vor uns stand nun kein schwarzer Hund mit gebleckten Zähnen - nein, vor uns stand nun der gesuchte Massenmörder Sirius Black.“

„Moment“, unterbrach Sirius und richtete sich etwas auf. „Wieso sollte ich deinen Freund in die Hütte verschleppen und sollte euch angreifen? Das ergibt keinen Sinn.“

Harry schlug sich an die Stirn. Natürlich, das Wichtigste hatte er vergessen!
„Du warst nicht hinter Ron her, sondern hinter seiner Ratte“, sagte er schlicht und wartete, bis Sirius selbst auf die Antwort kam.

„Die Ra - oh nein, ich ahne Schlimmes. Aber bitte, sprich weiter.“

Harry atmete einmal tief durch. „Rons Familie hatte seit etwa 12 Jahren eine Hausratte. Eine Ratte, der eine Kralle fehlte. Eine Ratte, die du in Askaban auf einem Zeitungsfoto wieder erkannt hattest und eine Ratte, die du um alles in der Welt tot sehen wolltest.“

„Ich wusste es“, seufzte Sirius, bedeutete Harry aber, weiter zu sprechen.

„Inzwischen war auch Remus zu uns gestoßen und umarmte dich, wir waren völlig verwirrt. An jenen Abend erfuhr ich die ganze Wahrheit von dir und Remus - und auch Peter, der all die Jahre alias Krätze in meiner Nähe gewesen war, ohne, dass ich es wusste. Aber wir hatten eines vergessen - es war Vollmond.“

„Oh“, machte Sirius nur.

„Als wir die Hütte verließen, ging alles sehr schnell, Remus verwandelte sich und du verwandeltest dich in Padfoot, um den Werwolf von uns abzulenken. Es gelang dir auch, bis…“ Harry unterbrach sich, die Erinnerungen an das, was nun kommen würde, waren zu schmerzhaft.

„Bis was?“, fragte Sirius atemlos, hatte Remus etwa doch einen der Freund gebissen?

„Dementoren“, flüsterte Harry nur und schloss verkrampft die Augen, zwang sich, ruhig zu atmen. „Das Ministerium ließ das Schloss von Dementoren ?bewachen', die dich aufspüren sollten. Und schließlich… fanden sie dich.“ Harry zitterte, die Luft schien auf einmal so kalt und erstarrt, er hörte das rasselnde Atemholen der seelenlosen Kreaturen.

„Wie… wie meinst du das?“, stockte Sirius, das durfte doch alles nicht wahr sein!

„Ich fand dich, zusammen gebrochen am See. Und über dir… hunderte Dementoren, bereit, dich bei der kleinsten Gelegenheit anzugreifen.“

„Oh Harry“, seufzte Sirius, dem nun klar wurde, warum dieser nicht von seiner Seite gewichen war.

„Eigentlich muss du Remus danken, er brachte mit den Patronus bei, der zumindest einige Dementoren abhalten konnte. Hey, rate, wie er aussieht? Es ist ein Hirsch.“

Sirius lachte und sogar Harry grinste, entspannte sich merklich. Wurde dann jedoch gleich wieder ernst. „Als du letzte Nacht zusammen gebrochen bist - da hat sich alles bei mir ausgeschaltet. Alles, was ich wollte, war dich retten, dich nicht noch einmal verlieren. Der Moment damals vom See hat sich mir ins Mark gebrannt… und dein Tod zwei Jahre später hat mich zerrissen. Wenn ich daran denke, dass einem von euch etwas passiert… zu viele mussten schon wegen mir ihr Leben lassen. Mum, Dad, Cedric Diggory und du…“

„Harry, hör mir zu“, schaltete Sirius sich ein. „Du hast es mir selbst gesagt - das alles ist noch nicht passiert. Sicher, es ist deine Vergangenheit, aber unsere Zukunft, vergiss das nicht. Und wird werden diese Zukunft zu verhindern wissen, mit allen Mitteln. Keiner von uns wird sterben, Harry.“
Er hatte diese Geschichte in etwa zwar schon einmal gehört, doch so detailreich und bewegend war sie ihm damals nicht erschienen. Er würde Harry beschützen mit allem, was er hatte.

Da konnte Harry nicht mehr anders und flog auf Sirius zu, krallte sich an den Körper, der kaum älter war als sein eigener und schaffte es nicht, die Tränen länger zurück zu halten.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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Re: Journey of destiny - Grenzen der Zeit (HP-FF)

Beitrag von vojka »

Kapitel 13

Ein Zauberer ist nur so mächtig wie sein Stab

Harry weinte und sein Pate versuchte alles, um ihn zu beruhigen.

„Wir müssen es unter allen Umständen verhindern“, hörte Sirius plötzlich eine Stimme in seinem Ohr und sah auf. Neben seinem Bett stand nun Remus, welcher ihn geschockt ansah. „Wir dürfen nicht zulassen, dass er irgendetwas davon noch einmal durchmacht“, fügte Remus noch immer leise in Sirius Ohr flüsternd hinzu, damit Harry davon nichts mitbekam.

Sirius nickte nur stumm und streichelte weiter sanft über den Rücken und die Haare seines Patenkindes.

Langsam beruhige Harry sich wieder, so dass Remus es endlich wagte zu fragen: „Pad wie geht's dir? Hab ich dich schlimm gebissen? Es tut mir so leid, ich wollte das alles nicht. Warum ist James auch nicht aufgetaucht?“

Harry sah Remus schuldbewusst an.

„Es tut mir leid Remus, wenn ich nicht hier wäre, hätte er es sicherlich nicht vergessen. Ich bringe euer ganzes Leben durcheinander. Ich bringe euch alle in Gefahr. Hätte der Stein doch nur so funktioniert, wie er sollte, dann wäre ich jetzt tot und keiner würde mehr wegen mir sterben müssen!“ Harry drehte sich von den besten Freunden seines Dads, die in der Zukunft auch seine Freunde sein würden, weg. Er konnte ihnen nicht in die Augen sehen, ertrug den Schmerz, den er darin sah, nicht. Bevor Sirius oder Remus etwas erwidern konnten, kam Madam Pomfrey in den Raum.

„Ah, Sie sind alle wach, sehr schön. Ab mit Ihnen ins Bett, Mr. Lupin. Ich habe Ihnen noch nicht gestattet aufzustehen.“ Mit diesen Worten schob sie Remus sanft zu Harrys Bett, da dies näher war als seines, wo sie ihn in den frühen Morgenstunden versorgt hatte. Sie ließ keinen Protest von zu, sondern sagte nur, er solle sich gedulden, bis sie mit seinem Freund fertig sei.

„Mr. Black, wie geht es Ihnen?“, wandte sie sich schließlich Sirius zu.

„Mir geht es sehr gut, Madam Pomfrey. Aber noch besser würde es mir gehen, wenn ich etwas essen könnte. Auch würde ich gerne hier weg. Ich genieße zwar gerne Ihre Gesellschaft, aber diesen Raum mag ich einfach nicht.

Madam Pomfrey lächelte ihn an.

„Dann wollen wir doch einmal sehen, ob ich einen Ihrer Wünsche erfüllen kann“, antwortete sie freundlich und sah sich sein Bein an. „Das sieht gar nicht so schlecht aus“, sagte sie aber nur und wandte sich Remus zu. „So Mr. Lupin, nun sind Sie dran. Nun können Sie mir sagen, wie es Ihnen geht.“

„Müde, aber sonst geht es mir gut. Schlafen kann ich auch im Gryffindorturm, kann ich also gehen?“, fragte er hoffnungsvoll.

„Sie dürfen alle drei gehen, aber erst“, unterbrach sie das Aufspringen der drei Jungs, „wenn Sie, Mr. Black, mir sagen, wie Sie sich diese Verletzung zugefügt haben.“

Die Drei erstarrten zu Salzsäulen und Harry konnte die Panik nicht unterdrücken, die ihm den Rücken hoch schlich.

„Ähm…“, stotterte er und wandte sich Hilfe suchend an Remus und Sirius.

„Ich…ich bin gestolpert.“ Die Krankenschwester zog die linke Augenbraue verdächtig weit nach oben.

„Das, Mister Black, können Sie Ihrer Großmutter, aber nicht mir erzählen.“ Sirius sah wütend aus und drehte sich einfach um.

„Mister Black! Ich kann Sie auch am Bett festbinden!“ Sirius marschierte weiter, ohne die Drohung der Krankenschwester erst zu nehmen.

„Ich gehe zum Schulleiter!“

„Gute Idee!“ Das kam Remus doch sehr gelegen. „Denn von Ihnen wird sich Sirius nichts sagen lassen.“ Madame Pomfrey blickte Remus zweifelnd an, doch dann erhellte sich ihre Miene.

„Wenn Sie das sagen, Mister Lupin, stimmt das wohl.“ Da fiel die Tür des Krankenflügels laut hinter Sirius ins Schloss und Madam Pomfrey fällte eine Entscheidung.

„Ja, ich gehe zu Albus, so kann das nicht weiter gehen!“ Sie eilte Sirius hinterher und ließ zwei breit grinsende Schüler hinter sich zurück.

„Wie geil! Was Besseres hätte uns nicht passieren können!“, jubelte James. „Dumbledore hat sich bestimmt etwas Gutes einfallen lassen.“ Die Begeisterung wich ein wenig aus den braunen Augen und Verdruss erschien. „Und das nur, weil ich das Gedächtnis einer Erdnuss habe - wie konnte ich nur so dumm sein!“

„Wo warst du überhaupt, Prongs? Und wo war die Karte? Dann hätten wir dir Bescheid geben können“, fragte Sirius mit Schmerz verzerrtem Gesicht, da er sich auf seinen Bett umgedreht hatte und an seine Wunde gekommen war.

„Ich war in der Bibliothek“, seufzte James.

„In der Bibliothek? Was hast du denn da gemacht, du meidest diesen Raum von Hogwarts doch sonst, wie der Teufel das Weihwasser?“, meinte Remus hab ärgerlich, halb belustigt.

„Ich wollte Ginny und Lily helfen, Bücher zu finden, wo wir Antworten finden, ob du ein Animagus werden kannst oder nicht. Wir haben irgendwie die Zeit aus den Augen verloren. Ginny hat Lily und mir einiges über Harry erzählt und da habe ich alles um mich herum vergessen. Es tut mir leid Moony, wirklich. Als ich in den Gemeinschaftsraum kam, fragte Harry mich, was ich hier mache und da fiel es mir wie Schuppen von die Augen. Ich bin so schnell zur Hütte gelaufen, wie ich konnte. Aber leider war es schon zu spät“, James senkte den Kopf, er konnte den Blick seiner Freunde nicht ertragen.

„Es tut mir wirklich leid“, fügte er nach einem Augenblick der Stille hinzu, „mein Leben geht im Moment drüber und drunter. Ich habe hier plötzlich einen Sohn, der nur ein paar Monate jünger ist als ich. Voldemort will Lily und mich bald töten. Dann müssen wir so viele Horkruxe zerstören, damit wir Voldemort vernichten können und dann ist noch die Frage, ob wir das alles schaffen, da alle heil heraus kommen.“

James sah seine Freunde geknickt an. In ihren Blicken war nun keine Spur mehr von Wut oder Enttäuschung zu sehen. Sie waren geschockt, so ernst und fast schwach hatten sie James erst selten erlebt. Eigentlich nur, wenn Lily ihm mal wieder einen Korb gegeben hatte. Aber nie hatte dieser Zustand lange angehalten, er hatte wieder Mut gefasst und nicht aufgegeben und schließlich Lilys Herz gewonnen. Aber diesmal war es anders, dass spürten die drei übrigen Marauder deutlich.

Während James sich bei seinen Freunden entschuldigte, ging Harry zu Dumbledore. Als er am Wasserspeier ankam, öffnete dieser sich sofort. scheinbar erwartete Dumbledore ihn bereits. Harry wusste zwar nicht, warum dies so sein könnte, aber aus welchem Grund sollte der Wasserspeier sich ihm sonst wortlos öffnen?

Nachdem Harry sich von der Wendeltreppe nach oben hatte bringen lassen, klopfte er an die Tür zum Büro des Schulleiters und wartete auf das ?Herein' von innen. Als es endlich kam, öffnete er und betrat das kreisrunde Büro. Der Schulleiter stand am Fenster und sah hinaus auf die Ländereien von Hogwarts.
Harry immer noch den Rücken zudreht, sprach er leise: „Harry, mein Junge. Was kann ich für dich tun? Oder bist du nur gekommen, um mir zu erklären, was letzte Nacht wirklich passiert ist? Ich konnte Madam Pomfrey zwar beruhigen, aber mich würde die Wahrheit interessieren.“
Während Dumbledore redete, drehte er sich langsam um, ging zu seinem Schreibtisch und setzte sich auf seinen Stuhl dahinter und bedeutete Harry mit einer einladenden Handbewegung, sich ebenfalls zu setzen.

„Eigentlich bin ich nicht deshalb gekommenn, Sir. Aber ich will versuchen es Ihnen zu erklären.“

„Dann bin ich gespannt, was du mir zu erzählen hast Harry“, antwortete Dumbledore lächelnd und blickte ihn freundlich an.

„Wie Sie ja schon wissen, sind mein Dad, Sirius und Peter Animagi und begleiten Remus an den Vollmondnächten.“
Dumbledore nickte nur und bedeutete ihm weiter zu erzählen. Harry atmete noch einmal tief durch und fuhr fort.
„Remus, beziehungsweise der Wolf in ihm, sieht die Drei als sein Rudel an und mein Dad hatte gestern wohl vergessen, dass Vollmond war und kam deshalb zu spät. Remus war jedoch schon verwandelt und da einer aus seinem Rudel fehlte -“

„Wollte er sich auf die Suche nach dem fehlenden Mitglied machen. Mister Black wollte dies verhindern und wurde dabei gebissen“, beendete der Direktor den Satz für Harry und sah ihn fragend an. Dieser nickte nur und senkte den Kopf. Er fühlte sich immer noch schuldig, denn er war der Meinung, wenn er nie her gekommen wäre, hätte sein Dad nie vergessen, dass Vollmond war.

„Harry, es ist nicht deine Schuld. Es ist richtig, dass du unser aller Leben etwas durcheinander bringst, aber dadurch, dass du und Miss Weasley hier seid, werden wir alle ein friedvolleres Leben führen. Halte dir das immer vor Augen.“ Dumbledore sprach ruhig und blickte Harry mit ernsten, aber auch freundlichen blauen Augen in seine Grünen.

„Da dies nun geklärt ist, was war der eigentliche Grund deines Besuches?“ Der Schulleiter musterte Harry immer noch.

Harry zog seinen Beutel aus Eselsfell unter dem blauen T-Shirt, welches er heute trug, hervor und holte etwas heraus.

„Sir, ich habe mich gefragt“, sagte er schüchtern und wagte es kaum, seinen Mentor anzusehen, „Der Elderwand ist doch der mächtigste Zauberstab, den es gibt, oder?“

Dumbledore blickte auf das, was Harry in den Händen hielt, konnte es aber nicht erkennen, da Harry es in seinen Fingern verborgen hielt. Er legte seine Fingerspitzen aneinander und musterte Harry nachdenklich.

„Ja und nein, Harry.“
Harry verstand nicht, was Dumbledore damit meinte. Warum muss dieser Mann auch immer in Rätseln sprechen, dachte er.

„Der Elderwand ist ein sehr mächtiger Zauberstab, aber nur der wahre Besitzer ist in der Lage seine vollständige Macht freizusetzen. Warum fragst du das?“

Harry öffnete seine Finger und gab Dumbledore den Blick auf das frei, was er seinem Brustbeutel entnommen hatte.

„Letztes Jahr, als ich auf Reisen war um die Horkruxe zu zerstören, ist dieser hier kaputt gegangen und ich habe mich gefragt, ob Sie ihn vielleicht wieder reparieren können, Sir.“ Mit den Worten legte Harry seinen zerbrochenen Zauberstab aus Stechpalme und Phoenixfeder auf Dumbledores Schreibtisch und sah ihn abwartend an.

„Ich weiß es nicht, aber einen Versuch ist es wert“, antwortete Dumbledore und zog seinen Zauberstab. Er richtete ihn auf den Stab auf seinem Schreibtisch und tippte diesen mit der äußersten Spitze seines Zauberstabes an. Vor Harrys Augen setzte sich sein Zauberstab wie von Geisterhand wieder zusammen.

„Nimm ihn in die Hand und versuche einen einfachen Zauberspruch, nur so werden wir feststellen können, ob es geklappt hat“, sagte Dumbledore, da Harry seinen Stab einfach nur ansah.

Nun nahm er ihn wie geheißen in die Hand und seine Augen fingen an zu glitzern. Es war, als ob man nach langer Zeit einen guten Freund wieder sieht und sich mit ihm unterhalten kann. Ein Glücksgefühl durchströmte Harry, ihm wurde ganz warm ums Herz.

Lumos“, murmelte Harry und sofort begann die Spitze zu leuchten. Harry strahlte nun noch mehr als vorher. Er hatte seinen Zauberstab wieder.

„Warum ist dir dieser Stab so wichtig Harry, was ist besonderes an ihm? Oder sind es einfach nur Erinnerungen, die ihn so wichtig machen?“, fragte Dumbledore und schaute Harry lächelnd mit durchdringendem Blick an.

Blitzartig kam in Harry die Erinnerung an das Ende des Trimagischen Turniers auf, die toten Geister all der Menschen, die Voldemort getötet hatte… Cedric… der alte Mann.. und schließlich seine Eltern.
Kurz schloss er die Augen.
Das alles ist noch nicht passiert. Mum und Dad leben. Und sie werden weiter leben.

Er richtete seine Augen wieder auf das, was vor ihm auf dem Tisch lag.

„Erinnerungen auch, aber das ist es nicht, was Sie wissen müssen, Professor“, sagte er und nahm seinen Blick wieder von Tisch und richtete ihn auf den wie neu aussehenden Zauberstab in seiner Hand.

„Was möchtest du mir dann sagen?“ Dumbledore sah Harry offen und neugierig an und wartete auf die Antwort.

„Als ich damals diesen Stab bei Mister Ollivander kaufte, probierte ich etliche Stäbe durch. Doch keiner schien der richtige zu sein. Bis ich den hier in die Hand nahm. Ich wusste damals noch nicht, wer Voldemort war.“ Harry seufzte und blickte zu Fawkes, der auf seiner Stange hinter dem Schreibtisch von Dumbledore saß. Harry atmete noch einmal tief durch: „Mein Stab hat denselben Kern wie der Voldemorts.“

„Du hast Fawkes zweiten Stab?“, fragte Dumbledore perplex.

„Ja, und er hat mir schon oft gegen Voldemort geholfen“, antwortete Harry und überlegte kurz. Ihm war eine Idee gekommen, hoffnungsvoll sah er den Direktor an. „Dürfte ich Ihr Denkarium kurz benutzen, Sir? Ich möchte… es Ihnen zeigen.“

„Du darfst, einen Moment, ich hole es“, antwortete Dumbledore, erhob sich von seinem Stuhl und ging zum Schrank, in dem sich das Denkarium befand. Er nahm es heraus und stellte es auf dem Schreibtisch ab.

Harry hob seinen frisch reparierten Zauberstab an die Schläfe und zog vorsichtig die Erinnerungen hervor, in denen sein Zauberstab ihm gegen Voldemort geholfen hatte. Er konnte es nicht erzählen. Dumbledore sollte es wissen, ja, aber erzählen? Das alles noch einmal erleben? Nein, dass konnte und wollte er nicht. Nach einem kurzen Ruck mit seinem Stab legte er seine Erinnerungen vorsichtig in dem mit Runen verziertem Steinbassin ab.

„Bitte Sir, sehen Sie sich die an. Ich werde solange hier auf Sie warten.“ Dumbledore nickte und folgte Harrys Einladung, in seine Gedanken einzutauchen.

Dumbledore landete auf dem Friedhof von Little Hangilton, Harry hockte hinter einem Grabstein und vor Dumbledore nur ein paar Schritte entfernt stand Voldemort und lachte. Er verspottete den Jungen. Im Halbkreis um Voldemort herum konnte er Todesser sehen. Da standen Malfoy, er erkannte ihn an seinem hellblonden Haar. Ein paar Meter neben ihm erkannte er auch noch jemand anderen, auch wenn er gar nicht gut aussah. Dort stand Peter Pettigrew. Dumbledore richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Voldemort und Harry und trat näher an den Jungen heran, welcher gerade langsam hinter dem Grabstein hervor kam.

„Verbeuge dich vor dem Tod, Harry“, lachte Voldemort arrogant.

„Niemals!“, schrie Harry ihm entgegen. Voldemort richtete seinen Zauberstab auf Harry und dieser verbeugte sich nun doch, langsam, widerstrebend. Man merkte, dass er gegen den Imperius Fluch ankämpfte. Aber Voldemort schien das zu genügen.

„Bereit zu sterben?“, fragte Voldemort höhnisch und grinste noch breiter. Er funkelte Harry aus rot glühenden Augen an.

Was musste der Arme Junge schon so früh alles durchstehen, schoss es Dumbledore durch den Kopf. Langsam wurde ihm bewusst, warum das Verhältnis in der Zukunft zwischen ihm und Harry so ein gutes war. Dieser Junge war etwas ganz Besonderes.

„Avada Kedavra“, rief Voldemort und Dumbledore wurde aus seinen Gedanken gerissen.

„Expelliarmus“, schrie Harry dagegen. Die Zauber trafen sich, verbunden durch einen grünen und einen roten Lichtstrahl aus den Zauberstäben der Beiden. In der Mitte bildete sich eine Kugel, die langsam in Harrys Richtung wanderte. Harry strengte sich an, dagegen zu halten und plötzlich bildete sich eine Kuppel. Dumbledore beeilte sich, damit er in dieser Kuppel stand.

„Tut nichts, bleibt zurück. Ich mache das alleine“, schrie Voldemort seinen Todessern zu, die sich daraufhin einen Schritt zurück zogen.

Harry gewann langsam an Kraft und schaffte es, den kleinen Ball, der zwischen dem roten und dem grünen Strahl war, Stückchen für Stückchen näher an Voldemorts Zauberstab zu schicken. Es waren nur noch wenige Zentimeter, dann würde diese Kugel Voldemorts Stab berühren.

Priori Incantatem, dachte Dumbledore, der diese Szene nun interessiert aber auch gespannt betrachtete. Er trat näher an Voldemort heran. Und dann war es soweit, die Kugel berührte den Zauberstab von Lord Voldemort und es sah so aus, als würde etwas aus dem Zauberstab heraus brechen. Erst kam eine Person, die Dumbledore nicht kannte, auch die zweite sagte ihm von Aussehen her nichts. Die dritte Person, die aus dem Stab empor stieg, kam ihm allerdings sehr bekannt vor.
Dumbledore warf einen Blick auf Harry, wie er dies aufgenommen hatte und ging auch auf den Jungen, der damals gerade einmal 14 Jahre alt war, zu und hörte noch wie James sagte: „Deine Mum kommt auch gleich, sie möchte auch noch mit dir sprechen.“ Und da sah Dumbledore wieder zum Dunklen Lord hinüber und erkannte auch diese Person. Diese beiden zu letzt Entstiegenen waren Lily und James Potter.

„Halte noch ein bisschen durch, mein Sohn. Wenn ich jetzt sage, lässt du die Verbindung abbrechen. Wir werden noch einen Augenblick da sein und dich beschützen. Schnappe dir den Portschlüssel und kehre zurück nach Hogwarts“, sprach der Schatten von James.

„Nimm bitte meine Leiche mit zurück zu meinem Vater“, sprach der Junge, den Dumbledore nicht kannte. Harry nickte nur zur Antwort. Er hatte keine Kraft mehr, dass sah Dumbledore, lange könnte er diese Verbindung nicht mehr aufrecht erhalten.

Jetzt Harry“, sprach James, doch Harry rührte sich nicht.

„Harry, Schatz, lass los und denk' dran, wir sind immer bei dir. Wir lieben dich“, sprach Lily mit sanfter Stimme und da riss Harry seinen Zauberstab empor und schrie: „Jeeeeeeeeeeeeeetzt!“

Er nahm sich nicht erst die Zeit sich zu erholen, sondern rannte an den Todessern und Voldemort vorbei. Flüche wurden ihm nachgefeuert, auch er schoss Flüche über die Schulter hinweg. Dumbledore folgte ihm, Flüche flogen durch ihn hindurch, aber der Schulleiter bemerkte es gar nicht, er wollte nur wissen, was Harry jetzt tat. Er sah, dass Harry stolperte, sich aber noch mit einem Sprung auf den Jungen aus der Kuppel fallen ließ.

„Accio Pokal“, rief Harry und da verschwamm die Erinnerung.

Kurze Zeit später wurde das Bild wieder klarer und Dumbledore schwebte in der Luft, vor ihm saß Harry auf einem Motorrad und ein Stück dahinter flog Voldemort, ohne irgendein Hilfsmittel.

„Das ist interessant“, murmelte Dumbledore.

Der Schulleiter von Hogwarts sah, wie Harry versuchte, sich krampfhaft auf diesem Motorrad, welches immer schneller auf die Erde sank, festzuhalten. Voldemort wollte gerade seinen Zauberstab auf Harry richten, als Harrys Zauberstab - Nein, dass kann nicht sein, dachte Dumbledore, meine alten Augen müssen mir einen Streich spielen. Ein Zauberstab kann doch nicht von alleine zaubern. Ich muss unbedingt mit Ollivander darüber sprechen.

Der goldene Blitz, der aus Harrys Zauberstab kam, ob nun gewollt oder nicht, zerbarst den Zauberstab von Voldemort. Dieser schrie seine Todesser an, einer solle ihm einen Zauberstab geben, aber da war Harry plötzlich verschwunden und auch diese Erinnerung löste sich auf.
Dumbledore stand wieder in seinem Büro in Hogwarts und Harry saß, in Gedanken versunken, vor seinem Schreibtisch.

Auch der Direktor versank in Gedanken. Er ging zum Fenster, vor dem die Stange von Fawkes stand, schaute hinaus und streichelte seinem Phoenix über das rot goldene Gefieder.

Da hast du unserem jungen Freund einen gewaltigen Schutz geschenkt Fawkes, sprach Dumbeldore in Gedanken mit seinen Begleiter. Nun verstehe ich, warum Harry diesen Stab unbedingt wieder haben wollte. Ich werde in den nächsten Tagen unbedingt mal mit Ollivander reden müssen, denn dass ein Zauberstab etwas tut, ohne dass der Zauberer etwas tut, habe selbst ich noch nicht erlebt.

„Professor, Sie sind ja wieder da“, unterbrach Harry die Gedankengänge von Dumbledore.

„Ja Harry, ich bin wieder da. Weißt du, was den Zauberstab getan hat, als du auf dem Motorrad geflogen bist?“, fragte Dumbledore während er sich Harry wieder zuwandte und langsam auf seinen Schreibtisch zuging, um sich wieder dahinter zu setzen.

„Nein Sir, es tut mir leid. Ich weiß nur, dass ich nichts getan habe. Ich wusste nicht, wo Voldemort zu dem Zeitpunkt war. Die Orientierung war mir abhanden gekommen“, erzählte Harry und sah Dumbledore in die Augen.

„Harry, darf ich dich noch etwas zu deiner Erinnerung fragen?“

„Aber natürlich, Sir“, sagte Harry und fügte flüsternd hinzu: „auch wenn es mir schwer fällt, darüber zu reden.“

„Wer war der Junge, der als erstes aus Voldemorts Zauberstab kam?“ Dumbledore fragte dies sehr behutsam, er spürte, dass es Harry schwer fiel über diese Ereignisse zu reden.

„Das war Cedric - Cedric Diggory. Er war im 7ten Schuljahr und war der eigentliche Hogwarts Champion. Wir haben uns gegenseitig geholfen und kamen zeitgleich beim Pokal an. Wir beschlossen, den Pokal zeitgleich zu berühren. Kaum waren wir auf dem Friedhof gelandet, hat Peter Pettigrew Cedric auf Voldemorts Befehl hin getötet. Voldemort hätte es wohl selbst getan, aber er war, na ja, ich weiß nicht was er war, aber menschlich würde ich es nicht nennen.“ Harry sprach sehr mechanisch. Er rasselte es einfach herunter, um den Schmerz, den er damals erlebt hatte, nicht noch einmal erleben zu müssen.

„Er hatte also noch nicht diese annähernd menschliche Gestallt, die er hatte, als du mit ihm gekämpft hast?“, fragte Dumbledore nach. Langsam schienen sich die Dinge in seinem Kopf zusammen zu setzen. Alles was Harry erzählte, war wie ein Puzzlestück, welches das Puzzle vervollständigte.

„Nein, Sir. Wormtrail, ich meine Peter, hat einen Trank oder so etwas in der Art gebraut. Er hat Wasser aufgesetzt, dieses Wesen, was Voldemort vorher war, hinein geworfen. Dann nahm er einen Knochen aus dem Grab von Voldemorts Vater. Er kam zu mir und schlitzte mir den Arm auf und nahm etwas von meinem Blut und tat ihn in den Trank. Und dann - Und dann“, Harry schaffte es nicht dies auszusprechen. Er konnte nicht sagen, was er getan hatte.

„Hat er sich den Arm abgeschnitten?“ Harry nickte darauf nur und Dumbledore fuhr fort: „Deshalb hatte er also diese Hand, die ihn getötet hat.“

Wieder konnte Harry nur nicken.

So könnte es sein. Das könnte der Grund sein, warum Harrys Zauberstab das getan hat. Es muss etwas mit seinem Blut zutun haben. Ich muss unbedingt mit Olivander reden, um mir sicher zu sein. Leider sind meine Kenntnisse über Zauberstäbe nicht so groß wie seine. Ich werde mich also noch ein bisschen gedulden müssen, dachte Dumbledore und seufzte.

„Danke Harry, dass du mir das alles gezeigt und erzählt hast. Ich hoffe, ich kann dir bald sagen, was damals auf dem Motorrad passiert ist, aber dazu muss ich erst noch mit jemandem sprechen“, sagte Dumbledore, als er Harrys erwartungsvollen Blick sah.

„Danke Sir“, antwortete Harry mit einem traurigen Blick.

„Harry du wirst es erfahren. Dass verspreche ich dir, aber nun gibt es erst einmal Wichtigeres“, sagte Dumbledore und Harry merkte, dass dies keine Abfuhr, sondern nur ein Aufschub bedeutete, seine Fragen würden geklärt werden. „Wir müssen uns überlegen, wie wir die Horkruxe beschaffen. Bei manchen dürfte das kein Problem sein, da du weißt wo sie sind, aber manche werde schwerer zu finden sein. Wir sollten deine Eltern und ihre Freunde, sowie Miss Weasley zusammen holen, damit wir dort weiter machen können, wo wir gestern aufgehört haben. Aber vorher, nimm deinen Zauberstab und entnehme mit ihnen deine Erinnerungen aus dem Denkarium und setze den Zauberstab an deine Schläfe.“

Harry tat wir ihm geheißen und pflanzte sich seine Erinnerungen zurück in den Kopf.

„Gehst du bitte und holst die sieben? Wir treffen uns in 10 Minuten am Raum der Schulsprecher ich werde das Denkarium mitbringen, damit du nicht wieder alles erzählen musst. Auch werde ich die Hauselfen bitten uns etwas zu trinken dorthin zu bringen.“ Mit einem Kopfnicken bedeutete Dumbledore Harry, dass er nun gehen solle, um die anderen zu suchen.

Zehn Minuten später kamen die Marauder, Harry und die drei Mädchen am Raum der Schulsprecher an. Dumbledore wartete schon. James nannte das Passwort und betrat, gefolgt von den anderen, den Raum.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
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