Auf dem Meer - 07. Mai 1530

Die Geschichte
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Ayrina
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

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Alisa Marais
Auf der India
Morgen
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"Da bin ich mir nicht so sicher", sagte Alisa und verzog ein wenig das Gesicht. Irgendetwas sagte ihr, dass sie, sobald sie ihre Aufgabe hier erfüllt hatte, am nächsten Hafen an Land gehen würde. Etwas in Karas Augen, wenn sie sie ansah - auch wenn sie dies nicht gerade oft tat.
Doch sie schob den Gedanken wieder von sich und lächelte verschmitzt.
"Oh und allein man ist nur selten", grinste sie breit.
"Gesellschaft es gibt auf einem Schiff mehr als genug. Je mehr Schiffe du kennst, umso mehr... alte Freunde triffst du wieder. So wie jetzt John."
Sie legte den Kopf ein wenig schief.
"Auf wievielen Schiffen warst du?"
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Siria
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

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Auf der India
Morgen

Alisas Aussage, dass sie nicht so sicher sei, dass sie so lange auf der India bleiben konnte wie sie wollte, machte Nekele nachdenklich. War etwas geschehen? Doch Nekele traute sich nicht nachzufragen.
"Ich war noch nicht auf so vielen Schiffen. Früher bin ich zur See gefahren, um zu fischen, dann war ich auf einem Piratenschiff und nun bin ich hier." Bei dem Gedanken ließ sie ihre Hand auf ihrem Bauch ruhen. Eigentlich hätte sie nun Mutter sein sollen. Aber vielleicht war alles besser so.
"Sehnst du dich nicht danach, irgendwo eine feste Familie zu haben und nicht mit ständig wechselnden Menschen unterwegs zu sein?" fragte sie Alisa.
Nekele fand es sehr angenehm, sich mit der Ärztin zu unterhalten. Es lenkte sie ab und es war interessant, schließlich gab es nicht so viele Frauen, die auf Schiffen arbeiteten und unterwegs waren. Dazu hatte Alisa mehr Erfahrungen in diesen Dingen als sie.
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Ayrina
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

Beitrag von Ayrina »

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Alisa Marais
Auf der India
Morgen
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"Nein", antwortete Alisa ohne nachzudenken.
"An Land ich könnte nicht Ärztin sein. Ich habe versucht so zu leben. Und es ist nicht richtig für mich. Lieber ich habe ständig andere Menschen um mich, als jemand, der mich einsperren will."
Ihre blauen Augen blickten fest entschlossen aufs Meer. Sie hatte das Leben als Ehefrau probiert und alles was sie bei der Erinnerung daran verspürte, war blankes Entsetzen.
"Ich habe Freunde. Sie sind alles an Familie, was ich brauch."
Ihr Blick huschte kurz zu John, der aus Karas Kajüte kam und ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht.
"Ich bin glücklich so."
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Siria
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

Beitrag von Siria »

Auf der India
Morgen

Nekele folgte dem Blick von Alisa. John war wieder an Deck getreten. Er wirkte abgeschlagen, was wohl kein Wunder war.
Alisa schien die Erfahrung vom Eingesperrtsein gemacht zu haben, zumindest klang es für Nekele danach.
"Das Freheitsgefühl an Bord eines Schiffes, kann wirklich niemand ersetzten. Und du hast Recht, die Menschen auf einem Schiff, wenn sie sich denn verstehen, sind wie eine Familie, vielleicht sogar besser." Ihr Herz wurde wieder schwer. "Daher ist es um so schrecklicher, wenn man so viele verliert, wie jetzt."
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Ayrina
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

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Alisa Marais
Auf der India
Morgen
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Mit dunklem Blick nickte Alisa und sah wieder aufs Meer.
"Ich wünschte, ich könnte mehr tun", sagte sie leise. Sie hasste es, wenn sie als Ärztin nicht helfen konnte. Wenn ihr die Patienten unter den Händen wegstarben. Das Gefühl des Versagens fraß sich wie eine bittere Säure in ihr Herz.
"Ich wünschte, ich könnte sie retten..."
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Siria
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

Beitrag von Siria »

Auf der India
Morgen

Erschrocken, aufgrund der Bitterkeit in Alisas Stimme, blickte Nekele die Ärztin an.
"Wärest du nicht an Bord, würden wohl viel mehr sterben. Das nicht alle überleben würden, wußten wir, als die Pest ausbrach.
"Auch wenn ich es verflucht habe, dass wir so weit gefahren sind, bin ich froh, dass du an Bord bist." Sie legte ihre Hand auf Alisas Schulter.
"Wir wissen doch alle, worauf wir uns einlassen, wenn wir an Bord eines Schiffes gehen. Sturm, Überfäll, Pest, es gehört eben alles dazu. Auch wenn es schmerzt, diese Menschen zu verlieren. Wie gesagt, ich bin dankbar, dass du hier bist."
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

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Alisa Marais
Auf der India
Morgen
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Die Bitterkeit in Alisa verschwand nicht, als sie zu Nekele aufsah. Sie hatte ihr die Hand auf die Schulter gelegt und sie sah sie voller Offenheit an. Vielleicht war es das, was etwas in Alisa anrührte, das nur selten zum Klingen gebracht wurde.
"Du ahnst nicht, wie es ist, wenn ein Sterbender dich ansieht, voller Hoffnung. Du bist die Ärztin und in seinen Augen steht Rette mich. Und du weißt, du nichts kannst tun. Und die Hoffnung wird zu Vorwurf", flüsterte sie, ehe sie den Blick wieder abwandte.
"Es gibt kein schöneres Gefühl, als einen Patienten zu retten. Und kein grausameres, als einen zu verlieren."
Sie erinnerte sich an den Blick, den Nekele ihr zugeworfen hatte, als sie ihr hatte sagen müssen, dass sie wohl nicht mehr viel für Franz würde tun können. Diese Verzweiflung und dieses stumme: Warum kannst du ihm nicht helfen?
Die meisten taten es unbewusst. Dachten nicht einmal wirklich so. Doch in dem Moment der Verzweiflung stand es dennoch in all ihren Augen und Alisa hatte es schon zu oft gesehen, als dass sie es hätte leugnen können.
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

Beitrag von Siria »

Auf der India
Morgen

"Nein, das kann ich wirklich nicht." gestand Nekele. Sie konnte Alisa verstehen, ein großer Druck lastete auf ihr und sie hätte nicht mit ihr tauschen wollen. Schließlich lagen auch Nekeles Hoffnungen, dass nicht noch mehr sterben würden bei Alisa. "Ihr Ärzte seid nun mal etwas besonderes. Ihr seid so etwas wie ein Gott zum Anfassen. Ihr könnt Dinge tun, die andere nicht tun können. Man erwartet von euch, das ihr immer helfen könnt und man kann es nicht ertragen, wenn auch euch die Hände gebunden sind. Wer möchte schon gerne hören, dass jemand stirbt. Sagt dies jedoch ein Arzt, dann ist es um weiten schlimmer. Dann ist es mehr oder weniger endgültig und das macht Angst. Mit diesem Druck, muß man erstmal zurechtkommen." sprach sie leiser und nach einer Pause fügte sie hinzu: "Auch wenn es vielleicht anders wirkt, aber wir machen dir keinen Vorwurf, wenn jemand stirbt. Wir... ich bin froh, um jeden, den du retten kannst. Aber der Schmerz, der zurückbleibt, wenn jemand stirbt ist natürlich sehr groß und dann wird wohl ein Schuldiger gesucht. Ich kann mir vorstellen, dass du öfters zu diesem Schuldigen gemacht wirst und den Frust und den Schmerz der Hinterbliebenen zu spüren bekommst" Nekele sprach ruhig. Ihr war bewußt, dass sie wohl, wenn einer ihrer Freunde sterben würde, sie wohl Alisa angehen würde, auch wenn sie nichts dafür konnte.
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

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Alisa Marais
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Nun sah Alisa Nekele mit offenem Mund an. Ihre Worte waren, besonders in ihrer momentanen Situation, so aufrichtung und freundlich, dass sie nicht anders konnte, als zu lächeln. Selten machte sich jemand die Mühe, die Dinge aus ihrer Sicht zu sehen und dass Nekele es in diesem Moment tat, zeigte, wie stark die junge Frau tatsächlich in ihrem Inneren war.
"Merci", sagte Alisa leise und sah Nekele noch immer lächelnd an. Erst dann fiel ihr auf, dass sie französich gesprochen hatte.
"Danke", fügte sie daher eilig hinzu.
"Das... bedeutet mir sehr viel. Und ich werde tun alles, um Franz und Thies und soviele wie möglich zu retten", versprach sie und es war ihr nie so ernst wie in jenem Moment.
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Siria
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Re: Auf dem Meer - 07. Mai 1530

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Auf der India
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Nekele mocht die Ärztin immer mehr. War sie am Anfang noch skeptisch und auch sauer auf Kara gewesen, dass sie bis hier her gefahren waren, so froh war sie nun, dass Alisa an Bord war.
"Merzi" versuchte Nekele zu sprechen und sie fand, es klang sehr merkwürdig aus ihrem Mund.
"Ich werde versuchen, dir keine Vorwürfe zu machen. Und wenn ich es doch tue, dann tut mir dies schon jetzt leid. Ich habe vorher nie darüber nachgedacht, wie es auf einen Arzt wirken könnte. Zu tief sitzt der Schmerz in jener Situation."
Langsam stand sie auf, was ihr Körper mit einem schwindelgefühl quittierte. Sie hielt sich kurz an der Reling fest, bis alles wieder klar vor ihren Augen war.
"Wie kann ich dir helfen? Oder was soll ich tun?" fragte sie Alisa. Sie fand, sie hatte lang genug hier herum gesessen.
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